unbezahlte Arbeit

Version 24, toka am 27.9.2007 08:38

Der größere Anteil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit, die neben der Erwerbsarbeit Haushaltsarbeit, Lernarbeit, Nachbarschaftshilfe, unbezahlte soziale Arbeit, ehrenamtlichen Tätigkeiten und unbezahlte Erwerbsarbeit (Bewerbungen, Aquisition, Praktika, Anfahrt) enthält.

Karl Marx hat die Qualität der Ausbeutung in der "mehrwertheckenden" Erwerbsarbeit auch gerne dadurch deutlich gemacht, daß er einen gewissen, unterschiedlich langen Teil des Arbeitstages als unbezahlte Arbeitszeit markiert hat, deren Produkt enteignet wird. Derart aufgeteilt, ragt die unbezahlte Arbeit tatsächlich noch ein gutes (schlechtes) Stück in die Erwerbsarbeit hinein.

Texte

Diskussion

Was ist keine Arbeit? Ist Träumen nicht auch Arbeit? --benni

Ein Begriff zu dem es keinen Antipoden mehr gibt, ist vor allem erstmal keiner dieser fiesen Dualismen, die unser Leben durchdringen. Allen voran der Geschlechterdualismus. Und Arbeit/Nichtarbeit ist auch so ein fieser Dualismus. Die feministische Reaktion die Unbezahltheit von Tätigkeiten zu kritisieren ist völlig richtig, weil sie die Farce der Ökonomie offensichtlich macht. Zu fordern wäre also nicht, alle Arbeit (was auch immer das jetzt sei) zu bezahlen (was hier niemand tut, ick jedenfalls nich --MiK), sondern im Gegenteil alle Arbeit zu unbezahlter Arbeit zu machen und sich die gesellschaftliche Produktion direkt anzueignen und nicht auf dem Umweg über irgendwelche Zwangsmittel. Und dann kommt auch in den Blick, das Arbeit nichts weiter als ein ideologischer Kampfbegriff ist, den positiv weiter zu verwenden - und sei es nur in Form von "unbezahlter Arbeit" - kontraproduktiv ist. ... ... Statt über unbezahlte Arbeit zu lamentieren (was hier niemand tut, ick jedenfalls nich, lamentieren ist nicht mein Ding --MiK) sollte man lieber Existenzgeld fordern auch ganz unabhängig davon ob man etwas "leistet", denn jeder Mensch, der atmet, produziert. --benni Noch eine Ergänzung: Das jetzt selbst Trauer Arbeit sein soll, zeigt btw. besonders gut die Perversion, dass man eine Tätigkeit adelt in dem man sie "Arbeit" nennt. Ist es denn nicht selbstverständlich, dass Trauern eine notwendige, produktive Tätigkeit ist? Muss ich das gegenüber dem arbeitssüchtigen Mainstream beweisen, indem ich sage, meine Trauer sei "Arbeit"? --benni Es scheint mir, daß oft ein Kurzschluß zwischen Anerkennung und Bezahlung vorliegt. Es wäre imho sinnvoll, zwischen diesen zu trennen. Leider ist es auch so, daß das Tun, was viel Anerkennung bedürfte, zumeist schlecht bezahlt wird; und umgekehrt. --ToKa Ich würde gerne die Wurzeln des Wortes "Arbeit" wissen. In der Physik ist es etwas, was multipliziert mit Zeit Leistung ergibt. Somit sind wir beim Maß, Wert, Vergleich. Ist dieses vielleicht unbewußt impliziert, wenn Arbeit so gerne benutzt wird ?

Arbeit hat aber auch andere Bedeutungen, die mir zu verbalisieren schwierig fallen: Holz arbeitet, es arbeitet in mir, etwas ausarbeiten, an sich arbeiten, sich etwas erarbeiten. Wenn mein eineinhalbjähriges Kind sich intensiv mit etwas auseinandersetzt sage ich gerne "es arbeitet", somit hat Arbeit auch etwas von Konzentration. Ist der Kern dieser Bedeutungen vielleicht zielgerichtetes Tun ? Ich denke auch , daß Spiel kein Antipode zur Arbeit ist sondern eine andere Qualität von Tun beleuchtet, die manchmal mit arbeiten einhergeht und manchmal nicht. Was Spiel und spielen im Kern bedeuten würde ich auch gerne verstehen. --ToKa

Ich arbeite derzeit für 1 euro/std in ner Computerwerkstatt. Diesen Lohn setze ich jetzt mal keinem Lohn gleich. Ich mache aber was ich will und was ich für richtig halte, so wie ichs überall mache. Bin also zufrieden und glücklich. Wenn es nicht offziell "arbeit" hieße würde ich es aber auch nicht so nennen. Eher "Frohes Schaffen"! --FloK