Sudbury Valley School - Zurück zu den Grundlagen

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Zurück zu den Grundlagen

Die Sudbury Valley School - eine Schule, die natürliche lern- und Entfaltungsprozesse der Schüler ermöglicht

von Daniel Greenberg,

aus Mit Kindern Wachsen, April 2002


Warum geht man zur Schule?

Für Menschen, die gewohnt sind, die im Leben wichtigen Fragen selbst zu durchdenken, steht Sudbury Valley für eine Herausforderung an die üblichen Antworten.

Intellektuelle Grundlagen

Der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt, ist: "Wir gehen zur Schule, um zu lernen." Das ist das intellektuelle Ziel. Es kommt vor all den anderen Zielen. So sehr, dass "Bildung bekommen" gleichbedeutend mit "Lernen" geworden ist - etwas eng gefasst, sicher, aber die Prioritäten werden deutlich.

Warum lernen die Leute dann nicht mehr in Schulen? Warum all die Klagen? Warum der scheinbar grenzenlose Aufwand, wenn man doch ständig nur auf der Stelle tritt, ohne dass von Fortschritt die Rede sein könnte?

Die Antwort ist erschreckend einfach. Schulen sind heutzutage Institutionen, in denen man unter "Lernen" "unterrichtet werden" versteht. Die Menschen sollen etwas lernen? Unterrichte sie! - Sie sollen mehr lernen? Unterrichte sie mehr! Und mehr! Lass sie härter arbeiten! Lass sie länger üben!

Aber Lernen ist ein Prozess, den man tut, nicht ein Prozess, der an einem getan wird. Das gilt für alle Menschen. Es ist elementar.

Wie kommt es, dass Menschen lernen? Seltsam, das zu fragen. Vor über 2000 Jahren begann Aristoteles sein bedeutendstes Buch mit der allgemein akzeptierten Antwort: "Der Mensch ist von Natur aus neugierig." Descartes machte es etwas anders, ebenfalls am Anfang seines größten Werkes: "Ich denke, also bin ich." Lernen, Denken, aktiv sein, Gehirn benutzen - das ist das Wesen des Menschseins. Das ist natürlich.

Es ist sogar stärker als die großen Triebe - Hunger, Durst, Sex. Wenn man von etwas gefesselt ist - das entscheidende Wort ist "gefesselt" - , dann vergisst man all die anderen Triebe, so lange, bis sie einen überwältigen. Wie schon seit langem bekannt ist, verhält sich das selbst bei Ratten nicht anders.

Wer würde auf die Idee kommen, Menschen zum Essen, zum Trinken oder zum Sex zu zwingen? (Ich spreche natürlich nicht von Menschen, die eine spezifische Behinderung haben, die ihre Triebe beeinträchtigt. Was ich hier schreibe, bezieht sich auch nicht auf Menschen, die spezifische geistige Beeinträchtigungen haben, auf welche in besonderer, medizinischer Weise eingegangen werden muss.) Niemand steckt das Gesicht von Menschen alle Stunde in Schüsseln voll Essen, um sicherzustellen, dass sie essen; niemand sperrt Leute acht Stunden am Tag mit Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass sie sich paaren.

Das klingt lächerlich? Wieviel lächerlicher ist es dann, Leute zu etwas zwingen zu wollen, das - stärker noch als alles andere - absolut natürlich ist! Und jeder weiß doch, wie ausgeprägt diese überwältigende Neugier ist. Alle Bücher über Kindererziehung geben sich große Mühe, Eltern beizubringen, wie sie ihre kleinen Kinder von etwas abhalten können - besonders, wenn sie erst einmal anfangen zu laufen. Wir stehen nicht herum und drängen unsere einjährigen Kinder, ihre Umwelt zu erkunden. Im Gegenteil, wir werden unruhig, wenn sie unser Haus auseinandernehmen; wir versuchen immer, sie anzugurten und sie in Laufgitter einzusperren. Und je älter sie werden, um so mehr "stellen sie an". Hast du es jemals mit einem Zehnjährigen zu tun gehabt? Oder mit einem Teenager?

Menschen gehen zur Schule, um zu lernen. Zum Lernen müssen sie in Ruhe gelassen werden und Zeit haben. Wenn sie Hilfe brauchen, sollte sie ihnen gegeben werden - wenn wir wollen, dass Lernen seinen eigenen natürlichen Lauf nimmt. Aber Vorsicht: Wenn jemand entschlossen ist zu lernen, wird er alle Hindernisse überwinden und lernen, egal was passiert. Man muss also nicht helfen; Hilfe beschleunigt den Prozess nur etwas. Hindernisse zu überwinden ist eine der Hauptaktivitäten beim Lernen. Es schadet nicht, ein paar übrigzulassen.

Aber wenn man jemanden bedrängt, wenn man darauf besteht, dass er sein natürliches Lernen unterbricht und statt dessen von 9 bis 9.50 Uhr, von 10 bis 10.50 Uhr und so weiter das tut, was du willst, wird er nicht nur die Dinge nicht lernen, für die er sich interessiert, sondern er wird auch dich hassen, dich und alles hassen, was du ihm aufzwingst. Und er wird alle Lust am Lernen verlieren, zumindest vorübergehend.

Immer wenn du an eine Klasse in einer jener Schulen da draußen denkst, stell dir einfach vor, der Lehrer würde jedem Schüler Spinat, Milch, Karrotten und Keimlinge (alle diese "guten Sachen") reinwürgen, sie mit Hilfe eines großen Stockes den Hals hinunterstopfen.

Sudbury Valley läßt ihre Schüler in Ruhe. Pause. Kein Aber. Keine Ausnahmen. Wenn wir gefragt werden, helfen wir, falls wir können. Wir mischen uns nicht ein. In erster Linie kommen die Leute zum Lernen her. Und genau das tun sie - jeden Tag, den ganzen Tag.

Berufliche Grundlagen

Als nächstes nach "Lernen" kommt immer die unangenehme Pflicht "zur Schule zu gehen" zur Sprache. Wenn es drauf ankommt, ist es den meisten Leute ziemlich egal, was oder wieviel sie oder ihre Kinder in der Schule lernen, solange sie in der Lage sind, eine gute Karriere zu machen - einen guten Job zu

bekommen. Das heißt Geld, Status, Aufstieg. Je besser der Job, den man kriegt, um so besser die Schule, auf der man war.

Das ist der Grund, warum Phillips Andover oder Harvard so hoch eingestuft werden. Harvard-Studenten steigen in jedem Beruf au£ Dafür sind sie dankbar, und wenn sie älter sind, dann zeigen sie dies, indem sie das beste, was sie zu bieten haben, den neuen Studenten widmen, und indem sie Harvard große Summen spenden. Bei Yale, Dartmouth und all den anderen ist das nicht anders.

Welche Art von Schule ist heute, am Ende des 20. Jahrhunderts, am besten in der Lage, einen Schüler für eine gute Karriere vorzubereiten?

Die Antwort ist wirklich nicht schwer. Alle schreiben darüber. Die Schüler erwartet das postindustrielle Zeitalter, das Informationszeitalter, das Dienstleistungszeitalter, das Zeitalter von Vorstellungskraft, Kreativität und Unternehmertum. Die Zukunft gehört Leuten, die in der Lage sind, Dinge zu handhaben, zu ' gestalten, zu formen, zu organisieren, mit neuem Material umzugehen und mit altem, mit neuen Ideen und mit alten, mit neuen Fakten und mit alten.

Derartige Aktivitäten kommen in gewöhnlichen Schulen nicht vor, nicht mal außerhalb des Unterrichts, geschweige denn den ganzen Tag lang.

Gewissermaßen besteht bei Sudbury Valley der gesamte "Lehrplan" nur aus diesen Aktivitäten.

Hört sich das weit hergeholt an? Für ein ungeübtes Ohr vielleicht. Aber Geschichte und Erfahrung geben uns Recht. Wie sonst sollte man die Tatsache erklären, dass alle unsere Abgänger, die ihre Bildung auf einem College oder einer Graduate School fortsetzen wollen, das immer - keinen einzigen ausgenommen - schaffen, meist an der Schule ihrer Wahl? Ohne Prüfungslisten, Protokolle, Berichte, mündliche oder schriftliche Empfehlungen. Was sehen die Zulassungsleute am College in diesen Schülern? Warum werden sie angenommen - reißt man sich oft sogar um sie? Warum nehmen diese erfahrenen Leute, die in "Einser"- Durchschnitten, glühenden Briefen von Lehrern, hohen SAT Punktzahlen (SAT = Scholastic Aptitude Test) nur so schwimmen, warum nehmen sie Sudbury-Valley-Schüler?

Natürlich kennst du die Antwort, auch wenn sie schwer einzugestehen ist; sie ist zu sehr gegen die üblichen Vorstellungen: Diese geübten Profis haben in unseren Schülern fröhliche, aufgeweckte, selbstsichere, kreative Köpfe erkannt - den Traum jeder weiterführenden Schule bzw. Universität.

Die Aufzählung spricht für sich. Unsere Schüler sind in einem weiten Feld von Berufen (oder Schulen, im Fall der jüngeren Abgänger) tätig. Sie sind Ärzte, Tänzer, Musiker, Geschäftsleute, Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller, Automechaniker, Handwerker ... Unnötig, fortzufahren. Du kannst sie treffen, wenn du willst.

Wenn heute jemand zu mir käme und fragen würde: "Zu welcher Schule soll ich mein Kind schicken, wenn ich sichergehen will, dass es die besten Chancen für beruflichen Aufstieg im Fachgebiet seiner Wahl erhält?", dann würde ich ohne das geringste Zögern antworten: "Sudbury Valley ist für diesen Zweck die beste Schule im Land." Leider ist sie zur Zeit der einzige Typ von Schule, der diese Aufgabe erfüllt und die Zukunft im Blick hat.

Was Berufe angeht, hat Sudbury Valley der Zukunft die Stirn geboten und damit Erfolg gehabt. Es ist nicht länger notwendig, in der Vergangenheit herumzuwühlen.

Moralische Grundlagen

Jetzt kommen wir zu einem sensiblen Thema. "Schulen sollen gute Menschen hervorbringen." Das ist ein ziemlicher Allgemeinplatz. Natürlich will niemand, dass Schulen schlechte Menschen hervorbringen.

Aber wie macht man gute Menschen? Das ist der Haken. Ich wage zu sagen, dass niemand die Antwort wirklich kennt, jedenfalls soweit ich das um mich herum sehe. Aber zumindest haben wir etwas Ahnung davon. Wir wissen, und haben (wieder einmal) aus der Erfahrung vergangener Zeiten gelernt, was die unverzichtbare Zutat für moralisches Handeln ist - die Zutat, ohne die Handlungen im besten Fall amoralisch, im schlechtesten unmoralisch sind.

Dieser Bestandteil ist persönliche Verantwortung.

Jedes ethische Verhalten setzt sie voraus. Um ethisch zu sein, muss man in der Lage sein, einen Weg auszuwählen und die volle Verantwortung für die Entscheidung und deren Folgen zu akzeptieren. Man kann nicht in Anspruch nehmen, ein passives Instrument des Schicksals, von Gott, von anderen Leuten oder höherer Gewalt zu sein. Solchein Anspruch würde sofort dazu führen, dass alle Unterschiede zwischen Gut und Böse sinnlos und inhaltsleer werden. Der Ton, aus dem der schönste Topf der Welt geformt wurde, kann keinen Anspruch erheben, Ursache der Schönheit dieses Topfes zu sein.

Ethik geht von der Grundidee aus, dass ein Mensch für seine Handlungen verantwortlich ist. Das ist eine Tatsache. Schulen können das nicht ändern, aber entweder anerkennen oder leugnen.

Leider entscheiden sich heutzutage praktisch alle Schulen dafür, zu leugnen, dass Schüler für ihre Handlungen persönlich verantwortlich sind - auch wenn die Leiter dieser Schulen Lippenbekenntnisse für dieses Konzept abgeben. Die Leugnung ist dreifacher Art: Schulen erlauben ihren Schülern nicht, Handlungsabläufe vollständig selbst zu bestimmen, sie erlauben Schülern nicht, den einmal gewählten Weg zu verwirklichen, und sie erlauben Schülern nicht, die Konsequenzen dieses Weges zu tragen. Entscheidungsfreiheit, Handlungsfreiheit und die Freiheit, die Folgen des Handelns zu tragen - das sind die drei großen Freiheiten, die persönliche Verantwortung ausmachen.

Es ist ja bekannt, dass es zu den grundsätzlichen Verfahrensweisen der Schulen gehört, die Wahl- und Handlungsfreiheit einzuschränken. Aber ist es verwunderlich, dass Schulen die Freiheit, die Folgen der eigenen Handlungen zu tragen, einschränken? Das sollte es nicht. Es ist zu einem Grundsatz moderner Pädagogik geworden, dass die Psyche eines Schülers in dem Maß Schaden nehme, wie sie auf das doppelte Übel von Ablehnung und Erfolglosigkeit trifft. "Erfolg führt zum Erfolg", heißt es heute: ermutigen, niemanden vor den Kopf sto- ßen, enttäuschende Rückschläge vermeiden; die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Dass unsere Schulen nicht für ethische Ausbildung bekannt sind, ist kein Wunder. Ihr Versagen entschuldigen sie, indem sie sagen, dass Wertevermittlung in die Elternhäu- ser gehöre. Sicher, das tut sie. Aber schließt es sie deshalb aus der Schule aus?

Zurück zu den Grundlagen. Bei Sudbury Valley ist es um diese drei Freiheiten gut bestellt. Jeder trägt für sich selbst die Verantwortung. Verantwortung ist universell, immer gegenwärtig, real. Wenn du irgend einen Zweifel daran hast, komm vorbei und sieh dir die Schule an! Schau dir an, was die Schüler so tun. Studiere das Justizsystem. Erlebe mit, wie ein Schüler in der Abschlussprüfung eine Versammlung von Mitschülern davon überzeugen muss, dass er bereit ist, in der Gesellschaft für sich selbst verantwortlich zu sein, so wie er es auch an der Schule gewesen ist.

Bringt Sudbury Valley gute Menschen hervor? Ich denke, ja. Und schlechte auch. Aber sowohl die guten als auch die schlechten haben zu jeder Zeit persönlich Verantwortung für ihre Taten übernommen, und ihnen wird klar, dass sie für ihre Taten voll verantwortlich und haftbar sind. Das ist es, was Sudbury Valley auszeichnet.

Soziale Grundlagen

Vor einiger Zeit kam es in Mode, unsere Schulen zu bitten, auf die soziale Anpassung der Schüler zu achten. Ihnen beizubringen, wie man zurechtkommt; unsere Gesellschaft von sozialen Missständen zu befreien, indem man in jungen Jahren Einfluss nimmt, nämlich in der Schule. Ein hochgestecktes Ziel? Vielleicht. Aber wieviele Leute haben sich abgemüht mit Schulberichten über ihre eigene gesellschaftliche Anpassung, oder die ihrer Kinder, bzw. über deren Fehlen! Ist es nicht seltsam, wie sehr den Leuten ihre Sachen manchmal misslingen?

Ich meine, Menschen sozialisieren zu wollen, ist schon schwer genug; die Schulen aber scheinen dieses Ziel schon fast methodisch zu verfehlen.

Nehmen wir zunächst mal die Trennung nach dem Alter. Welches Genie hat sich umgeschaut und ist auf die Idee gekommen, dass es sinnvoll wäre, die Menschen streng nach ihrem Alter auseinanderzuhalten? Findet solch eine Einteilung irgendwo von Natur aus statt? Arbeiten in der Industrie alle 21jährigen getrennt von den 20jährigen oder den 23jährigen? Gibt es in der Geschäftswelt getrennte Räume für 30jährige Angestellte und für 31jährige? Bleiben auf dem Spielplatz Zweijährige den Einjährigen und Dreijährigen fern? Wo, wo auf Erden wurde diese Idee ausgebrütet? Gibt es irgendetwas, das sozial schädlicher ist, als Kinder 14 - oft 18 - Jahre lang nach Jahrgängen zu sortieren?

Oder nimm die häufig anzutreffende Geschlechtertrennung, die es auch in koedukativen Schulen für zahlreiche Aktivitäten gibt.

Oder die große Kluft zwischen Kindern und Erwachsenen - hast du mal beobachtet, wie verbreitet es unter Kindern ist, Erwachsenen nicht in die Augen zu sehen?

Und jetzt betrachten wir einmal die gesellschaftliche Situation, die für Kinder innerhalb ihrer eigenen Altersgruppe geschaffen wurde. Wenn die Schulen einem Zwölfjährigen schon normale menschliche Beziehung zu Elfjährigen; Dreizehnjährigen, Erwachsenen, usw. gerade zu unmöglich machen, wie werden wohl die Beziehungen zu anderen Zwölfjährigen aussehen?

Keineswegs besser. Die hauptsächliche, fast ausschließliche Beziehungsform, die in der Schule unter Schülern einer Klasse gepflegt wird, ist - Konkurrenz! Ruinöser Wettbewerb! Die Hackordnung kommt an erster Stelle. Wer ist besser, schlauer, schneller, größer, hübscher - und natürlich: Wer ist schlechter, dümmer, langsamer, kleiner, häßlicher?

Hätte man jemals ein System entwerfen wollen, das Konkurrenz, Unbeliebtheit, Unsicherheit, Paranoia und soziale Missstände erzeugt, die jetzigen Schulen wären seine Verwirklichung.

Zurück zu den Grundlagen. Im wirklichen Leben ist Kooperation das wichtigste soziale Merkmal für eine stabile, gesunde Gesellschaft. In der realen Welt ist die wichtigste Form von Wettbewerb der gegen sich selbst, gegen Ziele, die man sich selbst gesetzt hat, um voranzukommen. In der realen Welt ist eine zwischenmenschliche Konkurrenz um ihrer selbst willen allgemein als sinnlos und destruktiv erkannt - selbst in großen Konzernen und im Sport.

In der realen Welt - und in der Sudbury Valley School, die eine Schule für die reale Welt ist.

Politische Grundlagen

Wir halten es für selbstverständlich, dass Schulen die Entwicklung zu einem guten Bürger begünstigen sollten. Allgemeinbildung hat besonders in diesem Land immer auch sehr darauf geachtet, aus uns allen gute Amerikaner zu machen.

Wir alle wissen, wofür Amerika steht. Unsere Gründerväter haben die Grundprinzipien klar dargelegt. Und sie wurden seitdem ständig weiterentwickelt.

Dieses Land ist eine demokratische Republik. Es gibt keinen König, keinen Hofstaat, keinen Adel, keine vorgegebene Hierarchie, keinen Diktator. Es gibt eine Regie- rung des Volkes, durch das Volk und für das Volk. In politischen Angelegenheiten entscheidet die Mehrheit. Alle Betroffenen können mitentscheiden.

Dieses Land ist ein Land der Gesetze. Es gibt keine willkürlichen Herrscher, keine launische Regierung, die mal gibt, mal nimmt. Es gibt rechtsstaatliche Prozesse.

In diesem Land haben die Menschen Rechte - angeborene Rechte. Unseren Vorvätern haben diese Rechte so viel bedeutet, dass sie sich weigerten, die Verfassung ohne einen Grundrechtekatalog zu unterschreiben, der sofort hinzugefügt wurde.

Mit all diesem Wissen würden wir erwarten - nein, darauf bestehen, sollte man meinen - dass die Schulen, wenn sie den Schülern beibrin- gen wollen, produktiv zur politischen Stabilität und Entwicklung Amerikas beizutragen, folgende Eigenschaften haben müssen:

Ein Schüler, der in einer Schule mit diesen Merkmalen aufwächst, wäre befähigt, konstruktives Mitglied der Gesellschaft zu sein.

Tatsächlich aber fallen die Schulen durch das Fehlen eines jeden dieser drei zentralen amerikanischen Werte auf.

Sie sind autokratisch - alle von ihnen, sogar die sogenannten progressiven Schulen.

Ihnen fehlen klare Richtlinien. Und rechtsstaatliche Verfahren abzuhalten, wie es sonst bei beschuldigten Regelverletzern üblich ist, ist ihnen völlig unbekannt.

Sie erkennen die Rechte von Minderjährigen nicht an.

So ist es bei allen - außer Sudbury Valley, die auf diesen drei Prinzipien aufgebaut wurde.

Ich denke, man kann sicher sagen, dass die individuellen Freiheiten, die von unseren Vorfahren und von jeder der nachfolgenden Generationen so wertgeschätzt wurden, niemals wirklich gesichert sein werden, solange unsere Jugend in der Schule keine Umgebung findet, die diese amerikanischen Wahrheiten verkörpert, gerade auch für die entscheidenden Jahre, in denen sich ihr Verstand und ihr Geist formen.

Zurück zu den Grundlagen

Man sieht also, Sudbury Valley wurde 1968 von Leuten gegründet, die sehr intensiv über Schulen nachgedacht haben, darüber, wie Schulen sein und was sie tun sollten, darüber, worum es in Amerika bei Bildung heutzutage überhaupt geht.

Wir gingen zurück zu den Grundlagen; und wir blieben ihnen treu. Und wir haben diese Grundlagen vor allen Versuchen, sie zu gefährden, beschützt wie unseren Augapfel. Auch unsere Nachfolger müssen sie weiter bewachen. Intellektuelle Kreativität, berufliche Brillanz, persönliche Verantwortung, gesellschaftliche Toleranz, politische Freiheit - all das sind die besten Schöpfungen des menschlichen Geistes. Sie sind zarte Blüten, die beständige Pflege erfordern.

Alle von uns, die in Verbindung mit Sudbury Valley stehen, sind stolz darauf, zu dieser Pflege beizutragen.


Lernen TexteSudbury Valley School

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Montag, 18. Februar 2002

Eine AlternativeSchule in voller Schüler-Selbstverwaltung. Die Schüler regeln selbst nicht nur Art und Umfang ihres Lernens sondern sind auch selbst die Arbeitsgeber der Lehrer.