E.off

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Daten
web: http://www.biomasse-in-pankow.de
Adresse: Gundolf Plischke
Biomasse in Pankow
Grellstraße 11
D-10409 Berlin
Telefon: (030) 74 76 82 36
FAX: (030) 74 76 82 37
mail: mailto:info@biomasse-in-pankow.de

Initiative zur Gründung einer Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft für Energie

!Initiative Eoff = Energieversorgung ohne Fremdbestimmung und Fossilbrennstoffe

z.B. - aus BioGas - aus fester Biomasse (Gras- und Grünschnitt) - aus Bioabfall (Speisereste) - aus Abwasser

Fragen

Antwort

Die Initiative Eoff existiert weiter in der Förderverein Volkspark Botanische Anlage Blankenfelde e.V. - FöBAB und in Arbeitskreisen der Pankower Lokalen Agenda.

Leitbild

Projekt: RUNDER TISCH BIOMASSE IN PANKOW

Durch die Förderung seitens der Projektagentur Zukunftsfähiges Berlin (bis April 2004)konnten an einem Runden Tisch folgende Aufgabenbereiche bearbeitet werden:

Infos zum Runden Tisch Biomasse finden sich bei http://www.energie-ernten.de ''Allgemeine Infos zum Netzwerk Biomasse in Pankow http://www.biomasse-in-pankow.de

WORKSHOP: BERLINER STROM-EVG, Berliner Initiative "Energie von unten"

In dem Workshop "Lokale Energieversorgung selbst organisieren - Oekostrom von unten" fand die im November/Dezember 2000 vom InfoladenBaobab initiierte "Veranstaltungsreihe Energie" ihre praktische Fort- und Umsetzung. Die relativ niedrige Beteiligungsquote an den inhaltlich durchweg sehr guten und interessanten Abendveranstaltungen relativierte sich fuer die VeranstalterInnen deutlich durch das hohe Interesse am Workshop.

Redaktion Umweltschutz von unten - Bereits im Vorfeld war erkennbar, dass die letzte Veranstaltung aus der Reihe "NordAlternativen: Oekostrom von unten" mit Joerg Bergstedt (Institut für Oekologie) die Dringlichkeit und Notwendigkeit zu lokaler Organisierung "von unten" hinreichend deutlich gemacht hatte und konkrete Ideen und Beteiligung mobilisieren konnte. Die Grundidee der bundesweiten Kampagne "Oekostrom von unten", gegen die unter den Bedingungen des weltweit liberalisierten Strommarkts zunehmende Brutalitaet und Anonymitaet der Stromproduktion eigene Netzwerke zu bilden, in denen StromproduzentInnen und -konsumentInnen gemeinsam ueber die Bedingungen der Erzeugung entscheiden und hiermit die Global Players der Energiepolitik entmachten, erfuhr bereits im Umfeld der Veranstaltung eine auf Berliner Verhaeltnisse zugeschnittene Weiterentwicklung. Zentrale Idee ist hierbei, die relativ hohe Dichte an genossenschaftlich bzw. selbstverwaltet organisierten Strukturen im baulichen Bereich zur Basis dieses Berliner Netzwerkes zu machen. Zwischen selbstverwalteten Hausgemeinschaften, die sich zusammentun und ihren Strom direkt handeln - bzw. nicht mehr handeln -, koennten perspektivisch Markt und Staat weitestgehend ausgeschaltet werden.

Waehrend verschiedener Treffen wurde von einem kleinen Kreis Interessierter die Nachfrage nach einer Vertiefung und Konkretisierung dieser Idee im Rahmen eines Seminars artikuliert. Zusaetzlich konnten mithilfe der Unterstuetzung des AKS e.V. (http://www.aks-ev.de/) sowie einzelner Interessierter eine beachtliche Anzahl der unterschiedlichst motivierten TeilnehmerInnen gewonnen werden.

Bereits in der Vorbereitungsphase wurde deutlich, dass es eine hohe Bereitschaft in dem Spektrum der angesprochenen (Haeuser-) Projekte gibt, an der Umsetzung einer solchen Idee mitzuarbeiten. Viele hatten sogar bereits selbst aehnliche Ideen gehabt, aber es fehlten die Infrastruktur, die Zeit, das noetige Know-how und die breite Unterstuetzung, um sie voranzutreiben. Die Rueckmeldung der BHKW-betreibenden Projekte machte den konkreten Bedarf nach einer Loesung ihrer von Unrentabilitaet und Frustration gekennzeichneten Situation deutlich. Ihre Verhandlungsposition auf dem liberalisierten Markt, insbesondere gegenueber der Bewag, ist in den letzten Jahren zunehmend geschwaecht worden, sodass viele Betreiber diese durch hohen Wirkungsgrad und somit hohe oekologische Qualitaet gekennzeichnete Art, Strom zu produzieren, trotz hoher Investitionskosten und damit verbundener Ideale brachliegen lassen muessen. Eine garantierte Abnahme der Ueberschuesse von an dezentral erzeugtem Strom interessierten Projekten waere hier eine gute Moeglichkeit, die Situation der BHKWs zu entlasten und deren Kapazitaeten maximal auszunutzen - und damit "Marktanteile" der Multis zu schwaechen.

Hinzu kam das Interesse einiger u.a. durch Roland Schnell vom Biogas-Fachverband (http://www.graskraft.de) vertretenen Biogas-Produzenten aus der Region Berlin-Brandenburg, sich an einer solchen Berliner EVG unter der Zielsetzung des Stadt-Land-Verbunds zu beteiligen. Als Fernziel wurde geaeussert, die oekologische Qualitaet des in BHKWs erzeugten Stroms dadurch zu erhoehen, dass in den BHKWs nicht fossile, sondern regenerative Energie, in diesem Fall Biogas, in Strom umgewandelt wuerde. Dies waere gleichzeitig ein Beitrag zur regionalen Entwicklung.

Konzeption des Seminars

Das Seminar bildete auf diesem Hintergrund erstmals den Raum, in dem alle an der Idee Beteiligten und Interessierten aufeinandertrafen. Bereits in der Vorstellungsrunde am Freitagabend wurden die sehr konkreten Erwartungen der TeilnehmerInnen deutlich, mit denen sie zu der Veranstaltung gekommen waren: die Idee sollte auf Umsetzung geprueft und moeglichst schnell konkretisiert werden. Bei den betroffenenen Haeusern existiert ein direkter Handlungsbedarf - sowohl auf der Erzeuger- als auch auf Abnehmer-Seite. Das Thema "Oekostrom" wird von allen als sehr unuebersichtlich empfunden - niemand machte sich bisher die Muehe, sich durch den Dschungel der diversen Oekostrom-Anbieter und deren nationale und internationale Konzern-Verflechtungen zu quaelen - und niemand hat bisher "umgestellt".

Insofern konnten die Referate am Freitagabend weiterfuehrende Informationen einbringen. Es gelang, den komplexen Zusammenhang zwischen internationalen Kapitalstrategien (Jens Herrmann: "Entwicklungspolitische Aspekte einer regionalen Energieversorgung", Handlungsnormen einzelner Konzerne (Joerg Bergstedt: Oekostromanbieter im Testverfahren), Zielen einer Organisierung von unten (Kristina Bayer: Strom-EVG gegen Atomlobby) sowie moeglichen Handlungsformen ausserhalb durchkapitalisierter Oeko-Strategien (Roland Schnell: Oekologische Aspekte einer regionalen, selbstbestimmten Energieversorgung) zu verdeutlichen.

Die fuer Samstag vorgesehene Arbeit der AG's wurde kurzfristig als Planspiel (Infos unter: k.bayer@berlin.de) konzipiert. Die TeinehmerInnen konnten sich in zwei mehrstuendigen Spielphasen ueber ihre Interessen in der zukuenftigen EVG klar werden und gleichzeitig ihre Vorstellungen von Organisations- bzw. Kooperationsformen ausarbeiten. An einem Runden Tisch am Samstagabend traten sich die verschiedenen Interessengruppen (ProduzentInnen von BHKW-Strom, KonsumentInnen, BiogasherstellerInnen, eine Buergerinitiative, die Bewag, diverse ExpertInnen) gegenueber und diskutierten das Gruendungsvorhaben "Berliner Strom-EVG". Als besonders hilfreich fuer die Bildung klarer Argumentionen und Strategien erwiesen sich hierbei die "Bremser-Gruppen", wie z.B. die Bewag.

Trotz heftiger Diskussionen stand am Ende des Runden Tisches eine erste Praeambel der EVG mit der wichtigsten Leitlinie: Der Versorgungsprozess mit langfristig 100% regenerativer und 0% fossiler Energie soll im Stadt-Land-Verbund ("vom Kuhstall zum Kuehlschrank") selbst unternehmerisch gestaltet werden. Konsens bestand weiterhin darueber, dass die endgueltige Rechts- und Gesellschaftsform sich nach den entsprechenden Inhalt zu richten haben und etwas von den realen Organisations- und Kooperationsformen Getrenntes darstellen wird. Als gemeinsames Ziel wurde auch formuliert, innerhalb der Organisation einen "Interessensausgleich" anzustreben, d.h. das unternehmerische Risiko zu streuen und im Laufe der Zeit von einem "Ihr" zum "Wir" zu kommen. Bezueglich der Forderung "100% regenerative Energie - 0% fossile Energie" schien es realistisch, zwischen Nah- und Fernzielen zu unterscheiden (z.B. macht es vermutlich Sinn, zunaechst auch BHKWs in den Verbund einzubeziehen, die mit fossiler Energie arbeiten - was unter gegenwaertigen Bedingungen alle sind). Weiterer Klaerungsbedarf besteht hinsichtlich der Fragen "Chef-Betriebe" - ja oder nein? Konsensfaehig schien die Aussage zu sein, dass die Organisation der EVG moeglichst hierarchiearm gestaltet werden soll, andererseits ist klar, dass die Beteiligten unterschiedliche Kompetenzen haben werden und auch haben muessen und die Arbeitsorganisation entsprechend gestaltet werden wird. Ein weiterer "Grundsatz-Dauerbrenner" der EVG wird sicherlich das Spannungsverhaeltnis zwischen "Ethik und Effizienz" sein, also die Frage, wie der politisch-oekologische bzw. antikapitalistische Grundansatz mit der Notwendigkeit einer Rechts- und Gesellschaftsform bzw. der Notwendigkeit unternehmerischen Handelns vereinbart werden kann. Diese und andere Fragen sollen in den im Rahmen des Abschlussplenums am Sonntag gebildeten AGs bearbeitet werden und die "Initiative Energie von unten" die naechsten Monate ueber beschaeftigen.

Insgesamt gelang es, waehrend des Workshops eine angenehm geloeste, produktive Arbeitsatmosphaere herzustellen. Die Methode des Planspiels ermoeglichte den TeilnehmerInnen einerseits eine zunehmende Identifizierung mit der Projekt-Idee, andererseits wurden die Anforderungen an ihr eigenes Handeln sinnlich erfahrbar und konnten sofort in Lernprozesse umgesetzt werden. Wichtige Prozesse der Projektentwicklung - Interessenskonflikte, Unstimmigkeiten, offene Fragen, aber auch Gemeinsamkeiten - konnten sozusagen im Zeitraffer abgebildet werden. Hierdurch entstand das befriedigende und motivierende Gefuehl, viel geschafft zu haben und gut voranzukommen. Gleichzeitig konnte das Fachwissen jedes einzelnen maximal eingebracht werden, wodurch einerseits die Organisationsentwicklung vorangetrieben wurde, gleichzeitig aber auch ein Klima von Wertschaetzung des einzelnen und guter Kooperation entstand - Grundvoraussetzungen fuer einen positiven Selbstorganisationsprozess.

CONTRASTE Nr. 199 (April 2001)


Projekte Energieversorgung RegionBerlin