Lóczy - Wo kleine Menschen groß werden

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Der Film "Lóczy - Wo kleine Menschen groß werden" ist eine Arbeit des französischen Regisseurs Bernard Martino. Er führt den Zuschauer in die Welt eines außergewöhnlichen Säuglingsheimes in Budapest. Die Kinderärztin Emmi Pikler hatte 1946 in einer leer stehenden Villa ein Heim für weggegebene Säuglinge und Kleinkinder gegründet. Sie entwickelte Pflegerichtlinien, die verhindern sollten, dass die Kinder durch das Fehlen der Mutter bleibenden seelischen Schaden davontragen. Sie brach mit allem, was bis dahin den Pflegeheimen heilig war.

Die Kinder im Pikler-Institut - das einfach "Lóczy" genannt wird - sind in kleine Gruppen eingeteilt und werden während ihres Aufenthalts im Heim immer von der gleichen Pflegerin betreut, was den Kindern ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Die Pflegerinnen gehen rücksichtsvoll und aufmerksam mit den Kleinen um, mit jedem einzelnen Kind beschäftigt man sich gesondert. Die Kinder dürfen von klein auf persönlichen Interessen frönen, ihrem inneren Rhythmus folgen, lernen, spielen und sich bewegen.

Die Kleinen verbringen ein paar Wochen, aber manchmal auch mehrere Jahre im "Lóczy". Sie bleiben hier so lange, bis ihre Zukunft gesichert ist. Das Ziel der Einrichtung ist es, ihre Schützlinge, im besten Falle der eigenen Familie zurückzugeben, oder unter die Obhut einer Adoptivfamilie oder von Pflegeeltern zu stellen.

Das "Lóczy" ist mehr als ein Institut. Und die Pikler-Methode - die nicht bloße Erziehung, sondern Philosophie ist - hat sich seitdem in der ganzen Welt verbreitet. Das Interesse an der Methode ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen, und das Institut, das auch als Bildungs- und Forschungsstätte funktioniert, kann den Einladungen zu Vorträgen kaum mehr Folge leisten und gar nicht mehr alle Besucher empfangen.

Trotzdem kämpft das "Lóczy" Tag für Tag ums Überleben. Seit Juni 1998 wird das Pflegeheim nicht mehr als staatliche Einrichtung, sondern als öffentliche Stiftung geführt. Rund 60 Prozent des Budgets muss die Stiftung selbst erwirtschaften. Ein Teil der beträchtlichen Summe stammt aus Spenden, Einnahmen aus Fortbildungskursen und ein großer Teil von ausländischen Spendern.

"Unsere Situation ist absolut aussichtslos", seufzt Anna Tardos, die Leiterin des Instituts. "Zu Beginn jedes Jahres dreht der Pleitegeier einige Runden über unserem Gebäude. Es ist ein wahres Wunder, dass wir noch existieren. Unsere Existenz ist jetzt bis Februar 2002 gesichert", so Anna Tardos.

Die drei Stunden lange Dokumentation von Martino entstand in Eigeninitiative des Regisseurs. Vor drei Jahren sah es so aus, dass das Pflegeheim seine Tore schließen müsse. Als Martino dies erfuhr, kam er nach Ungarn und drehte einen Film, um die Aufmerksamkeit auf das "Lóczy" zu lenken.


Ein Interview mit Bernard Martino gibt es in der Oktober/2000 - Ausgabe der Zeitschrift Mit Kindern wachsen.

Bezugsquellen

Der Film kann beim Wege der Entfaltung e.V. bestellt werden: http://www.we-ev.de/shop/video.php

Es gibt auch Ausschnitte auf YouTube:

Neue Seiten im Kontext

Montag, 12. Juni 2006

ThomasKalka:

Auf dem RappelkisteWorkcamp wollen wir abends Filme zeigen. Welche Filme sind für ein gemeinschaftlichen Arbeitseinsatz im Kontext von alternativer Pädagogik und solidarischer Ökonomie interessant ?

Ich bitte Euch um Unterstützung, eine interessante Liste zusammenszustellen. Bitte gebt - falls möglich - auch eine Quelle an, wo wir den Film ausleihen können.

Montag, 11. Februar 2002

Das Emmi - Pikler - Institut (Lóczy) hat drei große Aufgabengebiete, die sich gegenseitig ergänzen und bedingen: Betreuung, Forschung und Lehre.

Betreuung:

Für etwa 40 Säuglinge und Kleinkinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihren Familien aufwachsen können, ist das Lóczy das Zuhause mit den dort wirkenden Erwachsenen als Bezugspersonen.

Forschung:

Die Betreuung der Kinder wird unterstützt durch regelmäßige und umfangreiche Aufzeichnungen über die Beobachtungen der Pflegerinnen, sowie der psychologischen und pädagogischen Mitarbeiterinnen. Diese Beobachtungen stellen sowohl die Grundlage für die individuelle Betreuung der Kinder, als auch Ausgangspunkte für zusätzliche wissenschaftliche Schwerpunktuntersuchungen und Veröffentlichungen dar.

Lehre:

Dieses Aufgabengebiet gliedert sich in Ausbildung, Fortbildung und internationalem Austausch. So wurde für die MitarbeiterInnen des Lóczys eine ganz spezifische Struktur der Weiterbildung entwickelt, die ihre Basis auf dem schon erwähnten Gebiet der Forschung hat. Seit 1971 hat das Lóczy die Aufgabe, die MitarbeiterInnen aller ungarischen Säuglings- und Kleinkinderheime fortzubilden. Ungarischen StudentInnen bestimmter Fachrichtungen wird genauso Gelegenheit zur Hospitation gegeben wie in- und ausländischen Fachkräften. Ca. 1300(!) Veröffentlichungen in Form von Schriften, Fotos, Filmen und Lichtbildern dienen auch dem fortdauernden Austausch mit zahlreichen Institutionen und Universitäten im In- und Ausland. Die Veröffentlichungen und Dokumentationen des Lóczys veranschaulichen gleichermaßen die Vorträge, Seminare und Kongressbeiträge in verschiedensten Ländern durch seine MitarbeiterInnen.

Gegründet wurde das Lóczy von der Kinderärztin Emmi Pikler.

Anna Tardos (Tochter von Emmi Pikler) ist jetzt die Leiterin.