Brauche ich das wirklich?

Version 14, 84.58.43.122 am 25.12.2006 23:29

aus Umsonstladen Berlin

Der Umsonstladen gibt vernachlässigten Dingen temporäres Asyl gegen ihre Verfolgung durch die Müllabfuhr.

Wir sind heute von einer ungeheuren Menge an Dingen umgeben. Das Anhäufen von Sachen wird schnell zur Last. Sie beanspruchen Raum und sie füllen unsere Zeit aus: Zeit, um die Dinge in Ordnung zu halten und vor allem Arbeitszeit, um Geld für den Kauf immer neuer Sachen zu verdienen. Der Umsonstladen will anregen, über unseren Umgang mit Dingen und mit Geld nachzudenken.

Fast jeder hat zu Hause Dinge, die er oder sie nicht benötigt. Meist ist ein Umzug die Gelegenheit, sich die Frage zu stellen: Brauche ich das wirklich? Oft werden Sachen dann weggeschmissen. Sie sind eigentlich kein Müll, aber sie haben ihren Wert verloren, weil niemand sie mehr benutzt.

Der Umsonstladen bringt ungenutzte, aber brauchbare Dinge wieder in Umlauf. Anders als in einem normalen Laden tauscht man die Sachen nicht gegen Geld. Was nicht heißt, daß sie wertlos sind. Sie haben einen Gebrauchswert. Weshalb sich bei den Dingen, die in den Umsonstladen gebracht werden, auch immer die Frage stellt: Kann das jemand anderes wirklich noch gebrauchen?

Das jedeR im Umsonstladen Sachen einfach mitnehmen kann, soll keineswegs dazu verleiten, noch mehr Kram zu Hause anzuhäufen. Indem die Dinge nicht gegen Geld getauscht werden, steht wiederum ihr Gebrauchswert im Vordergrund, und damit die Frage: Brauche ich das wirklich - oder steht es bei mir genauso nutzlos rum, wie bei dem, der es in den Laden gebracht hat? Brauche ich etwas wirklich oder nehme ich es nur mit, weil es umsonst ist?

Wenn man dann in einem normalen Laden steht, fragt man sich vielleicht auch mal: Brauche ich das wirklich neu zu kaufen oder kann ich nicht Sachen wiederverwenden, die ein anderer nicht mehr benutzt? Brauche ich bestimmte Dinge überhaupt? Brauche ich wirklich soviel Geld und muß ich so viel dafür arbeiten? Sicher könnte man auf einiges verzichten und die so gewonnene Zeit sinnvoller verwenden - zum Beispiel um im Umsonstladen mitzumachen... oder um eines der vielen Bücher aus dem Umsonstladen zu lesen.

Doch beim UmsonstLaden soll es nicht bleiben müssen. Es gibt viele Wege, sich abseits der herrschenden Logik von Arbeit & Konsum, von Warenmarkt und Konkurrenz zu organisieren. Für immer mehr Menschen wird dies auch notwendig, da sie aus dem zunehmend unüblichen Arbeitsalltag zeitweise oder dauerhaft ausscheiden. Oftmals haben sie Zeit genug, sich nun über kleine oder größere Alternativen Gedanken zu machen und konkrete Projekte anzuschieben. Wir wollen einen Treffpunkt für diese Leute bieten. Deshalb ist unsere Türe für Ideen und Spinnereien, die sich abseits von Geld und Markt abspielen sollen, jederzeit offen.

EPIKUR habe gesagt: Was es nicht alles gibt, das ich nicht brauche.


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Montag, 26. November 2001

Umsonstladen in Berlin.