Demokratie

Version 63, 88.72.221.240 am 27.3.2006 12:59

... wäre mal 'ne nette Idee. --MiK

Abstammung: aus gr. demokrtía, zu gr. demos "Volk" und gr. kratein "herrschen".

Bedeutungsmöglichkeiten:

Sprüche:

In unserer Familie leben wir demokratisch: Ich und meine Kinder sind dafür, daß meine Frau den Abwasch macht. 3:1.

und was sollte Mensch anders machen bzw. wie sollten Menschen ihren Alltag miteinander abstimmen/vereinbaren/regeln/... ?

Was Du nicht willst das man Dir tut, das füg auch keiner/keinem Anderen zu !

Texte

Diskussion

Boot-Beispiel, Auseinandersetzung, Diskussion, Debatte:

wir sitzen in einem Boot

Stell Dir 100 Menschen vor, alle in einem Boot. Dreißig von ihnen meinen, sie sind schon auf dem richtigen Weg und wollen immer geradeaus, 20 wollen irgendwann eher links, fünf später eher nach rachts, fünf jetzt mehr nach rechts, 5 jetzt sofort nach links, 30 möglichst schnnell weiter, 30 etwas langsamer, 10 wollen Pause, sich erstmal orientieren und Argumente abwägen, auch alle anderen haben mehr oder weniger gute Argumente für ihre Wünsche, dem Rest ist alles mehr oder weniger egal, weil sie wissen, dass sie sowieso das machen müssen, was Andere Bestimmen (die eine Scheinmehreit hinter sich vereinen können). Was wäre demokratisch und was gerecht ? Egal was gemacht wird, wird immer eine Minderheit über eine Mehrheit bestimmen - das ist Demokratie = Gewalt gegenüber der Mehrheit. Aber was wäre gerecht ?

dieses Bootbeipiel hinkt wie nichts
Bootbeispiele werden meist vom Staat benutzt "das Boot ist voll, wir sitzen doch alle.." usw.
die Gesellschaft ist kein Boot
die Demokratie ist ein Spiel

fu

schöne Aussage ... die Demokratie ist ein Spiel... Bei jedem Spiel einigt man sich gemeinsam über die Regeln und dann spielt man, ...wobei ein gemeinsames Ändern der Spiel-Regeln immer offen bleibt !

Ich finde das mit dem Boot ein schlechtes Beispiel an sich und ein schlechtes Bild um etwas über Demokratie auszusagen.

Zunächst: es gibt kein Boot, das einfach so fährt und unterwegs entscheidet irgendwer, wo es lang geht. Bevor ein Boot fährt entscheidet man sich für eine Route und die Fahrbedingungen. Wer einverstanden ist kooperiert und fährt mit. Ein Kapitän und seine Mannschaft sind für das Erreichen des Zieles verantwortlich. Bei lebensbedrohlichen Situationen kann er allein entscheiden, den Kurs zu ändern und wird das z. B. zur Rettung von Schiffbrüchigen auch tun.

Eine Demokratie ist kein Boot, weil man nicht gemeinsam auf einer Route unterwegs sein muss. Jeder kann seinen eigenen Weg gehen. Entscheidungen betreffen nur Rahmenbedingungen. Jeder kann jederzeit nach Wien oder Berlin, aber bitte nicht mit 160 oder mehr als 0.5 Promille. Trotzdem gibt es natürlich bei jeder Entscheidung Gewinner und Verlierer, Einverstandene und Gegner. "Die Demokratie" gibt es nicht, jede Demokratie ist anders und man kann sie immer wieder neu gestalten und verändern. Das ist zulässig, macht Demokratie lernfähig und anpassungsfähig. Jede einzelne Entscheidung zählt in ihrer sozialen Fairness oder Ungerechtigkeit.

Die Boot-Metapher beinhaltet auch die Bedrohung des gemeinsamen Untergehens. Entscheidungen werden mit dieser Metapher als für alle verbindlich nahegelegt.

Mir scheint es schwierig, etwas über Demokratie zu sagen, ohne sich vorher darüber zu verständigen, was denn mit diesem Wort gemeint sein soll.

Das Bootbeispiel spricht ja hauptsächlich den Punkt Mehrheitsentscheidung an, dessen Diskussion wohl eine eigene Seite wert wäre.

Ein wichtiger Punkt scheint mir auch: Der Souverän/Herrscher ist der, der die Fragen stellt.

Ich sehe da mehrere grundsätzliche Probleme (bei der Demokratie-Definition) , einige davon:

Es gibt kein verlässliches Definitionssystem. Begriffe können sich nur wieder auf Begriffe stützen, die wieder unscharf sind und einer Definition bedürfen ("Demokratie ist ein Gesellschaftssystem, das..." ⇒ Was ist Gesellschaft? Was ist ein System?). Diese Problem endet nie.

Wer Begriffe definieren möchte, der übt im Grunde eine Definitionsmacht aus, die den Einzelnen zwingt, Begriffe in einer bestimmten Form (z. B. schon positiv oder negativ besetzt) zu denken.

Wenn verschiedene Begriffssysteme aufeinandertreffen, gibt es Verständigungsprobleme. Am Schluß geht es mehr um die Durchsetzung von Begriffsystemen, als um Kommunikation über die Realität, wie man in ihr zurecht kommt, was man daran gut oder schlecht findet und wie man sie zum Positiven verändern könnte.

Wir sitzen alle in einem Boot, wir nennen es ERDE und nur wenige entscheiden über die Ressourcen und über Verhaltensregeln. Keiner kann es einfach verlassen. Alle haben unterschiedliche Schicksale, die sie nicht unter gleichen Bedingungen ändern können. Die Bedingungen sind sogar sehr unterschiedlich.
Aber alle werden untergehen, wenn ... wir so weiter mit uns und der Welt umgehen, wie bisher.
Was müsste geändert werden? Wie müssten Veränderungen gestaltet sein, damit wir bessere Aussichten erhalten?

Ich glaube nicht, dass die Erde so schnell und geschlossen dramatisch untergehen kann wie ein Schiff. Aber konkret müssen wir Wege finden zu verhindern, dass Einzelne das System Erde zur ihrem Vorteil auf Kosten der Gemeinschaft schädigen. Dazu braucht es:

Einiges davon lässt sich in Wikis ziemlich gut entwickeln.

Danke Helmut!! aber bitte beschreib doch mal bitte, was Du damit meinst, ich kann mir unter Deinen Begriffen bzw. Aussagen verschiedenes vorstellen.

Passt das auf die Seite? Passt es vom Thema her ins CoForum? Es wäre ja vermutlich eine Modellvorstellung, die schräg hinten diagonal an dem vorbeiführt, was vielleicht hier im CoForum der weltanschauliche Konsens ist.
Vielleicht stört es die Mitglieder hier ja mehr, als es uns beiden Außenseitern bringt, es zu diskutieren? Gibt es Sinn, so was zu diskutieren, wenn man sich so wenig kennt?
Wer garantiert, dass das CoForum in einem Jahr noch existiert? - Wäre die ganze Mühe dann nicht für die Katz?

Ich wollte nicht für eine Definition von Begriffen plädieren (siehe Begriff). Trotzdem ist es sinnvoll, sich zu verständigen, was denn eigentlich das Thema sein soll.
Sätze wie "Demokratie ist gut", "Demokratie ist Herrschaft" etc bringen IMHO keine Verständigung.
Wir müssen eine Sprache schaffen, die dem gerecht wird.
Dies ist einer der Aspekte, was mich an Wikis fasziniert: PatternLanguage.

Was wäre denn dein Vorschlag (für das, was unter Demokratie gemeint sein soll)?

Ich habe keinen Vorschlag. Mein Problem mit Mehrheits-Entscheidungen: Alle haben was zu sagen, unabhängig davon, ob sie es selbst umsetzen wollen oder es als Anspruch an andere haben.
Entscheidungen werden dann getroffen, indem sich eine Mehrheit bildet, die eine Minderheit unterdrückt. Dies reproduziert die herrschende Gesellschaftsstruktur.
Neuen Ideen und Wegen geht es wie einem Bäumchen, das auf einer Schafsweide ohne schützenden Zaun gepflanzt wird: es wird bald abgerupft.

Ich bin überzeugter Demokrat, aber ich glaube auch, dass Demokratie bei uns ein Mythos ist, der in der Realität nicht standhält. Man könnte auseinanderhalten: (1) das Bild der Demokratie, (2) die Realität der Demokratie und (3) die Vision der Demokratie. Demokratie ist jedenfalls nicht eine idealisierte "Herrschaft des Volkes", dazu spielen Parteien, Wirtschafts- und Medienmächte eine viel zu starke meinungsbildende Rolle. Real bedeutet Demokratie ein System, in dem (a) jede Führung auf Zeit bestellt wird, (b) die Führung im Prinzip einer Kontrolle unterliegt, (c) für Führungsalternativen gesorgt wird und wo (d) ein Führungswechsel für die Betroffenen keine wesentliche Existenzeinbußen oder Gesichtsverluste bedeutet. Probleme der Demokratie sehe ich, weil (M) oft die Kontrolle bzw. Transparenz ungenügend ist, (N) die Führungsalternativen in Form der Kandidaten von Großparteien nicht ausreichen, (O) die Mündigkeit und Unbeeinflussbarkeit der Wähler nicht genügt und (P) die Anstrengungen der Führenden sich vorwiegend auf das Marketing statt auf die Politikqualität richtet. Die Vision der Demokratie ist das eines sich selbst beobachtenden und lernenden kybernetischen Systems, das schrittweise die Lebensqualität am Planeten Erde erhöht, indem (X) ein objektives Monitoring Transparenz über Entwicklungen erzeugt, (Y) Wählern alle Möglichkeiten zur Information und Beteiligung an der Ideen- und Entscheidungsfindung geboten werden und (Z) demokratische Ausgleichssysteme dafür sorgen, dass Mehrheitssituationen abgemildert werden, Betroffene aufgewertet werden und Entscheidungen minderheitenverträglich sind. --HelmutLeitner


Wenn einem unmündigen oder auch mündigen Bürger die Wahl gegeben wird, sich einen Führer zu wählen aus zwei Kandidaten, deren Visionen und Innovationsgeist, gemessen an der dramatischen Lage der menschlichen Existenz auf dem Planeten Erde sich letztlich nur in Nuancen unterscheiden und deren Relevanz für die Überwindung eben dieser Krise letztlich nichtig ist, so frage ich mich nach dem Sinn einer solchen Wahlfreiheit.

Ich bin kein Pessimist, aber ich sehe ganz deutlich, dass unser geliebtes Bild "es wird schon immer irgendwie so weitergehen" eine Illusion ist. Unser Staat ist verkauft. Und er verkauft unsere Ressoucen und unsere kulturellen Errungenschaften.

Was macht es für einen Unterschied, ob jemand mit oder ohne Mandat des Volkes dieses hintergeht?

Was nutzt ein "vom Volk gewählt", wenn gegen das Volk gehandelt wird?

Mein Vertrauen in die Politik ist tot und keinem "der da oben" will ich meine Stimme geben, mich zu führen.

Ich plädiere nicht für den Protektionismus der Tage vor meiner Zeit und sehe auch sonst keine nationale Lösung duch staatliche Interventionen. Ich plädiere für eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Krise unserer Zeit und den darinliegenden Chancen fernab der ausgetretenen Pfade (und hier breche ich aus, aus dem gemalten Bild vom Stimmenverweigerer, dem mit Phrasen, wie "der Rückzug ins Private" Gleichgültigkeit gegenüber einer größeren Gemeinschaft und Verantwortungsflucht angehaftet wird).

Wenn ich das Bild vom Boot aufgreifen darf:
Da sitzen wir und starren auf die streitenden Kapitäne auf der Brücke. Wer hat denn nun das Ruder zu führen? Wer sollte das Recht dazu haben?
Und, was machen wir, während wir gebannt glotzen? Wir ziehen das Paddel im Takt der Trommel - Bummm Bammm Bumm Bammm. Und tratschen und ratschen und schimpfen auf die da oben.

Wie kommen wir nun aber dahin, zu der Vision eines Momentes, in dem wir aufatmen und sagen "Ja, das ist eine gute Richtung"?

Sicher, wenn jeder für sich alleine paddelt gehts nicht. Und dennoch frage ich mich, ob dieses Schiff überhaupt jemals als Ganzes seinen Kurs ändern wird. Was gibt es für Wege, wenn man weder Isolation, noch Revolution als Mittel akzeptiert? Was, wenn nicht fliehen, oder überwältigen die Wächter dieser Ordnung?

Ich denke, es ist angesagt, diese Ordnung, das "Normale" aus unseren Köpfen zu verbannen. Uns wieder als Menschen unter Menschen wahrzunehmen. Jeder Musiker kennt das Gefühl, wenn die Musik plötzlich zu fließen beginnt, wenn er in seinem Ausdruck authentisch wird. Ich glaube, das ist ein Schlüssel. Das gemeinsame Lied nimmt eine Form an, wie von selbst, nur, weil der Einzelne sich ganz so, wie er ist einbringt und wach und lebendig mit den anderen in Kontakt geht. Ich glaube, das ist es, was wir sehen, wenn wir einen Schwarm Vögel beobachten.

Dieser Weg wäre die Zuwendung zu unseren persönlichen Kompetenzen, zu unseren eigenen sozialen Kompetenzen, die Emanzipation des eigenen Wesens gegenüber lange trainierter Denkmuster. Damit wäre auch beinhaltet, dass der, der in sich Führungsqualitäten findet, diese leben solle. Dieser Mensch jedoch wird es nicht tun, um unglücklich dem Segen des Vaters, der Mutter hinterherzujagen, um auf einer kokainartigen Welle wichtig seine Schatten zu begraben, er wird sich seinem Amt voll Ehrfurcht nähern, weil es seine tiefste Erfüllung ist. Und ich würde mich ihm gerne anvertrauen, wenn ich spüren würde, dass er echt ist, dass er lachen und weinen kann und dass er auch mit seiner Hilflosigkeit gehen kann. Würde er sich selbst mit Mitgefühl begegnen, sich selbst mit Unschuld betrachten, so würde ich ihm vertrauen, denn ich wüsste, er würde auch mich so anschauen können und folglich mein Wesen in seine Überlegungen integrieren.

Unsere Strukturen sind tot. Sie sind marode und brechen. Die Macht entgleitet denen, die sie an sich binden wollen, denn das, was sie suchen, können wir ihnen nicht geben. Es ist unmöglich, selbst, wenn wir wollten.

hi basti, ich habe deinen beitrag nach http://www.wikiwiki.de/newwiki/pmwiki.php/Wiki/DemoKratie rüberkopiert . --sigi


Ernst möchte nur sachliche Kritik an Demokratie gelten lassen. Was bedeutet für Dich sachliche Kritik ?

Demokratie ist meiner Meinung nach, mit Abstand die beste Staatsform,
unsachlich ist (Moderne Form der Herrschaft /Gewalt.); und
Sachlich wäre ein konkretes Beispiel zu nennen, worüber man reden kann.
Ich denke mir, wenn Demokratie heissen soll das Volk regiert, warum lassen wir nicht alle Wähler über Vorhaben entscheiden?
...keine Volksabstimmung sondern eine Volksregierung !?
Ich meine ein Staat ohne Volksregierung dürfte sich gar nicht Demokratie nennen dürfen !
Keine Ahnung ob man das jetzt sachliche Kritik nennen kann, doch mir scheint sie ein bisschen Konkreter als (Moderne Form der Herrschaft /Gewalt.); (und die hinkende Bootsgeschichte )...

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Ein Diskussionspapier aus dem Arbeitskreis Lokale Ökonomie e.V. (Kritik herzlich willkommen!), Juni 2007

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"Roads to Freedom" argues that in present day Western liberal democracies there is great social inequality in the ability to acquire and exercise freedom and that the opportunities offered by these political systems for developing this value are insufficiently exploited. Hans T. Blokland shows that is possible to have a reasonable discussion and even to reach a plausible consensus on the meaning of essentially contested concepts like freedom and autonomy. Blokland inquires about the significance and value which freedom could have in our society. He also investigates how political communities could enlarge the capacity of their citizens to be master of their own lives, without unacceptable interference in their private realm.

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