Der Kampf um die Demokratie

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Buch von Arno Gruen

Erschienen: 2002 bei Klett-Cotta, Stuttgart

Gewalt ist nicht neu. Alle "großen Zivilisationen" rufen Gewalt hervor, weil Herrschaft und Besitz ihrer Basis sind. Dadurch aber werden Menschen bedeutungslos. Diesem Zustand versuchen sie durch halluzinierte Größe zu entkommen. Das wiederrum führt zu einem Radikalismus, der sich dem Tod verschreibt, aber das Tödliche durch abstrakte Ideologien verschleiert.

Wir müssen uns endlich dieser ungeisitgen Entwicklung stellen, indem wir die wirklichen Bedürfnisse der Menschen anerkennen, unsägliches Elend und nackte Armut überwinden und aufhören, ganze Bevölkerungen zu entwürdigen und auszugrenzen. Nur so läßt sich die Demokratie retten. (Klappentext)

Inhaltsverzeichnis:

Rezensionen


aus OÖNachrichten-Online vom 5.2.2002 von KLAUS BUTTINGER

PSYCHOLOGIE: Arno Gruen analysiert brillant die Gefahren für demokratische Gesellschaften

Biedermann & Brandstifter auf der Couch

Der renommierte Schweizer Psychoanalytiker Arno Gruen hat mit seinem neuen Buch "Kampf um die Demokratie" ein Ursachenbild von Gewalt und Terror gezeichnet, das jedem Demokraten das Fürchten lehrt: "Gewalt ist Bestandteil dessen, was alle ¸großen Zivilisationen` heranzüchten, weil ihre Basis Herrschaft und Besitz sind. Damit gehen die Verachtung menschlicher Werte wie auch die Verachtung des Weiblichen und der Kindheit unserer Kinder einher", schreibt Gruen.

Worin aber liegen die Ursachen? "In der Kindheit", antwortet Gruen. Zumal sie von einer Kultur geprägt werde, "in der Schmerz und Leid permanent verleugnet und ausgegrenzt werden. Traurigkeit und Nachdenklichkeit werden im beständigen Streben nach Erfolg, Profit und Selbstbestätigung genauso als Behinderung abgelehnt, wie die Konfrontation mit Krankheit, Gebrechlichkeit und Tod."

Wurzeln in der Kindheit

Der große alte Psychoanalytiker wiederholt in "Der Kampf um die Demokratie" seine Thesen von der "Identifikation mit dem Aggressor". Das heißt, in aller Unzulänglichkeit der Kürze: Kinder, die einem elterlichen Terror ausgesetzt sind - sei es durch Gewalt oder durch Überfürsorge - identifizieren sich zwangsläufig mit dem Terror, geben ihn weiter, haben sie doch in der Abhängigkeit von den Eltern keine andere Möglichkeit der Übertragung.

"Politiker, auch Psychologen, die davon sprechen, Destruktivität und Feindseligkeit lägen nun mal in der menschlichen Natur, verhindern eine differenzierte Sicht der wirklichen menschlichen Entwicklung. Sie wollen die Wahrheit nicht sehen. Die Wurzeln des Hasses gehen bis in die frühe Kindheit zurück." Je nach Art der Gewalt, die ein Kind ertragen muss, entwickelten sich die Typen Rechts- oder Linksextremist. Deren Gefährdungspotenzial in einer demokratischen Gesellschaft wäre allerdings so gut wie vernachlässigbar, gäbe es da nicht die schweigende Mehrheit. "Von dieser Krankheit (Rechtsextremismus, Anm.), die ihre Wurzeln in gesellschaftlichen Strukturen hat, die auf Gehorsam aufbauen, sind 8 bis 30 Prozent der Menschen betroffen. Da sie ein angepasstes Verhalten zeigen, wird ihr mörderisches Potenzial oft nicht erkannt", analysiert Gruen. "Albert Einstein sagte: ¸Die Welt ist nicht bedroht von Menschen, die böse sind, sondern von denen, die Böses zulassen.`"

"Zwei Drittel der Deutschen glauben, Deutschland brauche eine starke Hand", zitiert Gruen eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung: "Überdies vertreten viele die Meinung, in Not geratene Menschen hätten ihre Situation selbst verschuldet, und niemand solle unterstützt werden, der es nicht wirklich verdient. Hinter dieser Haltung, die ja auch von renommierten Vertretern des modernen Neoliberalismus propagiert wird, steckt eine Verachtung für jeden, der schwach ist oder als schwach eingeschätzt wird."

Laut Gruen haben demokratische Gesellschaften nur eine Möglichkeit, dem Sturz durch Biedermänner und Brandstifter zu entgehen und "die Zerstörung gesellschaftlicher Zusammenhänge durch ein wirtschaftliches Primat, das sich ausschließlich an Profit und Wettbewerb orientiert" zu beenden: "Indem sie die wahren Bedürfnisse von Menschen erkennen und ernst nehmen, indem sie Kindern die Möglichkeit zu einer wahren Kindheit bieten, die sich an eigenen empathischen Wahrnehmungen und Bedürfnissen orientiert. (...) Es würde so viel weniger kosten, in das Leben zu investieren, anstatt Aufrüstung und Kriege zu finanzieren. Wir haben keinen andern Weg als den des Lebens."


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