HegelKritik

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Im Rahmen der Diskussion um Hegel, u. a. in Hegel-Debatten wird man wohl auch eine Seite brauchen, um eine konsistente Kritik auszuarbeiten bzw. um Links auf kritische Sichtweisen zu Hegel zu sammeln. Man kann diese Kritik extern motivieren, etwa weil man den Ergebnissen, Auswirkungen und Früchten Hegel'scher Philosophie kritisch gegenübersteht und deswegen auch grundsätzlich die Authorität Hegels erschüttern möchte. Man kann sie aber auch intern motivieren, weil ja wohl auch in Hegel'scher Sichtweise ein Fortschritt über seine Sichtweise hinaus nur durch einen dialektischen Prozess mit Formulierung einer Antithese zu Hegel und eine neue Synthese stattfinden kann. Die erste grundlegende Schwäche Hegels kann man so vielleicht darin sehen, dass er seine eigene Antithese nicht mitgedacht und zum Teil seines Denksystems gemacht hat. Er hätte damit die Entwicklung über sich hinaus eingeleitet. Die Kritik als Arbeitsprogramm sollte externe und interne Sichtweisen integrieren und mit den standhaltenden Elementen Hegel'scher Philosophie eine neue Gesamtschau bilden.

Prominente Kritiker

Arthur Schopenhauer

ist mit seiner Kritik nie zimperlich, für ihn ist Hegel schlichtweg ein volksverdummender Scharlatan.

Karl Popper

greift den Historizismus (die Idee geschichtlicher Vorbestimmung) der Hegel'schen Philosophie an, indem er Hegel die Wissenschaftlichkeit abspricht. Für Popper ist die Zukunft offen und man muss sie aktiv und verantwortlich gestalten (z. B. indem man für Offenheit und Freiheit eintritt). Dazu gehört ein Wettstreit der Ideen, Versuch und Irrtumskorrektur.

siehe dazu http://hegel-system.de/popper/

Aktuelle Kritikpunkte / ev. relevant im CoForum

Ein zentraler Satz Hegels "Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig." ist in der Naturwissenschaft sinnvoll, führt aber in der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaft zu einer Rechtfertigung des Status-Quo: Die existierende Ordnung (Staat, Gesellschaft) ist gut und vernünftig, so wie sie ist. Hegel wird damit zum Staatsphilosophen des monarchischen Preußen. Hegels Denken ist immer gut, um den Staat und existierende Ordnungen und Herrschaftsverhältnisse zu idealisieren und zu stabilisieren. (Helmut)

Hegel formuliert das in seinen Vorlesungen z.B. auch so "was vernünftig ist, wird wirklich und was wirklich ist, wird vernünftig" oder "Was vernünftig ist muss sein". Es geht hier also um eine Dynamik.

Weiters verschoben auf die neue Seite "Das Vernuenftige ist das wirkliche" (Hegel-Debatte_Vernuenftig-Wirklich)] (Kai)

(vergleiche dazu auch: http://hegel.net/en/spirit.htm).

Kai Froeb

Ein Beispiel: Sklaverei ist ok. Der afrikanische Mensch ist nach Hegel weitgehend ohne Vernunft und damit dem Tiere nahe. So wie jedes Ding in der Gesamtheit der Natur seinen natürlichen Platz einnimmt, so ist das Dasein des Negers als Sklave nur natürlich und angemessen. Im ähnliche Weise steht Hegel auch für die untergeordnete Rolle der Frau oder für die Unauflöslichkeit der Ehe. (Helmut)

Diese Behauptungen sind atemberaubende Verdrehungen dessen, was Hegel schreibt. Hierzu habe ich auf der Seite HegelZitate bereits ausführlich geantwortet.

Hier zur Ergänzung noch eine Bemerkung zum "afrikanischen Menschen". Hegel bezieht sich hier empirisch auf die Berichte, die er von Afrika aus der Literatur (angefangen von Herodot bis zu den Missionaren seiner Zeit) entnimmt. Hieraus ist aber nicht zu folgern, dass Hegel meint, dass das so richtig waere oder dass es so bleiben müsste.

Im Gegenteil finden wir, wie a.a.O. gezeigt, bei Hegel die schärfste Verurteilung der Sklaverei (überhaupt findet sich in Hegels Vorlesungen und Schriften so viele Kritik an den bestehenden Zuständen, dass ein Missverständnis über den Satz von "Wirklichkeit" und "Vernunft" auch von der Seite her eigentlich garnicht aufkommen kann - zumindest wenn man sich die Mühe macht, Hegel selbst zu lesen).

Und umgekehrt berichtet Hegel in der Einleitung zur Philosophie der Weltgeschichte über Afrikaner, die in den USA auch anspruchsvollen Berufen nachgehen, was ganz zu seinem Konzept passt, dass der Geist (individuell und in der Menschheit) evtl. Beschränkungen seiner Natur (und der Natur überhaupt) überwindet und daher natürliche Bestimmungen, als dem Menschen nicht angemessen, mit der Zeit immer weniger wichtig werden.

Überhaupt ist bei Hegel scharf zu unterscheiden zwischen "natürlich" i.S. von "im seinem Begriff angelegt" (in dem Sinne wäre das Denken die Natur des Menschen) und natürlich im Sinne von "durch die Natur bestimmt", nicht durch Argumente vermittelt. Letzteres ist gerade ein Mangel, gilt es zu überwinden. Von daher ist die obige Bemerkung von Helmut über "natürlich und angemessen" für Hegel völiger Unsinn, das "natürlich" gerade NICHT dem Menschen "angemessen" ist (wie er ja auch in seiner Argumentation gegen die Sklaverei schreibt, s. meine Ausführungen dazu unter Hegel-Zitate).

Es ist übrigens schon schlimm genug, Missverständnisse aus Hegelzitaten zu korrigieren (wie auf der Hegel-Zitate Seite versucht), ganz unsäglich wird es, wenn man sich jetzt auch noch mit den frei assozierten Hegel Deutungen herumschlagen muss, die gar nichts mehr mit dem Orginaltext zu tun haben, sondern diesem komplett widersprechen. Wünschenswert wären stattdessen Fragen, die sich aus einer ernsthaften Lektüre der orginal Hegeltexte ergeben.

Kai

Der Krieg ist gut. Nach Hegel geht es auf der geschichtlichen Weltbühne um einen Konkurrenzkampf der Staaten, der natürlicherweise mit den Mitteln des Krieges ausgetragen wird. Moral und Gesetze gelten für Individuen und ihre Freiheit ist in erster Linie Pflichterfüllung gegenüber dem Staat. Für den Staat und seinen weitsichtigen, heroischen oder genialen Führer gilt keine Moral, ausschlaggebend ist alleine der weltgeschichtliche Erfolg. Ist Hegel damit nicht Wegbereiter für den Nationalsozialismus und andere totalitäre Ideologien? (Helmut)

Kai: Ein Teil der Antworten dazu finden sich bereits unter: http://wiki.hegel.net/index.php/FAQ:HegelWar

Weiterhin: es geht natuerlich auf der "Weltbuehne" nicht um den Konkurenzkampf der Staaten als solches (Das waere evtl. Nietzsche), sondern, wie du ja selbst an anderer Stelle zugibst, zumindest nach Hegel um die Freiheit (Einsicht in das Wesen der Freiheit und ihre Verwirklichung).

Insofern die Einsicht in das, was Freiheit bedeutet, sich in Kunst/religion/Philosophie gegenueber der bestehenden Praxis vertieft, so bedeutet das langfristig dass diese Einsichten in die Wirklichkeit umgesetzt werden muessen, oder das zugehoerige Staatswesen (oder meinetwegen, soziologisch "Gesellschaft") wird an diesem Widerspruch zwischen inzwischen erlangter Einsicht und Praxis langfristig untergehen (Revolution, Eroberung durch andere Staaten, Dekandenz usw).

Es waere daher im Interesse des Staatswesens wuenschenswert, wenn dieses hinreichend flexibel ist, um sich mit der Zeit zu mehr Freiheit weiter zu entwickeln. Zumindest in der Vergangenheit haben sich aber im nachhinein einige der beschraenkungen der jeweils fuehrenden Staaten als so grundlegend erwiesen, dass sie untergegangen sind und an ihrer Stelle neue, fortschrittlichere Staaten entstanden sind.

Was den Konkurenzkampf der Staaten anbelangt: die Staaten sind tatsaechlich nach aussen beschraenkt in ihrer Moeglichkeit, ihre Ziele wirksam zu verfolgen, durch die entsprechenden Ziele und Mittel der anderen Staaten. Ob und inwiefern es Konflikte zwischen diesen gibt haengt von den Zielen der Staaten ab.

Da es keine Instanz ueber ihnen gibt (auch multilaterale Vertraege von EU, OECD, Nato bis hin zu UNO und ihren Voelkerbund Vorlaeufer beduerfen zu ihrer Wirksamkeit ihre Anerkennung durch die jeweiligen Staaten, wie z.B. die USA heutzutage schlagend zeigen und umgekehrt ist die Herstellung dieser verweigerten Anerkennung eine Angelegenheit der jeweiligen maechtigen Staaten, wie auch hier z.B. wieder der USA) ist die Herstellung einer Einigkeit in die Staaten zu legen.

Daher haengt das auessere verhaeltnis der staaten von ihrem inneren ab, ohne eine angleichung des inneren ist eine angleichung nur im auesserlichen eben nur aeusserlich und daher langfristig instabil. Eine solche Harmonie der staaten untereinander im inneren und aeusseren, wie sie Leibniz und spaeter auch Kant prinzipiel gesehen haben, mag nicht prinzipiel unmoeglich sein, ist im Gegenteil dadurch, dass sie alle letzlich verwirklichung der vernuenftigen Zwecke und der Freiheit sind (die sich letzlich alle dem gleichen Masstab verdanken) auf lange Sicht der Tendenz nach moeglich.

Andererseits sind die existierenden Widersprueche im inneren und aeusseren so gross, dass dies auf lange Sicht eher illusorisch ist (und die bestehenden anderweitigen Bestrebungen daher eher in ihren widerspruechen zur Kentnis genommen und verstanden werden muessten, statt sie als angebliche Verwirklichungen eines Menscheitstraumes naiv zu bestimmen).

Es geht dabei weniger darum, was wuenschenswert ist (Hegel hat selbst die Kriegsgreuel erlebt und hat andererseits die zu seiner Zeit fortschrittlichen Wirkungen der napoleonìnischen Kriege und der Kriege gegen ihn, die nur auf der Basis weitreichender Reformversprechen dann moeglich waren, gesehen, ebenso den reaktionaeren Charachter des nach 1815 installierten Voelkerbundvorlaeufers der "Heiligen Allianz" von Russland und Metternich usw, die versuchte, weitere revolutuionaere Kriege und Aufstaende zu verhindern und den reaktionären im woertlichen Sinne, naemlich gegenueber dem Status von vor 1815 zurueckgedrehten Status Quo zu erhalten - das alles ist aber hier weniger relevant), das wird wie gesagt in der Logik geklaert (Freiheit, Selbstbestimmung usw), sondern die Wirklichkeit, wie sie ist, zu analysieren (ohen dies sind auch die frömmsten Aenderungswuensche eben nur utopisch).

Deine Ausfuehrungen zu Hegels angeblicher Stellung zu Recht und Moral sind wieder einmal so atemberaubend falsch, dass ich diese kaum im Rahmen dieser kurzen Texte korrigieren kann. ich verweise daher auf die hegelschen Orginaltexte, insbesondere die Enzyklopaedie und die unter Hegel-Material angegebenen Buecher.

Kurz moechte ich nochmal darauf verweisen, dass es bei Hegels Lehre vom "Objektiven Geist" um die Verwirklichung der Freiheit (wie grundgelegt in der Logik) geht, die Verhaeltnisse darin also ihren Masstab haben. Hegel versucht zu zeigen, inwiefern diese inhaltlich bestimmte, vernuenftige Freiheit in der Wirklcihkeit teilweise verwirklicht ist. Dazu gehoert auch, dasjenige, was als verneunftig eingesehen wird, in Institutionen usw. zu giessen (die sich mit der Zeit aendern usw) und selbstverstaendlich ist die bewusste Verfolgung gemeinschaftlicher Interessen in den Institutionen des Staates prinzipiell eine Erweiterung der Freiheit der Menschen (die jeweils auch inhaltlich beurteilt und begruendet werden muss und kann).

Hegels Ethik ist uebrigens seine ganze Philosophie des Geistes und, eine Portion grundsaetzlicher, seine Logik. Dass er keine Ethik habe, ist ein gaengiges Missverstaendnis, das sich auf fluechtiges Lesen (etwa nur der Ueberschriften oder nur einzelner Zitate) zurueckfuehren laesst. Siehe dazu http://hegelwerkstatt.de/artikel/ge ... kritik_der_moral.htm und http://hegelwerkstatt.de/artikel/ge ... nken_moralkritik.htm

Umgekehrt haben Naziwiderstandskaempfer wie von Trott aus der hegelchen Philosophie ihre Begruendung fuer den Widerstand geschoepft und die Nazis haben Hegel auch nicht gemocht (es hat allerdings eine Gruppe von Philosophieprofessoren gegeben, die versucht haben, wie alle anderen Philosophen so auch Hegel mit den Nazis kompatibel zu machen, was ihnen aber nur mit einiger Gewalt (in etwa so wie bei dir - du wirst doch nicht dein Hegel Bild von den Nazis uebernehmen, waehrend du denen sonst nie etwas glaubst?) gelungen ist und von den offiziellen Ideologen und Fuehrern der Nazis auch immer vehement abgelehnt wurde, keine Hegel-Interpretationsvariante war je offizielle Nazi-Ideologie, sondern wurde von dieser bekaempft (siehe dazu ausfuehrlich Ottmann - siehe Hinweis auf den Hegel-Material Seiten- oder kurz auch Kaufmann in den Seiten mit Popper Material unter http://hegel-system.de/popper/ sowie http://wiki.hegel.net/index.php/FAQ:HegelNazi ).

Schliesslich: dass die Beurteilung, sagen wir, des Praesidenten der Vereinigten Staaten (oder auch eines Kuenstler oder Philosophen) sinvollerweise nicht in erster Linie danach gehen sollte, wie etwa sein Sexualleben aussieht, ob er Hunde oder kleine Kinder liebt, ob er Vegitarier ist usw. (in all dem soll Hitler uebrigens angeblich vorbildlich gewesen sein, aber das kann gerne Propaganda sein) sondern danach, was sie als Staatsmaenner (bzw. Kuenstler, Wissenschaftler usw) tun, sollte doch klar sein (das bedeutet nicht, das man diese nicht auch noch privat als unmoralisch usw. verdammen kann, bloss sollte man das trennen koennen von der Beurteilung ihrer Taetigkeit als Staatsmaenner, weswegen man sich ja eigentlich ueberhaupt nur mit ihnen befasst). Auch Staaten haben noch andere Beurteilungskriterien als diejenigen, nach denen man einzelne Buerger beurteilt. Es ist eben borniert, alles nur danach zu beurteilen, ob es den eigenen Beurteilungskriterien entspricht, sondern man muss die Sachen zunaechst einmal aus ihren eigenen Masstaeben beurteilen (da sich auf einer Tiefenschicht alles den Urteilen der Logik - und im menshclichen Leben der Vernunft, der Freiheit, verdankt, wird amn auch zeigen koennen, inwiefern sich letzlich auch eine Gemeinsamkeit in der Beurteilung zeigen laesst, aber dies muss geschehen, nachdem erst einmal die Unterschiede fuer sich zur Kenntnis genommen und begriffen wurden).

Kai

Hegel lehnt Kant's weitsichtigen Vorschlag eines friedensfördernden Staatenbundes (Vordenker für Völkerbund und UNO) ab. (HL)

s.o.

Kai

Dialektik als Propagandainstrument und Konstruktivismus. Die dialektische Methode schafft so viele spekulative Freiräume, dass nahezu jedes gewünschte Resultat erzielbar ist. Dinge sind nicht so wie sie äußerlich scheinen, sondern es geht um ihr inneres Wesen: das schafft Freiraum. Hegel setzt das, was er für richtig oder nützlich hält, in spekulative Konstruktionen um, die sich als wirklich erweisen sollen, indem sie entsprechendes Bewußtsein erzeugen, das diese Konstruktion anerkennt. (HL)

Voelliger Quatsch, von keiner Kentnis der Sache getruebt. wo hast du das her? Ist das nicht eher eine Projektion dessen, was du mit Hegel machst? Hast du das Gefuehl, das ich so vorgehe, z.B.?

"Dinge sind nicht so wie sie äußerlich scheinen" - das ist aber an der kritisierten Auffassung der Dinge selbst zu zeigen, dass da ein Mangel ist. Ein optischer Eindruck ist z.B. so lange erst mal unproblemartisch, bis er sich als optische Illusion, Fata Morgana usw. erweist. Die Wissenschaft waere ueberfluessig, wenn alles schon durch den aeusseren Anschein vollstaendig erklaert waere. Es geht doch bloss darum, von diesem aeusseren Anschein auf eine wissenschaftlich korrekte Art und Weise zu besseren Erklaerungen zu kommen.

Kai

Zum Beispiel ist nach Hegel Freiheit nicht wesentlich so wie wir sie empfinden, (HL)

Wieso nicht? Natuerlich ist das in Hegels Begriff der Freiheit enthalten. Uebrigens kann die Empfindung ja wohl kaum der letzte Massstab sein, aber es muss natuerlich gezeigt werden, wie diese Inhalte in dem wissenschaftlichen Begriff mit enthalten sind (und was ggfs, zu kritisieren und verbessern ist und warum - so dass man dieses wiederum verbessern kann usw.).

sondern entfaltet sich in Relation zum Gesetz (HL)

Was soll das heissen "entfaltet sich" , "in Relation zum Gesetz"? Zum Verhaeltnis von Freiheit und Gesetz habe ich oben schon das noetige gesagt. Auch hier ist eine Uebereinstimmung oder Differenz inhaltlich zu zeigen. Die Haltung, das etwas, bloss weil es Gesetz ist, dann inhaltlich falsch bzw. mir entgegenstehend sein sollte, halte ich fuer albern.

Noch etwas: Hegel hat einmal gesagt, das die Stellung zum Gesetz ein wichtiger Hinweis in der Beurteilung der Rechtsphilosophie ist. Es ist sicher kein Zufall, dass in Diktaturen das Gestz kaum etwas gilt (erstens wird es nach belieben angepasst, zum anderen wird ihm in der Praxis dann nicht viel Bedeutung beigemessen, da es ja eh dann um anderes geht, sei es um den Tyrann, sei es um eine Ideologie usw. Man schaue sich nur die Protokolle von Freyslers Volksgerichtshof an (lebhaft zu sehen z.B. auch in dem eindrucksvollen "Sophie Scholl" Film, oder die Randnotiz, dass Hitler - und allgemein die Nazis - Rechtsanwaelte verachtete).

und erfüllt sich letztlich darin, diesem - bzw. ihrem Inbegriff, dem gesetzgebenden Monarchen - in Pflichterfüllung gegenüber dem Staat zu folgen. (HL)

Was spricht dagegen, als Staatsbeamter seiner Pflicht zu entsprechen? (zumindest sofern seine Pflichten, das Staatswesen und seine gesetze vernuenftig sind?) Warum soll ich mich - ganz prinzipiel, jenseits des Inhaltes - nicht an die Gesetze halten?

D. h. Freiheit ist nicht mit Handlungsalternativen verbunden, zwischen denen das Individuum unbeeinflusst wählen und sich entfalten kann (HL)

a) wieso soll das nicht der Fall sein?

b) Aufgrund welcher Masstaebe wirst du denn waehlen?

c) Die eigentliche Frage ist doch nicht das formelle waehlen zwischen Alternativen (was natuerlich auch der Fall ist). Es koennten ja die Alternativen alle schlecht sein oder schon so eingerichtet, das dir nur eine Wahl bleibt ("Geld her oder Leben"). Es kommt sinnvolerweise schon darauf an, was du willst, was fuer Ziele du dir setzt und an diesen hast du dann den Masstab, inwiefern du diese vrwirklcihen willst und wo du dabei auf Probleme, Widerstaende stoesst (es ist ein Mangel des traditionellen liberalen Freiheitsbegriffes, das er sich darum nicht kuemmert).

Das bedeutet aber dann nicht, das nicht jeder individuel dennoch waehlen muesste, das ist eher das kleinere Problem.

Kai

(eventuell auf Basis von Menschenrechten), sondern Freiheit ist das Befolgen von Vorschriften im richtigen Bewusstsein. Hegel denkt bei Freiheit sicher nicht an Reisefreiheit oder Redefreiheit. (HL)

Doch natuerlich, aber nicht nur (er ist ja Philosoph, denkt alles etwas gruendlicher). Wie kommst du auf dein Urteil?

Kai

Hegel ist hochspekulativ und andererseits Dogmatiker, der die eigene Irrtumsmöglichkeit nie mitdenkt. (HL)

Voelliger Quatsch. wie komsmt du darauf? Hegel selbst sieht sich im gegenteil als denjenigen, der den Skeptizismus und Zweifel als notwendigen Teil seiner Philosophie eingefuehrt hat. Es erscheint mir auch von dir selbst sehr dogmatisch gesagt.

Kai

Das ist eine merkwürdige Mischung. Wie falsch er damit liegt, sieht man - das ist nach 200 Jahren natürlich leicht - im Bereich der Naturwissenschaft. Hier ist Hegels unhaltbare Art des Geschwafels nachweisbar. (HL)

Zur Naturwissenschaft ein anderes mal. Jetzt ist meine Zeit im Internetcaffee um. (Kai)

Text wohl von HL

erste Antwort zu "aktuelle Kritikpunkte / ev. relevant im CoForum"

Der Autor (Die Autorin? das Auto?) des obigen Abschnittes ist anscheinend selbst "hochspekulativ und andererseits Dogmatiker, der die eigene Irrtumsmöglichkeit nie mitdenkt". Das ist eine merkwürdige Mischung. Wie falsch er damit liegt, sieht man - das ist nach 200 Minuten natürlich leicht - im Bereich seiner Hegel-Kritik. Hier ist seine unhaltbare Art des Geschwafels nachweisbar. ;-)

Im Ernst, ich vermute ihr wollt dazu auch eine ausfuehrliche Kriitk wie bei der Weltgeschichte, oder?

Hat denn der Hinweis bei der Weltgeschichte schon etwas geholfen, auch fuer das Verstaendnis von den Absaetzen da oben?

Nachdem praktisch jeder Satz in dem obigen Abschnitt auf grobes Fehlverständnis von Hegel basiert, die einer Lektüre von Hegel Orginaltexten normalerweise nicht zu entnehmen ist, geschweige denn der Fachliteratur (einige Hinweise dazu finden sich auf http://hegel.net/werkstatt/resourcen/buecher/ ), glaube ich, dass die Grundlage für die obigen Auslassungen eher aus der Lektüre eines Hegel Verrisses, etwa von Popper oder Russel entstammen, die nicht ausreichend gegengeprüft wurden (Mit dem heutigen Verständnis der Hegelforschung sind sie jedenfalls unvereinbar).

Jedenfalls fiel mir gerade beim nochmal lesen von Kaufmanns Kritik von Poppers Hegel Kritik auf, das praktisch alles was oben gegen Hegel vorgetragen wurde, sich in dem Hegelkapitel von Poppers "Die offene Gesellschaft und ihrer Feinde" findet und insofern reicht vielleicht ein Hinweis auf diesen kurzen Artikel (Online zu lesen unter http://hegel-system.de/popper/W.Kau ... und_Wirklichkeit.pdf ) hier fürs erste aus.

Nützlich wären auch die Lektüre des Hegel FAQs unter http://hegel.net/en/faq.htm und die Hegel Biographie unter http://hegel.net/en/hegel.htm, insbesondere zum politischen Hintergrund der Anfang des Abschnittes über Hegels Berliner Zeit.

Wenn wirklich Bedarf besteht, kann ich aber gerne den Nachweis führen, das praktisch jeder Satz der oben genannten Hegelkritik auf groben Missverständnissen beruht.

KaiF

Hegel für Physiker

Hegel, Encyklopädie, § 302. "Der Klang ist der Wechsel des spezifischen Auseinanderseins der materiellen Teile und der Negiertheit derselben; nur abstrakte und sozusagen nur ideelle Idealität dieses Spezifischen. Aber dieser Wechsel ist hiemit selbst unmittelbar die Negation des materiellen spezifische Bestehens; dieses ist damit ideale Idealität der spezifischen Schwere und Kohäsionswärme. Die Erhitzung der klingenden Körper, wie der geschlagenen, auch der aneinander geriebenen, ist die Erscheinung von der dem Begriffe nach mit dem Klange entstehenden Wärme."

Selten scheint Wittgensteins Forderung "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" angebrachter. Hegel hat zu wenigen Themen seiner Zeit geschwiegen. Sein Gesamtwerk, bei Suhrkamp erschienen, füllt 20 Bände.

HL

OK, ich weiss, dass das einer der wenigen Zitate ist (zitatsnachweis im Internet: http://www.hegel-system.de/de/enz2.htm#P302 ), der immer wieder unbesehen von Autor zu Autor weitergereicht wird und gegen Hegels Naturphilosophie angebracht wird, um sich nicht weiter damit zu beschaeftigen.

Rückfragen dazu: was kritisierst du eigentlich an dem Text?

(Nebenbei: Wittgenstein fand anscheinend Hegel gut. Ist die Masse des Werkes ein Kriterium das für oder gegen einen Autor spricht? Das Wittgenstein-Zitat (vom Ende des Tractatus), bezieht sich nach meinem Verständnis nicht auf sachlich falsche Angaben, wie du anscheinend meinst, sondern wohl eher auf das, was sich überhaupt nicht positiv sagen lässt, Bereiche wo es also auch nicht sinnvoll ist, eine sachliche Widerlegung zu versuchen. Vielleicht ist dies ja so ein Bereich und ich sollte besser schweigen? Nebenbei: ich habe mit Wittgenstein noch vor Hegel vor ca. 25 Jahren mit Philosophie angefangen. Nach meiner Erfahrung ist Wittgenstein eine gute Vorübung zu Hegel, da bei Wittgenstein Fragen aufkommen, die sich mit Hegel dann beantworten lassen ).

KaiF

Kai, was ich an dem Zitat kritisiere, ist einerseits, dass es physikalisch falsch ist; andererseits, dass Hegel offenbar meint, zu zum Thema Klang etwas zu sagen zu haben und sagen zu müssen; dass er dabei nicht merkt und dass ihn dabei nicht stört, dass er dabei nichts sinnvolles sagt. Ich bin gerne bereit, tiefer in Hegels Schreiben auf dem Gebiet der Naturwissenschaft einzudringen, erwarte dabei dann vielfach ähnliches zu finden. Hast du eigentlich einen Bezug zu Technik und Naturwissenschaft? Durch deinen Bezug zur Firma Siemens hatte ich das eigentlich erwartet.

Bevor klar ist, dass das Zitat physikalisch falsch ist, muss doch erst einmal klar sein, was Hegel damit überhautp sagen will. Das wird IMHO immer nur aus dem Kontext klar. Helmut, kannst Du darlegen, wie Du das Zitat im Kontext verstehst und warum es physikalisch falsch ist ?

Mmmh, Thomas, du bist doch IIRC ein Voll-Physiker, während ich als Chemiker nur ein Halb-Physiker bin. Du müsstest einen noch besseren Zugang zum Gebiet der Akkustik und dem Begriff "Klang" haben. Für mich ist jedenfalls kein Kontext vorstellbar, in dem obiges Zitat Sinn bekommen könnte - aber das muss nicht viel bedeuten. Wenn ich es richtig verstanden habe, stammt es aus eine enzyklopäisch-physikalischen Kontext. Die Originaltext muss ich mir erst besorgen, wenn das von Bedeutung ist, daran soll es nicht scheitern.

Ich versteh das Zitat halt nicht, weil ich Hegels Art Worte zu Benutzen nicht kenne. Ich kann allerdings was sinnvolles interpretieren, das muss aber nichts mit Hegels Aussage zu tun haben. Klang hat auf alle Fälle was mit dem Beianander- und Auseinandersein von Materie zu tun. Wärme entsteht beim Bewegen gegeneinander auch, der Schlag ist Klang und wird Wärme. Such ruhig mal den Kontext des Zitates raus, dann können wir mit Kais Hilfe eventuell erforschen, was Hegel meinte und was daran heute richtig, damals richtig, belanglos oder was auch immer war.

Gerne, ich hab gerade einen Schwung Hegel bei Amazon bestellt. Ich gebe nur zu bedenken, dass alle möglichen physikalischen Vorgänge (auch das menschliche Denken als neurophysiologischer Prozess oder die Leitung von elektrischem Strom) von der Produktion von (Ab-)Wärme begleitet sind und dass diese Wärmeproduktion keinen konstituierenden Faktor darstellt. Auch der letzte Satz des obigen Zitats "Die Erhitzung ... ist die Erscheinung von ... Wärme." hat eine bemerkenswerte sprachlich-logische Form, der man schwer widersprechen kann, die aber zum Thema "Klang" nichts beiträgt.

Ich weis nicht, ob Wärme damals auch als Begriff für Energie gebraucht wurde.

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