Empfinden, was dem Leben dient

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Empfinden, was dem Leben dient.

Zur Aktualität der Erkenntnisse über den Menschen im Werk von Albert Schweitzer und Heinrich Jacoby

von Georg Ballod

Taschenbuch - 64 Seiten - Berg Verlag Juni 2000 ISBN: 3980424820


Der Autor(mailto:G.Ballod@t-online.de), 30. Dezember 2001

Aktuelle und glaubwürdig gelebte Bilder vom Menschen

Eine Anfrage zu einem Vortrag erinnerte mich an eine Äußerung Albert Schweitzers (1875-1965): "(Mir kommt es) immer vor, als ob wir alle geistig von dem lebten, was uns Menschen in bedeutungsvollen Stunden unseres Lebens gegeben haben ... Ich glaube nicht, dass man in irgendeinen Menschen Gedanken hineinbringen kann, die nicht in ihm sind. Gewöhnlich sind in den Menschen alle guten Gedanken als Brennstoffe vorhanden."

H. Jacoby (1889-1964) bemerkte: "Es ist unmöglich, irgendetwas zu lernen, wofür nicht jeder Mensch die Voraussetzungen längst in sich trägt ... Jeder Mensch ist biologisch ausreichend ausgerüstet, um sich auf positive Weise mit allen Kulturgütern auseinandersetzen zu können."

Von Schweitzer sagte ein Kenner: "Unter den Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts gehörte Schweitzer wohl mit zu denjenigen, die der Vorstellung 'Mensch' am nächsten kommen." Von Jacoby bekannte ein Schüler: "Man konnte spüren, dass er eine Art Botschaft für eine bessere Welt in sich trug, aber er war frei von missionarischem Gehabe. Für mich selbst war das Eindrücklichste Jacobys Präsenz im persönlichen Gespräch. Sie war so eklatant ansteckend, dass man verändert, nämlich gesammelter von ihm wegging." Ein Vergleich beider Lebensgeschichten ist anregend. Nur zwei aktuelle Aspekte dazu: Die Orientierung am Sein statt am Haben (Erich Fromm)! Und: Unsere Wirklichkeit empfindsam wahrnehmen, statt sie zu inszenieren (Spaß- und Konsumgesellschaft)!


Der Verleger, G.Ballod@t-online.de , 29. Dezember 2001

Eine praktikable Antwort auf den "PISA-Schock"

Nach dem Pisa-Schock regt sich viel bildungspolitischer Aktionismus. Was fördert die Entfaltung des Menschen? Die kleine Schrift stellt kaum bekannte grundlegende pädagogische Erkenntnisse des "empirischen Hermeneutikers" Heinrich Jacoby (1889-1964) vor. Der Argumentationsgang umfasst sechs Thesen:

  1. Wesentliche Voraussetzung für gelingendes pädagogisches Handeln ist der Kontakt mit der jeweiligen Aufgabe.

  2. Die Frage nach der Entfaltungsfähigkeit des Menschen muß im Zusammenhang mit seiner biologischen Konstitution erörtert werden.

  3. Ein wesentliches Hemmnis für die optimale Entfaltung des Menschen sind Begabungsvorurteile.

  4. Gegenwärtig ist die Verführung zu einem "Leben aus zweiter Hand" ein besonders schwerwiegendes Entfaltungshindernis.

  5. Zweckmäßige Aufgaben ebnen den Weg einem nachhaltigen Entfaltungsprozess.

  6. Einen erfolgreichen Entfaltungsprozess muss sich jeder unablässig selbst erarbeiten.

Eine Skizze zum "Urbild des pädagogischen Bezuges" zeigt Bezüge zwischen Jacoby und Sokrates auf:

  1. Voraussetzung echter Begegnung - Stille.

  2. Anklänge an das Urbild - der sokratische Dialog.

  3. Für Erziehung und Unterricht - konkrete Konsequenzen.


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Mittwoch, 9. Mai 2001

Ursprünglich Musiker, erforschte Heinrich Jacoby allgemein Fragen der biologischen Ausstattung des Menschen und der sogenannten Begabung. Er studierte Voraussetzungen für die Entfaltung und Nachentfaltung menschlicher Funktionsmöglichkeiten und Ursachen, die zu Störungen in der Entfaltung dieser Möglichkeiten führen. Heinrich Jacoby orientierte sich dabei an den Funktionsweisen des menschlichen Organismus und an den Gesetzmässigkeiten unmittelbar überzeugender menschlicher Lebensäusserungen. Er konnte zeigen, dass das Niveau der Entfaltung und die Qualität der Leistungen vom jeweiligen Verhalten bestimmt sind.