Die Aliens sind unter uns

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Daten
ISBN: 3442755484

Die Aliens sind unter uns - Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter.

Preis: EUR 9,20

319 Seiten. 1999. btb/Goldmann.

Rezensionen

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Anfangs ein beklemmender Dialog aus Akte X, dazu ein Buchtitel über unter uns weilende Aliens – da könnte man leicht einen falschen Eindruck über den Inhalt dieses Buches bekommen. Mitnichten geht es um Außerirdische, sondern vielmehr um die Aliens innerhalb unserer menschlichen Gesellschaft. Wer die sind? All diejenigen, die still und heimlich dafür sorgen, daß viele Mitbürger ohne zu murren ihre alltägliche unbefriedigende Arbeit verrichten, und die davon profitieren. All diejenigen, die uns Demokratie vorgaukeln, in Wahrheit aber ein verlogenes System von Lobbyisten und Machtgeilen stützen. Kurzum, Christoph Spehr hat ein Buch über die Schattenseite unserer ach so sozialen und demokratischen Gesellschaft geschrieben und mahnt zur Befreiung aus deren einengenden Strukturen.

Seine Kritik hat er geschickt in den Ansatz der bereits unter uns befindlichen Aliens gepackt. Das klingt auf den ersten Blick befremdlich, funktioniert aber dank allerlei Bezüge auf unsere moderne Kultur erstaunlich gut. Es finden sich Queen-Zitate, Jimi Hendrix kommt zu Wort, der eine oder andere Kinofilm hält Einzug und immer wieder tauchen Aliens auf, deren aus Star Wars oder Raumschiff Enterprise entliehene Weisheiten erstaunlich gut auf unsere Gesellschaft passen. Doch liest man weiter, geht einem schnell auf, daß Spehr intensiv gegen die Bevormundung der breiten Masse durch eine kleine elitäre, sich aber volksnah gebende Schicht protestiert. Deren Herausbildung hat er historisch nachgezeichnet und ihr heutiges Vorgehen fundierter erläutert, als man es ob seines Alien-Ansatzes zunächst vermutet. Zugegeben, Spehrs Ausgangspunkt mag nicht jedermanns Sache sein, aber einmal aufgeblättert, fesselt sein Buch mit Aussagen, die ein weiteres Überdenken lohnen. --Joachim Hohwieler

Kurzbeschreibung

Aliens benutzen und beherrschen die Menschen. Christoph Spehr spürt die "Aliens" unter uns auf: in Regierungen und Konzernen, bei der Arbeit und in der Familie. Er zeigt, wie in unserer Gesellschaft Macht ausgeübt und begründet wird - gerade dort, wo sie sich vernünftig, offen und demokratisch gibt.


Der Autor, mailto:yetipress@compuserve.com aus Bremen , 14. Oktober 1999

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, haben Sie wahrscheinlich was gelernt. Sie werden Aliens die Stirn bieten, die sich mit einer Flasche Sekt und einem Päckchen Tiefkühlpizza im Korb und einem freundlichen "Ich darf doch?" vor Sie in die Schlange drängen wollen, während Sie schwitzend einen gewaltigen Einkaufswagen mit dem Wochenendeinkauf für eine vierköpfige Familie steuern. Sie werden Schlüsselworte erkennen wie "Verantwortung", "Flexibilität", "Anspruchsdenken". Sie werden Aliens identifizieren können, wo immer Sie ihnen begegnen: in Politik, Beziehung, Familie, Beruf. Daß wir von Aliens beherrscht werden, liegt am demokratischen Zeitalter. Früher legten alle herrschenden Gruppen größten Wert darauf, etwas ganz Anderes, Besseres, Übermenschliches zu sein und deshalb von Natur das Recht zur Herrschaft zu haben - als Fürsten, als Weiße, als Männer, was auch immer. Dieses Modell hat sich jedoch verbraucht, und damit schlug die Stunde der Aliens: Wesen, die aussehen wie du und ich; die beteuern aus unserer Mitte zu stammen; Wesen, mit denen wir gestern noch gemeinsam gelebt, gearbeitet, gekämpft haben. Nur daß sie heute einem anderen Programm folgen, das sie als Aliens ausweist: als Außerirdische, die alle Arbeit und Natur auf diesem Planeten für ihre angeblich so großartigen Ziele nutzbar machen wollen. Während die gängigen politischen Theorien zur Entlarvung von Aliens nicht durchweg brauchbar sind, stattet uns die Welt des Science Fiction mit einer Fülle von Bildern und Erkenntnissen aus über Wesen und Wirken der Aliens und über die Mechanismen ihrer Macht. Lesen Sie, was John Carpenter und James Cameron, Mulder und Scully, Matrix und die Borg dazu zu sagen haben; wie die Herrschaft der Aliens funktioniert und was wir dagegen tun können. Inhalt: Alien-Blues - Fight the Future - Ungleiche, gleiche und gleichere Tiere - Busfahren im Postfaschismus - Tote Kühe - Einssein mit den Borg - Gespenster - Baby-Blues - Gift und Gegengift - Picknick auf Tatooine - Glauben Sie nicht an Löffel!


Eine Leserin oder ein Leser aus Marburg, BRD (Hessen) , 26. November 1999 Unterhaltsame und realistische Analyse des Postfaschismus

In den letzten 20 Jahren sind die theoretischen und literarischen Produkte der westdeutschen Linken im wesentlichen von Nostalgie, Selbstmitleid und Besserwisserei geprägt gewesen (Ausnahmen bestätigen ... usw.). Christoph Spehr ändert das endlich und gründlich: "Die Äliens sind unter uns" ist die Zusammenfassung der Realität, auf die die Überlebenden gewartet haben, also diejenigen, die trotz überwältigendem Zeitgeist nicht glauben wollen, daß Emanzipation und Befreiung endgültig erledigt sind, auch wenn ihnen grade nichts Originelles mehr einfällt, wie das zu bewerkstelligen sei. Wer noch ab und zu aus seiner Höhle kriecht und einen Blick auf das richtige Leben wirft, erkennt in Christophs bissigen und witzigen Beschreibungen das wieder, was es da zu sehen gibt. Und findet die scheinbar so postmodern unübersichtlichen Strömungen, Gruppen, Personen, Moden, Kulturen usw. in einer ebenso einfachen wie überzeugenden Analyse zugeordnet und mit Begriffen benannt, die nicht nur aussagekräftig und benutzbar, sondern auch noch originell und der linken (Sub)Kultur angemessen sind. Hier handelt es sich um tatsächliche linke Begriffsbildung, nicht um die Erfindung immer neuer und nichtssagender "Bindestrich-Gesellschaften" (Informationsgesellschaft, Risikogesellschaft, Wissensgesellschaft), mit denen die SoziologInnen und PolitologInnen in den letzen Jahren sich bestätigt und uns gelangweilt haben. Aliens, ZivilistInnen, FaschistInnen und der Maquis sind die Gruppen, die die Struktur des Postfaschismus bilden und zu einer von diesen wird man !jedeN zugehörig finden, mit der/dem man sich so auseinanderzusetzen hat. Und am Ende kriegt man auch noch eine Idee davon, wo es weitergeht und was vielleicht zu tun sei. Ganz abgesehen davon, daß Christoph Spehr nicht nur feststellt, das Leben mache manchmal Spaß, obwohl wir Postmoderne haben und das zwanzigste Jahrhundert ziemlich unwitzig war, sondern auch beweist, daß auch das Lesen und Überdenken von linker Geschichte, Theorie und Politik mindestens ebenso unterhaltsam (und aufschlußreicher) sein kann wie die neueste Star-Wars-Produktion. Also: Lesen, weitersagen, verschenken, drüber diskutieren und vor allem: weitermachen!


andy.markovits aus Bremen, BRD , 2. November 1999

Ich kenne das Leben, ich bin im Kino gewesen Das Lesen schlauer Bücher allein erhellt nicht zwangsläufig die elementarsten gesellschaftlichen Zusammenhänge. Spehr präsentiert in seinem Buch das reichhaltige Wissen populärkultureller Medien. In einem amüsanten wie ernsthaften Rundgang durch die Geschichte des Science Fiction Films enthüllt der Autor, daß die Aliens keineswegs als abstoßende Schleimbeutel in riesigen Raumschiffen am Himmel hängen werden und der Erde eine erstklassige Sonnenfinsternis bescheren, bevor sie darangehen, alles auseinanderzulasern: Die Aliens haben die Erde längst unerkannt übernommen! Der Autor illustriert anhand der Aliens, wie Herrschaft in Zeiten der Demokratie ausgeübt wird, und widerlegt zudem noch die Eingangsthese: Doch, bezüglich grundlegender gesellschaftlicher Zusammenhänge gibt es wirklich schlaue Bücher!


kiwiviv @ uni-bremen.de , 28. Oktober 1999

Science-Fiction, Polit-Pop, badewannentauglich Das Buch ist respektlos, witzig und elegant. Obwohl es auf 320 Seiten mal eben die Geschichte der letzten 100 Jahre, die theoretischen Anregungen der neuen sozialen Bewegungen und die Grundzüge der Postmoderne abhandelt, kann man es auch noch abends im Bett oder in der Badewanne lesen. Science-Fiction-Fans haben mehr Spaß dabei, aber auch die anderen sollten es sich nicht entgehen lassen. In einem am modernen SF-Serienkonzept geschulten Verfahren wird eine Mythologie eingeführt, von der aus die wundersamsten Verzweigungen gefunden werden. Dass Voyager nich die dritte, sondern die vierte Star-Trek-Serie ist (S.168) sollte für die nächste Auflage aber bitte berücksichtigt werden.


DeutschlandFunk Manuskript vom: 1.12.99

von FlorianFelixWeyh

Still ist es um sie geworden, die Fundamentalgegner der bundesrepublikanischen Konsens-Gesellschaft, die mit asketischer Härte und durchaus nicht immer friedlichen Mitteln den Ausstieg aus dem Wohlstandsparadies predigten: weniger verbrauchen, urtümlicher leben, selbstbestimmter arbeiten. Ende der achtziger Jahre schien es fast, als könnten sie auf eine breite Wählerschaft zählen, als sei mit einem möglichen Kanzler Lafontaine und einem Außenminister Fischer der "dritte Weg" in den ökologischen Kapitalismus oder demokratischen Ökosozialismus möglich.

Doch dann fiel die Mauer und damit die letzte Option, sich innerhalb der überkommenen dualen Weltordnung eine gemütliche Nische zu suchen, in der ideologischer Anspruch und gesellschaftliche Wirklichkeit nicht gänzlich auseinanderklafften. Heute ist Joschka Fischer Außenminister, aber er ist nicht mehr Joschka Fischer, sondern ein Alien, und niemand würde sich ernstlich wundern, träte er der FDP bei oder ließe sich von der grünen Urmutter SPD endgültig einkaufen.

Auch um die undogmatische Linke ist es still geworden, die jahrzehntelang davon profitierte, sich gegen beide Systeme abgrenzen zu können. Das Weltkind in der Mitten war unschuldig an den Irrläufen des realen Sozialismus und selbstredend unbeteiligt an den kapitalistischen Ausbeutungsexzessen in der zweiten und dritten Welt. Von den Zwängen zur eigenen Theoriebildung verschont, verschwand mit dem eisernen Vorhang allerdings auch die eigene Identität, und glaubt man Christoph Spehr, läßt sie sich nicht historisch rekonstruieren, sondern nur zeitgenössisch wiederbeleben. In diesem Fall mit Hilfe eines großen kapitalistischen Trivialmythos.

"Die Aliens sind unter uns!" warnt Spehr und baut auf dem Erfindergeist von Hollywoodautoren ein ganzes politisches System auf. Demokratie ist Alienismus, Kapitalismus sowieso, Sozialismus nicht minder, denn die historischen Trennlinien verlaufen weitaus früher, nämlich zwischen der Einzelherrschaft von Monarchen blutig wiederholt in den Anknüpfungsversuchen des Faschismus und der selbstregulativen technischen Zivilisation des industriellen Zeitalters. Ob demokratisch bemäntelt oder nicht, bedarf diese Herrschaftsform einer Funktionselite bar jeglicher Verbindung zu ihrem ursprünglichen Menschsein, Aliens eben, die sich vor Beziehungsarbeit und Eigenverantwortung drücken, in Hierarchien Deckung suchen und parasitär von der Leistung anderer leben.

Natürlich kennen wir alle Aliens dieser Art, ob sie nun als BDI-Präsidenten oder Talkmaster ihr Unwesen treiben, und Christoph Spehr kann sich der breiten Zustimmung seiner Leserschaft gewiß sein: Aliens, das sind immer die anderen! Der vergnügliche und intellektuell anregende Essay zwischen Parodie und Pamphlet scheut durchaus keine Tabubrüche etwa in seiner Analyse des nicht auf eine Epoche begrenzten, sondern strukturell überall virulenten Faschismus, doch stößt er in der Mitte des Buches an eine Grenze. Nur der Nicht-Alien kann Aliens analysieren, aber was ist er, wenn er nicht dazugehört? Spehr macht zwei weitere Kategorien auf. Zum einen die der "Zivilisten" unterhalb der Managementebene, also der Mehrheit von Mitläufern und Konsumenten. Zeigen sie sich ambitioniert, steigen sie manchmal in die Funktionärselite auf, doch meistens begnügen sie sich mit ihrem Dasein am unteren Ende der Hierarchie. Zum anderen die Kämpfer und da entlarvt sich das Buch als geschickt getarntes Remake vergilbter Revolutionstraktate.

Nach dem Tarnnamen der französischen Résistance nennt Spehr diesen Gesellschaftsbereich "Maquis", jenes Unterholz, in das weder Zivilisten noch Aliens vordringen. Hier hausen die Feministinnen, die Anti-Rassisten, die Befreiungskämpfer jedweder Couleur und mit Leichtigkeit vermag jeder Anhänger der ehemals undogmatischen Linken hier seine Parzelle zu bebauen. Kämpfer sind Heroen, auf ihnen ruht die Hoffnung der Welt, und leider meint Spehr das nicht mehr ironisch, sondern erschreckend affirmativ. Wie im politischen Anarchismus des 19. Jahrhunderts erscheint ihm jede Reformanstrengung als "alienistischer" Trick, dem es sich zu widersetzen gilt. Nur ein ständiger Guerillakrieg, nur die Fundamentalopposition gegen Außerirdische vermag Gerechtigkeit in die Welt zu bringen doch wie sieht ihr Antlitz wohl aus?

Eine düsteres Reich selbstgefälliger Moralisten bleckt einem da aus dem Buch entgegen, gespeist von der naiven Romantik unentfremdeter Arbeit und herrschaftsfreier Kommunikation. Seinem Wunschdenken verhaftet, gelingt dem Autor zwar die luzide Analyse des gegnerischen Systems, doch die morschen Fundamente des eigenen bleiben undurchleuchtet. Daß im "Maquis" die Grundstimmung paranoid sei, weil man überall Verräter und Überläufer wittere, räumt Christoph Spehr zwar ein, plädiert aber trotz aller Exzesse der letzten Jahre für "politicial correctness" als Mittel des Minderheitenschutzes. Je pathetischer sein Heldengesang auf die lebenslangen Kämpfer gegen den Alienismus, desto kälter läuft es einem den Rücken herunter, bis man zum Schluß zu Schlips und Kragen greift und einen Aufnahmeantrag bei den Aliens stellt. Ihre "repressive Toleranz" ist nämlich eine weit angenehmere und durchaus nicht unmoralischere Lebensform als die Besserwisserei der Spehrschen Kampftruppen. Gerechtigkeit für alle gibt es nur im Kompromiß und den fürchten Randgruppenideologen mehr als jeder Alien.

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