Die Ökofalle

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Daten
Autor: Gert Pomrehn

Gert Pomrehn, Berlin über:

Christoph Spehr (1996).
Die Ökofalle: Nachhaltigkeit und Krise. Wien: Promedia. 238 Seiten, ISBN 3-85371-108-1.

Lesen: http://www.grueneliga-berlin.de/?page_id=4906

"Aber es gibt einen Teil, den selbst die wahrheitsgetreuen Geschichten in der Kristallkugel nicht zeigen würden: die Antwort auf die Frage, warum es so läuft, wie es läuft. Was der Geist der Maschine ist, der das alles am Laufen erhält, obwohl es so schwindelerregend übel funktioniert. Ohne eine Antwort darauf hängen alle vernünftigen Vorschläge in der Luft" (Christoph Spehr, S. 10).

Was ist eine Falle? Im herkömmlichen Sinne ist eine Falle ein Fanggerät mit einer Falltür. Das darin gefangene Tier soll sich ihr nicht mehr entziehen können. Vor allem muß es im vorhinein daran gehindert werden zu erkennen, daß es sich um eine Falle handelt. Die Falle gaukelt der Maus eine Welt voller Käse vor.

Welcher Art aber ist die "Ökofalle"? Ökologisches Sparen und nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen sind allerspätestens seit dem UNO-Umwelt-Spektakulum von Rio de Janeiro 1992 in aller Munde. Der Mythos, daß Ökologie grundsätzlich etwas Positives ist, sitzt tief. Hierin besteht aber genau die Falle für jede emanzipatorische Bewegung: Ökologische Verhältnisse sind nur von Herrschaftsverhältnissen trennbar um den Preis, daß man unfähig wird, eigene Ziele in der Auseinandersetzung um gesellschaftliche Naturverhältnisse zu vertreten. Genau dieses Ausblenden von Herrschaftsfragen im Umgang mit den ökologischen Problemen kennzeichnet aber zunehmend die Ökologiedebatte, die sich um den Begriff der Nachhaltigkeit rankt. Die Maus vergißt über dem süßen Duft des Käses den Bauern. Diese zentrale Aussage versucht Christoph Spehr zu belegen. Dafür nimmt er den Leser an die Hand durch die klare, klassisch anmutende Architektur des Buches. Der Autor vertritt in vier Kapiteln vier Thesen.

Erstens: Die derzeit gängigen Nachhaltigkeitsstudien, wie "Zukunftsfähiges Deutschland", können die ökologischen und sozialen Probleme nicht lösen, da sie von deren Einbettung in ein Herrschaftsprojekt nichts wissen oder wissen wollen.

Zweitens: Die Krise der weltgesellschaftlichen Ordnung, die Umdenken und Veränderung real fordert, ist nicht primär eine ökologische, sondern zunächst eine Krise des Herrschaftssystems und seiner Mittel. Diese Herrschaftsordnung besteht darin, verwertbare Natur und menschliche Arbeitskraft pyramidenförmig so zu lenken, daß die Gewinne bei den priveligierten Gruppen in der nördlichen Hemisphäre landen. Natürlich hat die Aufrechterhaltung eines weltweiten Herrschaftssystems ihren Preis: Die Krise entsteht aus der Kostenexplosion für die Herrschaftssicherung. Hier gibt Christoph Spehr spannende Exkurse in die Geschichte dieses Jahrhunderts, betrachtet die Modelle "fordistischer" Naturaneignung (faschistisches, amerikanistisches und realsozialistisches Modell) und die Gründe für deren "postfordistische" Ablösung.

Drittens: Schon bekannt ist die These, daß sich Natur und Herrschaft nicht losgelöst voneinander denken lassen, wenn man nicht an dem prinzipiellen Charakter der Krise vorbeizielen will. Emanzipatorische Ansätze müssen die Erfahrungen der sozialen Bewegungen dieses Jahrhunderts aufgreifen. Es gibt keine wirklich ökologischen Lösungen ohne soziale Lösungen.

Viertens: Solche emanzipatorischen Ansätze müssen sich sammeln in ihrer gemeinsamen Orientierung auf die "Abwicklung des Nordens", also des Herrschaftssystems, das auf unterschiedlichsten Ebenen (klassisch: Patriarchat, Rassismus, Imperialismus) Ausbeutung von Natur und Arbeitskraft absichert.

Neben der historischen Analyse und den unterhaltsamen und metaphernreichen Gedankengängen ist die Systematik von Lösungsansätzen für die Krise sicher der Teil, der das Buch zu einer unbedingten Empfehlung für jede/n macht, der/die sich mit seinem/ihrem Unbehagen über den "schwindelerregend üblen" Lauf der Dinge positionieren will. An die psychologische Fraktion stellt der Autor die Frage, ob sich in den objektiv Veränderung fordernden Zuständen eine subjektive Krise bestimmen läßt, die eine ausreichende Motivation zur "Abwicklung des Nordens" schafft.

Kann die Maus der Falle entschlüpfen? Wohl nur, wenn sie sich auf ein Leben ohne Käse besinnt. Christoph Spehr glaubt, daß die Geschichte offen ist. Bitte weitersagen.


Interessant. Nach überfliegen kann ich die Aussagen der Ökofalle nur unterschreiben. Als ein "aside": Mein lokaler Scheik - ein Nomade (Budu) - sagte mir in den 70igern in Saudi Arabien "ALS DAS OEL KAM - GING DAS WASSER". Ich denke, das alle Überlegungen zum "WAR ON TERROR" sich daran ausrichten sollten was wir anrichten, wenn wir "auf Teufel komm raus" - so billig wie möglich OEL wollen - aber nicht auf andere Kulturen, Zeiten, Stimmen,... hören - nicht unseren Hunger/Gier erkennen/vermeiden und ersetzten durch sinnvolle, ökologische/energetische Altenativen. Gezeigt wurden solche Alternativen schon in 1990 - dies mit breitestem Mandat und unter Mitwirkung aller relevanten Plyer zu der Zeit unter dem Titel "WELT IM WANDEL - Herausforderungen an Wissenschaft und Politik" - Eröffnungsansprache- nur keiner wollte/will hinhören und handeln. Es ist keine Entschuldigung dass solche Ausstellungen nur sehr zöglich auch der Öffentlichkeit gezeigt wurden, zumal die Presse nicht kommt wenn nicht auch der Kanzler dies in seinem Kanzleramt eröffnet hat.

POLITIK WISSENSCHAFTS _MEDIEN SCHELTE: Die Politik versteckte sich stattdessen hinter der Tagespolitik (Mauerfall) oder hat "etwas" mit den CONTRARIANS, oder steckt sowieso angeborenerweise immer den KOPF in den SAND, und die Fachwelt, sie nimmt sowieso nicht war wenn es nicht aus der jeweils eigenen Disziplin kommt. Wir haben dazu vieles schon gesagt/geschrieben. Zum Bespiel vor 10 Jahren zu Hans Jonas's 90. Gebutstag - in Memoriam - wurde noch von Ihm selbst vorbereitet!, oder zum Thema "Sektierertum der Wissenscahften (Nathan Keyfritz), oder zum verzweifelten fast alljährlichen Aufschrei der Nobelpreisträger in Lindau, die schreiben das alles von jeder Diziplin neu erfunden werden muss, oder als Zitat (Annekdote) zur Vorbereitung der Gründung der Systemwissenschaften. Siehe hier unser GANZHEITSSEMINAR unter dem Schirm der ISSS Oh ja neben Politik- und Wissenschaftsschelte haette ich fast die Medien-schelte vergessen. Augenscheinlich scheint es nicht nur die "Quote" zu geben, sondern auch eine grosse "Vergesslichkeit". Dabei sind Ansätze etwas nicht nur zu suchen, sondern sinnvoll und nachvollziehbar abzulegen und zu finden! vorhanden. Zum Beispiel wurden in einer Untersuchung der Weltbank von ihrem Senior Expert schon Empfehlungen angesichts der heraufkomemnden Informationsgesellschaft der Entwurf eines WELT PRESSE ZENTRUMS herausgestellt und neben dem Entwurf des "Cognitiven Panorama" Wissns- oder "Zauber-Würfels" als Ansätze herausgestellt um Wissen auch zeitlich und nach anderen Kriterien - auch praxisnah - zum BEISPIEL für Journalisten - aufzubereiten. Ich habe gerade beschlossen: 1. diesen Brief von der WELTBANK aufs INTERNET web zu stellen, denn ich möchte wissen wer solche Empfehlungen geprüft und verworfen hat ! 2. dank der Ökofalle (Titel oben) einmal mehr zu Denkfallen zu schreiben - siehe Die Denkfalle.

Ihr hört von mir, Heiner ( HeBe )