Brave New World

Version 29, 84.130.99.8 am 22.7.2006 20:36
Daten
Autor: Aldous Huxley

Aldous Huxley: Brave New World:

"schöne neue Welt", die Huxley in diesem Roman beschreibt, ist die Welt einer konsequent verwirklichten Wohlstandsgesellschaft "im Jahre 632 nach Ford", einer Wohlstandsgesellschaft, in der alle Menschen am Luxus teilhaben, in der Unruhe, Elend und Krankheit überwunden, in der aber auch Freiheit, Spiritualität, Kunst und Humanität auf der Strecke geblieben sind. Eine totale Herrschaft garantiert ein genormtes Glück. In dieser vollkommen genormten Gesellschaft wird jede Form von Individualismus als "asozial" geächtet, wird als "Wilder" bertrachtet, wer - wie einer der rebellischen Aussenseiter dieses Romans - für sich fordert: "Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!"

Huxley schrieb dieses Buch Anfang der dreissiger Jahre. In seinem Essay "Brave New World Revisited" (Dreissig Jahre danach) konnte er seine Anti-Utopien an der inzwischen veränderten Welt messen. Er kommt darin zu dem Schluss: sozialer und technischer "Fortschritt" und verfeinerte Methoden der psychologischen Manipulation lassen erwarten, dass diese grausigen Voraussagen sich in einem Bruchteil der veranschlagten Zeitspanne verwirklichen werden.
Huxleys Worte:

"Alles in allem sieht es ganz so aus, als wäre uns Utopia viel näher, als irgend jemand es sich vor nur fünfzehn Jahren hätte vorstellen können. Damals legte ich diese Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute scheint es durchaus möglich, dass uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt; das heisst, wenn wir in der Zwischenzeit davon absehen, einander zu Staub zu zersprengen." - Aldous Huxley

aus http://www.single-generation.de/gro ... n/aldous_huxley.htm:

Ich weiß natürlich (...), daß man Huxleys Welt im allgemeinen als einen totalitären Alptraum beschreibt und versucht, in diesem Buch eine scharfe Anklage zu sehen; doch das ist reine Heuchelei. Brave New World ist für uns in jeder Hinsicht - sei es, was die genetische Kontrolle, die sexuelle Freiheit, den Kampf gegen das Altern oder die Freizeitkultur betrifft - ein Paradies, in Wirklichkeit ist es haargenau die Welt, die wir anstreben, wenn auch bisher noch ohne Erfolg."

Nicht ohne Staunen wies der Schweizer Publizist Arnold Künzli in seinem Buch »Menschenmarkt« darauf hin, daß einer der Verfechter einer modernen Eugenik Julian Huxley war, ein Halbbruder von Aldous Huxley (...).
Julian Huxley (...) formulierte die These, »Schöne neue Welt« (...) sei ursprünglich als positive Utopie intendiert gewesen, erst in der allgemeinen Depression nach dem zweiten Weltkrieg habe Aldous seinem Buch eine negativ-kritische Interpretation gegeben (...).
Man kann nicht sagen, Houellebecq habe (...) abwegige Ideen darstellen wollen. Gefährliche Ideen vielleicht, aber keine abwegigen. Die Bruderschaft der Huxleys könnte ihn zu der seines Figurenpaars inspiriert haben: hier der Notleidende, Scheiternde - dort der entrückte Überwinder."

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Samstag, 28. Januar 2006