VirtuelleInternationaleFrauenUniversität

Version 6, 78.42.133.224 am 7.3.2009 23:23

Zentralisierung und globale Verfügbarkeit von Wissen, versandt aus den Wissenschafts-hochburgen des Westens? Wissen als Exportprodukt des Nordens für die aufhol- und nachhilfebedürftigen Länder des Südens? Das Projekt "virtuelle ifu" folgt einer anderen Vision der Entwicklung von Wissen, von Lehre und Lernen, von der Rolle des Internet in der Bildung. Die rund 750 Frauen aus mehr als 100 Ländern (davon mehr als 60% aus den Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas), die im Sommer 2000 für drei Monate in Hannover, Hamburg, Kassel, Suderburg und (für zwei Wochen in) Bremen in sechs interdisziplinär angelegten Projektbereichen studierten, sollten mit dem Internet und dem ifu-Server (war mal auf www.vifu.de) ein Medium zur Hand haben, das ihre Arbeit und insbesondere den Austausch untereinander vor, während und nach der Präsenzphase unterstützt.

Die Arbeit in den Projektbereichen Arbeit, Information, Körper, Migration, Stadt und Wasser hat unterstrichen, daß die Verwirklichung eines "radikal veränderten Wissenschaftskonzepts" (ifu-Präsidentin Aylâ Neusel) im Rahmen einer internationalen Gemeinschaft sich nicht als einseitig-lineare Wissensübertragung von Nord nach Süd, von der mit Wissen reich ausgestatteten Dozentin zu der an Wissen armen Studentin vollziehen kann. Wissen schaffen, das hat der kurze ifu-Sommer gezeigt, ist notwendigerweise ein gemeinsamer und wechselseitiger Prozess des Lernens, in dem alte Rollen (DozentIn / StudentIn) in ihrer festen und einseitigen Zuschreibung unproduktiv sind. Um zukunftsfähiges Wissen zu schaffen, müssen alle beteiligten Seiten offen sein für ein Dazulernen. Will man einen solchen Prozess im Zeichen der "einen Welt" in den Dienst einer nachhaltigen Entwicklung stellen, dann wird man sich auch rasch von der Vorstellung trennen müssen, daß eine Seite das Wissen und die andere den Lernbedarf hat — und die vorgebliche Gewißheit darüber aufgeben, welche Seite weiß und welche zu lernen hat. Aufgrund ihrer konzeptionellen Orientierung an Problemstellungen unserer Zeit und Welt sowie der Zusammensetzung der Teilnehmerinnenschaft hat die ifu-Präsenzphase eine innovative Art, Wissenschaft zu betreiben, aufscheinen lassen. Neue Möglichkeiten eines "globalen Lernens", wie sie z.B. vom Verband Entwicklungspolitischer Deutscher Nicht-Regierungs-Organisationen (VENRO)im März 2000 in einem Arbeitspapier entwickelt wurde, werden darin sichtbar.

aus: Gabriele Kreutzner, Heidi Schelhowe, Barbara Schelkle :
Globales Lernen und Interaktion: Die virtuelle Internationale Frauenuniversität (vifu)
www.vifu.de/about/virtual ifu/deae.html (dead link! in 2004)