PhilosophischeArbeitsmethoden

Version 11, 62.206.114.179 am 21.11.2005 00:16

Herangehensweise von LukasGodulla

ausgelagert aus der Seite Geld:

... das ist letztlich die Frage nach der (geeigneten) Methode. Daran habe ich mir (u.a.) während des Studiums den Kopf eingerannt - bis hin zur Kapitulation, so daß ich das (akademische) Philosophieren aufgegeben habe (es war ein Grund unter anderen). Es gibt bis heute unter Philosophen keinen Konsens in dieser Frage. Jeder "wurschtelt" pragmatisch irgendwie vor sich hin, indem er sich irgendwann für irgendeine der Methoden (und Prämissen) entscheidet ...

Meine Herangehensweise (die nicht wirklich Methode genannt werden kann und es auch gar nicht sein will!) läßt sich vielleicht am ehesten so beschreiben:

Bewertungsmaßstab ist, was dem (umfassend-menschl.) Leben wirklich dient. Dazu gehört auch: Deswegen überschreibe ich einige Aussagen - die sich über einen längeren Zeitraum unsystematisch bei mir "einfinden" - mit »zum Weiterdenken« - sie wollen keine Bestimmung und eigentlich auch keine Diskussionsgrundlage sein, sondern Anregung, Herausforderung, Fingerzeig und vielleicht auch Wegweiser eines Suchenden. Sie sind gewissermaßen der Versuch eines virtuellen "Gedankengemäldes" an dem ich ständig weitermale. Es ist sozusagen ein Bild, das mit dem "geistigen Auge" angeschaut werden will ...

Wie jedes Gemälde (oder Plastik) ist es also auch für verschiedene Interpretationen offen.

Lukas, ich finde deine Herangehensweise sympathisch, weil sie eine pluralistische Sichtweisen anerkennt und nicht mal ansatzweise einen missionarischen Wahrheitsanspruch enthält. Andererseits denke ich, dass du auf Grund deines Wissens sicher zu mehr in der Lage bist, als nur Fingerzeige zu geben. Da ist mir fast zuviel an defensivem Selbstzweifel. Ich denke, dass nicht nur eine Überschätzung, sondern auch eine Unterschätzung deiner eigenen Stärke unsere Möglichkeiten einschränken würde. In diesem Sinne wünsche ich dir Mut und Selbstbewusstsein in der Darstellung deiner Positionen und schonungslose Kritik meiner und anderer fremder Positionen, denn nur diese wird uns weiter bringen.

Ich glaube auch, dass es hilfreich ist, dass du deine Position so offen dargestellt hast. Das schafft Vertrauen und hilft zunächst einmal Thomas und mir (im anstehenden Vorhaben) uns auf dich einzustellen. Vielleicht bringe ich eine ähnliche Darstellung zusammen, um dir das gleiche bei mir zu ermöglichen.

Sehr freundlich Helmut! Aber es war - denke ich - schon ein "Scheitern". Ich hab mir wirklich (an diversen Fragen) den Kopf angerannt ohne eine Lösungsperspektive zu finden. Da kann mensch, ehe er sichs versieht, ganz schön abgebremst werden ... Aber dieses Ereignis war zum Glück nicht ohne Hoffnung - ich habe plötzlich gesehen, daß das Leben viel mehr Dimensionen hat, als ich gedacht hätte - und daß es sogar letztlich gut so für mich war ...

Zufallsfund aus meinem Zettelkasten: (evtl. an eine besser geeignete Stelle verschieben? --Lukas)

"Kontemplation" ist eine Weise des Umgangs mit Wissen, in dem alle Einsätze, über die Erkenntnis zu gewinnen ist, und zudem der Weltzustand des jeweils gegenwärtigen Lebens zueinander in Beziehung gesetzt werden. In einer solchen Weise der bewegten und abwägenden Betrachtung im Wissen ist immer zugleich die Subjektivität des Menschen gegenwärtig. Sie vollzieht sich in einer Bewegung des Ermessens, wie jenes Ganze des Wissens Eingang hat in das Selbstbild des eigenen Lebens und was vor diesem Ganzen die letzte Affirmation ist, an die sich das Leben selbst gebunden weiß.
Hegel hat diese Kontemplation vor dem Ganzen im ersten Absatz der Vorrede seines Hauptwerks als "Metaphysik" und diese als das Dasein des sich mit seinem reinen Wesen beschäftigenden Geistes bezeichnet. Zu Recht war er davon überzeugt, daß überall dort, wo die Bewegung der Betrachtung in dieser Wechselbeziehung zwischen einem Ganzen und dem eigenen Lebensvollzug zum Erliegen kommt, sich auch der freie Blick auf die eigenen Lebensverhältnisse verschließt. In der Folge davon werden dann irgendwelche Lebensprogramme nicht weniger als Weltbilder nur noch wie Importgüter in eine unfreie und gepreßte Subjektivität eindringen.
Hegels Generation hatte bereits mit einer Art von Aufklärung Bekanntschaft gemacht, die alles andere als lichtvoll ist und der sie mit ihrer "höheren Aufklärung" (Hölderlin) entgegenzuwirken hatte. An der schon erwähnten Stelle bringt Hegel die Meinung, deren Haltlosigkeit er dann darlegte, so zu Wort: "daß, wie für die Erkenntnis die Erfahrung das Erste, so für die Geschicklichkeit im öffentlichen und Privatleben theoretische Einsicht sogar schädlich und praktische Bildung überhaupt das Wesentliche, allein Förderliche sei". Diese Meinungen sind uns so vertraut, als wären solche Sätze einem gerade eben erschienenen Reformplan entnommen. Dem Umstand, daß sie in Hegels Zeit letzlich doch nicht überzeugt haben, verdanken wir Bildungseinrichtungen, die der ganzen Welt Vorbild geworden sind. Es trifft zu, daß diese Einrichtungen nur dann zu bewahren sind, wenn sie im Blick auf ein sich wandelndes Ganzes selbst auch verwandelt werden. Dabei muß man aber wissen, was man verwandelt, um es nicht über vorgebliche Reformen nur dem definitiven Ruin preiszugeben.
... Hegel über "das interesselose freye Geschäft" der modernen Philosophie, die an die Stelle des vergangenen Mönchsstandes der Kontemplation getreten ist, und über ihren "Nutzen": "Das Tieffe ist auch das Allgemeine. (Es) hat seine Anwendung auf Alles - Aber nicht nur eine äussere Anwendung."

Aus "Kontemplation und Erkenntnis" - Dankesrede von Dieter Henrich; gehalten anläßlich der Verleihung des Hegel-Preises der Stadt Stuttgart (F.A.Z. vom 27. Nov. 2003, S. 41)

→ vgl. auch: "Andacht zum Unbedeutenden" (eine Maxime die Jacob Grimm für die geisteswissenschaftl. Disziplinen fruchtbar machen wollte)


"Begriffe umkreisen bis sich ein Zugang findet" bedeutet mir: begreifen, was da in der Hand gehalten wird.
Ohne Gebrauch, in der Bedeutungsläßlichkeit für den Anderen, war das eigene Kreisen noch keine Gebärde. Begriffe können sich verschieben, der Gebrauch nicht. – uwe

Neue Seiten im Kontext

Donnerstag, 21. April 2005

Versuch und Grundlegung eines virtuellen "Gedankengemäldes" zum Stw. "Geld"