WährungsPattern

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Teil von WirtschaftsPatternSprache. Auf dieser Seite soll exemplarisch, dem systemanalytischen Denkweise von Christopher Alexander folgend, das Pattern "Geld/Währung/Währungssystem" beschrieben werden. Dabei soll sich eine formelle Beschreibung ergeben, deren Struktur dann auch auf andere wirtschaftliche Pattern angewendet werden kann (PatternFormular). Parallel wird eine informellere textuelle Beschreibung und Diskussion zu erwarten sein. All das hat natürlich hypothetischen, experimentellen und explorativen Charakter.

PatternFormular

Name: WährungsPattern (oder Währungssystem)

Ausgangssituation: Eine TauschGesellschaft mit zunehmender Arbeitsteilung.

Problemstellung: Tauschvorgänge werden mit wachsender Größe der Gesellschaft und wachsender Anzahl der Klassen von Tauschobjekten immer schwieriger, weil es schwieriger wird Partnern mit wechselseitig akzeptierten Tauschobjekten zusammen zu bringen (tausche Kuh gegen Weizen, Töpferwaren gegen Fischerboot).

Lösung: Die Verwendung eines symbolischen Tauschobjektes "Geld" mit einem fiktiven Wert, das alle als Tauschobjekt akzeptieren. In der Anfangsphase kann das Geld-"Stück" auch einen faktischen Wert haben (Kaurimuschel, Getreidewährung, Kupfer-Barren, Goldmünze).

Resultierende Situation: Aus dem Tausch wird ein Kauf. Statt zwei Tausch-Objekten gibt es nur mehr eines. Das Problem einen gleichwertigen Tausch herzustellen verringert sich, weil das Geld so ausgeprägt wird, dass jeder Wert damit repräsentiert werden kann.

Anmerkung: Diese Betrachtungsweise ist nicht die einzig mögliche. Geld/Währung löst auch andere Probleme in anderen Kontexten und erscheint so als MultiPattern. Weiters werden nicht nur Probleme gelöst, sondern es entstehen auch neue.

Problem der Geldproduktion: Geld muss wie jedes andere Ding produziert werden (Kaurimuscheln ertaucht, Goldmünzen gefördert und geprägt, Geldscheine gedruckt). Diese Produktion steht in einem engen Zusammenhang mit dem Vertrauen in die Währung und mit dem faktischen Wert des Geldes, so dass die Produktion des Geldes und die Kontrolle der Währung fast zwangsläufig der Gemeinschaft (dem Staat, historisch dem König oder Herrscher) zufällt. Das löst aber die Probleme nicht unbedingt. Sowohl ein Mangel (Goldabfluss im Mittelalter) als auch eine Überproduktion (Druckerpresse in Kriegszeiten) kann die Wirtschaft und die Währung negativ beeinflussen.

Problem der Fälschbarkeit: Wenn es sich bei den "Geldstücken" um künstliche Symbole handelt (z. B. Geldscheine) dann müssen die Produktionskosten gering sein, damit die umlaufende Währung nicht übertriebene Kosten verursacht. Dies macht die Fälschung von Geld zu einem lohnenden Verbrechen.

Problem der Wertstabilität: Wertschwankungen einer Währung wiedersprechen dem Sinn der Erfindung und führen entweder Flucht aus der Währung in andere Währungen oder Sachwerte oder zu spekulativen Geschäften. Dabei wird der normaler Währungsbenutzer geschädigt. Typischerweise übernehmen daher Zentralbanken (Nationalbanken) als mehr oder weniger unabhängige Institutionen die Produktion des Geldes und die Regulierung der Geldmenge sowie die Festsetzung von Leitzinssätzen mit dem Ziel, möglichst stabile Währungen zu haben, die das Vertrauen der Benutzer verdienen.

Problem der Mythifizierung: Da auch ein Vertrauensverlust in eine Währung zu einer Währungsflucht und damit zu einem Wertverlust führt, wird das Image einer Währung gepflegt. Dazu gehörte z. B. in der Vergangenheit die Fiktion einer Deckung durch Goldreserven. Historisch zeigt sich aber, dass Geldwert nur symbolischen Charakter und Wert hat, und dass sich dieser mit dem Niedergang gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Stabilität sehr schnell auflösen kann. Der Mythos vom stabilen Geldwert ist notwendig, verdeckt aber den Blick auf den sozialen Charakter des Geldes. Geld hat also keinen Wert an sich, sondern ist eine Erfindung in einem sozialen Kontext. Der Wert ist an die Stabilität der Gemeinschaft, an sozialen Frieden, politische Stabilität und das Vertrauen aller in eine Zukunft der Gemeinschaft gebunden.

Problem der Wertbestimmung: Bei der Bewertung von Waren und Dienstleistungen - der Festlegung von Preisen - gibt es einen großen Spielraum. Der Verkäufer hat dann den größten Vorteil, wenn er den maximalen Preis verlangt, bei dem er gerade nicht auf seiner Ware sitzen bleibt. Ein fairer Preis scheint nur dann garantiert, wenn es viele ähnliche Anbieter gibt, ein Überangebot von Waren und damit Konkurrenz auf dem Markt (siehe MarktPattern) in dem Sinne gibt, dass sich die Preise an den Produktionskosten und einem bescheidenen Gewinn orientieren. Andererseits können Produkte auch unter den Produktionskosten verkauft oder sogar verschenkt werden, um Kunden anzulocken, auf den Geschmack zu bringen, Marktanteile zu gewinnen oder der Konkurrenz zu schaden (unlauterer Wettbewerb).

Zusammenhängende Patterns und Begriffe: EigentumsPattern, BankPattern, ZentralBankPattern, SteuerPattern, Inflation, MarktPattern

Informelle Beschreibung

Diskussion

(Teil ausgelagert auf Benennung von Pattern)

(1) Dieses Pattern kann sich nur in einer Kultur entwickeln, in der es PrivatEigentum gibt.

(2) Sind Salz oder Gold als Tauschvermittler auch Währungen, oder ist das eine Vorform dieses Patterns, das wir anders bennenen sollen ?

(3) Währung ist die abstrakte Form des SchuldnerPattern, auch dieses muss vorher existieren.

(4) Dafür bedarf es aber eines RechtsSystems.

etc ...

(5) Kommen wir also zu weiteren Pattern, wenn wir genetisch vorgehen ?

Mit (1) stimme ich überein. Auch der Tausch baut schon auf das Eigentum auf. Auf (2) hätte ich abgezielt, um historische und zukünftige Formen (Energie als Währung?) abdecken zu können. (3) verstehe ich nicht, sowohl Tausch als auch Geschäft können ohne Schulden (oder mit Schulden) abgedeckt werden - im Grunde geht es darum, wie die Zukunft in die Wirtschaft oder in Verträge eingeht. (4) ist sicher richtig, mit dem Kauf entstehen eine Menge neuer Rechtsfälle und Rechtsprobleme. (5) ich denke schon, dass die Genese ein fruchtbarer Blickwinkel bei der Analyse ist.

Problem der Wertbestimmung: Ein weiteres Problem ist sicherlich auch die Frage nach den Bedingungen der Möglickeit einer (gerechten) Wertbestimmung der diversen Dienstleistungen und Waren. Angeblich regelt das ja der "Markt". Aber schon das Phänomen "künstliche Knappheit" (u.a.) zeigt, daß z.B. gewisse (machtsüchtige) Akteure manipulierend auf ihn einwirken können - zum Nachteil aller anderen, die diese Machtgelüste nicht haben, bzw. die gar nicht wissen oder ahnen, daß das möglich ist etc. ...

(kopiert nach BewertungsProblem) Anmerkung: Wie ist z.B. die Arbeit, die Lebensleistung eines Vincent van Gogh zu bewerten, der Zeit seines Lebens, auf die (finanzielle und emotionale?) Unterstützung seines Bruders Theo angewiesen war, weil sich niemand für ihn und seine Kunst interessierte? Hätte er also seine Bilder lieber nicht gemalt und sattdessen etwas "Ordentliches" gemacht? Eigentlich hat die "Welt" seine Bilder nicht verdient, weil sie mit Mißachtung, Desinteresse, Gleichgültigkeit etc. den strafte, der seine Idee von Welt zu verwirklichten suchte (zu verwirklichen suchen mußte?). Oder?

Vorsicht: es gibt GeldWert und einen anderen, eher von der Ausrichtung des eigenen Daseins bestimmten wert, für den ich noch keinen Namen habe.

Wenn wir genetisch vorgehen wollen, bräuchten wir Datenmaterial, d.h. anthropologische Studien verschiedener Kulturen.

Zur Problemstellung: Wenn wir uns die Entwicklung der Währung in Ägypten anschauen, so hat sich diese aus der Entlohnung durch Getreide entwickelt. Die GemeinschaftsVorratung von Getreide ist effektiver als eine persönliche Vorratung. Dadurch konnte es üblich werden, in "Anspruch auf Getreide" zu denken. Dadurch konnte es üblich werden, mit "Anspruch auf Getreide" als Gegenwert eines Tausches zu handeln. Dadurch konnte es üblich werden, mit einem Repräsentant des "Anspruch auf Getreide" als Gegenwert eines Tausches zu handeln. Das ist dann eine Währung.

Welche Kulturen könnten wir untersuchen ?

Thomas, meinst du HerstellungsKosten im Verhältnis zum aktuellen MarktPreis bzw. zum geforderten ProduktPreis?

Das Beispiel mit der Getreidewährung ist schön. Wäre interessant, wie das die Probleme der LagerungsKosten bzw. der Steuer (SteuerPattern) gelöst wurden. Wie wurden die Ansprüche ausgefertigt? Gab es damit eine Art von Papiergeld? Oder einen Vorläufer eines Bankkontos mit persönlicher Identifikation? (verständlich übrigens, dass die mäusefressenden Katzen zu heiligen Tieren erklärt wurden).

Übrigens würde ich weiteres antropologisches Material super finden, aber nicht zum Maßstab machen. Es gibt keine Garantie, dass Denkweisen oder Entwicklungen in der Vergangenheit folgerichtig waren, genauso wenig wie die heutigen Systeme. Der Vorteil ist eher, dass historische Systeme einfacher waren und wir sie leichter distanziert und neutral analysieren können.

Wie wir wissen, haben wir grundsätzlich verschiedene Auffassungen zu Geld bzw Währung. Systeme, die erkennbar sind, haben sich durchgesetzt. Das ist tautologisch. Folgerichtige Entwicklungen gibt es in meinem Denkbild nicht, halt nur welche, die sich ergeben haben. Das scheint meiner Meinung nach ein Grundlegender Irrtum beim Verständnis von Evolution zu sein. Diese ergibt sich rein aus zufälligen Versuchen. Strukturen, die sich bilden, sind erkennbar dann, wenn sie sich für einen Zeitraum halten konnten. Nur weil jetzt etwas ist, ist es noch lange nicht in Zukunft.

Systeme, die erkennbar sind, funktionieren. Dauerhaftes funktionieren gibt es nicht.

Zum Wert: wir sollten generell Preis statt Wert sagen. Mit dem umbenannten Wert meinte ich die Werte, die bei Ethik-Kommissionen rauskommen sollen.

Hi Thomas, ein Gedanke: die Indianer oder andere, die in Einklang mit der Natur lebten, eventuell leben es noch manche, die hatten imho ein dauerhaftes funktionieren. Ihr leben war nicht auf ausbeutung u.a. dingen begründet. (...)

karl 1204 1917

Thomas, du hast Recht mit dem folgerichtig und dem Wert. Ich ändere das in meiner Forumulierung. Was meinst du dann aber mit GeldWert?

Bei der Evolution gesellschaftlicher Systeme sehe ich nicht nur Zufall. Leute denken sich etwas dabei, und sei es nur an ihren Vorteil. In diesem Sinne ist Logik, Funktionalität und Folgerichtigkeit schon beobachtbar.

Aber im Grunde sehe ich zwischen uns keinen großen Auffassungsunterschied in Bezug auf die Evolution: dass etwas war (oder ist) ist interessant und es ist beruhigend, wenn man Situationen kennt und Entwicklungen versteht. Aber weder ist eine antropologisch beschriebene Wirtschaft notwendig eine Idealform, noch bedeutet die aktuelle Ausprägung von Wirtschaft, dass diese älteren oder anderen Formen überlegen ist.

Allerdings, wenn wir schon auf die Frage der Bewertung stoßen, sollten wir über WirtschaftsBewertungen reden.

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Samstag, 9. April 2005

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