Freiwirtschaft

Version 6, 84.144.65.147 am 13.12.2005 12:40

Eine Wirtschaftsutopie nach Theorien von Silvio Gesell

Gesell's Reformvorschläge

Könnte jemand kurz Gesells Reformvorschläge hier ausführen ? Soweit ich verstanden habe geht es um die Stichworte "Freigeld" und "Freiland". Was bedeuten diese ? --ThomasKalka

Versuch im Telegrammstil: Gesell hat erkannt, dass Geld kein echtes Tauschmittel ist, weil es im Gegensatz zur Ware nicht fortlaufend an Wert verliert, sondern über den Zins zunimmt. Wer mehr hat, als er braucht, kann somit diejenigen, die weniger haben als sie brauchen, ausbeuten - was u.a. von den großen Religionen gebrandmarkt wird. Gesell hat weiterhin erkannt, dass auch Grundbesitz als Quelle leistungslosen Einkommens missbraucht werden kann. Die immer weiter auseinanderklaffende soziale Schere hat Gesell prognostiziert. Genaueres beispielsweise unter http://www.nwo.de

kritik & weiterentwicklung:

ware verliert nicht fortlaufend an wert . im gegenteil, eine vieh-herde pflegt sich fortlaufend zu vermehren, und auch das korn wächst immer wieder neu . selbst die bodenschätze verursachen zumindest keine lager-kosten und können sich durch neue funde sogar ebenfalls vermehren . ware wird verbraucht (genaugenommen allerdings auch nur, um wieder neue ware herzustellen (von daher der gebrauchs-wert)) . geld wird getauscht und soll sich dabei eben möglichst wenig verbrauchen (von daher der tausch-wert (den silvio gesell nie begriffen hat (worauf er auch noch stolz war)) . ich brauche also im ideal-fall (der heute durch den computer und das internet gegeben ist) das geld weder zu vermehren noch zu vermindern, sondern es nur (über angebot und nachfrage) als preis (gegen-wert) funktionsfähig zu halten (und das schafft eben der markt) .
und das geld nimmt auch nicht über den zins zu, sondern die großen privat-vermögen nehmen zu (dass wir alle an die reichen steuern (zins) zahlen (statt dass die reichen steuern zahlen), hat nichts mit dem markt zu tun, sondern mit den machtverhältnissen (wie übrigens auch das eigentum an grund und boden)) . das geld nimmt daduch zu, dass es gedruckt und als kredit in umlauf gebracht wird (auch das ist ein macht-verhältnis) . beim zurückzahlen des kredits, sollte es allerdings wieder aus den büchern verschwinden und vernichtet werden . darüber allerdings (dass existierendes geld wieder vernichtet wird), habe ich bis jetzt noch nichts erfahren können . zudem verhindern ja auch die zinsen, dass alle kredite zurückgezahlt werden können . im gegenteil, je mehr zurückgezahlt wird, desto mehr muss an anderer stelle wieder geliehen werden . das sollte eigentlich zur allgemein-bildung jedes coforum-teilnehmers gehören .

Meine grundlegende Kritik ist, daß hier mit einer Forderung an den Staat argumentiert, also eine strukturelle Veränderung von oben verlangt wird. ("man müßte... , es müßte durchgesetzt werden: ... Zinsen abschaffen, Bodenreform machen usw.") Daß also Forderungen an die Repräsentanten und die Exekutive dieses Systems gestellt werden, das die Probleme gerade hervorbringt, ist das Problem. Diese Forderungen haben darüber hinaus auch noch zum Inhalt, die Vorteile und Privilegien gerade der herrschenden gesellschaftlichen Gruppe in Frage zu stellen, auf deren besondere Interessen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zugeschnitten sind. Mir geht es weniger um die Überprüfung oder Diskussion darüber, ob diese Vorschläge funktionieren könnten (Wörgl usw.), sondern um das politische Denkmuster dahinter. Es kommt mir so vor wie ein Appell an den Monarchen, die Monarchie abzuschaffen, bzw. seine eigene Macht einzuschränken.

  • (sigi (051210)):

mir ergeht es so ähnlich . der patriarchale ansatz dieses silbernen gesellen zeigt sich schon in der begründung seines systems, es sei für eine volkswirtschaft höchst schädlich, wenn das geld keinem angebots-zwang unterliege (http://www.freiwirtschaft.de) . welchem moloch soll da das geld dienen? meiner wenigkeit bestimmt nicht .

und außerdem wäre eine reichen-steuer ungefär 100 mal effektiver, als die von gesell vorgeschlagene umlauf-sicherung . vor allem, weil sie das übel an der wurzel bekämfen und das geld nur da verflüssigen würde, wo es sich gesellschaftsschädigend verdickt hat (wenn man es mal mit blut vergleicht, denn es ist tatsächlich das blut der wirtschaft) . die ersparnisse des kleinen mannes blieben dagegen erhalten . die mittel, um so was durchzusetzen, haben aber nur die reichen und nicht mal gesell würde davon ausgehen, dass sie auch den willen dazu hätten .

was wir aber haben, ist das wiki . und wir können mit geld genau das machen, was die open source-bewegung mit der soft-ware gemacht hat . allerdings brauchen wir dazu die hilfe einer weit größeren öffentlichkeit, und die kriegen wir, wenn sofort einsichtig ist, dass wir eine bessere struktur haben (haben wir: den wiki-wahlbaum) und (wie thomas schon ganz richtig erkannt hat) direkten materiellen gewinn in aussicht stellen können (können wir: über die wiki.bank) .


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Samstag, 2. Februar 2002

Silvio Gesell war ein deutsch-argentinischer Kaufmann und Autor von Texten zur Ökonomie. Eine der Säulen der Freiwirtschafts-Theorie.