Leben Ohne Geld

Version 39, toka am 28.5.2007 15:25

Leben ohne Gelder

aus: http://www.free.de/gibundnimm von Heidemarie Schwermer

Eine neue Lebensqualität

In einer Zeit, in der Geld eine so wichtige Rolle spielt wie bei uns, ist es unvorstellbar, wie jemand ohne Geld leben kann. Bedeutet das nicht Armut, Verzicht und Umständlichkeit? Das Geld wurde einst eingeführt, um Erleichterung im täglichen Leben zu schaffen. Die Abschaffung des Geldes bedeutet demnach einen Rückschritt, der auf den ersten Blick absurd erscheint.

Ich lebe seit vier Jahren ohne Geld, und meine Lebensqualität steigert sich ständig. Meine Unabhängigkeit wächst, und ich werde zunehmend freier. In meinen Vorträgen, die ich vor einem immer größer werdendem Publikum halte, erzähle ich, wie ich es anstelle, ohne Geld zu leben und warum ich es mache. Dabei geht es nicht um eine Missionierung oder Aufforderung, es mir gleich zu tun, sondern darum, Impulse zu geben und wach zu machen. Ich bin davon überzeugt, daß jeder Mensch eine bessere Lebensqualität erlangen kann, wenn er vier verschiedene Aspekte in sein Leben einbezieht.

1.Der politische Aspekt:

Bei der Gründung eines Tauschrings im Februar 94 handelt es sich für mich um einen politischen Akt. Durch einen Tauschring kann: die Diskrepanz zwischen Arm und Reich verkleinert werden. Die finanziell schlecht Gestellten haben Möglichkeiten, sich Dinge zu leisten, die sie statt mit Geld mit ihrer Tätigkeit bezahlen. für die überbeschäftigten Menschen Erleichterung geschafft werden durch das Tauschen und Teilen mit anderen unterbeschäftigten Menschen, die wiederum das Gefühl des überflüssigseins aufgeben können. ein sinnvolles Leben erzielt werden auch ohne festen Arbeitsplatz, weil es viele Möglichkeiten des Tuns gibt. eine Entlastung der Umweltverschmutzung erzielt werden. Lange Anfahrtswege fallen weg, weil sich Nachbarn gegenseitig helfen. aus der jetzigen Wegwerfgesellschaft eine verantwortungsbewußte, mitdenkende Gesellschaft entstehen, weil sich jeder fragt, was er wirklich braucht, überflüssige Dinge weitergibt und für anderes eintauscht. die Isolation aufgebrochen werden der gruppendynamische Prozess vorangetrieben werden, was u.a. eine Verbindung unterschiedlicher Kulturen und Religionen bedeutet.

2.Der philosophische Aspekt:

Durch das Erforschen der Hintergründe für verschiedene gesellschaftliche Gegebenheiten erkenne ich neue Möglichkeiten für mein eigenes Handeln. Ich übernehme nicht Althergebrachtes, sondern überprüfe ständig vorgegebene Richtlinien auf ihren Sinn und Unsinn. Daraus ergibt sich die Erkenntnis:

Jeder Mensch kann das Leben führen, das er möchte. Er muß nur klare Ziele haben, die er Schritt für Schritt verwirklicht.

Für diese individuelle Herangehensweise ist es unabdingbar, daß das Individuum über den eigenen Tellerrand schaut und die Welt entdeckt! Daraus ergibt sich :

Jeder Mensch kann das Leben führen, das er möchte, ohne den anderen zu schädigen!

3.Der psychologische Aspekt:

In den Tauschringen treffen sehr unterschiedliche Menschen aufeinander. Daraus ergeben sich Konflikte, die zu lösen sind, wenn das Individuum bereit ist, an sich zu arbeiten. In einem Konflikt handelt es sich meist um eine Störung, die es zu erkennen gilt. Die Begegnung mit einem anderen Menschen, bei der ich eine Störung (ärger, Neid, Eifersucht, Ablehnung) in mir wahrnehme, dient mir als Spiegel. Ich fühle mich gestört, weil der andere mir Dinge zeigt, die ich an mir selber nicht akzeptieren kann. Durch das Verhalten des anderen werden diese Anteile für mich sichtbar, und ich kann sie in mir beseitigen. Auch wenn der andere nun sein Verhalten mir gegenüber nicht ändert, muß ich mich nicht mehr gestört dadurch fühlen. Aus dieser Sicht weise wird aus einer Rivalität ein evolutionärer Akt. Zum besseren Verständnis hierfür gibt es den vierten Aspekt

4. Der spirituelle Aspekt:

Alle Menschen stammen aus derselben Quelle, nämlich der göttlichen. Jeder Mensch ist einzigartig und hat eine bestimmte Aufgabe, die er herausfinden muß. Hat er seine Aufgabe gefunden, ist er in seinem Wertgefühl, kann jegliche Art von Konkurrenz aufgeben und zum Wohl des Ganzen beitragen. Alle zusammen arbeiten an einer "schönen neuen Welt".

In meinen Vorträgen nehme ich Begebenheiten aus meinem Alltag, ordne sie den vier verschiedenen Aspekten zu und entwickel auf diese Weise eine neue Lebensart, die mir übertragbar erscheint. Mein Ziel ist es, aufzuzeigen, wie alte, einengende Strukturen verändert werden können. Mit Vertrauen und Mut kann jeder seinen eigenen Weg gehen, ohne von anderen manipuliert zu werden.

Zu meinen allgemeinen Vorträgen biete ich außerdem spezielle Themen wie:

Diesen Themen liegen meine kleinen Schriften zugrunde, die in meinem sterntaler - Verlag erschienen sind.

Dieser Text wurde im Jahre 1999 von ivory@free.de erstellt.


In der OekonuxMailingliste gab es im Sommer 2002 eine Diskussion hierzu.


siehe auch Schenker


!Diskussion

Ein sehr schöner Text! Das ist der rechte Ansatz, eine gute Herangehensweise - Ich habe mich sehr gefreut, diese Seite entdeckt zu haben und werde hierzu noch einiges zu kommentieren haben. - FlorianKonnertz, 1023

"Alle Menschen stammen aus derselben Quelle, nämlich der göttlichen. Alle zusammen arbeiten an einer schönen neuen Welt. Neue Formen des Seins - alles ist möglich" - Hmm ich find's ziemlichen Quark, abergläubisch --MiK


Hallo Leute!

Nachdem ich nun ein halbes Jahr intensiv mich auf ein LebenOhneGeld, dazu noch auf einem TRip um die Welt (und das vollständig dokumentiert via WikiWebLog) vorbereitet habe und nach vielen Diskussionen das Verständnis oder zumindest die Akzeptanz/Toleranz meiner Freundin und Eltern gewonnen habe, haben sich meine Pläne seit letzten Sonntag (15.12) um 180Grad gewendet.

Wie ist das passiert? - Ich habe im Netz recherchiert über Geld und bin "zufällig" auf eine Seite über die SpirituelleBedeutungDesGeldes gestoßen. Ähnliches habe ich schon vor Jahren in esoterischen Selbsthilfe-Büchern übers reich-werden gelesen, hatte es aber wohl vergessen. Sinngemäß geht es etwa um folgendes:

"Geld regiert die Welt!"

"Wie kannst Du sowas behaupten! Ich dachte immer Liebe regiert die Welt."

"Ja, das stimmt ja auch. Aber Geld gehört zum MenschSein und es hat seinen Platz auf der Welt."

Hier ein paar meiner weitergeführten Gedanken:

Hier nun die logischen Konsequenzen für meinen LebensPlan:

Den komplette Text könnt ihr unter spirituelle Bedeutung des Geldes (http://openspirit.homelinux.net/noo ... leBedeutungDesGeldes) nachlesen. Über Kommentare würde ich mich freuen. - Schönen Gruß, FlorianKonnertz, 12-20

Geld ist vor allem eine Möglichkeit andere Menschen zu zwingen. Also geronnene Herrschaft. Kennst Du den Herrn der Ringe? Da argumentiert Boromir auch man solle doch den Ring - der nichts anderes ist als ein Symbol für Herrschaft - für das Gute einsetzen. Du machst das selbe, wenn Du sagst, man könnte Geld für gutes sowie für schlechtes einsetzen. Herrschaft ist jedoch an sich schlecht unabhängig von ihrer Ausprägung. Dennoch hast Du Recht, dass das individuelle Leben ohne Geld nicht unbedingt der Weg sein muss. Es kann sicher eine interessante Erfahrung sein, aber das Geld muss letzten Endes gesellschaftlich überwunden werden und nicht individuell. --benni

P.S. Die Formatierung der Seite ist nun verändert (Zeilenumbrüche). Warum? - Tut mir leid, ich konnte nicht herausfinden, wie das zu ändern ist.


Hi Leute,

ich habe mich (fast) entschlossen, nach meinem Abitur eine Zeitlang oder für immer ohne Geld durch Leistung gg. Leistung oder Leistung gg. Gut usw. zu leben und dann auch, so weit das möglich ist, ohne Geld auszukommen...das stellt sich problematisch dar, denn ich habe einen vier Monate alten Sohn und kann mich nicht so ohne weiteres für diese Art zu leben entscheiden, denn das Wichtigste sollte dabei die seelische Unversehrtheit meines Sohnes sein, der dann wohl, materiell abgesichert, bei seiner Mutter aufwachsen würde...und das ist genau das Problem bei der Sache, neben der praktischen Probleme der Verwandlung von einem Kind des Kapitalismus in eine Art Mensch der Frühzeit...wie läßt sich das vereinbaren, wer hat Erfahrungen gemacht, gute und schlecht und/oder möchte diese Art von Leben verwirklichen und dies nicht alleine? Wie kann man seinem Kind etwas bieten, wenn man so lebt, kann es denn überhaupt funktionieren? Das finde ich eine sehr schwerwiegende Frage und ich hoffe auf Antworten, die mir die Entscheidung erleichtern...antworte bestimmt...außerdem suche ich gute Links und Kontakte zum Thema Tausch und geldlosem Leben...ciao und danke, Basti

mailto:Basti23@x-mail.net

Hallo Basti, ich finde es sehr gut, das du die hier verkündeten, kruden Anti-Geld-Ideologien an so einer einfachen lebenspraktischen Frage und den Interessen deines Sohnes mißt. Du solltest diese Bedenken ernst nehmen - Sie sind nebenbei aber auch ein ziemlich treffender theoretischer Beitrag. Ich denke, Nein, es kann nicht funktionieren, ohne das du und dein Sohn Schaden nimmt. Ich habe mein Leben auch sehr stark danach ausgerichtet, mit möglichst wenig ErwerbsArbeit, Geld und Konsum hinzukommen, aber dieses Gedöns mit Tauschen ohne Geld - was einfach nur unpraktisch und rückschrittlich ist - dient eher der Selbstkasteiung und der Vernebelung des gesellschaftlichen Problems. Besonders übel finde ich, das die letzten Reste sozialer GeschenkÖkonomie, Nachbarschaftshilfe etc. auch noch dem Tausch-Verhältnis unterworfen werden sollen. Ich meine, wenn ich ab und zu mal jemandem einen Samstag beim Umzug helfe, dann kann ich halt rumtelefonieren und dann werde ich irgend wann auch geholfen, aber das muß ma doch nicht auch noch buchhalterisieren, das ist doch pervers! --MiK

Ich kann sehr gut das Bedürfniss verstehen, ohne Geld auszukommen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, das das alleine in dieser Gesellschaft leicht zu bewältigen ist, vor allem mit einem kleinen Kind. Aber es gibt ja nicht nur die Entscheidung ganz ohne, oder ganz mit, sondern vieles dazwischen. Es gibt viele Gruppen, die innerhalb der Gruppe ohne Geld leben, Kleinfammillien und größere Gruppen. Wenn Du Menschen suchst, um von ihren Erfahrungen zu lernen: KommuneNiederkaufungen, Club99, Schenker, Friedmunt Sonnemann und viele andere aus dem Eurotopia - Verzeichniss. --ToKa

Hi Leute! Was ist Geld? Ein Tauschmittel. Warum häufen Leute Geld an? Es bringt doch nichts. Vielen von Euch sagt Monty Python sicherlich was. Dann auch Life of Brian.?. Mir schwebt da ein Textteil von "Always look at the bright side of life" vor Augen. Da heisst es *You've been born with nothing, You'll go with nothing, so... what have you lost? NOTHING!* --Gruss, Helmut

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Freitag, 26. Juli 2002

Heidemarie Schwermer lebt seit 1996 absichtlich ohne Geld. Unter dem Namen Sterntaler Experiment (so der Buchtitel) wurde ihr Projekt in Deutschland bekannt. Sie arbeitete früher als Psychotherapeutin und gründete unter anderem die Gib-und-Nimm-Zentrale, einen TauschRing in Dortmund.