Longo maï

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Longo Maï ist ein über Europa ausgelegtes Netz von etwa einem Dutzend selbstverwalteter landwirtschaftlicher und handwerklicher Kooperativen, die seit 1973 versuchen, zwei charakteristische Phänomene unserer Zeit unter einen Hut zu bringen: Menschen ohne Land und Land ohne Menschen. Zusammen mit Jugendlichen Eigeninitiativen zu fördern, mit anderen Gruppen ähnlicher Ausrichtung solidarisch zusammenarbeiten und kollektive Formen des Zusammenlebens zu erproben, charakterisieren den sozialen Rahmen, in dem Longo Maï sich bewegt.

Landwirtschaftliche Produktion und Viehzucht auf naturnaher Basis zur weitgehenden Selbstversorgung (z.B. Gemüsebau, Schafzucht), Weiterverarbeitung der Rohstoffe z.B. Wolle, Holz) zum hochwertigen Fertigprodukt und dessen Direktvermarktung in regionalen Netzen (Mikroökonomie) gehören zu den Prinzipien, an denen sich Longo Maï wirtschaftlich und politisch orientiert.

Informationsarbeit zur verschiedensten Initiativen über alle Landesgrenzen hinweg ergänzt die praktische Arbeit auf dem Land.


Schwerpunktthema der Contraste 234

Kurz nach der 68er Studentenbewegung entstand die Lehrlingsbewegung.
Unsere Forderungen damals waren eher bescheiden: garantierter Mindestlohn, Schluß mit den Hilfsarbeiten, kein Zwang zu Überstunden, Einhaltung der bestehenden Gesetze.
Die Unternehmer waren sich nicht gewohnt, daß Lehrlinge aufmucken. Sie reagierten mit Drohungen und Entlassungen. Daraufhin organisierten wir Demos, BoykottAktionen, Happenings. Die Leute waren großteils auf unserer Seite. → Die Unternehmer mussten zurückkrebsen. Überall entstanden Gruppen.
Jedes Jahr gab es ein großes Sommertreffen, mal in Österreich, mal in der Schweiz, mal in Belgien. Hier wurde die neue Gesellschaft ausprobiert, das Zusammenleben, politische Aktionen diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht, neue Kampagnen beschlossen, internationale Solidarität geplant oder ganz einfach den Erzählungen der streikenden englischen Docker und belgischen Minenarbeiter gelauscht.
Die Bewegung war von Anfang an international.

Die Sommerlager waren jedesmal zu kurz. Wir wollten uns das ganze Jahr treffen. Und nicht nur an einem Ort. Deshalb verlangten wir von den verschiedenen europäischen Regierungen, den Jugendlichen einige Quadratkilometer Land in wenig entwickelten, sozial und wirtschaftlich bedrohten Regionen zur Verfügung zu stellen.

Wir wollten in diesen Regionen europäische Pioniersiedlungen aufbauen.
Da eine Reaktion seitens der Regierungen (erwartungsgemäß) ausblieb, fingen wir auf eigene Faust an, drei verfallene Höfe in der Haute-Provence und die zugehörigen 300 Hektar Land wieder aufzubauen und gemeinsam als Kooperative zu bewirtschaften. Wir gaben diesem ersten Projekt den Namen "Longo maï", ein provençalisches Grußwort, das bedeutet: "Es möge lange dauern".
Nun ließ die Regierung nicht länger auf Reaktion warten: Alle Ausländer wurden noch im selben Jahr ausgewiesen, wegen "Terrorismusverdacht" und "Gefährdung der französischen Atomstreitmacht". Dank der damit zusammenhängenden Propaganda erfuhr man auch in Frankreich von unserer Siedlung. Der Ansturm derer, die nun mitmachen wollten, war so groß, daß wir in aller Eile weitere Projekte begannen.

In der Zwischenzeit sind fünf landwirtschaftliche und handwerkliche Kooperativen in Frankreich, eine in Österreich, eine in der Schweiz und eine in Deutschland entstanden. In den ukrainischen Karpaten arbeiten wir an einem Dorfprojekt auf der Grundlage von Verarbeitung und Handwerk, und auf der Flüchtlingskooperative von Longo maï, "Finca Sonador" in Costa Rica, fanden zuerst die vor dem Diktator Somoza flüchtenden nikaraguanischen Jugendlichen, dann salvadorianische Familien und einheimische landlose Bauern eine Existenzgrundlage.
In Frankreich haben wir eine Kette von Kooperativen geschaffen, die sich gegenseitig aufgrund ihrer Lage entlang des Wasserlaufs der Durance - von ihrer Quelle in den Alpen quer durch die Provence bis hinunter in die Ausläufer der Camargue - ergänzen.

Longo maï wollte sich nie auf ein paar Hektaren Utopie zurückziehen, sondern war immer offen für solidarische, grenzüberschreitende Aktionen. Am 12. Dezember 1989 veröffentlichten wir das "Manifest für ein Europäisches Bürgerforum" mit dem Ziel, direkte Kontakte zwischen Bürgern ganz Europas zu fördern, die zu Trägern einer neuen Form der Solidarität werden könnten. Im ehemaligen Jugoslawien gründeten wir zusammen mit unabhängigem Journalisten eine alternative Presseagentur, ein - leider - einmaliges Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Leuten aus sämtlichen Republiken über die Gräben der nationalistischen Grenzen hinweg. Eine weitere Initiative war das Anschieben der Solidaritätskampagne zwischen Schweizer Gemeinden und Gemeinden in Ex-Jugoslawien, "Gemeinden Gemeinsam" und, nicht zuletzt, die "Europäische Kampagne für Schutz und Aufnahme der Deserteure" aus dem Bürgerkrieg.

aus: Europäische Kooperative Longo maï, Hof Ulenkrug (http://www.tippelei.de/ulenkrug)


Aus CONTRASTE Nr. 277 (Oktober 2007)

BUCHVORSTELLUNG

Longo maï - Revolte und Utopie nach 68

Die "Europäische Kooperative Longo maï" wurde 1972 von der Gruppe Spartakus aus Österreich und der Lehrlingsorganisation Hydra aus der Schweiz gegründet. Heute bestehen zehn Kooperativen in sechs Ländern. Was seinerzeit der Versuch einer handvoll Jugendlicher war, eine globale Lebensalternative aufzubauen, hat sich in 34 Jahren entwickelt und verändert, wie auch der politische, soziale und ökonomische Kontext heute nicht mehr derselbe ist. Die Entstehungsgeschichte der Europäischen Kooperative, ausgehend von den Grundideen, ihrer Umsetzung und Entwicklung in Theorie und Praxis bis zum heutigen Tag, ist Thema eines Buches. Die Autorin Beatriz Graf lebt und arbeitet seit 30 Jahren in Longo maï, hat also die Geschehnisse von Anfang an aus nächster Nähe mitverfolgt. Was zieht junge Leute nach Longo maï? Wie kann Geschaffenes weitergeführt, entwickelt und gleichzeitig Platz für neue Initiativen geschaffen werden?

Beatriz Graf: Longo maï - Revolte und Utopie nach 68. Gesellschaftskritik und selbstverwaltetes Leben in den europäischen Kooperativen. Thesis Verlag, CH-8847 Egg. 2005. ISBN 3-908544-88-2, 25 CHF / 18 EUR (zzgl. 5 CHF Versand)


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Hallo, ich habe gewisse Schwierigkeiten mich auf diesen Seiten zurechtzufinden. Ich suche Angaben darüber ob in einer Longo Mai Kommune noch schwarze Schafe gehalten werden, in welcher (Adresse) und was diese ggf. mit ihrer schwarzen Wolle machen. Ich heiße Pidder, bin ehemaliger Netzwerk-Selbsthilfe Aktivist und auf der Suche nach einer ökologisch und sozial angepassten Lebensform, die auch trägt. mfg hollerhandel@gmx.de

hi pidder, willkommen im coforum. zu beginn ist es ungewohnt, aber dann... :) gruesse, karl

Neue Seiten im Kontext

Dienstag, 14. April 2009

Gemeinsamer Aufruf Aktionstage im Tollensetal am 17. / 18. April 2009

Gegenwärtig erleben wir einen weiteren rücksichtslosen Einbruch der Agrarindustrie in die noch weitgehend unzerstörte Ruhe und Natur im Landkreis Demmin. Allerorten sollen neue Schweinezucht- und Mastbetriebe entstehen, darunter Riesenanlagen wie die von Adrian Straathof geplante Ferkelzucht in Alt Tellin und sein weiterer Mastbetrieb bei Wildberg. Auch wenn diese hunderttausende Schweine entsprechend der aktuellen Gesetzte gehalten würden: es wäre dennoch pure Tierquälerei. Zusätzlich zerstört die Agrarindustrie nicht nur Ruhe und Natur, sondern auch die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Bevölkerung im ländlichen Raum. Ca. 90% der Arbeitsplätze wurden seit der Wende in der bäuerlichen Landwirtschaft bereits vernichtet. Abwanderung und Leerstand sind die Folgen, ein Ende ist nicht in Sicht. Damit zeigt sich eine Parallele zu der Situation z.B. in Lateinamerika, wo für die Futtermittel der Europäischen Schweinebarone Urwälder niedergebrannt und Kleinbauern von ihren Feldern geprügelt werden.

Freitag, 28. April 2006

Aus Contraste: Bericht über ein Treffen (Juni 2005 im Hof Ulenkrug) von Menschen, die alte Getreidesorten wieder nutzen (wollen).

Mittwoch, 25. Januar 2006

Vor fünfzehn Jahren gründete sich die Longo mai-Kooperative "Mas de Granier" in der Crau in Frankreich. Schon damals war beabsichtigt, zusätzliches Land zu finden. Nun haben sie eine direkt angrenzende Parzelle hinzugekauft, die seit zehn Jahren brach lag. Die Initiative bittet um finanzielle Unterstützung.

Donnerstag, 24. Januar 2002

Europäische Kooperative des Netzwerks Longo maï

Donnerstag, 11. Januar 2001

Das Gästebuch das CoForum. Hier ist Platz für Eure ersten Eindrücke und Hinweise.