Liebe und Spiel

Version 23, 84.177.36.92 am 22.8.2006 11:42
Daten
Autoren: Humberto R. Maturana und Gerda Verden-Zöller
Titel: Liebe und Spiel
Untertitel: Die vergessenen Grundlagen des Menschseins

In diesem Buch gibt es einen Essay, der versucht, die Entstehung unserer patriarchalischen Strukturen zu rekonstruieren: Matristische und patriarchale Konversationen

Definitionen

Emotion, Emotionieren, Konversation, Sprachhandeln, Sprachhandlung, Selbst, Religion

Diskussion

benni:

hab das Buch grad gelesen und finde den genannten Essay zwar noch ganz interessant (wenn auch sehr spekulativ), aber ansonsten ziemlich dünn. Ihre Begriffe sowohl von "Liebe" als auch von "Spiel" sind ziemlich trivial und undialektisch. Und gegen Ende driftet das dann auch noch in ein ziemlich reaktionäres Frauenbild ab, was nur leicht kaschiert wird (Mutter arbeitet ⇒ Kind wird krank, Mutter arbeitet im Haushalt ⇒ Kein Problem). Ärgerlich ist auch, dass das Buch extrem teuer ist und sie die ganze Zeit davon reden, dass wir eine Kultur ohne Wettbewerb, Konkurrenz und Gegeneinander brauchen und in einer Fußnote wird dann angemerkt, dass Verden-Zöllers (im übrigen ziemlich alberne) Seminarmethode patentiert ist!

thomas:

Hey, danke dass du es gelesen hast. Ich finde nur den spekulativen Teil von Maturana brauchbar. Stehe als Gesprächspartner zur Verfügung, habe aber das ganze schon vor einer langen Weile gelesen, kann es aber nachholen.

benni:

Sorry, dass das jetzt so pur negativ rüberkam. Wahrscheinlich reg ich mich grad so auf, weil ich ja das Grundanliegen teile. Was mich auch an dem spekulativen Maturana-Artikel stört, ist die einseitige Sicht auf Liebe und Kooperation ohne innere Widersprüche. Menschen als Individuen mit eigenen Wünschen kommen in seiner harmoniesüchtigen Sicht irgendwie nicht mehr vor. Was auch etwas irritiert, ist dass er ja sehr stark in der Tradition der Matriarchatsforschung argumentiert aber auf deren Protagonistinnen überhaupt nicht Bezug nimmt und man die Unterschiede somit nur erahnen kann.

christian:

Mir erscheint der Text auch zu spekulativ, außerdem sind viele Ungereimtheiten darin zu finden: Erst sollen Kulturen geschlossene Netzwerke sein, dann soll man aber an verschiedenen teilhaben können. Aber viele kulturelle Teilpraxen (Mathematik, Naturwissenschaften) sind längt über/interkulturelle Projekte. Dann teilt er die Welt irgendwie auf in matristisch/patristisch, dann sollen diese Kategorien (existierende?) Lebensweisen bezeichen (obwohl es eher analytische Kategorien sind), dann sollen diese Lebensweisen wieder miteinander "kämpfen". Er legt eine sehr einseitige Deutungsfolie über die Weltgeschichte.

sigi:

es ist sicher mehr dichtung als wahrheit und der titel heißt ja auch "liebe und spiel" (von daher wohl auch die co-autorin) . dennoch teile ich seinen ansatz, im patriarchat so etwas wie den sündenfall der menschheit zu sehen (... später gewann das böse (arbeits-teilung → herrschaft der dinge → gewalt statt sprache) dann die oberhand und die gesellschaft musste damit leben (das ist nicht von maturana sondern von mir)) .
warum er sich allerdings weigert, den ausdruck "matriarchat" zu gebrauchen, ist mir schleierhaft oder zeigt wohl tatsächlich, dass ihm heide goettner-abendroth und somit der wesentliche weibliche zweig der matriarchats-forschung völlig unbekannt war .

christian:

Benni meinte es, denke ich, auch: Der Wunsch des Autors nach einer besseren Welt führt hier zu sehr einseitigen Wertungen, obwohl viel Richtiges angesprochen wird. Ich bin der Meinung, dass andere zu diesem Thema viel gründlicher gearbeitet haben (z.B. Christoph Türcke: Sexus und Geist).

benni:

Noch etwas: Jessica Benjamin hat z.B. in Fesseln der Liebe deutlich gemacht, dass das Annehmen des Anderen (worum es ja auch Maturana geht) wesentilch zu tun hat mit der Aufrechterhaltung eines Spannungsverhältnisses zwischen den Individuen. Diese Spannung wird IMHO von Maturana einseitig aufgelöst (bzw. als patriarchal denunziert). Kannst Du etwas mehr zu Türcke schreiben, Christian? Oder gibts einen Link auf eine Besprechung oder so?

Neue Seiten im Kontext

Mittwoch, 27. November 2002

Konversation : Die Verflechtung von Sprachhandeln und Emotionieren, in der sich alle menschlichen Tätigkeiten ereignen. Wir menschliche Wesen leben in Konversationen, und alles, was wir tun, ereignet sich in Konversationen.

Der Begriff Konversieren, geht auf die Verbindung zweier lateinischer Wurzeln zurück: cum - mit und versare umgehen, verkehren. Er bedeutet seinem Ursprung nach "mit dem anderen verkehren, mit dem anderen umgehen."

Donnerstag, 7. Februar 2002

Das war mal der Anfang einer Sammlung. Sollte eine Gegenüberstellung dessen sein, was eine abstrak- und eine konkret- vermittelte Kultur ausmacht. Es gibt so was ähnliches (aber ausführlich) von Maturana in Liebe und Spiel (im Essay Matristische und patriarchale Konversationen)