Nie mehr Schule!

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Nie mehr Schule, keine Schule mehr!(1)

von Roland Amann

...Alle Reformatoren der Pädagogik glaubten, die Kinder lieb zu haben; aber alle waren sie ruchlose Weltverbesserer, ruchlose Optimisten, welche die Kinder irgend einer Zucht unterwarfen, die Schule zum Zuchthaus machten, um der Zukunft willen, um einer Utopie willen, um der Kinder Land nach ihrer eigenen Phantasie zu gestalten. Ob vaterlandslos oder kosmopolitisch wie Pestalozzi, ob vaterländisch wie Fichte, ob kirchlich wie die Jesuiten und die Pietisten, ob antikirchlich wie die Prediger der freien Gemeinden, all diese Kinderfreunde wurden zu Kindermördern, so edle Menschen sie waren, weil sie Weltverbesserer waren, weil ihnen der Kinder zukünftiges Land wertvoller dünkte, als des Kindes gegenwärtiges Glück. Auch der Staat hatte keine böse Absicht dabei, da er die Schule, auf die er stolz ist, so errichtete, daß sie dem alten Moloch ähnlicher geworden ist als einem Kindergarten. Ob die Kinder für einen unbekannten Gott verbrannt werden oder ob sie für eine unbekannte Zukunft sieben bis siebzehn Jahre gemartert werden, es ist die gleiche Verirrung...

F._Mauthner, Wörterbuch der Philosophie 1910

Die Schule ist der Ort an dem mensch für das "LEBEN" lernen soll. Dort wird den SchülerInnen all das beigebracht, was unersetzlich wichtig ist, um im Djungle des Lebens bestehen zu können: sich bedingungslos vorgeblichen "Autoritäten" unterzuordnen, still zu sein, ruhig da zu sitzen, nur in Pausen etwas essen zu dürfen. Pinkeln & kacken, wenn mensch die Erlaubnis dazu erbettelt, kurzum: GEHORCHEN. Mit anderen Menschen zu tuscheln, kuscheln, singen, raufen oder brüllen, wenn mensch es will, scheidet sowieso ganz aus. In ihr werden alle gelehrt, streng nach "der Uhr" zu leben und ihre elementarsten Bedürfnisse an einer abstrakten "ZEIT" auszurichten. Das ganze Streben gilt dem Erwerb von bedruckten Papierchen, die Zeugnis ablegen sollen über den WERT eines Menschen. Das gemütliche Ausschlafen ist euch verwehrt - willkommen im tristen Schulalltag.

Wenn mensch sich mit anderen über die Schule, und den Zwang dorthin gehen zu müssen unterhält, dann entwickeln sich häufig heftige Wortgefechte. Kritisiert mensch diese Institution auch nur ansatzweise, dann verteidigen SchülerInnen (auch ehemalige) diesen Käfig sehr bereitwillig. Sie loben die Schule über den grünen Klee, als notwendig, sinnvoll und behaupten sie mach(t)e ihnen durchaus Spaß, es wäre gar nicht alles so schlimm, es gäbe auch ganz tolle (sic!) LehrerInnen und derlei Unfug mehr. Eigene Kritik an, oder die alltäglichen nervigen Probleme, die sie mit und in der Schule haben(hatten) blenden sie großzügig aus. Erst durch hartnäckiges nachfragen und bohren, entstehen ausgiebigere (Streit)Gespräche. So kommen ihnen oft dann doch noch Schwierigkeit- und Unzufriedenheiten zaghaft ins verschulte Bewußtsein.

Ich stelle mir immer wieder ähnliche Fragen, wenn ich an "die Schule" denke:

Warum gehen (gingen) wir alle überhaupt in diese Anstalten? Warum soll mensch denn überhaupt in diese Schulen gehen? Wieso fällt mensch andauernd auf die Lüge seines angeblichen "Mangels an Bildung(2)" herein? Was bringt mensch dazu sich "freiwillig" tagtäglich, zehn bis dreizehn Jahre lang dorthin zu begeben, und sich diesen Unfug anzutun? Warum gleichen Schulen so sehr den anderen staatlichen Repressionsorganisationen: dem Militär, dem Gefängnis, der Psychiatrie?

Die LehrerInnen trichtern den SchülerInnen fleißig die Pflicht ein unauffällig und tadellos zu "funktionieren", anstatt alles ganz genau und kritisch zu hinterfragen. Viele PädagogInnen behaupten zwar regelmäßig durch ihre Erziehungskonzepte das Gegenteil erreichen zu wollen. Ein Blick in die Klassen genügt jedoch, um sich zu vergewissern, daß dies nur Illusion bleibt. Besonders die Schulpflicht nehmen die "Zöglinge" als ihr Schicksal hin. Mit der Durchsetzung dieser Pflicht verbietet der STAAT alle anderen Lernformen, und verhindert ein selbstbestimmtes Lernen an frei gewählten Plätzen. Die Menschen werden unter Strafandrohung gezwungen tagtäglich zur Schule zu gehen. Das ist wie zu "Lebenslänglich" (fünfzehn Jahre Freiheitsentzug im Gefängnis) verurteilt zu werden, ohne auch nur irgendeine "Straftat" begangen zu haben. Hauptsächlich dient der Zwangsschulbesuch dann auch dazu "Staatsbürger", die GEHORCHEN zu erschaffen, sowie zukünftige Eliten aus den Jahrgängen herauszubilden. Der STAAT spricht den jungen Menschen durch diesen harten Eingriff in Ihre Persönlichkeits- und Freiheitsrechte das Recht auf Autonomie und Selbstbestimmung rundheraus ab. Die Menschen werden wegen ihres Alters diskriminiert. "Kinder" sind scheinbar keine vollwertigen Menschen (damit stehen sie jedoch nicht ganz alleine da, denn dies trifft auch bei "Ausländern", "Juden", "Frauen", "Behinderten", "Drogensüchtigen" und allerlei mehr Schubladenbewohnern zu). Ihnen wird zugemutet sich klaglos für sie bereits vorgekaute Kenntnisse anzueignen. Der Inhalt des Lehrplans, der den Unterricht bestimmt, ist völlig unabhängig von ihren eigenen Interessen. Keine Spur weit und breit an Vielfalt und buntem, selbstbestimmten Lernen in den "Klassen" (Altersklassen abschaffen!), weil es nur ein Lernziel gibt, das alle gleichzeitig erreichen sollen. Auf verschiedene Neugierden, Vorlieben (die sich durchaus sehr häufig verändern können) und Lerngeschwindigkeiten der einzelnen Menschen gibt es keine Rücksichtnahme. Selbst der Zeitpunkt wann etwas erlernt werden soll ist für alle vorherbestimmt. Die Unterrichtsstunden sind beliebig im Voraus vom Lehrkörper auf die Woche verteilt. Die MitschülerInnen, mit denen sie sich im "Klassenwettbewerb" vergleichen müssen, sind eine zufällig nach Alter und Wohnort zusammengewürfelte Truppe(3). Eine gute Voraussetzung um Solidarität und Selbstorganisation zu verhindern. Der harte und gnadenlose Wettbewerb beginnt häufig schon im Kindergarten, wenn nicht schon in der Familie. Die Schule ist die industrielle Anlage zur Produktion von Klassengegensätzen. Aber Lernen ist überall möglich, dafür muß niemensch tagtäglich zu diesen häßlichen, sterilen Orten gehen (oder hörst du viele menschen "ihre" Schulbauten loben, als durchaus phantasieanregende Wohlfühlorte?), denn an einem Platz an dem mensch zu sein hat, fällt es etwaigen Lernwilligen schwer sich wirklich Sinnvolles anzueignen.

Das viel zu frühe Aufstehen, die Einteilung in "Jungen" und "Mädchen", Frontalunterricht, Sitzordnungen, Regeln zuhauf, Pläne für alles mögliche, in Reihen aufstellen und noch vieles mehr erwartet den bis dahin nahezu sorgenfreien Pöbel(4) (wenn sie sich bis dahin geschickt vor einem "KINDERGARTEN" und ähnlichen Kleinmenschverwahranstalten drücken konnten, und die Eltern keine rohen Psychopathen sind). Benimmt mensch sich dann in der Schule daneben (so, wie es ihm viel besser gefällt), dann ist das der Anfang einer meist langen Leidensgeschichte. Mit harschen Strafmaßnahmen setzen die LehrerInnen die (zu be)herrschende Ordnung durch: Schimpfen, Bloßstellen vor der Klasse, "schlechte Noten", Gespräche mit den Eltern um Druck aufzubauen, bis hin zum erzwungenen Schulwechsel. Wehe denen, die sich nicht anpassen, oder aufsässig sind! Verteidigen sie tapfer Ihre Würde, gilt es den PädagogInnen diese "Unterrichtsstörer" schleunigst auszugrenzen und mit dem Stigma des "Widernormalen" zu versehen.

Anerkennung der Leistungen erfolgen nur in Form von Zeugnissen und Noten. (bedruckte Papierchen die sagen was mensch gerade ist und kann, von der Wiege bis ins Grab) Die Schulnoten sind dabei nicht reine Beurteilung der individuellen Lernleistung, am Maßstab des verstandenen Unterrichtsinhalts. Weit gefehlt. Sie sind vielmehr die, in der Lernkonkurrenz zustande gekommenen Vergleichsurteile, die über den Lernenden stehende Prüfinstanzen(5) nach ihrem vollkommen willkürlichen Maßstab fällen. Wie die Zensuren ausfallen, hängt sehr davon ab, wie die anderen Beurteilten in der ihnen abverlangten Sache sind(6). Noten sind keinesfalls der Ausdruck irgendwelcher in den Menschen schlummernden "Neigungen", oder von "Begabung". Arbeiten und Tests überprüfen andauernd den Grad und Stand der Bereitschaft der zu Erziehenden(7) bereitwillig jeglichen fauligen Flischkadaver(8) zu schlucken. Nach einer Prüfung ist dann das Ergebnis aber völlig irrelevant für den weiteren Verlauf des Unterrichts. (got it?) So einigen SchulgefangenInnen gefällt es manchmal sogar überaus, sich schön "artig" anzupassen an den imaginären "Durchschnitt", die "Klassengemeinschaft" ("Volksgemeinschaft"?). Das Buhlen um Lob und Anerkennung der "Kinderführer" ist ein beliebter Sport, "und doch so wichtig für die KINDER!". "Soziale Kompetenzen" lernt mensch im wirklichen Leben, dafür braucht es kein Labor! Und lernt mensch sie nicht, sind diese dann überhaupt wichtig für sein Leben?

Jede SchülerIn strebt danach, wenn irgendwie möglich BesteR zu sein, weil siEr das Schulsystem genau dazu zwingt. JedeR MitschülerIn ist einE GegnerIn, KonkurrentIn, welche es gilt am Erfolg zu hindern. Sie versuchen sich beständig gegenseitig zu schaden. Neid und Haßgefühle beherrschen den Schulalltag. Der Focus des Selbstwertgefühls ist stets auf den "Erfolg" der eigenen Tätigkeit gerichtet. Die allgegenwärtige Konkurrenz zu den Anderen in den Klassen bewirkt die Reduktion der Menschen auf ihre Leistungsbereitschaft. Diese wiederum führt zu einer Entsolidarisierung der SchülerInnen untereinander, und bereitet den Weg dafür, junge Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Neigungen und Vorlieben in Kategorien wie "Versager" und "Streber" zu zersägen. Die latente Angst zu scheitern, wirkt sich zermürbend auf deren Psyche aus, und beherrscht schließlich ihren "Alltag". Geschürt durch die Existenzängste ihrer Eltern, die andauernd mit einer finsteren "Zukunft in der Gosse" drohen (hat jemensch schon mal die ZUKUNFT erreicht?), lastet ein dumpfer Druck auf all denen, die diesen Käse tatsächlich glauben. So entscheidet es sich in jüngstem Alter, welche Art der Selbstunterwerfung einem Menschen später blüht. (aber Selbstunterwerfung muß sein) In welcher Kaste der Einkommensliga mensch ankommt: ob als dynamische ManagerIn laptop klappe(r)nd durch die Welt hetzend, oder als BauarbeiterIn in der Sonne bratend (um dichotome Stereotype zielsicher zu treffen, wobei ich das braten in der Sonne, ohne zu arbeiten, entschieden vorziehe).

Erziehung ist die Einwirkung einzelner Personen oder der Gesellschaft auf einen sich entwickelnden Menschen. Sie ist im engeren Sinne die planmäßige Einwirkung von Eltern und Schule auf den Zögling, d.h. auf den unfertigen Menschen, zu dessen Wesen die Ergänzungsbedürftigkeit und -fähigkeit, auch das Ergänzungsbestreben gehören. Zweck der E. ist es , die im Zögling zur Entfaltung drängenden Anlagen zu fördern oder zu hemmen, je nach dem Ziel (Erziehungsideal), das mit der Erziehung erreicht werden soll. Mittel der E. sind vor allem das Beispiel, das der Erzieher dem Zögling gibt, der Befehl (Gebot und Verbot), die Überredung, die Gewöhnung und der Unterricht. Die E. erstreckt sich auf Körper, Seele und Geist... und daß der heranwachsende Zögling einen für sich selbst und für die Gesellschaft günstigen seelisch-geistigen Standpunkt gegenüber den Mitmenschen, gegenüber Familie, Volk, Staat, usw. gewinnt...

H. Schmidt, Philosophisches Wörterbuch 1982

Wirkliches "Bildungsziel" ist eigentlich Disziplin. Dieses (un)heimliche Lernziel wird nicht offen kommuniziert, sondern "hinterrücks", durch die Inhalte und Struktur des Lehrplans, sowie durch das Handeln der PädagogInnen vermittelt. Die SchülerInnen lernen nicht nur durch die Tätigkeiten, die ihnen abverlangt werden (zuhören, mitschreiben, Aufgaben lösen, Vokabeln lernen, rechnen, ...) sie lernen Menschen mittels "Schubladen" wie Geschlecht, Hautfarbe, Sprache, Status, Besitz und noch vielen weiteren einzuteilen, zu identifizieren und zu bewerten. Der "heimliche Lehrplan" setzt die lautlosen Mechanismen von Regeln und Ritualen der Institutionen um: es geht darum, sich an Normkonformität, an "Oben" und "Unten", an "Gutsein" und "Schlechtsein", an "Auffälligwerden" und "Durchmogeln" zu gewöhnen, es geht um die Einübung von hierarchischem Denken und Handeln, um Disziplin(9). Um im System Schule zu (über)leben, lernen die SchülerInnen nebenher Strategien und Taktiken wie: zu heucheln, sich verschiedenen dresscodes anzupassen, wie mensch "Nichtwissen" verheimlicht, Aufmerksamkeit simuliert, als Leerlauf empfundene Unterrichtszeit effektiv für diverse Nebentätigkeiten nutzt, Erfolg bei MitschülerInnen oder bei LehrerInnen erheischen kann, wie mobbing funktioniert, oder mensch unangenehme Tätigkeiten clever vermeidet, oder an andere deligiert.

Die Schule sorgt für die Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse. Der tägliche Drill erschafft staatsgläubige Einzelwesen, die leicht führbar sind. Die eine MEINUNG haben. (und wissen wie diese bis zuletzt verteidigt werden muß) Scheinbare "Objektivität" und "Neutralität" stellen die herrschende Gesellschaftsordnung unhinterfragbar als die Beste und einzig mögliche dar. Die eurozentristische(10) Sicht auf die "Welt" formt die Denkweise der Lernenden zeitlebens. Die "Normalität" der warenproduzierenden Gemeinschaft zementiert sich so in den Köpfen der SchülerInnen. Verhaltensweisen, die flächendeckend erst zu Beginn der Industrialisierung mit brutalen Mitteln, vom establishment gegen den heftigen Widerstand vieler Menschen durchgesetzt wurden, gelten heute als die einzig erstrebenswerten. Die Schule bereitet die Menschen nicht auf "die Gesellschaft" vor, dort bilden sich jene kritikwürdigen "sozialen" Verhaltensweisen, welche die Menschen voneinander entfremden.

Der Mensch durchläuft in der Schule die erste Institution die ihn auf den "Beruf" und das "Bürgerdasein" vorbereiten soll: Ständige Feindschaft herrscht in "der freien Wirtschaft" zwischen den Individuen, die eigentlich doch gleiche Bedürfnisse und Interessen teilen. Sie sind nur scheinbare Kriegsgegner im "Kampf" um "Arbeitsplatz", und "Standortvorteil", und somit um das blanke Überleben an sich. Denn "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", das ist der Leitspruch aller, die dem Arbeitswahn verfallen sind. Dieser Schlachtruf ist ein "Todesurteil" für alle, die von Lohnarbeit ausgeschlossen bleiben, oder die sich dafür entscheiden, ganz anders und schöner leben zu wollen. Konstruktionsort dieses "neuen" neoliberalen Arbeitsethos, in dem sich jeder selbst "eigenverantwortlich" und "marktgerecht", im immerwährenden Konkurrenzkampf zum "Humankapital" zurichten soll, das ist die Schule.

Anmerkungen:

(1) Refrain eines Liedes des österreichischen Sängers Falco von 1982

(2) Dieser angebliche Mangel wird dadurch erschaffen, daß mensch die betreffenden Menschen andauernd so behandelt, als ob sie unwissend ("dumm") wären. Mangel entsteht dann, wenn Mensch dies tatsächlich glaubt und sich daraufhin, als Ausgleich für die selbstempfundene Minderwertigkeit ("Dummheit"), ausbilden läßt. Die Erzeugung des Mangels wird unendlich weiter fortbetrieben ("Lebenslanges Lernen"), und kreiert somit ein überzogenes Bildungsbedürfnis der Menschen im globalisierten Verwertungsprozeß ("Herausbildung von Humankapital").

(3) Ich wähle hier bewußt einen militärisch belegten Begriff, denn das Zusammenfassen von Menschen zu Gruppen, die nur unter dem Gesichtspunkt der Zugehörigkeit zum gleichen Jahrgang ausgewählt werden, verweist auf die einflußreiche Rolle der preußischen Wehrpflichtarmee, bei der Ausformung der deutschen "Volksschule" zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Schulmeisterposten wurden zuallererst an pensionierte Unteroffiziere vergeben, die den Drill des Kasernenhofes, eins zu eins, in den neuen staatlich-preußischen Schulen mit den "ABC-Schützen" weiter praktizierten.

(4) Pöbel benutze ich hier als einen fröhlich bunten Begriff, um ein ausgelassenes SchülerInnen - "Volk" (vgl. pupil) zu beschreiben. Die Sorgenfreiheit ist selbstverständlich eine Überspitzung, denn eigentlich fängt die Erziehung und Gängelung schon bei den Eltern an. Oftmals beginnen die kleinen Menschen also den Schulanfang alles andere als sorgenfrei.

(5) Das kann eine LehrerIn sein, ein Prüfungskommité, oder eine sonstige FunktionsträgerIn.

(6)Hier betone ich das Sein, weil es in Prüfungssituationen nicht nur auf das "Stoffbeherrschen" ankommt sondern auch darauf, wie mensch mit den Gegebenheiten, das können sein: Nervosität, Zeitdruck, Handeln der Mitprüflinge, Einrichtung des Raumes, Nebengeräusche, ... umgehen kann. Nicht selten ist das Ergebnis bei einer Nachprüfung, an der mensch oft alleine teilnimmt, viel besser als bei Massenprüfungen.

(7) Erziehung ist nichts anderes als Propaganda - glaube es, oder nicht.

(8) Flischkadaver sind der natürliche Lebensraum der Ätzwürmer, die wiederum das Larvenstadium des Lauskäfers sind.

(9) Michel Foucault schildert seine Thesen in dem sehr lesenswerten Buch: Überwachen und Strafen. Disziplin ist nach Foucault eine Machttechnologie, die im 18. Jahrhundert aufkommt. Sie nimmt den individuellen Körper ins Visier und steuert seine Wahrnehmung, sein Verhalten und seine Gewohnheiten. Ihr Ziel ist die optimale Abrichtung und Kontrolle zugleich, wobei sie auf unmittelbaren physischen Zwang und Unterwerfung verzichten kann. Optimal umgesetzt wurde das Disziplinarprinzip in dem von Jeremy Bentham 1787 konzipierten "Panoptikum": ein Gefängnis, bestehend aus einem ringförmigen äußeren Gebäude, das um einen Turm herum gebaut ist. In dem äußeren Ring befinden sich Einzelzellen, die vom Turm aus vollständig einsehbar sind. Die Gefangenen sind deshalb ständig sichtbar, können aber weder ihre Wächter noch ihre Mitgefangenen sehen. Damit wird die dauernde Fremdkontrolle im Prinzip überflüssig, weil die Gefangenen die Überwachung an sich selbst ausüben. Das panoptische Prinzip kommt auch in anderen Disziplinarinstitutionen wie Schulen, Fabriken, Krankenhäusern etc. zum Einsatz.

(10) Das Subjekt und die "Vernunft" in den allermeisten Schulbüchern ist mit den Attributen "weiß", "männlich" und "europäisch" belegt. Wer es nicht glauben mag, lese doch mal selber wieder eines.

Diskussion zum Text

Hallo Roland,

für das Heft zum Thema "Bildung" würde ich den Text vielleicht durch kleine Überschrifen gliedern. Diese Idee kam mir, weil mir ein Satz aus dem Text besonders gut gefällt und ein Kandidat für eine Überschrift sein könnte. Du schreibst:

"Wirkliches "Bildungsziel" ist eigentlich Disziplin."

Dieser Satz könnte als eine der Kernthesen Deines Textes verstanden werden. Allerdings würde ich den Satz prägnanter formulieren, z.B.

Das eigentliche Ziel der Bildung ist die Disziplin

Das heimliche Ziel der Bildung ist die Disziplin / die Disziplinierung des Schülers.

Das wirkliche "Bildungsziel" ist die Disziplinierung des Schülers.

In Deinen Text könnte nun, so als Einblick in den Schrottplatz der Kultur, ein Zitat zum Thema "Disziplin" einfliessen, vielleicht ein Eintrag aus einem pädagogischen Wörterbuch.

ChristianSW

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Donnerstag, 19. Januar 2006

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