KonstruktivistischeLerntheorie

Version 22, 88.65.29.81 am 26.4.2007 14:26

aus (1) :

Konstruktivismus - was ist das eigentlich?

Der Konstruktivismus ist zunächst einmal eine Erkenntnistheorie, die die Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen wie Hirnforschung, Neurobiologie, Kognitionspsychologie, Linguistik und Informatik miteinander verbindet.

Die Grundlage der Theorie ist die Tatsache, daß das menschliche Gehirn als relativ geschlossenes und sich selbst organisierendes (autopoetisches) informationsverarbeitendes System zum allergrößten Teil seiner Aktivitäten mit sich selbst beschäftigt ist und nur zu einem geringen Teil mit der Verarbeitung von Informationen oder Reizen aus der Außenwelt. Diese Informationen der Außenwelt wie z.B. Töne oder visuelle Eindrücke bieten, durch die Sinnesorgane aufgenommen, dem Gehirn keine Informationen darüber, wie die Dinge der Welt sind, sondern dienen nur als Rohmaterial, das vom Gehirn erst interpretiert und verstanden wird. Wir hören eine Musik nicht mit unseren Ohren, sondern unsere Ohren nehmen Schallwellen wahr, setzten sie in einfache elektrische Impulse um und leiten sie an das Gehirn weiter, das aus diesen Impulsen erst die Musik werden läßt. Der Musikeindruck wird also erst im Gehirn erzeugt und nicht von den Sinnesorganen aufgenommen.

Die wesentliche Leistung des Gehirns besteht also darin, die von den Sinnesorganen übertragenen Impulse aus der Außenwelt permanent zu interpretieren. Dabei schafft es Uns eine Konstruktion davon, wie denn die Welt sei, ohne daß wir letztendlich wissen, wie sie wirklich ist. Was wir wahrnehmen sind immer nur unsere Erfahrungen von den Dingen, nicht die Dinge selbst. Etwas verstehen heißt in diesem Sinne, eine Interpretation aufzubauen, die funktioniert und schlüssig zu sein scheint. Diese strukturierende Arbeit des Gehirns hat den Zweck einen Zustand der Bewußtheit herbeizuführen, der dem Individuum das Er- und Überleben in seiner Umgebung ermöglicht.

Diese Vorstellungen sind nicht neu, sondern in der Vergangenheit schon von Vico, Comenius, Montessori, Kant und Piaget vertreten worden. Neu sind nur die physiologischen Entdeckungen der Hirnforschung der letzten Jahre, die diese Vorstellungen zu bestätigen scheinen.

Für das Lernen heißt dies, daß Lernen kein passives Aufnehmen und Abspeichern von Informationen und Wahrnehmungen ist, sondern ein aktiver Prozeß der Wissenskonstruktion. Etwas lernen heißt, das Konstrukt im Kopf zu überarbeiten oder zu erweitern. Es heißt, sich aktiv und intensiv mit dem Lerngebiet auseinanderzusetzen. Außerdem ist Lernen ein individueller, selbstgesteuerter Prozeß, der je nach Vorkenntnissen und - erfahrungen sehr unterschiedlich ausfallen kann.

In letzter Konsequenz heißt dies aber auch, daß die Vermittlung von Lernstoff oder Wissen im Sinne einer Übertragung nicht möglich ist. Ein Lehrer oder computerunterstütztes Lernsystem kann immer nur den Konstruktionsprozeß des Gehirns anregen, fördern und ihm helfen, das Wissen selbst zu erwerben.

aus (2)

Grundpostulate (nach K. Reich)

Intentionen

Konstruktivistische Lernumgebungen berücksichtigen

Konsequenzen für die Lernumgebung

Zitate

aus (3)

Human ist u.E. Unterricht dann, wenn er sich an den subjektiven Biographien der Individuen orientiert. Integrativ ist ein Unterricht, wenn alle Kinder auf ihrem unterschiedlichen Niveau lernen können, und durch einen gemeinsamen Gegenstand, den Bildungsgehalt, elementar miteinander verbunden sind.

Dabei stellt der Bildungsgehalt den zentralen Begriff einer subjektorientierten und integrativen Didaktik dar (http://www.didaktik2000.de ).

Diesem Anspruch immer besser zu genügen, bedarf es u.E. einer theoretischen Auseinandersetzung und praktischen Umsetzung konstruktivistischer Positionen ( Piaget, Varela / Maturana usw.).

Auf diesem Wege den integrativen Gedanken in die Köpfe von Eltern. LehrerInnen und PolitikerInnen zu pflanzen ist Voraussetzung, um Schule endlich zu einem Erfahrungsraum werden zu lassen. Dann erst werden PädagogInnen, SchülerInnen und Eltern in ein gemeinsames Lernen eingebunden, und ermöglicht im Sinne Buber`s " Das Ich wird erst am Du zum Ich " einen rekursiven Diskurs.


aus (4)

Kognitives Geräusch

Der Aufbau von tatsächlich integriertem und emergentem Wissen erfolgt nicht durch Strategien einer Abbilungs- und Reproduktionsdidaktik, sondern durch selbstorganisiertes Verarbeiten äußerer Anreizstrukturen.

Als kognitives Geräusch werden alle Prozesse didaktischer Strategien bezeichnet, durch die Wissen-Vermittlung erfolgen soll. Aufgrund der stillschweigend unterlegten mechanistischen Bildungsauffassung wird angenommen, dass jedeR SchülerIn prinzipiell jede vom Lehrenden ausgesendete Information aufnehmen und abbildmäßig behalten könnte.

Das kognitive Geräusch hat in der didaktischen Landschaft seinen Sinn im Erhalt des Einheitsglaubens des Bildungssystems und seinem Regelerhalt. Es wird legitimiert von dem Glauben an eine Einheitsgesellschaft durch einen einheitlichen Lehrplan.

Das (gesellschaftliche) Zeichen des kognitiven Geräusches ist die Note und teilweise das Zeugnis. Anstelle des Zeigens tatsächlichen Wissens (soweit Wissen tatsächlich sein kann – siehe oben die Konstruktionsthese) - seiner Verfügbarkeit und das Wiederauftauchen in alten und neuen Kontexten - wird an seine Stelle ein Symbol gesetzt: die Note. Damit haben wir einen stellvertretenden Tauschwert für den Bildungstauschmarkt, der die Einheit im Bildungssystem wahrt. Die Wissensstrukturen der einzelnen Lernenden, die sie im Laufe ihrer schulischen Biographie erworben haben, können dabei in diesem System nicht tatsächlich beobachtet werden. Trotzdem gelten die Symboliken von reproduziertem Wissen als Maßstab und Garantie für die Qualifikation der Lernenden auch in höheren Bildungsmärkten. (es gibt nur einen Bildungsmarkt, der ist in sich in Klassen aufgeteilt)

Links

Was für TOKA Do/Read:

PROTEST Heiner: RADIKALER KONSTRUKTIVISMUS und KONSTRUKTIVISMUS sind wichtige Schritte - aber auch "einäugig" - denn ohne Pragmatismus, und all die anderen sinnvollen .ismen (siehe von Gleichen und Steiner) bleibt das eng und dogmatisch. Ich bin kein Radikaler Konstruktivist - das geht zu sehr in die Ecke der postmoderne Gefährdung die uns und alle apathisch, orientierungslos, ... macht. Siehe meine Exkurse mit Pierre Levy und die Gesammte Diskussion einer open-ended universality - die keine Zukunft - nur ENDZEIT "vordenkt" und somit Vordenker religiös verbrämter Charismatiker ist. Wir haben gezeigt, zB mit der WELTBILD - WELTHAUS Thematik das Jugendliche sich Sinnwelten als konkretes WELTHAUS vorstellen können, siehe: http://benking.de/skizzen-2003.htm siehe auch: http://benking.de/education/bpb-links.htm, und dazu passend natürlich auch das "HAUS der AUGEN" aus Benking, Rose (98) oben.

s.a.: http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/simanow3.htm Heiner Benking mahnt unter dem Titel Fluchtwelten oder Sinnwelten – Cyberspace als Spielzeug und Orientierungshilfe schließlich den sinnvollen Einsatz von Cyberspace in der Wissensverarbeitung und Schulbildung an, leider ohne Aussagen dazu, welche Erfahrungen und Ergebnisse es diesbezüglich bereits gibt. was natürlich stimmt: http://benking.de/sinn-fluchtwelten.html UND in der Gegenüberstellung von: REAL-VIRTUAL - Herausforderungen / Gefahren: http://benking.de/VR-Oeffentlichkeit-pro-con.html oder http://benking.de/education/

PROTEST Heiner: http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/simanow3.htm zu Erfahrungen und Ergebnisse: Das Studium Generale fand an der Uni Tübingen 1994 oder so statt. DIe Texte fanden erst 5 Jahre später ihren Platz beim Fink Verlag. Der Text war vorläufig und ohne vollständige Literaturangaben. Wer will kann ja mal hier schauen: http://benking.de/bildung/ http://benking.de/dialog/

zu Dekonstruktion: Gewinnung multipler Perspektiven

HeBe - wichtig erschein mir hier multiplen Perspektiven "Raum" zu geben, ein Konzert, ein Bouquet oder einen Tanz von Modellen, Perspektiven einzufordern anstatt nur "de-konstruktiv" etwas auseinanderzunehmen. Vielleicht sich einfach nur mal vorstellen das wir multi-modal verschiedene Modelle und Konstruktionen in Ihrer Gesamtheit als etwas bessere Annäherung an eine Welt nehmen die auch Platz für Minderheiten - und nicht Übereinstimmen - läßt. dazu: http://benking.de/systems/encyclope ... wterms/#_Toc87362172 http://benking.de/systems/encyclope ... wterms/#_Toc87362174 aber auch: http://benking.de/systems/codata/CO ... iles/v3_document.htm http://benking.de/systems/codata/CODATA-MIST2005.htm

und zu neuem und altem LERNEN und KOMMUNISZIEREN (auch in unterschiedlichen Kulturen): http://www.inst.at/trans/15Nr/08_3/benking_lenser15.htm http://benking.de/Dialogue_and_Decision-Culture.htm

sowie: Gemeinschaftsnutzungsstrategien für eine nachhaltige lokale Entwicklung. New work und lokale Denk- UND Arbeitsbedingungen und gemeinsame ORIENTIERUNGEN!!: http://benking.de/new-work/kognitives-panorama-newwork.htm

Antilinks

noch durchsehen: