Hegel-Debatten Das Eigentum

Version 57, 84.144.106.10 am 3.10.2005 03:33

Von Hegel-Debatten

Zitate zum Thema:

Das Eigentum. Die Person muss sich eine äußere Sphäre ihrer Freiheit geben, um als Idee zu sein. Weil die Person der an und für sich seiende unendliche Wille in dieser ersten, noch ganz abstrakten Bestimmung ist, so ist dies von ihm Unterschiedene, was die Sphäre der Freiheit ausmachen kann, gleichfalls als das von ihm unmittelbar Verschiedene und Trennbare bestimmt. PDR §41

Die Person hat das Recht, in jede Sache ihren Willen zu legen, welche dadurch die meinige ist, zu ihrem substanziellen Zwecke, da sie einen solchen nicht in sich selbst hat, ihrer Bestimmung und Seeele meinen Willen erhält. - absolutes Zueignungsrecht des Menschen auf alle Sachen. PDR §44

... Die Vorstellung von einer frommen oder freundschaftlichen und selbst erzwungenen Verbrüderung der Menschen mit Gemeinschaft der Güter und der Verbannung des privateigentümlichen Prinzips kann sich der Gesinnung leicht darbieten, welche die Natur der Freiheit des Geistes und des Rechts verkennt und sie nicht in ihren bestimmten Momenten erfasst. PDR §46

Die bisweilen gemachte Forderung der Gleichheit in Austeilung des Erdbodens oder gar des weiteren Vermögens ist ein um so leererer und oberflächlicherer Verstand, als in dieser Besonderheit nicht nur die äußere Naturzufälligkeit, sondern auch der ganze Umfang der geistigen Natur in ihrer unendlichen Besonderheit und Verschiedenheit sowie in ihrer zum Organismus entwickelten Vernunft fällt. PDR §49

Es ist wohl anderthalbtausend Jahre, daß die Freiheit der Person durch das Christentum zu erblühen angefangen hat und unter einem übrigens kleinen Teil des Menschengeschlechtes zum allgemeinen Prinzip geworden ist. Die Freiheit des Eigentums aber ist seit gestern, kann man sagen, hier und da als Prinzip anerkannt worden. - Ein Beispiel aus der Weltgeschichte über die Länge der Zeit, die der Geist braucht, in seinem Selbstbewusstsein fortzuschreiten - und gegen die Ungeduld des Meinen. PDR §62

Helmut: Es ist erstaunlich, wie viel Gewicht Hegel auf den Begriff des Eigentums legt. Eigentum ist für ihn eine wesentliche "Sphäre der Freiheit" des Menschen, an der sich sein Wille entfaltet. Egal ob Ding oder Tier, das Eigentum unterliegt der persönlichen Willkür. Keine Rede von einer Verantwortung. Ich als "kritisch bürgerlicher Denker" würde einen solchen Eigentumsbegriff niemals sinnvoll finden, sondern allenfalls Eigentum über die Notwendigkeit zur Konfliktvermeidung oder die Nützlichkeit eines gepflegten Eigentums mit allen Einschränkungen (der sozial gerechten Umverteilung, Verantwortung und Enteignung) definieren. Wie Leute mit kommunistischen Sympathien in Hegel, der das Eigentum gleich neben der Freiheit einzementiert, eine philosophische Grundlage sehen können, ist mir schleierhaft.

Helmut

Kai: Helmut, ich habe dieses Wochenende voraussichtlich wenig Zeit für unsere Diskussion. Darum hier schnell nur soviel für den Anfang:

a) Eine Freiheit, die sich nicht verwirklicht, in der Welt ausdrückt, ist mangelhaft. Die Sphäre dieser Verwirklichung (gegenüber Sachen) ist das Eigentum. Dazu gehört an erster Stelle schon mal mein Körper (auch darum ist Sklaverei als Herrschaft über den Körper eines anderen natürlich unrecht).

b) Selbstverständlich kennt und bespricht Hegel dabei auch gemeinsames Eigentum in seinen drei Sphäeren der Sittlichkeit (Familie, Bürgerliche Gesellschaft und Staat) wobei dieses, je nach Sphäre unterschiedlichen Charakter hat (und es gibt ja auch tatsächlich, selbst im "land of the free", den USA, und natürlich auch bei uns, und auch zu Hegels Zeiten usw, gemeinsames Eigentum in allen diesen Sphären). Die Zitate, die du dagegen rausgesucht hast, richten sich nur gegen abstrakte bzw. utopische Vorstellungen davon.

Es gibt dazu noch sehr viel mehr zu sagen, aber dies später. Eigentum ist in der Tat ein wichtiges Konzept bei Hegel, wie auch der Staat, man muss dieses aber, wenn man es verstehen will, in seinem systematischen Gesamtzusammenhang sehen, und nicht anhand einiger Zitate.

Bis bald, kai

Kai Froeb

Ein paar Gedanken zu einer "Dialektik des Eigentums"

Wie schon gesagt, empfinde ich die Hegel'sche Positionierung des Eigentums als "Sphäre der Freiheit" als unnatürlich. Wir wissen, dass der Eigentumsbegriff sich erst mit Zeit entwickelt hat und in unterschiedlichen Kulturen ganz verschieden gehandhabt wird. Wir wissen auch, dass Eigentum bei weitem nicht immer bedeutet, dass mit dem Eigentum willkürlich verfahren werden kann (der Eigentümer der "Mona Lisa" soll diese nicht vernichten und wir sind rechtlich angehalten, Geldscheine und Münzen nicht zu vernichten, obwohl sie uns gehören). Eigentum wird auch relativiert, wenn etwa durch eine Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer Teile von Eigentum systematisch dem Staat zufließen. Weiters gibt es überall Mechanismen der Enteignung, wenn übergeordnete Interessen (etwa beim Straßenbau) vorliegen.

Es wäre zu prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, Eigentum als kulturelle Erfindung des Menschen zu sehen, die zur Organisation von Ressourcen und zur Konfliktvermeidung dient, jedoch nach ihrer sozialen Nützlichkeit beurteilt werden muss. Wenn etwa eine extrem ungerechte Eigentumsverteilung soziale Konflikte herausfordert, oder eine künstliche Verknappung lebenswichtiger Ressourcen stattfindet, dann hat die "reale Umsetzung des Eigentumskonzeptes" versagt und bedarf einer entsprechenden Korrektur. Dies ist aber nur möglich, wenn der Eigentums-Begriff nicht verabsolutiert und so gegen Veränderungen immunisiert wird.

Eigentum ist eine Funktion rational-egoistischen Denkens und kein natürlicher Impuls. Naturvölker haben entweder gar keinen oder einen auf wesentliche persönliche Bedürfnisse eingeschränkten Eigentumsbegriff. Ein Löwe frißt sich an der Beute satt und überlässt den Rest den anderen. Primär der denkende Mensch wird zum gierigen Nimmersatt, der selbst im Überfluss nicht genug bekommt. Denken ist nicht - wie Hegel meint - primär der Schlüssel zur Freiheit. Denken schafft eine Alternative zum biologisch verankerten Handeln, aber primär entsteht dabei ein "rationaler Egoismus", der zwar die individuellen Lebenschancen erhöht, aber kein angenehmes Gesicht besitzt. Erst wenn das Denken sozial verträgliche Alternativen entwickelt und bevorzugt, entsteht ein gemeinschaftlicher Lebensvorteil. Dies kann durchaus zu einer Rückkehr zu biologisch verankertem Handeln (einem Leben im Einklang und unter Schonung der Natur) führen.

Freiheit entsteht nicht im rationalen Denken, das einer bestimmten Rationalität folgt. Freiheit entsteht in der Fähigkeit, verschiedene Denkansätze zu prüfen, Handlungsalternativen zu entwickeln und im Sinne von Toleranz und gemeinsamen Zielsetzungen individuelle Entscheidungen zu treffen, die nicht religiös, ideologisch oder egoistisch vorhersehbar und vorgeprägt sind. Eigentum ist ein Begriff auf einer sozialen Grundlage, der von dieser nicht abgelöst werden darf, ohne in Probleme zu führen. Jedes Recht anerkennt z. B. den "Mundraub" als zulässige Verletzung von Eigentum um das eigene Leben zu sichern. In einem globalen Kontext hätten Millionen verhungernder Menschen das Recht zum Mundraub an uns, sind jedoch nicht in der Lage diesen durchzuführen, weil Ihnen der Zugang fehlt. Es kann kein "globales Eigentum" und "globale Wirtschaft" geben, ohne eine korrespondierende globale soziale Verantwortung für die Armen. Wenn wir nicht in der Lage sind, die philosophische und soziale Grundlegung des Eigentumsbegriffes auszugraben und offen zu legen und in sinnvollen Regelkreisen zu relativieren, dann werden wir selbst zum Opfer einer Politik, die zunehmend blind für soziale Fragen werden muss.

Hallo Helmut,

danke für deine Gedanken und Einwände, die wie (fast) immer anregend waren zu beantworten.

Wie schon gesagt, empfinde ich die Hegel'sche Positionierung des Eigentums als "Sphäre der Freiheit" als unnatürlich. Wir wissen, dass der Eigentumsbegriff sich erst mit Zeit entwickelt hat und in unterschiedlichen Kulturen ganz verschieden gehandhabt wird.

Du darfst nicht vergessen, dass das Eigentum in dem Kapitel "Das abstrakte Recht" abgehandelt wird (es ist bei Hegel wirklich entscheidend, sich jeweils klar zumachen, an welcher Stelle, was steht).

Hegels Schüler Eduard Gans hat übrigens - als erster überhaupt - basierend auf Hegel dann eine Weltgeschichte des Rechts - angefangen zu entwickeln (einschliesslich der anderen Kulturen, soweit zu seiner Zeit bekannt), und Marx hat bei ihm an der Uni zumindest 2 Semester lang bei ihm Vorlesungen besucht. Dass "der Eigentumsbegriff sich erst mit Zeit entwickelt hat und in unterschiedlichen Kulturen ganz verschieden gehandhabt wird" weiss auch Hegel, steht auch sinngemäss an verschiedene Stellen bei ihm (das letzte Zitat von ihm, welches du oben bringst, geht ja auch in die Richtung von unterschiedlichen, aber wandelbare, Rechtsauffassungen/-praxis je nach Kultur und Zeit).

Zurück zur Argumentation des Hegeltextes: es geht hier zunächst einmal rein darum:

Damit ist nicht gesagt, wieviel Eigentum (wie Hegel ausdrücklich betont), noch ist damit etwas über die Zwecke gesagt, die sich da verwirklichen oder wie sich das Ganze später in der "Realität" der Familie, bürgerlichen Gesellschaft und Staat konkret darstellen wird.

Wir wissen auch, dass Eigentum bei weitem nicht im bedeutet, dass mit dem Eigentum willkürlich verfahren werden kann (der Eigentümer der "Mona Lisa" soll diese nicht vernichten und wir sind rechtlich angehalten, Geldscheine und Münzen nicht zu vernichten, obwohl sie uns gehören). (HL)

Freiheit hat bei Hegel nichts mit Willkür zu tun. Er kritisiert ausdrücklich die Willkür als unangemessene Vorstellung von Freiheit.

Eigentum wird auch relativiert, wenn etwa durch eine Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer Teile von Eigentum systematisch dem Staat zufließen. Weiters gibt es überall Mechanismen der Enteignung, wenn übergeordnete Interessen (etwa beim Straßenbau) vorliegen. (HL)

Selbtverständlich. Alles mit Hegel natürlich voll kompatibel (zur Klarstellung: auch die DDR-Eigentumsordnung war, da sie auch Raum für Privateigentum gelassen hat, insofern mit Hegels Eigentumsvorstellungen kompatibel).

Weiter mit deinme 2. Absatz (sollte vieles aus dem oben und unten nun klar sein):

Es wäre zu prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, Eigentum als kulturelle Erfindung des Menschen zu sehen, Was denn sonst?

die zur Organisation von Ressourcen und zur Konfliktvermeidung dient,

Klar. s.u. meine Antwort auf deie eweitere Antwort

jedoch nach ihrer sozialen Nützlichkeit beurteilt werden muss.

Selbstverständlich. Auch das widerspricht sich ja nicht. Wenn Eigentum ein Mittel meiner Freiheit ist (und dasjenigen der anderen), wobei Freiheit immer inhaltlich gedacht wird als möglichkeit meine Zwecke zu verwirklichen, dann ist das Mittel dem Zweck nach zu messen. Und das bedeutet natürlich auch, dass die gemeinsamen Zwecke an dem Oberzweck (Freiheit - das gibt es nur allgemein, also für alle) zu messen sind.

Wenn etwa eine extrem ungerechte Eigentumsverteilung soziale Konflikte herausfordert, oder eine künstliche Verknappung lebenswichtiger Ressourcen stattfindet, dann .. und bedarf einer entsprechenden Korrektur.

Selbstverständlich

Dies ist aber nur möglich, wenn der Eigentums-Begriff nicht verabsolutiert und so gegen Veränderungen immunisiert wird.

Nun, so ist es auch nicht gedacht. Alles bei Hegel ist immer nur relativ zu denjeweiligen gründen dafür, zur Stellung im System usw. Bei den Gegenständen des Objektiven Geistes ist besonders immer anhand der Zweckhierarchie zu messen.

Zum Rest und auch für "warum Hegel" ist es nun zu spät (musste heute noch viel anderes voreher erledigen), wird aber noch nachgeliefert.

Kai Froeb

Nur eine Anmerkung zwischendurch:

"... eine Freiheit, die sich nicht in der Welt verwirklichen kann, ist keine ..."

Verwirklichung kann vieles sein - auch ein Gedanke ist Teil der Wirklichkeit - und muss keineswegs und zuallererst in Eigentum münden. Wenn ein Künstler seine kreative Freiheit zur Schaffung eines Musikstücks/Songs nutzt, so wird der wesentliche Kern seines Freiseins nicht dadurch berührt, dass er dies im Rahmen oder außerhalb von Eigentums- bzw. Urheberrechten tut. Manch religiös-philosophische Anschauung mündet darin, dass Eigentum unfrei macht und dass erst im Ablegen des Eigentums wirkliche Freiheit entsteht.

Wenn man eine dialektische Bewegung prognostiziert, so würde ein Negation der Koppelung von Freiheit und Eigentum zu einer Gegenposition führen, die sich in einer Synthese auflösen würde, in der Freiheit sich im Eigentum ausdrücken kann, dies aber nur eine (primitive) Möglichkeit der Freiheitserfahrung unter vielen möglichen ist. Die wesentlicheren finden auf einer geistigen Stufe statt, z. B. in der Freiheit von Dogmatismus, im übertragenen Sinne auch in einer "Aneignung von Einsicht" oder eine "Teilhabe an Gemeinschaft", die nicht den Null-Summenartigen Auschließungscharakter des materiellen Eigentums besitzt, sondern den synergetischen Charakter sozialer Phänomene.

Es scheint aber, dass Materialismus und Eigentumsbegriff auf den gleichen Fundamenten stehen. Wer im Kampf um das Eigentum verstrickt ist, verinnerlicht und immunisiert den Begriff gleichzeitig.

Helmut Leitner

Verwirklichung kann vieles sein - auch ein Gedanke ist Teil der Wirklichkeit - und muss keineswegs und zuallererst in Eigentum münden. Wenn ein Künstler seine kreative Freiheit zur Schaffung eines Musikstücks/Songs nutzt, so wird der wesentliche Kern seines Freiseins nicht dadurch berührt, dass er dies im Rahmen oder außerhalb von Eigentums- bzw. Urheberrechten tut.

Hegel denkt erstmal NICHT an Urheberrecht usw. Es geht um die Möglichkeit, auf die materielle Welt ("Natur") einzuwirken (Körper, Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, Produktionsmittel usw). Andere sollen mir dies nicht bestreiten, sondern anerkennen. Das ist dann Eigentum. Welche Verlaufsform das hat, ob es z.B. gut in Gemeinschaftseigentum (auch ein Eigentum in dem oben genannten sinne, bloss gemeinsam!) passt, ist damit noch nicht gesagt.

: Manch religiös-philosophische Anschauung mündet darin, dass Eigentum unfrei macht und dass erst im Ablegen des Eigentums wirkliche Freiheit entsteht.

Natürlich. Eigentum ist nicht der Kern der Freiheit, sondern der Geist (dessen Freiheitsbegriff ist wiederum aus der Logik, dem Begriff und der Idee abgeleitet), sondern Mittel dazu. Insofern das Mittel eine übermässige Bedeutung bekommt, zur Hauptsache wird, die von den eigentlichen Zwecken ablenkt, ist es natürlich insofern schädlich und daher ist eine solche Einstellung zu überwinden.

Hoffe, damit wird einiges klarer und die übrigen Anmerkungen erübrigen sich

Kai Froeb 29.9.2005

sigi (einfach frei heraus):
es mag ja sein, dass der hegelsche eigentums-begriff vorwiegend positiv gemeint ist, aber zumindest das privat-eigentum sehe ich eher negativ (will sagen: macht das leben eher schwerer als leichter) . nicht umsonst kommt das wort aus dem lateinischen, wo privare rauben heißt .
wahrscheinlich hat das land ursprünglich den frauen gehört (wie man am alten griechenland (besonders sparta) noch erkennen kann) . durch das patriarchat sind sie dann sozusagen enteignet worden . heute (und erst recht im hinblick auf die kommende roboter-hilfe) spricht nichts dagegen, es ihnen wieder zurück zu geben . auch hegel würde diesem drei-schritt sicher zustimmen (und Karl Linn natürlich erst recht) .

(051001)

Hallo Sigi,

danke für deine Gedanken.

Als absolutes Minimum sehe ich an: den eigenen Körper (hatte ich schon oben erwähnt - die Sklaverei zeigt, dass auch diess nicht selbstverständlich ist), dann - wie das Beispiel zeigt - Dinge der persönlichen Hygiene (die aber wohl auch wirklich kaum je bestritten sein werden), wie auch Dinge, an denen das eigene Herz hängt (Erinnerungsstücke, persönliche Aufzeichnungen, Sachen die man selbst gemacht hat und die einem dabei ans Herz gewachsen sind usw, Schmusetiere u.ä. bei Kindern usw - je nachdem kann dieser 3. Bereich kleiner oder grösser sein).

Sodann natürlich die Dinge des persönlichen Gebrauchs: Essen, Trinken, Schlafgelegenheit, Kleidung usw. - all das muss annerkannt sein (ich brauche mein Essen, mein trinken, meine Schlafgelegenheit usw.- da hilft es mir nicht, wenn dieses "Gemeinschaftseigentum" ist, ich muss es aktuell für mich nutzen und damit dem Rest der Gemeinschaft entziehen- und darf mir nicht bestritten sein (weswegen auch Hegel selbstverständlich die Berechtigung des "Mundraubes" anerkennt.

Insofern diese Bedürfnisse auch mit Gemeineigentum befriedigt werden könnten (z.B. gemeinsamer Kleidungsvorrat? gemeinsames Bett bei Paaren oder inenrhalb eienr Familie) wäre hier die notwendige Grenze zwischen Privateigentum und Gemeinschaftseigentum variabel (Aber auch dazu siehe weiter unten)

Damit beides (Schutz des Eigentum, Garantie der jeweiligen Anerkennung und Sicherheit der eigenen Wirkungssphärer einerseits, Eingriffe zum schutz vor Missbrauch und zur Optimierung der gemeinsamen Wirkungsphäre) zusammengeht, müssen solche Eingriffe aber wohlbegründet, allgemein nachvollziehbar und allgemein anerkannt - die Sequenz baut aufeinander auf!- sein (keineswegs willkürlich)

Kai Froeb (2005-10-02, 8:38)

danke für die ausführliche antwort . der interpretation von eigentum als abgrenzung kann ich nur zustimmen, sehe ich doch darin die für einen hegelianer höchste form der kritik . denn wenn das ganze das wahre ist, so ist abgrenzung nie das wahre, sondern immer nur ein (notwendiges?) übel . in der frühen, intakten gesellschaft war derjenige, der sich von der gesellschaft abgesondert hat, böse, krank oder verrückt . die gesellschaft hat auf diese absonderung wiederum mit absonderung reagiert (das ausgestoßen sein (und soweit ich hegels aussage über das gewissen verstehe, ist genau das dessen funktion)) . später gewann das böse (arbeits-teilung → herrschaft der dinge → gewalt statt sprache) dann die oberhand und die gesellschaft musste damit leben . von daher wahrscheinlich auch die erfindung des geldes, um trotzdem noch so etwas wie eine gemeinsame sprache hin zu kriegen . dennoch wurden die reichen immer reicher und so ist heute der punkt erreicht, wo ein neuer umschlag (in form einer universalen computer-währung und dem welt-verbindungs-baum) möglich wird (dreischritt) . hier gebe ich übrigens hegel gegen marx recht, denn marx hat hier stark verkürzt (um mit gewalt an die macht zu kommen) . und da setzt ja auch meine kritik an den wikis an, die sich in ihrer jetzigen form völlig unlogisch voneinander absondern und es noch nicht mal schaffen, eine gemeinsame start-seiten-form zu finden .

sigi (051002)