PatternMethode

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Die PatternMethode ist eine von Christopher Alexander eingeführte Methode zur Analyse und Gestaltung menschengerechter, das Leben unterstützender Systeme. Die Methode ist für die Architektur enstanden, weist aber weit über diese hinaus.

Auf dieser Seite möchte ich versuchen, eine kompakte, aber trotzdem nicht oberflächliche Einführung zu entwickeln. Diese ist noch in Arbeit.

Einführung

Wie viele Philosophen oder Wissenschaftler baut CA für seine Arbeit eine eigene Gedankenwelt mit spezifischen Begriffen und wiederkehrenden Argumentationsmustern auf.

Der zentrale Begriff ist das Leben. Wenn wir mit intakter Natur in Berühung kommen - einem Wald, Blumen, einem Teich mit Enten - dann fühlen wir uns wohl. Es gibt eine Art Resonanz zwischen der Lebendigkeit der Natur und unserer eigenen. Es entsteht ein Einklang, das Gefühl ganz lebendig zu sein. Gute Architektur (jede Lebensumgebung) sollte den gleichen Effekt haben.

Jede Lebensgebung beeinflusst den Menschen, soll ihm zu einem besseren Leben verhelfen. In diesem Sinn enthalten auch "tote" Strukturen, wie ein Gebäude, ein Bild oder eine Geometrie, eine mehr oder weniger große Lebendigkeit, "Strukturen haben Leben". Dies ist für CA keine Floskel. In den philosophischeren Bereichen seiner Arbeit meint CA nachweisen zu können, dass das Leben nicht erst mit biologischen Funktionen beginnt, sondern schon in viel einfacheren physikalischen und geometrischen Strukturen angelegt ist.

Eine wichtige, überraschende von Christopher Alexander behauptete bzw. belegte Erfahrung betrifft die Objektivität scheinbar subjektiven Entscheidungen. CA legte in hunderten Experimenten Personengruppen zwei Alternativen vor (2 Aquarelle, 2 Entwürfe, 2 Hausansichten, 2 Stühle, 2 Lampenskizzen, ...) und forderte sie auf, sich tief emotional darauf einzulassen: "Welche Alternative weckt tiefere Gefühle?", "Mit welcher Alternative fühlst du dich als Betrachter mehr verbunden?", "Welche Alternative verkörpert mehr das Leben?", ... Überraschenderweise finden Menschen es auch bei sehr ähnlichen Entwürfen nicht schwer, Vorzüge zu erkennen und - noch interessanter - stimmen in ihrem Urteil fast immer sehr stark (meist 80-90%) überein.

Diese Fähigkeit zu objektiven Entscheidungen in einem gemeinhin für subjektiv gehaltenen Bereich steht im Kern der Alexander'schen Methode, denn Leben oder Lebendigkeit messen kann man bislang nicht. Entscheidungen müssen aber bei der Entfaltung von Systemen laufend getroffen werden. Zwar entwirft Alexander eine mathematische Theorie der Ganzheit, in der die Lebendigkeit aus der Vielfalt der Wechselwirkungen der einzelnen Elemente (Feld von Zentren) kommt - aber bis zu numerischen Ergebnissen durchführen kann er diese Theorie bislang nicht.

Der rationale Vergleich, die empirische Forschung lebendiger Systeme bringt jedoch hervorragende Eigenschaften zu Tage, die man häufig kombiniert findet. Diese Eigenschaften beziehen sich auf eine geometrisch abstrakte Sicht von Systemen, in denen eine Ganzheit aus Zentren und ihren Wechselwirkungen (als "Feld von Zentren") entsteht. Diese Eigenschaften sind: 1. LEVELS OF SCALE (ABSTUFUNGEN) 2. STRONG CENTERS (STARKE ZENTREN) 3. BOUNDARIES (GRENZEN) 4. ALTERNATING REPETITION (ABWECHSELNDE WIEDERHOLUNG) 5. POSITIVE SPACE (POSITIVER RAUM) 6. GOOD SHAPE (GUTE FORMEN) 7. LOCAL SYMMETRIES (LOKALE SYMMETRIEN) 8. DEEP INTERLOCK AND AMBIGUITY (VERSCHRÄNKUNG) 9. CONTRAST (KONTRAST) 10. GRADIENTS (GRADIENTEN) 11. ROUGHNESS (INDIVIDUALITÄT GLEICHER FORMEN) 12. ECHOES (WIEDERHALL) 13. THE VOID (FREIRAUM) 14. SIMPLICITY AND INNER CALM (EINFACHHEIT UND INNERE RUHE) 15. NON-SEPARATENESS (VERBUNDENHEIT). Die Umsetzung dieser geometrisch forumulierten Eigenschaften in andere Bereiche ist eine der Herausforderungen der PatternMethode.

Eine Entfaltung eines Systems erfolgt immer in einzelnen Schritten, wobei sehr oft experimentell (in der Architektur mit Modellen und Attrappen) gearbeitet wird, um verschiedene Lösungen probieren und beurteilen zu können. Immer gilt im Kernprozess der Blick dem Ganzen. Wie kann das Gesamtsystem gestärkt werden? Welche Zentren können gestärkt werden? Wie wirkt die Änderung eines Zentrums hierarchisch nach oben, unten und seitwärts? Wie kann mit geringstem Aufwand und maximaler Aufrechterhaltung vorhandener Strukturen der größtmögliche Effekt erzielt werden?

Die Konstruktion eines Systems am Reißbrett durch den Planer wird verworfen. An ihre Stelle tritt die Entfaltung eines lebendigen Systems an Hand von Bedürfnissen, ihnen entsprechenden Patterns, einen Prozess der Abfolge von Entfaltungsentscheidungen, die mit Betroffenen an Ort und Stelle (in der Lebenssituation) gemeinsam getroffen werden. Abstrakt gesehen bedeutet das, dass immer individuelle Entscheidungen getroffen werden, welche die Unterstützung des Lebens ins Zentrum rücken. Es bedeutet, dass die Betroffenen immer so weit wie nur möglich mit entscheiden und damit zu den Gestaltern ihrer eigenen Umwelt werden. Dabei entstehen Systeme, die an die individuellen Bedürfnisse angepasst sind, den Benutzern entsprechen und deshalb als Teil von sich selbst empfunden werden.

Auf die Architektur bezogen, ist es für Alexander unerheblich, ob es sich um einen japanischen Universitätscampus, ein Obdachlosenheim, eine amerikanische Nobelvilla oder ein mittelamerikanisches Slum-Wohnprojekt handelt. Das Prinzip ist immer das Gleiche.

Wichtige Begriffe

Analytischer Ansatz

Der analytische Ansatz ist empirisch. Vorhandene Systeme (bei CA Architektur) werden beobachtet und beschrieben. Teilweise dient die Natur als Vorbild. Grundelemente werden als Patterns (Muster) isoliert.

Eigenschaften von Patterns:

Die Patterns werden häufig auf formellen Weise PatternFormular beschrieben, dieses enthält z. B. Je nach System (Architekur, Musik, Softwareentwicklung, etc.) wird die Form dieser Beschreibung varieren, aber es ist wichtig, dass es nicht nur verbale Beschreibungen sind, sondern dass eine anwendungsbezogeme, funktionale Darstellung entsteht, die zu einer systematischen Vollständigkeit hinleitet.

Wesentlich ist, dass die patterns als Gestaltungselemente zu sehen sind, d. h. sind nicht vorgegeben oder gottgegeben und indiskutabel, sondern sie werden als von Menschen geschaffene Elemente wahrgenommen, die man kritisieren und verbessern kann und die man in speziellen Anwendungssituationen zum Vorteil der Betroffenen auswählt, kombiniert und einsetzt.

Der entstehende Gestaltungsprozess ist ein gemeinsamer und dynamischer, der von den Bedürnissen der Menschen ausgeht und von ihnen wesentlich beeinflusst wird. Der "Architekt" weiß um die verfügbaren Patterns und die systematischen Zusammenhänge (notwendige Abfolgen von Entscheidungen als Prozess) und begleitet den Prozess. Das System wächst und verändert sich aus einzelnen kleinen Schritten und Entscheidungen, die auch rückgängig gemacht werden können. Einzelne Schritte sind ökonomisch, sie dienen einem Zweck - einer Verbesserung des Systems - in natürlich Weise: Durch Transformation auf dem einfachsten Weg mit minimalem Mitteleinsatz unter dem möglichst weitgehenden Erhalt vorhandener Strukturen.

Durch den Prozess, der immer die Menschen fragt, was sie für sich wollen und jede Entscheidung zu einer gemeinsamen Entscheidung macht, wird das System den Menschen zu eigen und unterstützt sie in ihrem Leben.

Frage Pattern Language

Nach dieser Beschreibung kann sich kein Mensch etwas unter PatternLanguage vorstellen, der nicht selbst in der Materie drinsteckt.

Ich hoffe, dass die Umbenennung der Seite in PatternMethode die Sache etwas klarer macht. PatternLanguage ist nur ein Teilaspekt, der erst beim Aufbau von Systemen eine Rolle spielt.

Frage Unterschied zwischen Pattern und Begriff

Was unterscheidet ein Pattern von einem Begriff ?

Pattern und Begriff sind was verschiedenes. Ein Pattern ist viel spezieller, etwa "ein Pattern ist Lösung für ein Problem in einem bestimmten Kontext (in der Form eines realen Objektes das verschiedenste Ausprägungen annehmen kann)". Ein Algorithmus kann auch ein Problem lösen, ist aber kein Pattern. In der Architektur ist das einfach, das sind Patterns angreifbare, sichtbare, bauliche Elemente mit bestimmten Funktionen (aber nicht jedes benennbare bauliche Element ist ein Pattern). In der Softwareentwicklung oder der Wirtschaft wird es schwieriger, weil dieses geometrische, sichtbare, angreifbare kaum gibt. Deswegen gibt es auch oft Missverständnisse: Irgendwie erscheint ja alles, was man an Regelmäßigkeiten sieht, irgendwie als "Muster". Trotzdem gibt es die reale Wirkung und Dauerhaftigkeit von Elementen und man kann Patterns auf Grund ihres Charakters eindeutig identifizieren.

Übersetzung

Ich finde das dt. Wort StrukturMuster ziemlich gut als Übersetzung. (...) Und auch wenn DesignPattern auf den ersten Blick nicht leicht zu verstehen, ist es halt ein terminus technicus. (...)

karl

Die Übersetzung mag gut sein, aber in den referenzierten Seiten stecken großteils keine Patterns. LebensbezogenesLernen oder SelberMachen sind gute Ideen, auch Lösungen für Probleme, aber keine Patterns. Wenn etwas keinen Objekt-Chrakter hat, wenn man von etwas nicht zwei Exemplare haben kann, ist es kein Pattern.

Dann verstehe ich nicht, wie wir mit Hilfe von Patterns Wirtschaft analysieren sollen. Dort geht es doch vor allem um Konzepte und nicht Dinge. All die sozialen Patterns, die zum Beispiel in MeatBall beschrieben werden, sind unter dem Gesichtspunkt keine Patterns ? Gibt es soziale Muster als Objekte ? Doch nur durch die Praxis. Ob diese Praxis dokumentiert wird oder nicht, sollte wohl keinen Unterschied machen. Hat aber nicht jedes Denk-Muster mehrere Exemplare dadurch, das wir Individuen es denken ? Wir leben in einer Welt, die wir erkennen können. Obwohl es nur ein Universum gibt, erkennen wir Strukturen und schaffen durch unser Erkennen Strukturen. Ich habe bisher vermutet, das PatternLanguage eine bestimme Sichtart auf diese Strukturen, bzw. eine Methode Beschreibt, diese Strukturen zu erkennen und zueinander in Beziehung zu setzen.

Ich wünschte, Ihr hättet Gegen den Untergang von Peter Kafka gelesen. Der wischt die unterscheidung zwischen geistiger und materieller Sphäre einfach vom Tisch und erklärt beides für eines. Für Welt-Stücke, die lange genug bestehen bleiben, um sie erkennen zu können benutzt er den Begriff "Attraktor". Eine Sichtweise, die Beziehungen und Dynamik dieser Attraktoren beschreiben kann, habe ich mir unter PatternLanguage vorgestellt. Mal sehen ...

Thomas, ich sehe keinen Widerspruch. Nicht alles, was interessant oder wichtig ist, muss ein Pattern sein. Patterns bilden Strukturen, die durch Prozesse zustande kommen und von Akteuren für Aktivitäten benutzt werden. Es gibt auch Situationen (Kontexte), Beziehungen, Eigenschaften, Kräfte, etc. All das gehört zum Verständnis der Systeme. In der Architektur gibt es wichtige Begriffe wie "Licht", "Statik", "Bauvolumen", die keine Patterns sind (im Gegensatz dazu die Patterns "Garten" oder "Eingangstür"). Aus dieser Zuordnung kann man nicht schließen, dass Eingangstüren wichtiger sind als Statik oder Licht. Im MeatBall werden wichtige Phänomene wie "Konflikte" oder "Gründung" beschrieben, die keine Patterns sind (im Gegensatz dazu die Patterns "Lizenzbedingungen", "Startseite" oder "Roadmap"). In der Wirtschaft wird es Begriffe geben wie "Konjunkturzyklus", "Konsumverhalten", "Solidarität" oder "Zinssatz", die keine Patterns sind (im Gegensatz dazu Patterns wie "Geld/Währungssystem", "Gewerkschaft", "Produkt", "Firma" oder "Produktionsstätte").

Aus meiner Sicht ist die Klassifikation "Pattern" kein Adelsprädikat, sondern ordnet einem Begriff nur eine bestimmte Rolle - als optionaler konstruktiver Baustein - im System zu.

Diverse Fragen

Sollen Patterns aufgelöst, oder transparent gemacht werden? Ich habe es eher so verstanden, daß darüber bewußt verfügt werden soll.

Das aufgelöst verstehe ich nicht ganz. Es wird über die Patterns in konstruktivere Weise verfügt. Ihre Wirkungsweise soll verstanden werden - das verstehe ich unter transparent.

Gibt es Entscheidungen, die außerhalb von Patterns sich vollziehen?

Entscheidungen entstehen durch Menschen in Prozessen, also immer außerhalb und über die Patterns, die von den Entscheidungen betroffen sind.

Gibt es strukturelle Lösungen, die sich außerhalb von Patterns vollziehen?

Ja sicher gibt es strukturelle Lösungen, die sich außerhalb von Patterns vollziehen, bzw. sich erst aus ihrer speziellen Konfiguration oder Wechselwirkung ergeben.

Welchem philosophischen Pattern kann man Christopher Alexander zuordnen? Positivismus ist ein weites Feld. Ist er so eine Art Systemtheoretiker?

Ja, zweifellos kann man CA einen Systemtheoretiker nennen, in der Architektur ist er allerdings auch Praktiker, baut vieles mit eigenen Händen.

Es gibt ein Klavierstück von Morton Feldmann, das den Titel trägt, Why Patterns?. Der Komponist arbeitet aber auch in seinen anderen Kompositionen mit Patterns, die er ständig modifiziert. Wäre hilfreich, wenn du ihn kennen würdest, dann könntest Du mir sagen, ob Feldmann ein Bewußtsein im Alexanderschen Sinn hat. Der Witz bei Feldmann ist sozusagen, daß er sich ständig in Patterns bewegt, aber es gibt bei ihm gewissermaßen eine Unschärferelation, die den Reiz seiner Stücke ausmacht. Auch die Verknüpfung von Patterns miteinander, wird seinerseits nicht innerhalb eines Patternmusters vollzogen. Im Jazz sind Patterns ebenfalls sehr wichtig. Man muß sie kennen, damit einem beim Improvisieren nicht die Puste ausgeht. Aber man darf sich auch nicht allzu streng an sie halten, sonst wird es öde. Eine gute Improvisation besteht darin, daß man sich auf unvorhersagbare Weise durch vorhersagbare Strukturen bewegt.

JohSt

Leider kenn ich Morton Feldmann nicht, aber vom Hörensagen weiß ich, dass es im Jazz große Parallelen gibt. CA meint auch, dass Pattern sich nie exakt wiederholen dürfen, sondern durch die Adaptierung an ihre Situation neu, frisch und individuell erscheinen (er spricht von ROUGHNESS, die Japaner haben den Begriff "wabi sabi" / "rostige oder unvollkommende Schönheit").

/.

CA verwirft ja das rein theoretische Entwerfen am Reißbrett. Gilt das auch für die Entwicklung der Patterns? Wo und wie könnten wir konkret gemeinsam etwas erproben und erarbeiten? Es gibt ja schon Tauschringe, Umsonstläden etc. dazu ist aber eine gewisse räumliche Nähe erforderlich. Ich möchte daher noch einmal auf die Anregung infrastrukturelle Nachbarschaft hier im CoForum zurückkommen. Wie könnte so etwas konkret aussehen und wie ließe sich das technisch verwirklichen? Anzubieten hätte ich z.B. im Moment Speicherplatz auf dem Uni-Mainz-Sever (allerdings nur für nichtkommerzielle Inhalte unter der Voraussetzung "Forschung und Lehre")

Ja, auch die Entwicklung von Patterns kann nach CA nur aus der Praxis und in der Praxis erfolgen. Systematische Beobachtung (Erfahrungsaustausch, Systemwissen, Arbeit) über Tauschringe oder andere lokale Patterns ist nicht nur möglich, sondern notwendig. Ich weiß allerdings nicht, ob Serverplatz viel dazu hilft.

Diskussion

Helmut, ich meinte eher die Dinge, die zB auf der Seite ArgumentationsMuster stehen. Klar ist SelberMachen kein ...Muster.

karl 0504 2129

Karl, bei ArgumentationsMuster bin ich mir nicht sicher. Eine Argumentation scheint mir keine Lebensumgebung zu sein, dazu ist es zu kleinräumig und zu wenig dauerhaft. Zu Weltanschauungen könnte man eine PatternSprache entwickeln, die aber dann umfassender wäre. "Gott" könnte ein Pattern in einer Weltanschauungs-PatternSprache sein. Optional und ausgestaltbar. Das bewusste Bauen von Weltanschauungen nach funktionalen Aspekte (dem Menschen dienend) wird aber nicht betrieben.

Helmut, ich kenn mich weit weniger mit den Pattern aus als du. das vorneweg. Nun weiter, denn egal ob die ArgumentationsMuster nun Pattern sind oder nicht (s.a. deinen Absatz zu toka) sind diese Dinge die da abgehen, das warum es immer wieder im Kreis rumgeht, und nicht voran. - Ein zweiter Punkt und der ist vor allem im Internet ein wichtiger: das Netz unterstützt "das verzetteln" der Leute und nicht die Konzentration auf eher wenige Dinge (das motto dazu wäre wohl: less is more) - ebenso sind viele halt immer von den neuen Tools "angetan" - in meinen Augen sind die Tools aber sekundär, wobei ein Wiki schon eine "geile Sache" ist. OK, soweit wieder von mir. Ich schätze diese Art Dialoge mit Dir und Thomas sehr. um auch das noch gesagt zu haben. Noch ein Punkt an euch beide: es gibt in coforum die seite DezimalKlassifikation. die DK hat sog. Anhängezahlen. diese wiederum haben auch was mit dem zu tun, was Pattern ausdrücken. so denke ich zumindest. und dann gibt es noch ein Genie mit dem schönen namen: S.R. Ranganathan, der die Colon Classification erfand. auch was feines. ok, nun aber wirklich gut mit der tipperei... :)

karl 0604 1256

Karl, du hast Recht, wir sollten uns nicht im Kreise drehen. Aber akzeptiert bitte einfach als Faktum, dass im Konzept von Christopher Alexander ein Pattern etwas anderes ist als der Begriff "Muster" aus der Alltagssprache. Ein Mathematiker meint unter "Menge" auch etwas ganz anderes als man im Alltag darunter versteht. Solche sprachlichen Überschneidungen sind unangenehm, aber manchmal unvermeidbar.

Vorab, ich habe hier im CoForum zum ersten Mal von einer "PatternLanguage" gehört, seither versuche ich das ein bißchen zu verstehen. Leider bin ich ein "Bildermensch" - muß mir also immer irgendwas (konkretes) vorstellen können. Darum eine Bitte und ein Vorschlag. Könnten wir nicht einfach auch (neben der Theorie) mal an einem ganz konkreten aber einfachen(!) Beispiel den Sachverhalt, um den es hier gehen soll, zu erörtern versuchen? (WÄHRUNG ist imho schon recht komplex)
Mein Vorschlag für ein einfaches aber grundsätzliches und oeconomisch-relevantes Pattern wäre in Anlehnung an ein Architektur-Pattern: GARTEN (ein ideal-realer Garten Eden oder das Paradies oder? ... . Jemensch kann imho damit etwas anfangen. Wobei es einerseits unendlich viele Vorstellungen und Variationen von diesem ideal-realen Ort geben kann und gibt, gleichzeitig aber wird es wohl in allen dieser möglichen und denkbaren ideal-realen Gärten sauberes, frisches Wasser geben, unverpestete Luft und fruchtbare Böden etc. ...).
Wegen dem - an anderer Stelle thematisierten - Gegensatz zwischen Realismus und Idealismus möchte ich auch gleich noch ein "methodisches" Pattern vorschlagen (sofern das überhaupt von der Theorie her geht?): BORDERLINE (der Grenzgänger sieht - wie Janus - beide Seiten der Medaille ohne eine der beiden Seiten den Vorzug zu geben. Er hat zu beiden Kontakt und Beziehung, kann aber keiner der Seiten wirklich zugerechnet werden ... Schwierigkeit und Herausforderung für den Borderliner ist: Die Balance zu halten - wie ein Drahtseilartist.)

Lukas, ich verstehe den Wunsch nach einem einfachen Pattern, bin mir aber nicht sicher, was du dir vorstellst. Aus dem Bereich der Architektur oder der Software müsste man nur entsprechende Beispiele aussuchen. Andere Bereiche, wie der wirtschaftliche (oder der von dir vorgeschlagene methodische) müssen erst entwickelt werden. Das ist gar nicht so leicht und wenn man dabei Fehleinschätzungen macht, trägt das nur zur Verwirrung bei. Wenn es ein Borderline-Pattern - wie von dir beschrieben - gibt, dann würde ich es auch einer weltanschaulichen PatternSprache zurechnen. – Aber ich werde versuchen, einfache PatternBeispiele zu finden.

Helmut, da du WabiSabi nennst. Das ist doch eine andere "baustelle" als Pattern. so sehe ich es zumindest. WabiSabi meint doch weit eher, das unvollkommene, das nie fertige, und solche dinge, als die Pattern, die doch das Lösen von Problemen leisten (sollen). Interessant wären ja auch WikiPattern... - und an dieser stelle auch noch: welcome in coforum, lukas!

karl 0804 0008

Karl, ich glaube WabiSabi meint nur in einem sehr sprituellen Sinne "unfertig". Die Unvollkommenheit würde man etwa bei handbemaltem Porzellan sehen, wo ein Muster wiederholt wird, aber nie identisch. Ein Wald hat Bäume, ein Baum hat Blätter, aber keines ist identisch. Ein Garten könnte in Kleinigkeiten unfertig gelassen werden, damit man immer noch "am Weg ist" und nicht Fertigkeit oder Vollkommenheit behauptet. – WabiSabi ist kein Pattern, sondern eine häufige Eigenschaft lebendiger Systeme, die uns tiefe Empfindungen entlocken kann. – Im MeatBallWiki entsteht eine WikiPatternLanguage. – Danke für das welcome. Ich habe ja immer schon Kleinigkeiten hier geschrieben, ohne viel Resonanz. Die Reaktionen auf das Pattern-Thema sind für mich erstaunlich und sehr motivierend.

es ist doch herrlich, dass es ausgerechchnet so einem konstruktivismus-gegner wie helmut gelingt, zu zeigen, dass jedes verstehen eine persönliche konstruktion ist . nicht wahr, helmut(lukas)?

sigi (2006-03-10)

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Freitag, 16. Mai 2003

Was soll unter System verstanden werden ?