Roland Gutscheinring

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Der Bremer Roland Gutscheinring - das verbesserte Wörgl-System

Der "Roland" ist eine Schrumpfwährung, die in Bremen seit etwa einem Jahr als Tauschringwährung existiert. Die Gutscheine können käuflich (gegen Geld) erworben werden und in Läden gegen Waren eingetauscht werden. Zur Zeit ist eine überregionale Ausdehnung im Gespräch.

Roland-Modell wenig ausgereift ?

Aus CONTRASTE Nr. 226/227 (Sommer 2003)

In unseren Ausgaben Nr. 219 und 220 wurde der Roland-Gutschein ausfuehrlich vorgestellt. Dem Hamburger Tauschmagazin vom April 2003 entnahmen wir folgenden Kommentar von Dagmar Capell, Hamburg.

Trotz Bewunderung fuer den Einsatz und die innovative Idee tauchen bei genauem Hinsehen einige Faktoren auf, die das Roland-Modell derzeit als wenig ausgereift erscheinen lassen. Die auf der Homepage des Vereins veroeffentlichten Regeln sowie die dortigen teils plakativen Beschreibungen beinhalten keine verbindlichen Aussagen, die Vereins-Satzung ist nicht veroeffentlicht. Auch sagen die aufgefuehrten "Regeln" nichts ueber einen etwaigen Rueckkauf von Roland-Gutscheinen gegen Euro oder ueber eine geplante Kreditvergabe an Gewerbetreibende der Region aus.

Aussagekraft hat lediglich die rechtliche Beurteilung vom Institut fuer soziale Oekologie, verfasst von Manfred Steinbach, ueber die gesetzliche Situation des Gutschein-Ringes. Stutzig macht, dass genau dieser Manfred Steinbach als Gruendungsmitglied so wenig Wert auf konkrete Aussagen ueber das Roland-System auf der Homepage macht, so dass die Bildung von Vertrauen zu diesem Modell fuer etwaige Mitglieder nicht einfach ist.

Nach Aussage des Vereins (Faltblatt/Homepage) sollen Ressourcen geschont werden und die Menschen wieder lernen, sich zu beschraenken, d.h. die Unternehmen koennen nicht mehr mit steigendem Wachstum rechnen. Im Widerspruch hierzu steht die Absicht, mit der Umlaufsicherung eine schnelle Weitergabe der Scheine zu sichern um die Produktion zu foerdern. Die Aussage ist eindeutig: Konsumieren oder finanziellen Verlust erleiden. Unternehmen koennten theoretisch durch ein zinsloses Darlehen profitieren. Praktisch kann dies derzeit aber kaum vergeben werden, da ein Grossteil des Geldes zum monatlichen Rueckkauf der Gutscheine benoetigt wird. Dafuer haben Firmen als Mitglied im Gutschein-Ring kostenlose Werbung sowie Dank des Einsatzes der Organisatoren geringen Aufwand und keinen finanziellen Verlust, solange die Gutscheine am Monatsende zurueckgenommen werden.

Privatpersonen zahlen genau wie die Unternehmer 10 Euro Aufnahmegebuehr, der Vorteil der Werbung entfaellt fuer sie jedoch. Der Erwerb sowie die Weitergabe des Rolands sind zeitaufwaendig und ohne direkten Vorteil. Im Gegenteil, alle Teilnehmer erleiden sogar Verlust wenn der Schein am Monatsende noch in ihrem Besitz ist und die Umlaufsicherung in Kraft tritt. Da die Haendler auf mehrere kleine Orte verteilt sind, werden beim Einkauf Ressourcen vergeudet.

Die Annahme, dass Mitglieder durch die Teilnahme am Gutschein-Ring ihren Umgang mit Geld neu bedenken, steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass die Konsumenten sich nicht im Sinne des Systems verhalten und z.B. Roland als Wechselgeld nicht oder kaum annehmen. Die Teilnehmer ersetzen zwar die Waehrung Euro gegen die Waehrung Roland, sie weigern sich aber die Konsequenz des moeglichen Verlustes durch die Umlaufsicherung zu tragen.

Gesetzt den Fall, dass die Teilnehmer irgendwann - wie urspruenglich geplant - die Umlaufsicherung tragen und kein monatlicher Rueckkauf der Gutscheine durch den Verein noetig ist, koennte das modellhaft geplante Ziel der Kreditvergabe zum Zuge kommen. Doch wurde die rechtliche und finanzielle Konsequenz zu Ende gedacht? Sollte ein von dem getauschten Geld vergebenes Darlehen nicht zurueckgezahlt werden, traegt der Verein das Risiko bei diesem ungesicherten Modell. Fuer die Mitglieder wuerde dann die Moeglichkeit entfallen, Gutscheine zurueck zu tauschen und sie muessten weiterhin mit Roland bezahlen oder auf ihr Geld verzichten. 1998 wurde ein Urteil des Bundesgerichtshofs gegen eine Bartergesellschaft erlassen, das eventuell auch auf das Roland-Gutschein-Modell zutreffen koennte. Eine Pruefung ist zu empfehlen (BGH-Urteil v. 5.11.98 - III ZR 95/97 (OLG Karlsruhe); Quelle: Tausch-System-Nachrichten Nr. 14, S. 31).

Vom Grundsatz her ist das Modell, durch lokale Gutscheine die Region, langfristig Arbeitsplaetze und den oekologischen Gedanken zu staerken, richtig. Das Roland-Modell beinhaltet jedoch Widersprueche und Unklarheiten, die sicher auch mit dazu beitragen, dass die Akzeptanz bisher recht gering ist.

BGH, 5.11.1998 - III ZR 95/97

Der BGH befasst sich in dieser Entscheidung mit der Vertragskonstellation des sog. "Bartering" und erklaert den formularmaessigen Ausschluss der Auszahlung des Barter-Guthabens eines ausgeschiedenen Teilnehmers bei nicht ausreichender Deckung des Treuhandkontos fuer unwirksam.


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Mittwoch, 4. Juli 2001

Ökonomien, die nicht der gegenseitigen Konkurrenz verpflichtet sind.