FamilienSchule

Version 20, 217.224.167.115 am 15.2.2005 04:28

Es geht um das Lernen der Kinder, ohne sie aus ihrem Umfeld zu entfernen, ein Lernen aus dem authentischen Leben heraus. "Schule" in der Familie, in den Familien der Kinder, an ihrem Lebensort.
Und es geht darum, die angeborene Fähigkeit jedes Menschen zu lernen nicht zu verschütten oder abzuerziehen.

Es werden gerade solche Schulen von Eltern aufgebaut. Dabei sind alle interessierten Menschen willkommen.
Siehe z.B. Beiträge in der Zeitschrift Kurskontakte.

Der Bundesverband hat die web-seite http://www.natuerlichlernen.de und ist per email erreichbar unter mailto:bvnl@humantouch.de


siehe auch: SchulpflichtAbschaffen


Weltanschauliche Begründung für eine Alternative Schule


DISKUSSIONSBEITRÄGE:

"Wir" sind einer der Standorte, an dem so eine FamilienSchule gerade in Gründung ist. Und zwar sind wir mehrere Eltern und andere interessierte Erwachsene (etwa 10-15 Leute grob geschätzt), die sich eine Alternative zu den staatlichen Schulen wünschen und zwar eine, die unserer Weltanschauung entspricht und unseren Vorstellungen davon, wie mit Kindern umgegangen werden soll, in welchem Umfeld, von wem oder wie sie lernen können.

Hier ist meine Version/meine Träume/meine Gedanken zur Familienschule - ein Herantasten an das für mich Wesentliche und die Probleme, die ich sehe:

Ziemlich klar ist schon, daß die Kinder in einer kleinen altersgemischten Gruppe lernen sollen und zwar das, was wir Erwachsenen in unserem Alltag im Dorf so anzubieten haben: Filzen, Gartenbau, Tischlern, Tiere betreuen, mit kleinen Kindern umgehen, Weben, ... und noch viel mehr. Dabei suchen die Kinder selbst mit Hilfe eines Betreuers aus, was sie gerade lernen möchten und lernen lesen, schreiben und rechnen praktisch nebenbei - beim Ausmessen des Holzes für ein Puppenbett oder so etwa.

Die Kinder lernen miteinander - lernen dabei, sich gegenseitig zu helfen, zu respektieren und Unterschiede anzuerkennen und damit umzugehen und auch die unterschiedlichen Arten und Fähigkeiten zu schätzen und zum Nutzen aller einzusetzen.

Die beteiligten Erwachsenen nehmen sich dabei nicht aus, sondern es soll auch mit ihnen ein Austausch stattfinden, bei dem auch die Erwachsenen von den Kindern lernen.

Wichtig ist uns, daß die Kinder im Umfeld des Lebensbereiches ihrer Familien bleiben und erst mit zunehmendem Alter weitere Kreise ziehen. Und sie sollen die Möglichkeit erhalten, Probleme, die sie durch die Lebensweise in ihrem Umfeld oder in der Gesellschaft erkennen, auf ihre Art zu lösen - also etwas zu verbessern oder sich gar nicht erst anzugewöhnen. Wir wollen ihnen nicht unsere Muster aufdrücken, sondern sie selbst entscheiden lassen.

Dafür muß natürlich vor allem je jünger die Kinder sind, ein umso tragfähigerer Rückhalt: eine Vertrauensbasis und Sicherheit geboten werden, auf der die Kinder sich ihrem Alter gemäß unterstützt fühlen und auch begleitet werden - bei dem, was sie dann - möglichst unbeeinflußt von den Vorstellungen in unseren gesellschaftsgeprägten Köpfen - ausprobieren und lernen wollen.

Dabei sollen sie die Lebensweise der Eltern und Nachbarn gut kennenlernen können, sollen einbezogen sein, in alles, was mit dem Leben zu tun hat und alles lernen können, was zum Leben nötig ist. Auch die weitere Umwelt und die übrige Gesellschaft sollen nicht ausgespart werden, aber auch nicht aufgedrängt. Es geht um ein Kennenlernen ohne Druck.

Das Wort "Leistung" kommt in dieser Art von Lernen nicht im üblichen Sinne zum Einsatz und kann daher auch nicht bewertet werden. Seinen persönlichen "Wert" soll das Kind nicht am "Geleisteten" erfahren. Andererseits erfährt es den Wert seines Tuns am eigenen Erfolgsmaßstab und an der Reaktion der anderen Kinder und Erwachsenen. In dieser Gruppe soll jedes Kind seinen Platz selbst finden können und jeder wird gleich respektiert.

Uns ist wichtig, daß die Kinder Einblick in die Zusammenhänge des Lebens bekommen: Geburt/Keimen, (auf)wachsen, Gesundheit/Krankheit, Nahrung, Fortpflanzung/Vermehrung und Sterben. Und daß sie Respekt vor dem Leben, dem Lebendigen, der Natur, dem Wesentlichen lernen. Das können sie allerdings nur insoweit beobachten, wie wir selbst ihnen das vorleben. Allerdings - siehe oben - sollen sie durch ihr möglichst uneingeschränktes Erlebnisfeld Gelegenheit zum Vergleich erhalten und auch die Freiheit haben, ihre Entscheidung anders als die von uns vorgelebte zu treffen.

Jedes Kind soll seine individuellen Interessen und seine eigene Art des Lernens entdecken und umsetzen können und dabei begleitet und wenn nötig unterstützt werden.
Dazu ist der lernbegleitende Erwachsene da, der für die Kinder Anlaufpunkt für alle auftretenden Fragen ist und mit den anderen Schul-Beteiligten versucht, die erforderlichen Materialien oder "Versuchsfelder" oder "Lernstandorte" zu (be)schaffen.
Die Kinder suchen sich selbst "Projekte" aus und setzen sich selbst Zeitrahmen für die Verwirklichung. Die Ergebnisse werden mit dem Lernbegleiter oder mit allen gemeinsam besprochen.
Der Lernbegleiter beschreibt in regelmäßigen Abständen die von ihm wahrgenommene Entwicklung der Lernerfahrungen der einzelnen Kinder, auch ihr Verhalten beim Tun und in der Gruppe.

In diesem Prozeß kann jedes Kind seine wesensgemäßen Begabungen entdecken, damit experimentieren und sie entwickeln und ausweiten.
Durch die gegenseitigen Anregungen der verschiedenen Kinder und die unterschiedlichen Fähigkeiten und altersabhängigen Entwicklungsstufen kann im positiven Fall eine viel interessantere Lernumgebung entstehen, als wenn jedes Kind einzeln und allein an einer Sache arbeitet. Trotzdem soll auch eine solche Einzelerfahrung möglich sein.
Der Lernbegleiter sorgt für eine positive Atmosphäre in der Gruppe und unterstützt eine gewaltlose Kultur der Konfliktlösung, bei der die Anerkennung der unterschiedlichen Standpunkte und Wesensarten möglich wird.

Da der Lernbegleiter eine sehr verantwortungsvolle und weitreichende Aufgabe zu bewältigen hat, ihm aber - anzunehmenderweise - kein entsprechender, tiefer, eigener Erfahrungsrückhalt zur Verfügung steht, wird auch der Lernbegleiter begleitet werden müssen, eine Art Supervision brauchen. Das könnte in Form von regelmäßigen (thematischen) Kreisen (Redestabrunden) aller Schulbeteiligten erfolgen. Damit wäre die Einbeziehung aller gewährleistet und somit auch das Lernen aller an dem Erfahrungsfeld der neuen Schule.

Das alles setzt voraus, daß wir alle doch einen ziemlich fortgeschrittenen Stand der Kommunikations-, Respekt-, Friedens-, Konfliktlösungs...fähigkeit, Selbstbewußtsein usw. - eigentlich aller Fähigkeiten, von denen wir hoffen, daß unsere Kinder sie in dieser Schule lernen - mit uns bringen, oder zumindest in diesem Punkt selbst sehr schnell sehr lernfähig auf die Schule reagieren.
Der Lernbegleiter sollte daher sorgfältig ausgesucht werden und viel davon mitbringen. Ein Mensch mit vielfältiger eigener Lebenserfahrung, der in Frieden mit sich und seiner Umwelt zu leben gelernt hat und so in sich ruht, daß er von Manipulation anderer, etwas darstellen müssen/wollen usw. möglichst frei ist. Er sollte sich seiner selbst und seines Tuns sehr bewußt sein, zu Selbstreflexion und gegebenenfalls auch Korrektur seines Verhaltens oder seiner Sichtweisen fähig sein, also beweglich im Sinne von lebendigem Wachsen und Fließen mit dem Umfeld und der gegenwärtigen Situation sein, dabei aber gleichzeitig fest und sicher in sich, der Welt und im Moment seiner Handlung.
Erkennen kann man einen solchen Menschen vielleicht am besten im Verhalten der Kinder verschiedener Altersstufen in seiner Gegenwart. Sie sollten ruhig und vertrauensvoll, entspannt, froh gestimmt wirken und sich wohl und geborgen, anerkannt und wahrgenommen und sicher fühlen. Ihnen soll die Anwesenheit des Begleiters so sicher erscheinen, daß sie sich dessen und auch seiner Aufmerksamkeit nicht ständig versichern müssen.
Die empfundene Wertschätzung der eigenen Person und jedes einzelnen anderen Kindes wird sich so auf die Kinder übertragen und eine harmonischen Umgangsform untereinander wesentlich unterstützen.

"Lernerfahrungen" macht das Kind!
Durch Lernerfahrungen, die es im Zuge einer Arbeit an einem Projekt macht, lernt das Kind. Nicht durch theoretisches Verstehen von frontal vorgetragenen Inhalten.
"Erfahrungsschule", weil die Schule für die Erfahrungen sorgt, das Lernen ist Sache des Kindes

Kind erfährt:

"FamilienSchule" kann auch so verstanden werden, daß die ganze Familie zur Schule geht - durch die Einbeziehung der Erwachsenen, für die die Schule als therapeutische Erfahrung wirkt, als Familientherapie gewissermaßen.
Je jünger das Kind, umso mehr ist es in diesem Punkt Lehrer für die Erwachsenen, da es weniger geprägt ist.

In der Familienschule lernen wir als Familien somit alle das zu erreichen, was wir unseren Kindern als idealen Lernhintergrund wünschen. Die Kinder haben darüber hinaus noch die Möglichkeit, sich Fertigkeiten und Wissen anzueignen.
Ja, wir werden sogar aufpassen müssen, daß die Schule nicht an unserer, der Erwachsenen, Unfähigkeit scheitert. Sie setzt also gewissermaßen bei uns allen die Bereitschaft zum eigenen Lernen und zur Wandlung voraus.
Damit stellt die Schule uns erfahrungsgemäß keine leichte Aufgabe, bietet aber dafür die Hoffnung auf ein Stückchen mehr '''Heil-Werdung jedes einzelnen Mitwirkenden.

Was wir brauchen:

Was kann uns helfen:
Für uns ist es also eine Gruppentherapie

Für die Kinder ein vielfältiger Erfahrungsraum, in dem sie alles lernen können, was sie für ihr Leben lernen wollen. Auch andere Arten des Lernens (kennen)lernen.

Trotz allem, was die Schul-Gründungs-Erfahrung für uns Erwachsene bedeutet, steht für mich doch im Vordergrund, daß diese Schule für die Kinder zustandekommen soll. Auch wenn sie dann aus Gründen unserer "Unzulänglichkeit"(gibt es nicht!) oder Vorgeprägtheit nicht perfekt wird. Daher möchte ich die Erfahrungen, die wir Erwachsene daran machen, sich dadurch ergeben lassen, daß wir die Schule für die Kinder planen. Dieses Ziel sollte nicht auf der Strecke bleiben, weil uns unsere komplexen Schwierigkeiten - einzeln und miteinander - so sehr beschäftigen.

Lieber als gar keine Schule wäre mir immer noch eine Kompromißschule, die immerhin räumlich nah - im Dorf - stattfindet und wenigstens etwas freieres und individuelleres Lernen zuläßt, als die üblichen.
Mir ist vor allem in diesem Fall wichtig, daß mein Kind "nebenbei" so viel von den Grundlagen des üblichen Unterrichtsstoffinhaltes lernt, daß es sich ohne Schwierigkeiten alles zusätzliche Wissen für einen staatlich geforderten Abschluß aneignen kann.
Das soll aber nicht der Schwerpunkt der Schule sein, sondern am Rande mitlaufen. Den Schwerpunkt wählt das Kind selbst. Und der wird sich dann auch in den Noten einer solchen Abschlußprüfung widerspiegeln. Durchkommen reicht in den Fächern, die seinen Neigungen und Fähigkeiten nicht entsprechen. In den anderen übrigens auch.
Ich meine damit, es soll auf jeden Fall die Fähigkeit erlangen, sich (selbständig) Wissen anzueignen - eben auch z.B. die Inhalte der staatlichen Prüfung.

Keine Schule ist für mich keine Alternative, da ich nicht immer gewährleisten kann, daß ich selbst in der Lage bin - schon rein zeitlich - meinem Kind die Erfahrungsmöglichkeiten zu bieten, (die es in so einer von mir erträumten Schule hätte) die ihm ermöglichen, das Wesentliche für sein eigenes Leben zu lernen. Weder lebe ich dieses Wissen vor, noch kann ich alle Fertigkeiten vermitteln, für die es vielleicht begabt wäre - schon allein weil wir nicht gleich sind.
Es müßte deshalb bald über den Kreis der unmittelbaren Familie hinausgehen, um entsprechende Erfahrungen zu suchen.
Zum einen würde das bedeuten, daß es sich schnell der Familie entfremden würde, da ein Großteil der umgebenden Gesellschaft ein ganz anderes Weltbild und damit eine andere Lebensweise hat, als ich/wir. Das würde es in dieser Plötzlichkeit und ohne Begleitung verwirren. Es hätte durch diese starke Unterschiedlichkeit vielleicht das Gefühl von entweder-oder ohne seinen eigenen Weg finden zu können. Z.B. Weltabgewandtheit oder Entwurzelung könnten die Folge sein.
Zum anderen ist die umgebende Gesellschaft so voller Ablenkung und Unnatürlichem, daß es in diesem Dschungel der unsinnigen Möglichkeiten kaum die Erfahrungen finden würde, die ihm zu dem Wissen verhilft, was es für das Leben braucht. Es würde untergehen und für die Gesellschaft letztendlich genauso unbrauchbar werden, wie es aus unserer Familie entwurzelt wurde.
Das wünsche ich meinem Kind nicht.

Daher: siehe oben! – Gruß ink ya

: Dazu siehe auch meinen Kommentar auf SchuleAbschaffen

Hallo! Ich bin sehr interessiert an einer FamilienSchule mitzuwirken und suche Interessenten im (Groß-)Raum Augsburg und/oder Lindau. Ich bin eigentlich Dipl.Informatiker, aber seit einiger Zeit stelle ich immer intensiver fest, daß meine Berufung die des Lehrers ist, aber natürlich nicht des herkömmlichen Lehrers, der Lehramt studiert und Pädagogik büffelt, sondern die eines Lehrers einer FamilienSchule. Ich praktiziere dieses Leben mehr und mehr und schon jetzt mit den Kindern meiner Freundin, lerne z.B. mit ihnen, sie helfen mir viel im Haushalt usw. - Gruß, FloK 03-10-12

Hab grad nen kleinen Entwurf für eine Argumentation gegen Schulpflicht und für Familienschule geschrieben und wie ich mir es für meinen Sohn vorstelle. --lg, FloK, 05-02-15 http://www.florian-konnertz.de/Themen/Homeschooling.html/


Lernen

Neue Seiten im Kontext

Freitag, 13. Januar 2006

Zeitschrift des tologo Verlags.

Die Zeitschrift beschäftigt sich mit Themen rund ums Lernen. Wissenschaftliche Aspekte werden ebenso behandelt wie Erfahrungsberichte, aktuelle Entwicklungen und Ereignisse. Das Spektrum geht von Homeschooling, über Familienschule bis Sudbury.

Bislang (Januar 2006) sind 4 Ausgaben erschienen, zuletzt mit einer Auflage von 5.200 Stück. Die Ausgaben stehen kostenfrei als PDF zur Verfügung. (Quelle: MailinglisteSudburyGermany)

Freitag, 13. Juli 2001

Als Alternativschulen werden oft Schulen bezeichnet, die sich in einigen typischen Merkmalen von Regelschulen unterscheiden. Darunter zählen sehr unterschiedliche pädagogische und philosophische Konzepte, wie zum Beispiel Montessori-Schulen, Waldorf-Schulen und demokratische Schulen.

Einen Überblick über verschiedene Versuche weltweit liefert das Buch Schule im Aufbruch von David Gribble.