FortsetzungsRoman

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Der Roman

Steven befand sich in der einsamsten Einöde die er je erlebt hatte. Schon seit Tagen war er keinem Menschen mehr begegnet. Er hatte Angst. "Wann werden sie mich finden ?", fragte er sich.

Doch auch von seinen mysteriösen Verfolgern hatte er schon seit Stunden kein Lebenszeichen mehr gesehen. Die Schatten schienen auf einmal verschwunden zu sein. Die Gegend war trostlos. Steven hatte Hunger. Doch leider gingen seine Vorräte zu neige so daß er nach einem strengen Überlebensplan die wenigen Lebensmittel rationiert hatte. Doch so groß wie jetzt war die Versuchung noch nie, einfach alles auf einen Schlag runterzuschlingen und Plan Plan sein zu lassen.

Die Kekse in seinem Rucksack schienen ihm plötzlich so unwirklich wie seine Verfolger - seit Stunden hatter er sie nicht mehr gezählt und eingeteilt.

Pause ! Es war eindeutig Zeit für eine Pause. Er suchte nach einem Unterschlupf, der ihm vergleichsweise sicher schien. Leider war das in der eintönigen, flachen Landschaft kaum möglich.

So lief er noch ein weitere Stunde, ohne das Gefühl zu haben vorwärts gekommen zu sein.

Ihm wurde klar, daß seine Verfolger ihn beobachten, jederzeit näher kommen können - wenn sie nur wollen. Ein Unterschlupf zu suchen, Vorräte einteilen war also völlig sinnlos. Steven blieb stehen, blickte sich nicht einmal um und setzte sich auf den nächstbesten Stein der groß genug war damit er es sich bequem machen konnte, und aß - bis er satt war.

Nach der Hektik der letzten Tage war dies der erste Moment, der es ihm erlaubte einmal in Ruhe über die Ereignisse der letzten Tage nachdenken zu können. Alles begann in seinem Büro.

Carmen machte ihr Notebook aus ohne die Datei zu sichern, am liebsten hätte sie vor Wut das Notebook vom Schreibtisch gefeuert, wie das vielleicht eine Carmen in einem Roman gemacht hätte.

"Das ist doch alles Bullshit! Schriftstellerin - ich kann doch nicht mal eine Kurzgeschichte schreiben, letztes Jahr wollte ich noch Pianistin werden. Was für ein Schwachsinn, der Roman ist doch nach drei Sätzen schon fertig und keine Möglichkeit weitere Spannung mehr aufzubauen. Das einzige was realen Bezug in dem Ding hatte waren die Kekse."

Aber nicht mal in der Selbstzerstörung kann ich konsequent sein, dachte Carmen - selbst in der Wut ist mir bewust daß das Notebook 1500.- Euro wert ist, und dass die Datei von der Textverarbeitung automatisch gesichtert ist.

"Oh Gott, und dabei bin ich auch noch so selbstmitleidig", bemitleidete sich Carmen.

Carmen wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und verließ die Wohnung, es war bereits 15:30 Uhr, und um 16:00 Uhr fing Ihr Job im Call-Center von "What-you-want-wear-today" an.

Als sie dann in der U-Bahn zwischen den ganzen anderen Masken saß, konnte sie dann doch nicht aufhören an ihren "Steven" zu denken. Ok, Kunst war das bestimmt nicht, das sah selbst ein Blinder. Aber irgendetwas war da in diesem Anfang einer Geschichte, daß sie immer noch beschäftigte.

Hauptbahnhof, hektisches Ein- und Aussteigen, als letzter stieg ein Mann ein der die U-Bahn nur unsicher betrat, als würde er zum erstenmal U-Bahn fahren .

Carmen wußte das es nicht sein kann, und doch war sie sich sicher, das ist Steven. Er setzte sich zwei Sitze weiter und beachtete sie nicht weiter. Was jetzt tun? Ihm folgen? Ihn ansprechen? "Entschuldigen Sie, ich habe eine Geschichte über sie geschrieben." Nicht schlecht, da würde er wohl ganzschön aus der Wäsche gucken. Carmen musste Grinsen bei dem Gedanken.

Stattdessen beobachtete Carmen ihren "Steven" dem bei 10 Grad plus Schweissperlen auf der Stirn standen. Sie musterte ihn von oben bis unten, er trug teure Klamotten, auf jeden Fall nichts von "What-you-want-wear-today" - die er aber schon ein paar Tage zu lange an hatte. Auf seinem Schoß hielt er einen alten Armee-Rucksack umklammert, der eindeutig zu schwer für nur ein paar Kekse war, außerdem war er unrasiert, aber man sah daß er sich sonst immer rasierte - naja eine ungepflegte, gepflegte Erscheinung.

Steven saß Ihr gegenüber, er blieb sitzten als Carmen aussteigen mußte, sie zögerte, verließ die U-Bahn aber ohne ihn anzuschauen. Sie ging nun zügig den Bahnsteig in Richtung Rolltreppe, als der Zug anfuhr blickte sie noch einmal durchs Fenster, aber sie konnte ihn nicht mehr sehen.

Oh Mann, was für ein Tag. Endlich auf dem Weg nach Hause. Die Leute hier gucken mich schon ganz komisch an. Besonders die eine Frau, guckt sich sogar nochmal um. Mit einem Blick, als würde sie Gespenster sehen. Ok, ich bin vielleicht schon ziemlich siffig heute, aber muß man mich deswegen so anstarren? Man freu ich mich auf das Essen zu Hause. Endlich mal was anderes als diese verfickten Kekse! ... Dieser Mann neben mir geht mir auf die Senkel. Ich will meine Ruhe haben. Was faselt er da von IAA ... AHS .... Das die Leute nach der Arbeit noch die Energie haben die U-Bahn vollzuquatschen, so ein Spinner ... Naja, was ein Glück haben sie jetzt neuerdings diese schicken Fernseher in der U-Bahn. Mist, jetzt kommen schon wieder Nachrichten von Dingen, die niemanden interessieren. Ich will wieder Werbung sehen! ...
Die Deo-Werbung spült mich raus aus der U-Bahn, dabei kommt es mir vor als riechen die Menschen nach der ganzen Produktpallete ... Wie war das, "noch nie haben die Menschen so gut gerochen, noch nie hat die Welt so gestunken". Heute werde ich mich durch 22 Kanäle zappen bis ich ins Bett falle, zu essen gibts eine Fertigpizza. Ich wohne im 22 Stock eines Vorstadt-Hochauses aus den Siebzigern das aussieht wie ein Vorstadt-Hochaus aus den Siebzigern, wie üblich riecht es im Aufzug wie in einem öffentlichen Pissoir. Gegenüber die Lady aus dem 18. mit Ihrem Zwergpudel die mich immer anschaut, als hätte ich ein Stück Kaugummi auf der Stirn kleben.
Stattdessen klebt ein Stück Kaugummi auf dem Knopf des 22 Stockwerks. Angeekelt betätige ich den Knopf am Rand mit dem Fingernagel. Im 22. Stock angekommen. Einmal links. Einmal rechts.

Die Tür zur meiner Wohnung ist angelehnt ... Oh, Nein! Nicht schon wieder! Ich habe wohl mal wieder vergessen, die Tür abzuschliessen. Isolde hat das wohl als Aufforderung einen Ausflug zu unternehmen mißverstanden.
Als ich Tür öffne, bestätigt sich nicht der Film den ich in meinem Kopf abspule, die Schubladen sind nicht herausgerissen, die Klamotten liegen nicht zerstreut auf dem Boden und Sofa-Elemente sind auch nicht durcheinander, alles ist wie immer.
Aber klar ist, hier war jemand unbefugt in meiner Wohnung, der es nicht nötig hat sich durch unaufmerksames Verhalten zu verraten, jemand der mir sagt "He ich war in deiner Wohnung" in dem er die Tür offen läßt

steven schreckte plötzlich hoch, als etwas kaltes feuchtes seine wange berührte. er musste eingeschlafen gewesen sein. die triste landschaft war kaum noch zu erkennen, nächtliches dunkel hatte die abenddämmerung fast abgelöst. irritiert und ängstlich schaute sich steven um. wo, um alles in der welt war er hier?? warum lag er nicht zu hause in seinem ultrabequemen futurebett und zog sich eine geile tvshow rein?? was hatte er hier auf diesem harten stein verloren? zaghaft tauchte eine erinnerung aus den tiefen seines gehirns auf...ja, genau er war im büro gewesen und hatte mal wieder den sicherungscode geknackt, der neuerdings das surfen im web verhindern sollte. aber dann, was war danach passiert? steven schrie auf. etwas hatte ihn angesprungen und fuhr ihm nun mit einer langen, schlabrigen grasgrünen zunge quer übers gesicht. etwas war ungefähr so gross wie ein 3 monate altes kalb, sah sonst eher einem hund ähnlich, mit zottigem fell und schlappohren. allerdings mit ungewöhnlicher fellfärbung - tiefblau wie der sommerhimmel. die nase so grassgrün wie die zunge. leuchtende braungelbe bernsteinaugen versenkten sich erwartungsvoll in stevens vor staunen und schreck geweiteten graublauen.

Dann überwog das Staunen, blieb schließlich ein Momentmal. Denn Steve bemerkte, daß er keine Angst hatte. Keine Angst vor dem Vieh da. Obwohl es bald finster sein würde, und er mal allein auf einem fremden Waldweg unterwegs, vor Augen waren weder Hand noch sonst was zu sehen, heftige, animalische Panikattacken, ausweglose Angst empfunden hatte - allein wegen irgendwelchen Geräuschen rechts und links des Weges, er wußte also, was wirkliche Angst war. In den Augen des Viehs glitzerte Wasser im wenigen Licht der Dämmerung, auch die Farben wollten nicht verblassen, und er glaubte schon an eine Holoprojektion oder so, als er auf der Zunge des Viehs einen Kekskrümel entdeckte.
Verdammte Scheiße. Er hatte es wohl auch gehofft. Der Griff um den Rucksack wurde sofort fester, mit der anderen Hand schob er das Vieh einfach ein Stück von sich und stand auf. Das Vieh tänzelte ein bißchen rum, blieb in seiner Nähe, ringsum einen Nachhall von Farbenwisch. Steve kam ein sarkastischer Laut über die Lippen, als er sich fragte, ob die Verfolger keine Infrarotlokatoren haben. Aber vielleicht war das da ja einer. Ich werde ihn Hunt nennen. Klar. Steve ging wieder los. Vielleicht würde Hunt ihn führen, vielleicht raus, vielleicht rein, er konnte nicht hier bleiben. Mittlerweile war es wurzelsteinfinster. Mit einer Hand streifte Steve manchmal an Zweigen vorbei. Es dauerte etliche Schritte, bis er ruckartig stehenblieb, das Herz pumpte sich in seiner Brust auf, da war kein Platz mehr zum Luftholen: Wo war diese eintönige Ebene geblieben? War das hier der Wald?
Farbenblitz wie Huntgrinsen. So nicht. Nein. Steve holte Luft. So nicht. Er riß einen Zweig ab, steckte die Blätter in den Mund, kaute, hm, Ulme, bestens. Genau, er aß weiter, tastete nach weiteren Zweigen. Dann kippte er die Kekse Hunt vor die Pfoten. War jetzt der Rucksack leer?


Vermutlich 'KlettenBach' stand auf dem Schild, wo die Strasse eine kleine Brücke aus der Bundeskasse erzwungen hat. Vier bis fünf Autos fahren dort am Tage, wenn sie eine Abkürzung zwischen ihren Auswegslosigkeiten suchen. Jetzt haben wir das Plätschern des Baches ganz für uns, Hunt für seine Nase und ich mit den Ohren.

Warum hier einmal ein Schlüsselbund gefunden wurde ist wohl eine längere Geschichte, die sich erklären ließe. Aber jetzt ist der Bach in seinem Duft berauschender und schließlich ist Frühling (nur nicht schlußendlich).

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