Offene Räume

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Daten
web: http://de.anarchopedia.org/index.php/Offener_Raum

Versuch eines Offenen Raumes

Ein ganz besonderes Experiment fand in Erfurt im Rahmen des 1. Sozialforums in Deutschlands in Erfurt statt. Ausgehend von der Kritik des Vorbereitungsprozesses konstituierte sich eine Gruppe mit Akteuren die einen Versuch wagen wollten eine völlig hierarchiefreie Umgebung zu schaffen. Festgemacht hatte sich die Kritik, legitimiert durch die Charta des Weltsozialforums [1], insbesondere an 3 Punkten welche die "Offiziellen" schon aufgeweicht haben oder gerade dabei sind.

Die Kritik

Erstens - ein Sozialforum hat keine Sprecher. Hugo Braun, bzw. Vertreter der Gewerkschaften wurden oftmals von den Medien so benannt, was auch nicht ganz unbeabsichtigt war. Zweitens - ein Sozialforum fasst keine Beschlüsse. Es ist üblich geworden am Ende eines Sozialforums ein "Treffen der sozialen Bewegungen", welches eigentlich nur ein "Treffen einiger sozialer Bewegungen" ist, abzuhalten, welches von den Medien als DER Beschluss reflektiert wird, was auch allen Akteuren bewusst in Kauf genommen wird. Drittens, das Sozialforum ist kein Podium für Parteien. Dito, auch dieser Punkt wird diskutiert, aber leider ohne die Gewerkschaftsapparate einzubeziehen, welche die gleiche Schlagkraft besitzen und ebenfalls die Sozialforenbewegung für ihre Ziele gerne vereinnahmen würden. Rückblickend wäre dazu aber auch zu erwähnen, dass die sonst so emanzipierten sozialen Bewegungen auf die Hilfe genau dieser Gruppen angewiesen war. All das ist unter einer schon fast peinlichen Schwäche zu subsumieren, definitiv wäre das Sozialforum in seiner hierarchischen Form ohne die Unterstützung von parlamentarischen, systemimmanent denkenden Apparaten ein Desaster geworden. Leider wurde so an vielen Stellen verhindert, dass wirklich über "eine andere Welt" diskutiert wurde. Wenigstens musste Ver.di Chef Frank Bsirske und der Juso Vorsitzende von Thüringen Peter Metz in Diskussionen Dreck schlucken, was aber nirgends dokumentiert wurde. Andere Direkte Aktionen oder Konfrontationen auf Veranstaltungen sind mir nicht zu Ohren gekommen. Insbesondere die Initiative "10 Euro für den Irakischen Widerstand" konnte unbehindert für ihre mörderische, von NPD Funktionären und anderen Faschisten, wie die Übriggebliebenen des Baath Regimes, unterstützten, Kampagne werben [2].

Das Projekt

Praktisch stellte sich der Offene Raum als Schule, das Evangelische Ratsgymnasium in Erfurt plus auf dem selbem Gelände befindlichen Jugendclub namens Predigerkeller und einem Hof mit ca. 500 qm dar. Inklusive des zum Einrichten und zum Kennenlernen bestimmten "Vorcamps" und dem Aufräumen stand eine Woche zur Verfügung. Circa 1000 Menschen rockten die Location in dieser Zeit. Nach anfänglichen Ängsten vor der fehlenden Selbstorganisationskraft der Teilnehmer des SfiD füllte sich der O-Raum zunehmend mit Leben. Als ein Höhepunkt der Aktivität war sicherlich der Samstag anzusehen, an dem gleichzeitig ungefähr 250 Menschen gleichzeitig Kino auf der Kirchenfassade schauten, auf einer hammerfetten Party in Predigerkeller tanzten und in diversen nicht zu überschauenden Ecken diskutierten, lebten und sich liebten. Als besonderer Anziehungspunkt erwies sich die Volxküche, wo täglich über 200 Essen selbstorganisiert zubereitet und ausgegeben wurden. Kritisch war an dieser Stelle die Organisation der Lebensmittel welche zur Hälfte vom Sozialforum für die Helferversorgung gesponsert wurden. Aber auch im Nachhinein werden Menschen aus Erfurt von den hergestellten Kontakten zu Naturgroßhandeln zehren können. Verschiedene Pinnwände dienten im O-Raum zur Kommunikation, von denen rege, aber nicht immer zweckgemäß, Gebrauch gemacht wurde. Aus der Erfahrung dieses Projektes heraus erfordert der Transport der Funktionsweise, der Kommunikationsmethoden und die angestrebte Umwandlung der Teilnehmer in Akteure den größten Zeitaufwand in der Vorbereitungsphase. Angemerkt sei zu diesem Faktum noch, dass es nicht gelingen wird, wie der Anspruch einiger Akteure im Vorbereitungsprozess war, Menschen sofort nach Betreten der Fläche, welcher der O-Raum einnimmt, mit allen Umgangsformen und Ansprüchen vertraut zu machen. Von sofortigem Übertragen auf all ihr Handeln ganz zu schweigen. Ein Mensch der in der Konsumgesellschaft lebt, braucht eine lange Zeit um die Kritiken und Handlungsformen zu verstehen und in die Tat umzusetzen. Einige Ansprüche konnten aber verwirklich werden. Es gab immer Essen, es wurde nichts geklaut, obwohl z.B. Technik im Umfang von mehreren Tausend Euro im Haus waren, und die selbstorganisierten Workshops, Fishbowl-Diskussionen zu Themen wie "Militanz", "Feminismus", "Offene Räume", "Eine andere Produktionswelt ist möglich" bewiesen, dass der Tiefgang und die Quantität garantiert nicht von einem wochenlangen Planungsprozess profitieren. Wir waren erstaunt über die Vielfältigkeit, Anzahl und das Niveau der angebotenen Veranstaltungen. Offen bleiben mussten leider wichtige Debatten. Wie geht man mit Störungen um, z.B. mit den anwesend gewesenen Anthroposophen, denen zumindest manche keine Plattform bieten wollen? Wie löst man das Problem mit freiem Zugang auf wirklich alle Resourcen? Ein Versuch mit einem Offenen Topf, jeder tut das rein oder nimmt sich was er möchte, ist gescheitert, nach einem Tag waren die 30 EUR verschwunden. Wie stellt man transparent und umfassend dar, wer ein Auto hat, wer welche Person ist, die eventuell über wichtiges Detailwissen, also Informationshierarchien verfügt? Trotz allem hat der Offene Raum in Erfurt bewiesen, dass hierarchiefreies Zusammenleben, teilweise sich untereinander wildfremder Menschen auch kurzfristig und konzentriert möglich ist. Wer Projekte solcher oder ähnlicher Art als spannend empfindet oder den Prozess tiefergehend nachvollziehen möchte, findet weitere Anknüpfungspunkte [3][4][5].

[1] http://weltsozialforum.org/prinzipien/index.html [2] http://www.graswurzel.net/289/irak.shtml [3] http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/offenerraum [4] http://listi.jpberlin.de/pipermail/offenerraum/ [5] http://www.hierachiefrei-leben.de

Entwurf einer Beschreibung (nicht vollständig)

In diesem Gebäude soll es keine Hierarchien geben! Es gibt einige Menschen, die sich schon im Vorhinein Gedanken über Projekte u.ä. gemacht haben, aber die haben in der Zeit rund um das Sozialforum genauso wenig oder viel zu sagen, wie diejenigen, die erst diese Woche nach Erfurt gekommen sind. D.h. wenn du in diesen Räumen aktiv werden möchtest, solltest du niemanden danach fragen, ob du das darfst. Wenn du in diesen Räumen etwas "anzetteln" willst, bist du genauso Teil des Prozesses und trägst mit Verantwortung für das Ganze wie alle anderen auch. Im Foyer hängt eine Übersicht über die zur Verfügung stehenden Räume, wo sich alle eintragen sollten, die sie nutzen möchten. Am besten mit Zeitangabe und Veranstaltungstitel, damit Dazukommende wissen, was wo geht. Wenn es mal vorkommen sollte, dass mehrere Menschen oder Gruppen gleichzeitig den gleichen Raum nutzen wollen, dann gibt es keineN SchiedsrichterIn, der/die/das entscheidet. Setzt euch selbst möglichst kreativ darüber auseinander. D.h. dass auch nicht unbedingt wer zuerst da war das Vorrecht hat, sondern vielleicht findet ihr für euch raus, wer tatsächlich diesen Raum (mit dieser Größe, dieser Ausstattung etc.) braucht und wer vielleicht doch auch anderswo glücklich werden kann (vielleicht sogar noch glücklicher: auf dem Hof in der Sonne o.ä. ;-) Das ist für uns Autoritätsentscheidungen gewöhnte Menschen nicht leicht aund bei allen Chancen, die diese Form des Miteinanders biete, sicherlich auch mit Frustrationen verbunden.

Wissen, z.B. Erklärungen für techn. Geräte Kontrollfreiheit: direkte Kommunikation und freie Vereinbarung

In einem Raum findest du Materialien, die von verschiedenen Menschen zusammengesammelt wurden, damit sie hier alle nutzen können, z.B. Papier, Stifte, Folien, Kleber etc... Hier findest du auch Geräte, die für deinen Workshop, Vortrag, deine Diskussionsrunde, FishBowl, dein Spiel usw. nützlich sein könnten: Overhead-Projektor, Laptop, Beamer etc.. Damit möglichst viele etwas davon haben, ist es wichtig, mit dem Vorgefundenen sorgsam umzugehen. Dazu gehört auch, das Ausgeliehene wieder an den ursprünglichen Platz zurückzubringen, damit die Nächsten es wiederfinden. Wenn etwas kaputt gegangen ist oder leer wurde, am besten selbst reparieren, für Ersatz sorgen oder sich mit anderen Gedanken darüber machen, wie mensch es wieder in den ursprünglichen Zustand zurückbringen könnte. Denn es ist besonders lästig, wenn Andere wiederum etwas benutzen wollen und dann erst feststellen, dass es das Benötigte nicht mehr gibt oder es nicht funktioniert.

Bewusstmachung von Zurichtungen, Dominanzen usw. über Texte, Gespräche, Reflexionen und mehr vor, während und nach dem Gruppenprozess Aktionsmethoden, Gruppenverfahren ←- klingt als Überschrift für einen Aushang ziemlich abstrakt (Hanne)

Für alle Räume, Ressourcen, Materialien, Situationen gilt: Sie sind so gut, wie das was du daraus machst! Wenn dir etwas auffällt, was nicht so gut läuft, wo noch etwas besser gemacht werden kann oder etwas vielleicht ganz vergessen wurde - werde selbst aktiv und bringe deine Vorstellungen mit ein oder setze sie direkt um. Wenn du das generell nicht alleine schaffst oder vielleicht in dem Moment nicht, suche dir Unterstützung oder andere Menschen, die sich darum kümmern wollen. Diese Räume sind besonders dafür geeignet, dass mehrere Leute etwas gemeinsam anfangen. Auf diese Weise kann dieser Ort zu einer bunten Vielfalt unterschiedlichster Ideen werden - ohne Vorgaben, ohne Logos, ohne Hierarchien!

Wand für weitere Vorschläge, Probleme, Verabredungen, "Ich brauche Hilfe, ich suche"

>>> Insgesamt finde ich den Text ansprechend. Er sollte sinnvoll untergliedert ausgehängt werden. (Hanne)

Infoflüsse und Transparenz

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