ArtikelBedürfnisse

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Wie wäre es dann mal hier die Ergebnisse der Diskussion zu einer kritisch-analytischen-Bedürfnisontologie zusammen zu fassen?

PornoErsatz


Einleitung

Unterschiedliche Ontologien, korrekt durchgeführt, mögen zwar allsamt nicht falsch sein, doch sie können mehr oder weniger zweckmäßig sein. Diese Bedürfnisontologie soll möglichst korrekt durchgeführt sein und somit nicht falsch sein, aber darüber hinaus auch noch kritische Elemente beinhalten bzw. zweckmäßig sein, um von ihr aus Kritik an bestehenden Verhältnissen und Bedürfnisstrukturen üben zu können.


WAS MEINT MARCUSE UND WARUM IST DAS (z.T.)UNGUT?

Zur Rolle von Bedürfnissen, die über das biologische Niveau hinausgehen:

"Die Erzeugung repressiver Bedürfnisse ist seit langem Bestandteil gesellschaftlich notwendiger Arbeit geworden - notwendig in dem Sinne, dass ohne sie die bestehende Produktionsweise nicht aufrecht erhalten werden könnte. Es geht weder um Probleme der Psychologie noch der Ästhetik, sondern um die materielle Basis der Herrschaft" (Marcuse, irgendwo am Ende von: "Der eindimensionale Mensch", Stelle such ich nochmal raus)

Diese repressiven Bedürfnisse (im Folgenden für "Bedürfnisse": "B.") sind es, die Marcuse interessieren. Die Unterscheidung in wahre und falsche Bedürfnisse (und ein Charakteristikum von falschen Bedürfnissen ist es, repressiv zu sein) ist erst jenseits der sog. "vitalen" Bedürfnisse vorzunehmen. Vitale Bedürfnisse sind solche nach "Nahrung, Kleidung und Wohnung auf dem erreichbaren Kulturniveau"(S.25, alle Seitenangaben beziehen sich auf "der eind. Mensch")

Falsch sind nun diejenigen B., die "dem Individuum durch partikuläre gesellschaftliche Mächte, die an seiner Unterdrückung interessiert sind, auferlegt werden: diejenigen Bedürfnisse, die harte Arbeit, Aggressivität, Elend und Unterdrückung verewigen" (ebenda). Wichtig dabei ist, dass das Individuum mit diesen B. durchaus zufrieden sein kann. Diese B. sind "historisch" (ebenda) insofern sie den Erfordernissen der jeweils herrschenden Ordnung entsprechen. So sehr sich das Individuum auch mit diesen B. identifizieren mag - sie erwachsen keinem autonomen Willensbildungsprozess. Der darin liegende Maßstab der Kritik ergibt sich wie folgt: Ist zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bessere Befriedigung der vitalen B. möglich (entsprechend der zum selben Zeitpunkt verfügbaren "materiellen und geistigen Ressourcen" (26)), so hat man einen Maßstab der Kritik an der bestehenden Gesellschaftsform. Verhelfen B. dazu, Leid zu produzieren oder zu verewigen, so kann man sie als "falsch" bezeichnen - und die Ursachen ihres Auftretens (sowie dieses selbst) kritisieren. Wichtig dabei ist, dass das Individuum selbst Teil des kritisierten Gegenstandes wird, insofern sich gesellschaftliche Tendenzen und Erfordernisse in seinen B. niederschlagen. Damit bildet das Pochen auf das Recht der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse keine Einspruchsinstanz gegen eine mögliche Veränderung der Gesellschaft - solange diese B. nur gesellschaftlich bedingt und dazu geeignet sind, den falschen Zustand zu untersützen. Mit der Rede von "wahren" und "falschen" B. versucht Marcuse also ein gesellschaftliches Problem zu fixieren und eine Basis zur Gesellschaftskritik zu erhalten. Ich denke, dass sein Konzept zwei Probleme hat: 1. Marcuse gewinnt eine Basis seiner Kritik durch den Rekurs auf die Diskrepanz zwischen potentiell Möglichem und real Gegebenem zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sollte das eine notwendige Bedingung für Kritik sein, so ergibt sich ein Problem: Wenn zu/in einem Zeitpunkt/Zeitraum t1 in einer bestimmten Gesellschaft die gesamte nachfolgende Entwicklung dahingehend determiniert wird, dass real Mögliches sich mit potentiell Möglichem (nach wie vor in Bezug auf Befriedigung der vitalen b.) deckt, so folgt aus Marcuses Kriterium, dass wir zu keinem Zeitpunkt nach t1 die Möglichkeit zur Kritik haben, so schlimm die folgenden Verhältnisse sich auch darstellen mögen. Das allerdings halte ich für unbefriedigend. Wir könnten nur das Geschehen zu t1 oder davor kritisieren, aber nicht mehr das, was de facto passiert. Insofern reicht hier Determiniertheit der Verhältnisse aus (die ja sowieso mit einer Diskrepanz zwischen potentiell Möglichem und real Gegebenem nicht so recht vereinbar scheint), jeder Kritik die Basis zu entziehen. Auch die Identifizierung vitaler B. scheint vor diesem hintergrund unplausibel. wenn es zu einem Zeitpunkt nach t1 einfach nicht möglich ist, Kleidung und Nahrung in ausreichendem Maße zu beschaffen, so stellt sich das B. danach nicht als vitales dar. Denn es schießt weit über das erreichbare Kulturniveau (s.o.) hinaus. Vielmehr sollten vitale B. so gefasst werden: Etwas ist ein vitales B. genau dann, wenn die Befriedigung dieses B. zum Überleben notwendig ist. Vielleicht sollte man hinzusetzen: "oder dieses Überleben zumindest rudimentär angenehm gestalten würde". In jedem Falle sollte man vom jeweils erreichbaren Kulturniveau absehen. zweiter Teil kommt nicht mehr. -Knut

Ich weiss nicht, ob Kritik an einem menschengemachten Zustand auf dasselbe hinausläuft wir Kritik am Gravitationsgesetz, bloß weil man an beiden nichts ändern kann. Ein Unterschied liegt allein schon darin, dass das bei dem hier diskutierten Falll ja nicht schon immer alles determiniert war, sondern dass es so etwas wie einen Punkt gibt, an dem umzukehren unmöglich ist (wobei ich nicht weiss, ob das viel austrägt). Trotzdem sollte es doch wohl möglich sein, die "Akteure" und ihr Handeln einer Kritik zu unterziehen. Das kann verschiedene Funktionen haben. Zum Beispiel können wir Kindern hinweisend beibringen, wieso bestimmtes Verhalten falsch ist, indem wir es kritisieren. Auch können wir, indem wir eine Handlung als schlecht ausweisen und sie kritisieren, einiges über sie lernen - egal ob sie verhinderbar war/ist oder nicht. Das Gravitationsgesetz hat es nun einmal an sich, weder moralisch gut noch schlecht zu sein (obwohl man es vielleicht häufig unpraktisch findet). Bei Handlungen verhält es sich anders. Es macht nun sicher wenig Sinn, jemanden zu kritisieren, der sozusagen keine Wahl hatte, eine bestimmte Handlung zu vollziehen (und wenn diese schlecht war, das vielleicht nicht einmal gewollt hat). Aber nichtsdestotrotz können wir die Handlung als schlecht ausweisen, als kritisierbar. Man kann nämlich wunderbar dafür argumentieren, dass eine Handlung schlecht war, ohne dabei gleich den Handelnden zu "beschuldigen". -Knut

Da ist wohl was drann. Ich muss nochmal raussuchen, ob das auf meinem Mist gewachsen ist, oder ob das tatsächlich so da rumsteht. -Knut

1.
a) Triebe als Maßstab von Kritik

"Nur wer es vermöchte, in der blinden somatischen Lust, die keine Intention hat und die letzte stillt, die Utopie zu bestimmen, wäre einer Idee von Wahrheit fähig, die standhielte.", Adorno, Minima Moralia – Diesseits des Lustprinzips (37)

Triebe könnten in unterschiedlichen (mindestens 3) Arten als Maßstab von Kritik dienen. So könnte mensch behaupten dass,
(i) das Befriedigen von einem Trieb (zumindest auch) etwas Gutes ist.
(ii) das Unterlassen der Befriedigung eines Triebes (unmittelbar) schlecht ist.
(iii) das Unterlassen der Befriedigung eines Triebes zu etwas führt, das schlecht ist.

Wichtig hierbeit ist, dass Triebe zwar biologische Ursachen haben, das Triebziel jedoch sozial bestimmt ist (Trieb: Hunger, Triebziel: Sekt und Kaviar oder veganes Essen, Ekel vor Maden als Nahrung , usw…). Das Triebziel bzw. die damit verbundene Triebbefriedigung kann moralisch äußerst verwerflich sein (Konsum von Fleisch), die Befriedigung von Lust (alleine betrachtet) bleibt jedoch etwas Gutes. In dieser Form wäre die Argumentation zunächst elliptisch oder wahlweise ein naturalistischer Fehlschluß. Eine zusätzliche moralische Annahmemuss hinuztreten, nämlich dass was Lust bereitet auch moralisch gut ist. Dies ist in der Philosophie zumindest nicht Konsens.
Die Technik der Gesellschaftskritik bei (i) wäre also
a) Triebe festzustellen, das ungenutzte Potential ihrer Befriedigung in unserer Gesellschaft festzustellen und somit die Möglichkeit eines Lustgewinnes aufzuzeigen und/oder
b) sozial bestimmte Triebziele aufzuzeigen die schlecht sind und aufzuzeigen, dass für denselben Trieb eine andere soziale Triebzielkonstruktion möglich ist, die nicht schlecht ist und mindestens Befriedigung in gleichem Ausmaß verspricht.
Ideal wäre hierbei für jeden Trieb ein nicht schlechtes Triebziel zu haben an dem eine vollständige Befriedigung des Triebes möglich wäre.
Bei (ii) läuft die Sache ähnlich. Nur wäre hier zunächst die Zusatzannahme notwendig, dass entweder die unvermeidbare Triebspannung eine Quelle von Unlust wäre und somit die Zeit in der die Triebspannung existiert möglichst kurz sein sollte oder dass die unaufgelöste Triebspannung (also nach Ende der Triebspannung ohne Triebbefriedigung) Quelle von Unlust ist. Idealvorstellung wäre entsprechend (i).
Durch die unterlassene Triebbefriedigung in Fall (iii) könnte sich der aufgestaute Trieb in moralisch schlechter Art entladen oder er könnte zu soetwas wie gesteigerter Aggression führen, was wiederum schlechte Konsequenzen haben könnte oder er könnte zu Traumata führen, die im gesamten Leben wiederkehrend schlechte Konsequenzen haben könnten. Wird das Lustprinzip als Trieb anerkannt und somit auch "Unlust vermeiden" als Trieb betrachtet, ergibt sich ein weiterer Maßstab von Kritik:
(iv) alle Dinge, die Unlust bereiten sind schlecht
Diese Kritik mit Trieben zu begründen, scheint mir jedoch unterkomplex. Es gibt sicherlich Dinge, die uns Unlust aus rein sozial konstruierten Gründen bereiten. Wenn jedoch der einzige Ort von lust- und unlustempfinden der Trieb ist (wenn auch sublimiert), bleibt der Bezug zu den Trieben erhalten. Dann bleibt jedoch die Frage, was denn nun Unlust bereitet. Gesellschaftskritik erfolgt nun wie folgt:
Zunächst wäre festzustellen welche Dinge Unlust bereiten (z.B. entfremdete Arbeit) und dann aufzuzeigen, dass die Gesellschaft das Potential hat diese Quelle von Unlust zu beseitigen ohne dass die Befriedigung der vitalen, lebensnotwendigen Bedürfnisse in Frage gestellt würde (in härterer Lesart: ohne dass eine vollständige Triebbefriedigung in Frage gestellt wird).

Triebe als Maßstab von Kritik bei Adorno:

Bei Adorno funktioniert die ganze Sache noch etwas anders – weniger moralisch, stärker diagnostizierend. Mit den Trieben geht (in gewisser weise) das Versprechen (oder zumindest die Hoffnung) auf Befriedigung einher. Dies ist bei sekundären Bedürfnissen sicherlich ähnlich, doch sind diese als gesellschaftlich Konstruierte nicht nur in ihrem Zielobjekt, sonder schon in ihrer Existenz völlig gesellschaftsabhängig. Wenn die Gesellschaft nun totalitär wird und nur Bedürfnisse erzeugt, die diese totalitäre Gesellschaft aufrechterhalten (und somit schlecht sind), können sie nicht mehr als Maßstab von Kritik dienen. Triebe dahingegen haben eine biologische Komponente, die nach Triebbefriedigung, Lust, Glück strebt. Solange die Gentechnik noch nicht ein gutes Stück weiter gekommen ist, wird dies eine unveränderbare Quelle eines Glücksversprechen sein, bzw. in der nicht-befriedigung Quelle von Leid und somit die Ursache für die nicht-befriedigung Gegenstand von Kritik.

Triebe als Maßstab von Kritik bei Marcuse:

Es geht um die auf einem Kulturnivau höchste erreichbare Freiheit in der Triebbefriedigung. Dabei sind noch zwei Punkte zu unterscheiden - zum einen "der Kampf ums Dasein" als Notwendigkeit, die dem Lustprinzip entgegensteht und zum anderen die Befriedigung von Trieben (Eros, Thanatos).
Der Kampf ums Dasein ist in seiner Art historisch bestimmt. Früher war hierfür eine größere Menge von Arbeit notwendig (und somit ein Leistungsprinzip, dass eine starke Unterdrückung/Umlenkung der Triebe bewirkte) und heute nur sehr wenig. Das Ausmaß der zusätzlichen (nicht notwendigen) Triebunterdrückung hat also stark zugenommen. Motivation hierfür ist demnach nicht mehr der Kampf ums Dasein, sondern die Ausübung von Herrschaft oder Bedürfnisse (zweiter Lesart) der kapitalistischen Ökonomie. Ansatzpunkt der Kritik ist also die zusätzliche Unterdrückung von Trieben. Die Ursache hierfür findet sich in Entfremdung und Herrschaft durch die "vorherrschenden gesellschaftlichen Organisation von Arbeit" . Die Zeit in der entfremdete Arbeit geleistet werden muss, kann auf ein Minimum beschränkt werden und in dem Rest der Zeit kann z.B. (lustvolle) nicht-entfremdete Arbeit (Betätigung der eigenen Anlagen/Fähigkeiten in Form von Spiel ) betrieben werden.
Die vollständige (freie) Befriedigung des sexuellen Triebes ist möglich. Eine Versöhnung zwischen Sinnlichkeit und (dann ehemals unterdrückender) Vernunft, zwischen Subjekt und Objekt ist möglich. Dies kann über eine freie "Selbst-Sublimierung in dauerhafte und erweiterte Beziehungen (einschließlich von Arbeitsbeziehungen), die dazu dienen, die Triebbefriedigung zu intensivieren und zu vergrößern" geschehen. Eine Gesellschaft die diese Möglichkeit nicht realisiert ist Gegenstand von Kritik.
Wird von der Existenz eines Todestriebes, eines destruktiven Triebes ausgegangen, scheint eine Unterdrückung/Umlenkung dieses Triebes für Kultur notwendig zu sein. Dies ist wiederum Quelle von Leid. Kritik an dieser Unterdrückung musss sich auf eine mögliche Gesellschaftsformation beziehen, in der eine Unterdrückung dieses Triebes nicht (in diesem Ausmaß) notwendig ist. Der Todestrieb hat als Ursache Erfahrung von Magel und Leid. In dem Maße in dem Mangel und Leid verschwinden, wird der Todestrieb schwächer und seine Unterdrückung nicht notwendig.

b) Bedürfnisse als Maßstab von Kritik

"Die Erzeugung repressiver Bedürfnisse ist seit langem Bestandteil gesellschaftlich notwendiger Arbeit geworden - notwendig in dem Sinne, dass ohne sie die bestehende Produktionsweise nicht aufrecht erhalten werden könnte. Es geht weder um Probleme der Psychologie noch der Ästhetik, sondern um die materielle Basis der Herrschaft." Marcuse, Der eindimensionale Mensch

Grundideen, die schon in "Triebstruktur und Gesellschaft" entwickelt wurden, werden in seinem späteren Werk "Der eindimensionale Mensch" nochmals anders entwickelt. Die Bezugnhame auf natürliche biologische Triebe fällt weitestgehend heraus. Der unveränderliche Triebanspruch, der auch im "Kampf ums Dasein" seinen Ausdruck fand, wird ersetzt durch "vitale" (zum existieren) notwendige Bedürfnisse. "Die einzigen Bedürfnisse die einen uneingeschränkten Anspruch auf Befriedigung haben, sind die vitalen – Nahrung, Kleidung und Wohnung auf dem erreichbaren Kulturniveau." Dennoch könnte mensch sagen, dass seine Triebtheorie verträglich mit der späteren Theorie ist und die Unterscheidung in wahre und falsche Bedürfnisse erst interessant für die nicht triebbedingten, nicht biologischen Bedürfnisse wird (vernachlässigt dass sie immer sublieme Elemente enthalten könnten um überhaupt als Bedürfnis in Erscheinung treten zu können).
Die Unterscheidung in wahre und falsche Bedürfnisse ist (meiner Meinung nach) eine objektive, nicht normative Unterscheidung. Nur die wahren Bedürfnisse sind als Befriedigungswert anzusehen (falsche Bedürfnisse können schließlich in gewisser weise nicht befriedigt werden bzw. es ist nicht im Interesse von uns etwas zu befriedigen das wir in Wirklichkeit gar nicht haben…). Die Unterscheidung funktioniert ähnlich wie bei den Trieben (die ja auch Bedürfnisse sein können).
Was kann es nun heißen ein falsches Bedürfnis zu haben? Es muss sich wohl um einen Zustand handeln, in dem wir glauben ein Bedürfnis zu haben, es aber nicht wirklich haben. Ein Bedürfnis kann sich aus einem abstrakten Teil (z.B. Freiheit) und einem konkreten Bedürfnisziel/Objekt zusammensetzen. Nun können folgende Fälle eintreten: wir glauben, dass
(i) wegen unwichtigkeit in eine Fußnote verschoben
(ii) das Objekt x unser Bedürfnis B befriedigen würde. Wir hätten also das Bedürfnis nach x (im folgenden B(x)). In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass x unser B gar nicht befriedigt (sondern vielleicht y). (iii) wir ein Bedürfnis B hätten, uns dies jedoch nur eingeredet wurde (insofern kann B(x) auch nicht durch x befriedigt werden, da es in Wirklichkeit gar nicht existiert). Es handelt sich also nicht um einen erlebten Mangel sondern nur um einen geglaubten Mangel.
(iv) wir den Wunsch hätten den erlebten Mangel M zu beheben. Die Behebung von M setzt jedoch etwas vorraus, dass wir so rechte gar nicht wollen (z.B. harte entfremdete Arbeit, Beendigung der Menschheit durch Atomkrieg, Heidegger usw.). Reflektierten wir darauf, würden wir feststellen, dass die Behebung von M in Wirklichkeit gar nicht von uns gewünscht ist und somit liegt kein Bedürfnis (also ein falsches) vor.
Marcuse vertritt wohl hauptsächlich (iii) und (iv). Diese führen dann dazu, dass im Fall von (iii) unnötige leidvolle Arbeit für x aufgewand wird und in (iv) Arbeit für x aufgewandt wird und damit eigentlich nur unser Leid, Elend, unsere Zerstörung produziert wird. Der Umstand dass wir falsche Bedürfnisse haben, wird auf Repression zurückgeführt. "‚Falsch‘ sind diejenigen Bedürfnisse, die dem Individuum durch partikuläre gesellschaftliche Mächte, die an seiner Unterdrückung interessiert sind, auferlegt werden: diejenigen Bedürfnisse, die harte Arbeit, Aggressivität, Elend und Unterdrückung verewigen". Würden wir unsere Bedürfnisse frei entwicklen käme es nicht zu solchen pathologischen falschen Bedürfnissen.
Falsche Bedürfnisse könnten somit als entfremdete Bedürfnisse aufgefasst werden. Dies gilt jedoch nur, falls sie als solche (in gewisser Weise) erkannt und empfunden werden. Dies ist nach Marcuse jedoch zunehmend nicht mehr der Fall. Die Bedürfnisse werden als die eigenen wahrgenommen, der Weg zur Erkenntnis ihrer Falschheit erschwert.

Bedürfnisse als Maßstab von Kritik Kritik

"Der Arbeiter darf nur soviel haben, daß er leben will, und er darf nur leben wollen, um zu haben.”, MEW Ergbd. I, S 550

1. Versprechen vs. Möglichkeit
(a) Das Versagen von Versprechungen (Triebe als Ausweg), Schwache Kritik und Habermas Wird mit dem Konsum eines Produktes (der Befriedigung des Bedarfs und somit auch des Bedürfnisses) nicht mehr versprochen als gehalten wird, bilden sich nun im Einklang mit dem Markt nur solche Bedürfnisse heraus, die in der Art befriedigt werden können, ist Kritik nicht mehr möglich (wie Habermas es ausdrückt: die Gesellschaft ist zynisch geworden).
(b) Möglichkeiten und herrschender Diskurs
Ist zu t1 die Gesellschaft so determiniert, dass das Mögliche sich mit dem Realen deckt, ist zu eine Kritik an Gesellschaft nach t1 nicht mehr möglich, selbst wenn die Verhältnisse äußerst "schlecht" sind. Behauptet eine Gesellschaft, dass dies der Fall ist, muss die Kritik übende Person, wenn sie sich auf das Spiel einlässt, die real vorhandene andere nicht realisierte Möglichkeit nachweisen (was ist möglich?). 2. Notwendige Bedürfnisse auf erreichbarem Kulturniveau
Ist das erreichbare Kulturniveau nun so, dass die Leute hungern müssten, möchte mensch doch trotzdem Kritik üben können (uninterressant weil nicht der Fall?).
3. Die Unterscheidung von wahren und falschen Bedürfnissen
Ist eine Unterscheidung von Bedürfnissen in obj. wahre und falsche möglich (bzw. sinnvoll)?
(a) In dem Wunsch (Bedürfnisirrtum iv) wird eine Präferenzordnung erstellt, die normativ ist. Der Rekurs auf Wünsche/Werte/Moral wird ins Individuum verlagert. Die Aufgabe des Kritik übens kann also nur beim Individuum liegen und nicht beim kritischen Theoretiker. Er tut es aber… Vgl. Marcuse: Gerechtigkeit, harte Arbei usw. Vgl. Habermas: Experte vs Intelektueller  Diskurstheorie (der Gerechtigkeit)
(b) Sind Bedürfnisse gesellschaftlich erzeugt (w wie f) und fB sind fremd auferlegte B stellt sich die Frage was es heißt seine Bedürfnisse frei zu entwickeln (vielleicht "unter Kenntnis aller Möglichkeiten" oder "natürliche" Bedürfnis (Trieb-) entwicklung , unabhängig von Kaufkraft und fremder Bestimmung der Produktion von Gütern  7 wie kommt es zur Produktion von Gütern?)
(c) Ein weiter Bedürfnisirrtum:
(v) Wir glauben dass etwas notwendig für uns (unser Leben) ist, jedoch ist dies nicht der Fall. Eine interessante Interpretation von notwendig, wäre: notwendig zur Reproduktion der Arbeitskraft, für den Lebenswillen, die "normale" Befriedigung der Bedürfnisse, die durschnittlichen Bedürfnisse des Arbeiters  Lohn…(Vgl. Adorno (394) "Der Gedanke etwa, das Kino sei neben Wohnung und Nahrung zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendig, ist ‚wahr‘ nur in einer Welt, die die Menschen auf die Reproduktion der Arbeitskraft zurichtet, und ihre Bedürfnisse zur Harmonie mit dem Profit- und Herrschaftsinteresse der Unternehmer zwingt." )
(d) Was ist der "Kampf ums Dasein"? Was sind die notwendigen Lebensgüter die auf jeden Fall wahre Bedürfnisse sind (sind dies normative Setzungen die nicht das Individuum macht Vgl. Absolutistische Gerechtigkeitstheorien wie bei Angelika Krebs)
4. Unzulänglichkeit von Lust/Unlust und Lebensfähigkeit als Maßstab (Ausbeutung, Glück, Freiheit, Gerechtigkeit…)
5. ◊(t1,@) (xNC ∧ z1L) ∨ (xNC ∧ yC ∧ z2L) Zur Entscheidung welche Möglichkeit realisiert werden sollte, sind normative Annahmen Notwendig der Art: yC ist schlechter als z2-z1L. Bezieht mensch bei Kritik sich auf reale (erkennbare) Möglichkeiten dieser Gesellschaft bleibt diese Frage nicht aus.
6. Bedürfnisse bei Marx
Radikale Bedürfnisse sind diejenigen Bedürfnisse, die (wie schon bei Adorno) notwendig im Kapitalismus erzeugt werden und deren Befriedigung nur durch Überwindung des Kapitalismus möglich ist. Im Konkreten (ähh sozusagen konkret abstraktem) handelt es sich dabei um den Sachverhalt der Entfremdung und der notwendigen Erzeugung des Bewußtseins von Entfremdung. Was ist davon (im allgemeinen mal nicht unbedingt betrachtet) vor dem Hintergrund der Behauptung von Marcuse zu halten, dass unsere eigentlich entfremdeten Bedürfnisse uns nicht mehr als solche erscheinen…(Eindimensionalität des Denkens, dEM 31) 7. Bedürfnisse und Disziplinargesellschaft
Bei Honderich nehmen Bedürfnisse eine funktionale Mittelstelle ein. Zum einen sind sie gesellschaftlich konstruiert, zum anderen sind sie Motivation für Gesellschaftsveränderung. Ihren kritischen Maßstab behalten sie wie bei Adorno über gesellschaftstranszendierende Versprechungen, die an sie geknüpft sind. Lässt mensch diese (schlecht begründete) Annahme weg, ergibt sich auch im einvernehmen mit Marcuse eine Art disziplinierte Bedürfnisstruktur, über die die Individuen ohne Ausübung von Gewalt für den kapitalisitschen Markt erschlossen werden können und ihn gleichzeitig reproduzieren (Was bleibt dann noch von der Freiheit mit der sich Bedürfnisse entwickeln im Gegensatz zu gesellschaftlich auferlegten Bedürfnissen? Der ästhetische Selbstentwurf…?).


!Bedürfnisontologie/Bedürfnisbaum

zu ordnen, zu definieren, in Verhältnis zu setzen und Unterkategorien entwickeln

vitale Bedürfniss:

natürliche Bedürfnisse(Triebe):

wahre Bedürfnisse:wohl wahr,dass die wahren Bedurfnisse, wenn denn dann wahr, wenig der Wahrheitsfindung dienen

falsche Bedürfnisse:

notwendige Bedürfnisse:

Luxusbedürfnisse:

Gesellschaftstranszendierende Bedürfnisse:

Zusatz:


Kritik...?


!Literatur


Frage: Verhältnis von gesellschaft transzendierenden Bedürfnissen zu wahren Bedürfnissen? Diese Mengen scheinen mir weder bei Marx (nach Heller) noch bei Marcuse deckungsgleich zu sein...erwachsen daraus nicht ernste Probleme?


Adorno vs Marcuse?

1. Wir könnten Bedürfnisse daran messen, ob ihre Befriedung das bringt was die Befriedigung des Bedürfnisses verspricht. Befriedigt z.B. der Besitz eines Autos tatsächlich das damit verbundene Bedürfnis nach Freiheit...

2. Versprechen die mit Bedürfnissen verbunden sind, werden gesellschaftlich konstruiert (siehe Auto und Freiheit)

3. Allerdings wird mittlerweile mit dem Konsum von Produkten nicht mehr versprochen als tatsächlich gehalten wird (Identitäskonstruktion, Anerkennung, Hedonismus…)

4. Die objektiven Bedingungen jedoch ermöglichen mehr Bedürfnisse mit der dazugehörigen Befriedigung und ein besseres Leben.

5. Also reicht das Versprechen, das mit dem Bedürfnis verbunden ist als Maßstab von Kritik nicht mehr aus…oder? Würde das Marcuse auch so sagen?


!Bedürfnis, Überzeugung, Handlung

D: Desire, A: Action, B: Believe, P:???? (read "DP" as "Peter desires that P"; "BP" accordingly)

Def1: (DP & B(A→P)) → A

Q: What is the nature of the latter arrow?


Ich kenne den Kontext des ganzen nicht, aber es liest sich wie die Definition von Vernunft. --ThomasKalka


Für Vernunft, vielleicht... Jedoch stellt sich mir die Frage wie sich da zweckrationales Handeln und wertrationales Handeln im weberschen Sinne einfügen. Def1 scheint mir von zweckrationalen Motiven geprägt zu sein. Wie sähe das ganze wertrational aus?? --PeterBrunckhorst


Def1 stellt einen Zusammenhang zwischen Bedürfnissen, Überzeugungen und Handlungen her. Lesen kann man das ganze ungefähr so:
WENN (jemand möchte, daß p UND er/sie/es glaubt, daß (WENN er/sie/es A-t, DANN p)) DANN A-t er/sie/es.

Ich würde das ganze allerdings keine Definiton nennen, da hier nichts definiert wird. Zu den interessanten Fragen, die sich mit Hinblick auf Def1 stellen lassen, gehören z.B.



Kann ich deine Ergaenzung so verstehen:


Ich glaube zunächst nicht, dass wir immer nur nach rationlen Motiven handeln. D.h. es gibt auf jeden Fall ausnahmen. Unterstellt wir würden rational handeln und wären epistemisch perfekt (in dem Sinne, dass wir unsere Bedürfnisse klar erkennen und alle Konsequenzen unserer Handlungen kennen, also nicht gilt: B(A→P) sondern wissen dass, A→P&Q&R...), dann würde ich sagen, dass sich alle Elemente der Menge Peters Bedürfnisse tatsächlich mit < & = in Relation setzen ließen. Klassisches Beispiel wäre hier:
iDP: Peters Bedürfnis Arzt zu werden iDQ: Perters Bedürnis Jurist zu werden
Peter findet beides toll und würde sagen: iDP=iDQ
Nun gilt weiterhin: iDP<iDP & iD1000Eurokriegen
aber: iDP & iD1000Eurokriegen = iDQ
Meiner Meinung nach nur, weil Peter nicht wirklich erkennen kann, was es wirklich heißen wird Arzt oder Jurist zu werden. Er hat also eher vage Bedürfnisse.


Eine Frage ist ja auch, wie das mit den wahren und falschen Bedürfnissen von Marcuse aussieht und ob die Subjunktion kritschen Gehalt kriegt, ob A also emanzipatorisch wird, wenn Eine Person ein wahres D hat...


G: unsere Gesellschaftsform E: Existenzquantor Pw: Objekt eines wahren Bedürfnisses
G1: G → -Ex(Ax & (x→Pw))
mit der Konklusion:
K1: (A→Pw) → -G

Dies ist leicht, wenn G totalitär wäre. G hat jedoch nur die Tendenz totalitär zu sein. D.h. dass in diesem Falle G aufzuspalten wäre in Gt (totalitäre Gesellschaft) und Gf (freie Gesellschaft). Würde dann gelten:
Gf → (A→Pw) → -Gt (langweilig)
Daher scheint mir plausibler, dass es beim G bleibt und gilt:
(DPw & B(G1)) → D(-G) & B(A→-G) → A


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