Autopoiese

Version 53, 84.56.146.249 am 26.1.2007 15:44

Den Begriff Autopoiese hat der chilenische Biologe Humberto R. Maturana geprägt. Autopoiese ist abgeleitet aus dem Griechischen von "autos" = selbst und "poiein" = machen.

Maturana war auf der Suche nach Kriterien, etwas als "lebendig" anzusehen. Weil er dazu keine Ihm ausreichende Lösung fand, schuf er die neue Kategorie "Autopoietisches System", das eine kleinen Anzahl von Bedinungen genügen muß: ToDo

Eine gut lesbare Einführung in den Begriff liefert das Buch "Der Baum der Erkenntnis". Autopoiese ist von anderen (ToDo) als AbstraktionAlsDing zweckentfremdet worden, wozu sich Maturana sehr ablehnend äußert (z.Bsp. zu der Annahme, daß Organisationen, Gesellschaften etc. als Autopoietische Systeme zu beschreiben wären). Siehe dazu Kniefall vor Erich Jantsch.

Eine im Sinne Maturanas wohl unzutreffende Beschreibung des Begriffs liefert http://www.ial-lernen.de/auto/auto1.htm

Ein Text zum Thema auf der Site von Anette Schlemm: http://www.thur.de/philo/asap.htm


Hier eine Diskussion, die hauptsächlich durch die Benutzung von (http://www.ial-lernen.de/auto/auto1.htm) ausgelöst wurde:

Ich denke Selbstorganisation hat keine biologische Begründung nötig und schon garnicht eine so seltsam herbeigedichtete. Was soll das werden? Ein linker Biologismus? Damit will ich jetzt nix über Maturana sagen, hab ich nicht gelesen, aber muss man denn zwanghaft soziale Probleme mit biologischen Analogien angehen? --benni

dazu ein leicht abgewandeltes Zitat ;-) : >>Eine Theorie ist genau dann nützlich, wenn sie mir Antworten für meine Praxis gibt (oder mir wenigstens hilft, die richtigen Fragen zu stellen). Ob sie zufällig auch halbwegs stimmt spielt dabei eine untergeordnete Rolle. << --ToKa

Biologismus hilft mir eben gerade nicht weiter in meiner Praxis, er versorgt mich nur mit halbgaren Analogien. Das ansich wäre ja nur harmlos, aber leider ist Biologismus schlicht gefährlich, weil er immer damit operiert wie Menschen eben von Natur aus sind und so haben sie dann eben bald auch zu sein und Abweichler sind dann schnell pervers, abartig, entartet, unrein was auch immer. --benni

Was dich wahrscheinlich auf die Palme bringt, ist der letzte Satz aus obiger Definition ? Darüber gibt es unter http://stud4.tuwien.ac.at/~e9426503/soinfoges/maturana.html eine ausführliche Bemerkung, daß Matarana Soziala Systeme nicht als autopoietische ansieht.

Wir sollten auch mal klären, was Biologismus, oder überhaupt ein ...ismus ist. Ich sehe ohne Zweifel Vorteile darin, die "lebendigen" Grundlagen des Menschen in mein Bild von ihm einfließen zu lassen. Eine andere Frage ist die nach Wahrheit, Warheitsanspruch und daraus begründeter Gewalt. --toka


Unsere Grundlagen sind ohne Zweifel biologisch. Wir leben. Aber was heißt es, zu "leben" ? Ich weis noch nicht viel über Maturanas Theorie, aber sie ist wohl dieser Frage geschuldet.

Christian Fuchs hatte mal einführende Texte zur Autopoiesis im Netz. Ich habe nachgefragt, ob diese noch zur Verfügung stehen. --ToKa

Btw, mit einem Satz Unsere Grundlagen sind ohne Zweifel biologisch. kann ich nichts anfangen und das nicht aus Pedanterie. Grundlagen wofür und in Bezug auf was bitte? Und bereits das Wörtchen "unsere" setzt einen Begriff vom allgemeinen Menschen ganz selbstverständlich voraus. Muß ich denn für meine Praxis unbedingt vom allgemeinen Menschen ausgehen, oder ist nicht vielmehr 'unsere' Praxis durch eine solche Voraussetzung bereits in einer bestimmten Richtung determiniert, deren emanzipatorische Qualität wir mit der gleichen Selbstverständlichkeit behaupten? - JohSt

Ich sehe nicht, wo ich mit Selbstverständlichkeit die emanzipatorische Qualität von irgendetwas behaupte. Was meinst Du damit ?

Mit "biologischer Grundlage" meinte ich: wir sind Lebewesen. Und mit "unsere", bzw "wir" meinte ich die Lebewesen der Gattung "Mensch". Ist damit schon zuviel festgelegt ? Was ein Begriff ist, habe ich bisher nicht verstanden und was "allgemeiner Mensch" ist, auch nicht. Was ist der Unterschied zwischen Begriff und Wort ? Ich fände es nett, wenn Du mir da auf die Sprünge helfen könntest. --ToKa

Wenn Du eine einfachere Definition brauchst als unter dem link angegeben, sag doch einfach: Begriffe sind Substantive. 2. Was ist damit ausgesagt, daß wir Lebewesen sind? Das ist doch das Entscheidende -und wenn Du Grundlage sagst, dann also Grundlage wofür? 3. Was die "Selbstverständlichkeit" (Praxis) angeht, so spielt das auf die Diskussion oben mit Benni an. --JohSt

Die Diskussion verlässt das Thema der Autopoiese und ist doch ein gutes Beispiel dafür, wie soziale Systeme autopoietisch sind. Jede Kommunikation ruft wieder eine Folgekommunikation hervor. Das System verfertigt sich selber. Siehe dazu Autopoiesis. Die obenstehende Definition halte ich für schlecht. Das kommt davon, wenn man kritiklos von jemandem abschreibt, der es auch nicht so richtig weiß. Maturana hatte einen Mitstreiter namens Varela. Tatsächlich haben die beiden vieles zusammen publiziert. Auch Der Baum der Erkenntnis. Hier fassen sie ihre Definition von Leben sehr komprimiert und stringent zusammen. Das Buch, in dem steht, was es heißt "zu "leben, ist noch nicht erschienen. Wer sollte es schreiben und wer wollte es lesen/leben? --UwevonLoh

Mit Deiner Kritik an obiger Definition hast Du sicher recht. Bisher hat sich noch niemand die Mühe gemacht, eine bessere hierher zu kopieren oder zu schreiben. Wahrscheinlich ist eine Schlechte Definition eine schlechte Ausgangsbasis für eine Diskussion. Zur Frage: taugt Autopoiese als Konzept für soziale Systeme siehe Kniefall vor Erich Jantsch --ToKa


Ist das eine gute Begriffserklärung? : Autopoiese heisst Selbstorganisation – Autopoiese ist die Erklärung eines Beobachters, in welcher er die Entwicklung von Dingen - die er erfindet, aber nicht herstellen kann - beschreibt.


siehe auch


ist a. ein StrukturMuster des Konstruktivismus?

fragt sich karl,14.07.04

Die Verbindung ist die, dass Maturana, der den Begriff erfand, als radikaler Konstruktivist angesehen wird.

Autopoiese kann man vermutlich als ein StrukturMuster der Systemtheorie sehen, vereinfacht: Ein System, dass sich selbst am laufen hält.

Danke, Helmut! wobei ich mich schon immer frage, warum du den konstruktiv nun soooo gar nicht "magst" - und an Thomas: war es echt Maturana der als erster dieses Wort nutzte? - ich schau selber auch mal - würde mich interessieren. Anwort verschoben nach KonstruktivismusKritik

karl 0808