ArtenVonWahrheit

Version 67, 84.144.69.72 am 19.6.2006 15:24

Es steckt eine merkwürdige, schwer zu erklärende Magie in den Worten. Die ersten Menschen, die angesichts eines schwierigen, gefährlichen und machtvollen Phänomens das Wort "Feuer" gebrauchten, müssen ein Gefühl des Erstaunens und der Macht empfunden haben, auf diese Weise ein Stück ihrer Realität in den Griff bekommen zu haben.

Die selbe Magie wendet sich in der Werbung gegen uns, wenn uns das Waschmittel mit "Mega-Perls" und die Zahlpasta mit dem Wirkstoff "X5-Antrafan" verkauft wird und wir unwillkürlich hinter diesen Begriffen eine wirksame Realität annehmen und dafür mehr Geld zu zahlen bereit sind.

Genauso merkwürdig ist, dass wir annehmen, dass ein Begriff eine Konstanz besitzt, immer das selbe bedeutet, in jedem Kontext den gleichen Wert hat.

(1) Wahrheit bei einem Verkehrsunfall ist die selbstverständliche Suche nach dem tatsächlichen Ablauf, einer Suche nach Ursache und Verantwortung. Sie kann erfolgreich sein oder Fehlschlagen, sie scheint aber sinnvoll.

(2) Wahrheit im religiösen oder philosophischen Sinn ist die Suche nach einer letzten Sicherheit, die uns aber nicht zugänglich ist. Wenn sie Brücken zwischen den Menschen schlägt, ist es ok. Die Form der Wahrheit kann aber auch die bittersten Konflikte auslösen.

(3) Wahrheit ist kein Thema im Sinne der Lernpsychologie und der radikalen Konstruktivisten. Hier geht es nicht um das WAS, sonder das WIE steht im Mittelpunkt. Wie kommt der musterverarbeitende Apparat der menschlichen Psyche aus sensomotorischen Eindrücken zu Re-Präsentationen und Aktionen und verknüpft diese mit neuen Synalen in einem aufbauende Lernprozess. Eine Vorstellung einer von außen in den Organismus fließenden Wahrheit und wäre absurd und dieser Forschung nur hinderlich.

(4) Wer sich aber im wissenschaftlichen Sinn für die Realität interessiert, sucht nach beobachterunanhängigem, objektivem Wissen. Dass es dieses praktisch gibt, zeigen Naturwissenschaft und Technik in sehr spezifischen, engen Bereichen, abgesichert durch reproduzierbare Experimente und überprüfbare Vorhersagen. Man kann diesen Vorgang der Forschung als eine "Annäherung an die Wahrheit" in spezifischen Bereichen sehen.

Jeder, der sich mit einem spezifischen Bereich beschäftigt, kann die dort gepflegten Haltungen verstehen. Die Übertragung des eigenen, spezifischen Wahrheitsbegriffes in andere Bereiche ist nicht sinnvoll, weil von Phänomenen mit unterschiedlichen Eigenschaften, also von anderen Dingen die Rede ist. Man reklamiert aber den Begriff der "Wahrheit" für sich, meint manchmal auch das "wahre" Verständnis von Wahrheit zu besitzen. Auch die Konstruktivisten tun das, obwohl sie der Wahrheit kritisch gegenüberstehen.

Im Grunde handelt es jedoch nur um ein Sprach- und Verständigungsproblem, nicht um ein inhaltliches oder sachliches Problem.

christian:

Hallo Helmut, möchte Deine Aussage über den Konstruktivismus aufnehmen und weiterführen. Indem die Konstruktivisten den Begriff der Wahrheit verabschieden wollen, unterstellen sie, dass unseren unterschiedlichen Redeweisen über Wahrheit immer ein (absoluter) begrifflicher Inhalt unterliegt - wenn sie den Begriff verabschieden wollen. Dies können sie aber nur, indem sie dem Begriff einen neuen Inhalt geben ("Wahrheit ist nur..." / "Wahrheit ist nicht...").. Statt zu untersuchen, wie der Begriff "Wahrheit" (und damit auch Begriffe wie Lüge/Falschheit/Täuschung/Erkenntnis) in bestimmten Kontexten sinnvoll gebraucht werden, wird hier oft implizit eine konstruktivistische Wahrheitsauffassung als wahrheitstheoretisches Paradigma (absoluter, radikaler Konstruktivismus) aufgestellt.

Als Antwort auf einen Kommentar im CoForumChat (2006-03-29):
Die Rede von unterschiedlichen "Arten" von Wahrheit könnte missverstanden werden als ein "alles ist möglich" - genau dies ist es aber nicht, vielmehr bringen Aussagen bestimmte Bedingungen ihrer Geltung mit sich, welche geprüft werden müssen. "Diese Blume ist eine Rose" setzt nicht nur die Kenntnis der richtigen Anwendung des Begriffs "Rose" voraus, sondern auch, dass hier sprachlich auf eine Blume verwiesen wird. "Die Blume im Garten ist gelb." setzt nicht nur voraus, die Farbwörter anwenden zu können, sondern dass im Garten überhaupt eine Blume steht. Wir können diese Aussage dadurch prüfen, dass wir in den Garten gehen und nachsehen. Die Inhalte von Aussagen legen mit fest, unter welchen Bedingungen sie gelten und wie sie geprüft werden. Auch für den Sprecher: Mit "Ich weiss, dass im Garten eine Blume steht." legt sich ein Sprecher auf eine stärkere Verpflichtung fest wie "Ich glaube, weiß aber nicht genau.". Die Aussage "Der Stab ist 5 cm lang" hat andere Bedingungen ihrer Geltung und Prüfung. Diese sind gebunden an sozial geteilte und etablierte Formen kulturellen Handelns und Redens, innerhalb dessen sie verstanden und geprüft wird: Man muss gelernt haben, was Messen ist, was diese Aussage bedeutet, wie man mit Messinstrumenten umgeht, ... ohne einen sozialen Rahmen geteilten Handelns wären diese Dinge nicht möglich. Dies heißt natürlich nicht, dass man dabei unkritisch verweilen sollte - vielmehr braucht eine sinnkritische Reflexion einen Bezugspunkt wie das Bewusstsein ihrer eigenen sprachlichen Gebundenheit.

Mit ArtenVonWahrheit ist also nicht gemeint, dass wir einpacken können, weil jeder seine Privatwahrheit mit sich herumträgt, sondern dass die Behauptung, Geltung und Prüfung von Aussagen innerhalb eines Bezugsrahmens stattfindet, welcher sich durch soziokulturelles Reden und Handeln konstituiert - ohne diesen Rahmen könnte der Sinn dieser Aussagen weder verstanden noch hinterfragt werden.

sigi:

helmut schreibt: "Genauso merkwürdig ist, dass wir annehmen, dass ein Begriff eine Konstanz besitzt, immer das selbe bedeutet, in jedem Kontext den gleichen Wert hat."
zu den vielen bedeutungen des deutschen wortes "schwer" z.b., die bei der übersetzung ins englische durch eigene wörter wiedergegeben werden müssen, zählen die folgenden: "heavy (schwer)", "solid (massiv)", "powerful (gewichtig)", "strong (stark)", "rich (reich)", "hard (anstrengend)", "severe (grausam)", "serious (ernst)", "grave (schwerwiegend)", "difficult (schwierig)", "tough (hart)", "ponderous (wuchtig)", "clumsy (schwerfällig)" . für jemanden, der deutsch spricht, addiert sich diese breite palette von bedeutungs-nuancen zu so etwas wie "einer einzigen idee" .

christian:

... dabei lassen sich auch für jedes der deutschen Wörter in den Klammern bestimmte Kontexte angeben, in denen es seinen Ort hat.
Hallo Sigi, ich möchte an dieser Stelle Deine Bemerkung aus dem CoForumChat aufnehmen: Meine Kritik bestrifft nur bestimmte Folgerungen des radikalen Konstruktivismus, ich habe dazu etwas auf der Seite "Konstruktivismus" geschrieben. Er wird dann dogmatisch, wenn er zu einem wahrheitstheoretischen Paradigma wird ("alles ist Konstruktion"). Außerdem kann man eine von uns unabhängige Realität annehmen, nur dass es keinen von uns unabhängigem Zugang zu ihr gibt. Die Aussage "Es gibt keine von uns unabhängige Realität" ist ja eine Existenzaussage, welche den vom Konstruktivismus gesteckten Rahmen möglicher Wahrheit übersteigen würde:

"Der Konstruktivismus, den ich hier vertrete, geht von der Auffassung aus, dass es keine von uns unabhängige Realität gibt."

Dahinter verbirgt sich die Auffassung, dass Realität nie "an sich" zu haben ist, der ich mich anschließen würde. Nur wird diese Auffassung hier in Form einer wahrheitstheoretischen All-Aussage vertreten:

"Der konstruktivistische Ansatz besteht ja darin, dass wir es nie mit einer objektiven Wirklichkeit, sondern immer nur mit Deutungen, eben Konstruktionen zu tun haben."

ebd.

Und was wird gedeutet? Sicher können wir nicht aus unserer Perspektive heraustreten, aber trotzdem nehmen wir Bezug auf materielle Objekte, deren unabhängige Existenz wir voraussetzen müssen. Vielen Aussagen würde ich mich anschließen, solange sie sich nicht zu einer starren Dogmatik in Form von All-Aussagen verhärten. Daher beschäftige ich mich eher mit einem wissenschaftstheoretischen Konstruktivismus (welcher sich auf die Gegenstandskonstitution innerhalb einer bestimmten Kulturpraxis beschäftigt) oder den methodischen Kulturalismus.

Ein weiteres philosophisches Problem ist, wie hier was von wem konstruiert wird: Zum Beispiel stören mich konstruktivistische Ansätze, welche eine neurowissenschaftliche Fundierung anstreben, z.B. dass die Wirklichkeit vom Gehirn konstruiert werde. Diese neurowissenschaftliche Fundierung ist ja selbst nur eine (fundamentalistische) Konstruktion, welche innerhalb einer Sprachgemeinschaft hergestellt wird. Ich zitiere mal aus Wikipedia:

Roth vertritt einige Ansichten, die für den radikalen Konstruktivismus typisch sind. Auch er nimmt an, "die Wirklichkeit" werde von unserem Gehirn konstruiert. Dem sich daraus ergebenden Paradoxon, dem zu Folge das Gehirn Teil der konstruierten Wirklichkeit ist, diese Wirklichkeit aber selbst erst konstruieren soll, versucht er mit einer eigenen Konstruktion zu entgehen, nämlich durch die für seine Theorie bedeutsame Unterscheidung eines "realen Gehirns" von einem "wirklichen Gehirn". Dieses "wirkliche Gehirn" betrachtet Roth definitionsgemäß als einen Teil der Wirklichkeit, die nach Voraussetzung von dem "realen Gehirn" konstruiert werde. Da nach diesen definitorischen Festsetzungen nur die von diesem "realen Gehirn" konstruierte Wirklichkeit zugänglich sein soll, kommt Roth zu folgendem und von ihm selbst formulierten Ergebnis: erstens erklärt er sich als Konstrukteur seiner Theorie konsequent und ausdrücklich selbst zum Konstrukt seines "realen Gehirns"; zweitens erklärt er ebenso folgerichtig aber auch, real nichts über das "reale Gehirn" aussagen zu können.

Wenn Gerhard Roth schreibt, dass die Seele auch von Gehirn konstruiert werde, dann begeht er einen Kategorienfehler: Seele wird gleichgesetzt mit dem, was seine wissenschaftliche Partikularperspektive gelten läßt. Die Bedeutungen von Wörtern sind zwar gebunden an eine Gemeinschaft an Sprecher und insofern konstruiert, aber wenn wir Sprache verstehen, ist es nicht das Ohr, welches die Bedeutung konstruiert. Man kann unsere Organe physiologisch und unsere Sprache akustisch beschreiben, um den Vorgang des Hörens besser erforschen zu können, aber damit kommt man bei dem Sinn, welcher verstanden wird, nicht an.

Also, die neuen TextFormatierungsRegeln habe ich noch nicht so richtig verstanden...

Sigi, ich habe noch einen Lesetipp für Dich:

sigi:

ja, danke . meine skepsis in bezug auf die wissenschaft beruht darauf, dass sie voll und ganz im dienste der macht-politik steht, also letztendlich mehr schaden als nutzen hervorbringt . der artikel bestätigt mir, dass das auch und ganz besonders für die bio-wissenschaften gilt . dem, was du über die seele schreibst, stimme ich völlig zu . das empfinden, was die seele auszeichnet, hat mit messen (was die wissenschaft auszeichnet) soviel zu tun, wie ein gegenstand mit dem schatten, den er wirft . mir kommt dabei immer platons höhlen-gleichnis in den sinn . die menschen in der höhle sind die wissenschaftler (oder besser die wissenschaften): "auf keine weise also können diese irgend etwas anderes für das wahre halten als die schatten jener kunstwerke" . ich denke also, dass selbst ein tier die welt noch realer erlebt, als ein wissenschaftler .
genau so geht es mir mit einer ähnlichen theorie, die bisher, glaube ich, im coforum noch nicht erwähnt wurde, nämlich, dass die welt nur eine simulation ist, die in einem überdimensionalen super-computer abläuft ("welt am draht" u.s.w.) . selbst wenn wir die geschöpfe eines großen geistes sind, so sind wir keine simulationen, weil wir die gefühle die wir haben, ja wirklich erleben . simulierte lust oder simulierter schmerz wird eben nicht gefühlt . und wenn doch, dann ist er für die, die ihn fühlen, nicht simuliert . sehe ich also eine blaue farbe, dann ist das für mich wirklicher, als die erkenntnis der wissenschaft, dass farbe eine wellen-länge ist . ist sie nicht, hat sie aber, und ich gebe zu, dass man mit dem wellen-längen-modell manches gut erklären kann .
was das gehirn betrifft, so stimme ich dir auch da zu . wenn man sagt, das gehirn erfindet alles, dann ist auch das gehirn eine erfindung des gehirns . etwas kann sich aber nicht selbst erfinden . selbst wenn alles erfunden ist, ist das erfindende nicht erfunden, also real . ich denke, man könnte das als den geist bezeichnen . also, selbst wenn wir eine erfindung des geistes sind, sind wir doch selber auch geist und kein april-scherz ;) .

zu TextFormatierungsRegeln: musst du mal näher erläutern . ich habe gerade entdeckt, dass ich innerhalb meines stylesheet auch absätze machen kann . ein lob an thomas . (2006-04-01)

christian:

Hallo Sigi! Auch von mir ein Lob an Thomas! Ich kann mit den Funktionen in CoForum noch nicht fehlerfrei umgehen, auch bei den neuen mit dem farbigen Balken an der Seite. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass einige Vorschläge, von denen ich bei Struktur von Diskussionen im CoForum schrieb, in der Luft hängen, weil ich einige Funktionen von CoForum nicht richtig verstanden habe...
Heute habe ich weniger Zeit, kann leider nur kurz auf Deinen Text eingehen, möchte aber einen Gedanken von Dir aufnehmen: Bei subjektiven Erfindungen ist es wichtig, dass wir die Träger dieser Empfindungen sind. Wenn ich die Süße des Zuckers schmecke, ist es unreduzierbar meine Empfindung. Auch wenn diese Empfindung und das Verständnis von ihr innerhalb kultureller Formen erfolgt, hat sie als leibliche Empfindung eine unhintergehbar materielle Basis. Die Formen der Erfahrung haben einen Inhalt, von dem nicht wieder abstrahiert werden kann, will sagen: Wirklichkeit oder Realität sind nie an sich zu haben, aber für das Unverfügbare gibt es einen anderen Begriff: Natur - innere und äußere. Ohne unsere innere Natur würde die Empfindung nicht zustande kommen - diese muss aber jeglicher Konstruktion vorausgehen.

Bei den "stimulierten Gefühlen", von denen Du sprichst, fällt mir noch etwas ein: Man hat ja schon versucht, "religiöse" Gefühle künstlich im Labor zu erzeugen. Nur besteht hier das Problem, dass die Kriterien für "religiöse Gefühle" unabhängig von der Wissenschaft gelten müssen, um etwas über Religion aussagen zu können. Nun besteht aber das Problem, dass die Wissenschaft keine Kritik an der Religion formulieren kann: Ihre Aussagen sind an Kriterien der Religion gebunden. Pocht die Wissenschaft darauf, unabhängige Kriterien formuliert zu haben, würde sie einen Zirkelschluss gestehen müssen: Nämlich etwas vorauszusetzen, was doch erst erforscht oder widerlegt werden soll.

Noch etwas zum Problem der Realität: Die Philosophie des späten Wittgenstein (die mich nicht mehr los lässt) kann verstanden werden als eine therapeutische Tätigkeit - sie löst Probleme, welche durch ein Missverstehen unserer Sprachlogik entstehen, wenn wir uns z.B. durch sprachliche Bilder täuschen lassen. Meiner Meinung nach ist ein Kandidat dafür im Text von Helmut zu finden:

Man kann diesen Vorgang der Forschung als eine "Annäherung an die Wahrheit" in spezifischen Bereichen sehen.

Dieses "Sehen" ist schon getrübt durch ein sprachliches Bild, aber Helmut hat es ironisch in Anführungsstriche gesetzt, weil er es nicht buchstabengetreu auslegt. Aber viele Menschen verstehen auch heute noch Wissenschaft so und viele Wissenschaftler sind mit ähnlichen Behauptungen im Fernsehen zu sehen.

sigi:

wittgenstein scheint interessant und gleichzeitig schwierig zu sein . habe ihn selber noch nicht gelesen, aber ich verstehe, wenn dich dieser widerspruch beschäftigt . was mich beeindruckt hat, war der satz von der alltags-sprache als letzter meta-sprache, der soweit ich weiß, von ihm stammt . für mich ist die ganz normale alltags sprache (sein, haben, und, tun) schlauer (und systhematischer), als alle philosophen dieser welt. die philosophen haben herausgefunden, dass wahrheit das ist, was in allen möglichen welten und (zufügung von mir) zu allen möglichen zeiten gilt, die alltags sprache drückt denselben sachverhalt durch die drei wörtchen immer und überall aus. und was gilt immer und überall? die drei wörtchen hier und jetzt. deshalb frage ich mich: was würde wittgenstein heute machen: würde er ein buch schreiben oder eine vorlesung halten, oder würde er hier im wiki mit uns kommunizieren? der letzte fall würde mir am besten gefallen .

zu der sache mit dem bild: ja, ein bild ist nicht die sache selber und "annäherung an wahrheit" sagt nicht, wie diese annäherung nun tatsächlich vor sich geht, ist also selber keine annäherung an die wahrheit . soll aber wahrscheinlich etwas in dieser richtung suggerieren . das bild soll die wirklichkeit ersetzen . das nennt man glaube ich "porno", äh , ich meine natürlich "einen fetisch" .

zu der sache mit dem farbigen balken: das erledigt thomas für dich . du brauchst ihm nur zu sagen, welche farbe dein text und welche farbe der balken haben soll (bei mir: grün, blau) . das geht zur not auch hier, denk ich mal, da thomas hier mitliest . (2006-04-02) oder auf FarbRausch

christian:

beim späten Wittgenstein gibt es eine Art Metasprache-Verdikt, hier setzt auch sein Schüler Peter Winch an: Für Karl Popper musste quasi innerhalb der sozialwissenschaftlichen Forschung definiert werden, was z.B. als "Krieg" gelten soll - damit aber entfernt man sich von den Bedeutungsnetzen innerhalb einer Kultur (was bedeutet "Krieg" für uns oder für mich - als handelnder Mensch) oder innerhalb bestimmter Institutionen. Diesen Versuch, einen Begriff wissenschaftlich festzustellen, kann man verstehen als eine Entfremdung von seinem "natürlichen Gebrauch" - wodurch man sich lauter Scheinprobleme (oder Scheinergebnisse) einhandelt, weil man von seinen spezifischen Gebrauchsformen abstrahiert - aber Wittgenstein ist zu sprachkritisch, um ihn auf eine "ordinary language philosophie" festzunageln. In seinen späten Manuskripten treten aber viele Untersuchungen darüber auf, wie Kinder durch Unterweisung in kulturelle Bedeutungszusammenhänge eingeführt werden und so elementare Kulturkompetenzen erwerben. Hier muss es einen relativ stabilen tragfähigen Rahmen geben ("Lebensformen"), innerhalb dessen diese Kompetenzen erworben werden und ihre Geltung bekommen - Wittgenstein nennt dieses "Abrichtung", wodurch hervorgehoben wird, dass ein lebensweltlicher Rahmen aus sozialen Handlungs- und Redeformen schon vorhanden ist - Kinder erwerben ihre Muttersprache innerhalb einer bestehenden Sprachpraxis. Wittgenstein lässt mich nicht mehr los, aber ich habe noch viel (lustvolle) Arbeit vor mir ;-)

Dass ein Bild die Wirklichkeit ersetzt kann man heute auch an vielen "kybernetischen" Modellen feststellen: In vielen populärwissenschaftlichen Schriften ist der Mensch ein "autopoetisches System", plötzlich "werden Signale verarbeitet", oder die Natur "besteht aus Regelkreisen", genetischen "Codierungen" - hier werden Modelle (und daran gebundene Begriffe) wieder für die Sache selbst genommen - "Hypostasierung" bedeutet ja nicht nur Verdinglichung, sondern auch so etwas wie Unterstellung, Unterlegung (ich habe mein Lexikon nicht hier).

Über die Farbe müsste ich mal nachdenken ;-) - aber wichtig ist, dass CoForum noch besser zu kennen.

sigi:

noch eine bemerkung zu ganz oben (4): naturwissenschaft und technik als beispiel für beobachterunanhängiges, objektives wissen zu nehmen, darauf kann nur jemand kommen, der sich unbeobachtet fühlt . der darf dann natürlich alles . und darf das dann sogar noch als objektiv bezeichnen . es ist ja keiner da, der ihn fragen könnte: wie ist eine welt ohne beobachter denn beschaffen? hat sie eine farbe oder eine form? kann man das dann überhaupt noch als welt bezeichnen? es gibt ja alle diese begriffe gar nicht mehr . auch hier komme ich wieder zu dem ergebnis, dass das sein ohne das bewusstsein (http://www.communitywiki.org/de/MindBodyProblemArticle) gar nicht denkbar ist, wenn es auch von vorteil ist, in spezifischen, engen bereichen davon zu abstrahieren . natürlich kann ich mir mit den seiten eines buches auch den hintern abwischen . oder ein feuerchen damit machen . das nennt sich dann naturwissenschaft und technik .

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