Entfremdung

Version 45, 84.144.126.199 am 16.4.2006 03:46

Ehre zollen, wem Ehre gebührt:

Karl Marx, Engels (Feuerbach und Hegel glaub' ich auch) --MiK


Thematisiert wurde Entfremdung später von


Der Computer - Die ideale Entfremdungsmaschine? --MiK

Wie meinst Du das ? --ToKa


Ich hab in letzter Zeit immer wieder festgestellt, dass ich mit dem Begriff "Entfremdung" nicht viel anfangen kann. Alleine schon, weil "Entfremdung" immer schon eine Entfremdung von etwas bedeutet. Nur wovon? Da kommt dann schnell die Vorstellung eines wahren oder natürlichen Menschseins ins Spiel, von dem man sich entfremden könnte und davon halte ich nicht viel, weil Menschsein eben gerade bedeutet sich nicht ausserhalb eines sozialen und historischen Kontextes definieren zu können. --benni

hab schon selbst eine gefunden (aber nur überflogen): http://www.hegel-institut.de/Diskus ... ung/entfremdung.html Der Begriff ist auf jeden Fall älter als Marx. Mindestens mal Hegel. --benni


Hier ein Text von Erich Fromm, bitte nicht im Text kommentieren, weil ich den noch durch ein Filter jagen will, ist aber noch nicht fertig ...

aus Erich Fromm: Der moderne Mensch und seine Zukunft

Entfremdung

Die bisherige Erörterung des Vorgangs der Abstraktion führt zum Zentralproblem der Wirkungen des Kapitalismus auf die Persönlichkeit: zum Phänomen der Entfremdung.

Mit Entfremdung ist eine Erlebnisweise gemeint, bei der der Mensch sich selbst als einen Fremden empfindet. Er ist, so könnte man sagen, sich {Seite 110} selbst entfremdet. Er erlebt sich nicht selber als den Mittelpunkt seiner Welt, als den Urheber seiner eigenen Taten - vielmehr sind seine Hand- lungen und ihre Folgen seine Herren geworden, denen er gehorsam ist, die er anbetet. Die entfremdete Person ist außer Fühlung mit sich selbst und ebenso mit allen andern Menschen. Sie erlebt sich und andre, wie man Dinge erlebt, mit den Sinnen und mit dem Verstand, aber zugleich ohne eine fruchtbare Beziehung zu sich selber oder zur Umwelt.

Das englische Wort für »Entfremdung«, »alienation«, wurde in der älteren Bedeutung zur Bezeichnung von Geisteskranken gebraucht; »aliéné« im Französischen, »alienado« im Spanischen sind ältere Aus- drücke für »psychotisch«, das heißt für die gründlich und absolut sich selbst entfremdete Persönlichkeit. »Alienist« ist immer noch englischer Sprachgebrauch für den Psychiater, den Irrenarzt.

Im vergangenen Jahrhundert wurde das Wort »Entfremdung« von Hegel und Marx gebraucht, nicht im Sinne von Geisteskrankheit, viel- mehr für eine weniger drastische Form der Selbstentfremdung, die dem Menschen erlaubt, in praktischen Dingen vernünftig zu handeln, die aber doch einen der schwersten sozial geformten Defekte ausmacht. In Marx' System wird jener Zustand als Entfremdung bezeichnet, » ... wo die eigene Tat des Menschen ihm zu einer fremden, gegenüberstehenden Ma t wird, die ihn unterjocht, statt daß er sie beherrscht.«57

57 Karl Marx, »Der historische Materialismus«. Die Frühschriften, hrsg. von S. Landshut und J. P. Mayer. II. Bd. Alfred Kröner Verlag Leipzig 1932, S. 25.

Nun ist zwar dieser Gebrauch des Wortes »Entfremdung« neueren Da- tums, aber der zugrunde liegende Begriff ist weit älter. Es ist die gleiche Konzeption, welche die Propheten des Alten Testaments im Sinne hatten, wenn sie von Abgötterei sprachen. Es wird zum besseren Verständnis der »Entfremdung« dienen, wenn wir damit beginnen, die Bedeutung der «Abgötterei» Entfremdung1 zu betrachten.

Was geschieht mit dem Arbeiter? Um es mit den Worten eines sehr nachdenklichen und gründlichen Beobachters der Industrie-Welt zu sagen: »In der Industrie wird der Einzelne zu einem ökonomischen Atom, das nach der Melodie der atomistischen Betriebsleitung tanzt. Dein Platz ist {Seite 114}


Diskussion zum obigen Text von Fromm:

Ich versuch mal anhand dieses Textes meine Probleme mit dem Entfremdungsbegriff darzustellen: Auch hier wird davon ausgegangen, dass es einen Urzustand gibt in dem der Mensch sich selbst erkennt und sich als Mittelpunkt der Welt begreift und von diesem Ausgangszustand wird dann alles kritisiert. Ich denke jedoch, dass dieser Ausgangspunkt - nämlich die Individualität, Subjektivität, oder so etwas - historisch nicht immer gegeben war. Besser gefällt mir die Darstellung in Empire, dort wird von Transzendenz vs. Immanenz geredet. Die Immanenz ist dabei erst eine historische Entdeckung der beginnenden Neuzeit. Die Transzendenz fällt dabei ziemlich genau mit den Phänomenen zusammen, die bei Fromm Entfremdung heissen. --benni

Neue Seiten im Kontext

Sonntag, 16. April 2006

Buchzitat zu Entfremdung

entfremdung ist, wenn die dinge nicht mehr allen dienen, sondern nur noch einzelnen, und die meisten den dingen dienen .

Mittwoch, 29. Juni 2005

Solidarische Ökonomie ist der Gegenpol zur Machtökonomie. Wir müssen sie nicht erfinden, denn sie ist - zumeist unbewusst und verkrüppelt - die Grundlage aller Machtökonomie. Wir kennen sie aus dem Kontext der Familie und des Freundeskreises.

In der solidarischen Ökonomie ist die Gesellschaft zuständig für die Befriedigung der Bedürfnisse des Einzelnen. Die Aufgabe des Einzelnen ist die Äußerung der Bedürfnisse.

Die Bewegungsform solidarischer Ökonomie ist deshalb das Gespräch; es gibt keine abstrakte Vermittlungsform.

Mittwoch, 6. Mrz 2002

Nehme einen Baum aus Nordamerika und verpflanze ihn nach Europa. Hier hat er keine Freßfeinde, blüht viel schöner, keine Raupe nagt ihn an. Kein Vogel frißt die Raupe. Der Baum bleibt schön "gesund" und unbehelligt von irgendwelchen "Schmarotzern". Schön.