Im Takt des Geldes

Version 16, 139.18.8.35 am 10.1.2007 14:52
Daten
Autor: Eske Bockelmann
Erscheinungsdatum: März 2004
Auflage: 1
ISBN: 3934920373

Zur Genese modernen Denkens, Gebundene Ausgabe - 511 Seiten - Zu Klampen, Springe 2004

"Es sind die Menschen, die (den Zwang des Geldes) eingerichtet haben, durch nichts sonst auf ihn verpflichtet als durch sich selbst. Aber sie haben ihn eingerichtet zu dem, was ihre Welt im Innersten zusammen hält; und glauben nun doppelt gezwungen - durch ihn, den sie eingerichtet haben, und ihn, den sie fest schon in sich tragen -, nicht sie hätten mehr über ihn, sondern er allein über sie zu entscheiden. Und fast will mir scheinen, am empfindlichsten seien sie gegen alles, was sie mahnt, dass sie darin irren."

Links

Rezensionen

Wer jetzt noch ein gutes Buch braucht, sei’s zur eigenen Erbauung oder als Geschenk für andere, dem und der kann geholfen werden, folgt eins nur den nächsten Zeilen. Zweifellos, hervorragende Bände sind rar. Und wenn dann doch solche erscheinen, kann es schon vorkommen, dass sie untergehen, einfach kaum Beachtung finden. So geschehen bei Eske Bockelmanns "Im Takt des Geldes". Indes ist das wohl eines der wichtigsten theoretischen Werke, die in den letzten Jahren veröffentlicht worden sind. Würde man mich fragen, ob mir ein besseres einfiele, müsste ich passen.

Abschließend sei noch einmal auf die Gesamtkonstruktion des Buches verwiesen: Bockelmanns gedanklicher Ausgangspunkt ist die Konstitution der Subjekte durch den Markt und die von ihm erzwungenen Geldhandlungen in dem historischen Moment, in dem das Geld bestimmende Allgemeinheit erlangt. Die Konstitution der Subjekte durch Arbeit und Wertabspaltung bleibt dagegen ausgeblendet. Bockelmann hat aus dem von ihm ins Auge gefassten Teilaspekt der Wertvergesellschaftung für die Erklärung der Genese des modernen Denkens herausgeholt, was herauszuholen ist, dennoch: es bleibt ein Teilaspekt an der Oberfläche der Wertvergesellschaftung. Der Bezug auf ihn allein könnte sich zumindest für Untersuchungen, wie die von ihm bereits angekündigte zur Quantentheorie, deren Gegenstände in der entwickelten kapitalistische Gesellschaft angesiedelt sind, als unzureichend erweisen. Ein weiterer Einwand betrifft den Charakter des Buches. Es handelt sich hier um etwas selten gewordenes, nämlich um Theorie in einem ganz klassischen Sinne, und die unterliegt als solche ihrerseits der funktionalen Denkform, was sich im vorliegenden Fall auch leicht festmachen lässt: Bockelmann bestimmt den Taktrhythmus, die Naturwissenschaft, die neuzeitliche Philosophie jeweils als Funktion eines durch das Geld in die Gesellschaft gekommenen Denkzwangs. Der Einwand ist also berechtigt, er ist jedoch nicht wirklich ein Einwand, sondern verweist nur darauf, dass Theorie in der an ihr Ende gelangenden Warengesellschaft nur dann noch sinnhaft sein kann, wenn sie einen Beitrag dazu leistet, sich aus der ihr eigenen Denkform herauszuarbeiten. Und diesen Sinn hat das vorliegende Buch allemal.

Claus Peter Ortlieb, "Der Rhythmus des Absoluten" in Exit!

Wie bei Verschwörungstheorien, wo plötzlich alles passt, wenn man sich die Welt nur erst einmal zurechtgelegt hat, funktioniert auch Bockelmanns Entdeckung. Vom Gedanken getrieben, dass das moderne Denken vollständig von der funktionalen Abstraktion des Geldes durchdrungen ist, sind selbst ganz unmittelbare Erfahrungen wie die Rhythmuswahrnehmung nicht mehr unschuldig. Nur argumentiert Bockelmann gerade umgekehrt. Er behauptet, erst das Phänomen Rhythmus könne den Wirkzusammenhang des Geldes aufdecken. Das ist falsch. Dem Takt kann man vielleicht gesellschaftliche Verhältnisse ablauschen, aber an ihm nicht deren Ursache erforschen.

Auch wenn Bockelmanns Herleitung des neuzeitlichen Denkens und Fühlens aus der Geldwirtschaft nicht überzeugen kann und sein Entdeckergestus zuweilen lächerlich wirkt, als Einzelstudien zu Rhythmus, Geld, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft sind seine Ausführungen fundiert und informativ. Einer Kritik an kapitalistischen Verhältnissen enthält sich der Autor wohlweißlich ganz, denn wer den Einfluss des Geldes auf unser Leben so umfassend veranschlägt, dem fehlt der argumentative Hebel, daran etwas verändern zu können. Gustav Mechlenburg in Widerspruch, http://www.widerspruch.com/pn/modul ... showcontent&id=8

Rezensionen der Süddeutschen Zeitung und der FAZ zusammengefasst unter http://www.perlentaucher.de/buch/17556.html

Auch wenn Bockelmanns Herleitung des neuzeitlichen Denkens und Fühlens aus der Geldwirtschaft nicht überzeugen kann und sein Entdeckergestus zuweilen lächerlich wirkt, als Einzelstudien zu Rhythmus, Geld, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft sind seine Ausführungen fundiert und informativ. Einer Kritik an kapitalistischen Verhältnissen enthält sich der Autor wohlweißlich ganz, denn wer den Einfluss des Geldes auf unser Leben so umfassend veranschlägt, dem fehlt der argumentative Hebel, daran etwas verändern zu können.

g:

Das obige dürfte der bisher dämlichste und abschätzigste, an der Sache des Buches wohl am weitesten vorbeigehende Kommentar zum Thema sein, den ich bisher über das Buch gelesen habe. Genau so habe ich dies erwartet, denn wenn die Kernaussagen in der bürgerlichen Rezeption wirklich ernst genommen würden, müssten die Schreiberlinge ja wesentliche 'Heilige Kühe' ihres bourgeoisen Selbstverständnisses in Frage stellen! Und was das angebliche sich Enthalten von Kritik an den kapitalistischen Verhältnissen betrifft, so ist fast jede Zeile eine inhärente Kritik an eben jenen Verhältnissen. Nur setzt dies voraus, dass mensch auch versucht, die Auswirkungen dieser Beschreibung der taktrhythmischen Synthesis auf den gesellschaftsweiten Zusammenhang von Geldhandlungen, vulgo'Markt', auch weiterzudenken.

Neue Seiten im Kontext

Mittwoch, 4. Juli 2007

die DVDs der WAK-Veranstaltung "Im Takt des Geldes" vom 4./5.5.07 mit Eske Bockelmann sind fertig! Die erste DVD enthält den Vortrag von Eske vom 4. Mai, die zweite DVD die Diskussion im Workshop am 5. Mai bis zur Mittagspause.

Montag, 2. April 2007

Die Gruppe "Wege aus dem Kapitalismus" lädt ein: Freitag, 4. Mai 2007, 19:00 Uhr: Vortrag - Im Takt des Geldes oder die Geburt des bürgerlichen Denkens; Sonnabend, 5. Mai 2007, 10:00 bis 17:00 Uhr: Seminar - Konstitution des bürgerlichen Denkens und Bedingungen seiner möglichen Aufhebung

Donnerstag, 1. Februar 2007

Archivseiten der Diskussionsgruppe Wege aus dem Kapitalismus, Berlin, ab 2006. Aktuelle Seite: WAK

Samstag, 31. Dezember 2005

Eine Produktion der Kooperative Haina, 2005.

Im ersten Teil unserer Reihe zur Herrschaft der abstrakten Zeit hören wir einen Vortrag "Im Takt des Geldes” von Eske Bockelmann, der Autor des gleichnamigen Buches ("Im Takt des Geldes. Zur Genese des modernen Denkens”; Zu Klampen Verlag) ist. Wir hören den Mitschnitt eines Vortrags, der von Bockelmann auf einem Seminar der Theoriegruppe Krisis 2005 in Neudietendorf gehalten wurde, wo er als Gastreferent eingeladen war.