Musik- und Bewegungslernen bei Heinrich Jacoby und Elsa Gindler

Version 7, 88.72.243.181 am 15.3.2006 10:28
Daten
web: http://www.rrz.uni-hamburg.de/sport ... per/tiwald/neue6.doc

In der vorliegenden Arbeit geht es um alternative Ansätze für den Sport- und Musikunterricht, wie sie von Elsa Gindler und Heinrich Jacoby entwickelt wurden. Die Relevanz, in der Vermittlung von Musik und Bewegung in Schule und Freizeit, ergibt sich aus der zunehmenden Verdrängung durch Bewegungslosikeit und visuell bestimmter Tätigkeit vor Computer und Fernseher, jetzt und in der Zukunft. Auch zur Kompensation, von zum größten Teil sitzender und rein theoretisch-geistiger Tätigkeit in Schule und Beruf, trägt vor allen die Freude an Musik und Bewegung in Unterricht und Freizeit bei.

Dabei geht es mir nicht nur um den ästhetischen Aspekt, sondern auch um das Vermitteln von elementaren Erlebnissen. Musik und Bewegung sind für mich Ausdruck von Menschsein. Deshalb halte ich es ausgesprochen erforderlich, beiden einen großen Platz in der Erziehung einzuräumen. Somit tragen sie zur Persönlichkeitsbildung bei.

Jede Kultur brachte Musik und Bewegung in Form von z.B. Kult, Religion, Spiel, Tanz, rhythmischem Gesang zur Erleichterung von Arbeit hervor. Somit waren Musik und Bewegung auch immer emotionaler Ausdruck, wie beispielsweise Freude oder Trauer und häufig an ein Ereignis gebunden, welches gemeinsam ausgeführt wurde. Damit erwiesen sich Musik und Bewegung auch als sozial bindend und trugen somit zur Identifikation der Menschen bei. Durch alle diese Faktoren sind Musik und Bewegung Teil der Lebendigkeit des Menschen.

Aus den angegebenen Gründen halte ich ein Nachdenken über die Vermittlung eines elementaren Ausdrucks bei Musik und Bewegung für unbedingt notwendig. Noch heute sind Musik und Tanz wesentlicher Bestandteil von Feierlichkeiten, und auch Menschen, die sich für unmusikalisch halten und sich nicht als tänzerisch begabt bezeichnen, sieht man, sich ausgelassen zur Musik bewegen. Diese elementare Ausdrucksweise ist oftmals nur mit ein wenig Alkohol zu bewerkstelligen, da man dann den reflektierenden Intellekt ausblendet. Hier stößt man auf ein Phänomen, dass in sich gesehen widersprüchlich wirkt. Menschen, die meinen, sie seien nicht begabt, beginnen sich trotz dieser vermeintlichen Unbegabung, zur Musik zu bewegen. Das Bedürfnis nach Musik und Bewegung ist da, aber der reflektierende Intellekt glaubt besser zu wissen, dass der Körper und damit der ganze Mensch eigentlich nicht in der Lage ist, sich zur Musik zu bewegen, da man ja untalentiert sei.

Wie kommt es, dass Menschen, obwohl sie das Bedürfnis haben zu musizieren, zu singen und sich zu bewegen aufgrund ihres Urteils, sie seien unbegabt, sich nicht mehr an diesen elementaren Daseinsformen beteiligen?

Warum gibt es überhaupt so viele für Bewegung untalentierte und unmusikalische Menschen, wobei es sich doch um elementare Ausdrucksarten handelt?

...

Neue Seiten im Kontext

Mittwoch, 9. Mai 2001

Ursprünglich Musiker, erforschte Heinrich Jacoby allgemein Fragen der biologischen Ausstattung des Menschen und der sogenannten Begabung. Er studierte Voraussetzungen für die Entfaltung und Nachentfaltung menschlicher Funktionsmöglichkeiten und Ursachen, die zu Störungen in der Entfaltung dieser Möglichkeiten führen. Heinrich Jacoby orientierte sich dabei an den Funktionsweisen des menschlichen Organismus und an den Gesetzmässigkeiten unmittelbar überzeugender menschlicher Lebensäusserungen. Er konnte zeigen, dass das Niveau der Entfaltung und die Qualität der Leistungen vom jeweiligen Verhalten bestimmt sind.