Die Unbezahlbare Gesellschaft

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Guten Tag! Bin das erste Mal hier - und etwas unter Zeitdruck - und werde daher noch einmal bei Gelegenheit in Ruhe reinschauen. Vorab: die Seite erscheint für mich als Erst-Besucher etwas verwirrend aber ich ahne ungefähr, wie's funktioniert.

Irgendwie fehlt mir auf Anhieb eine geordnete Themenseite und Gebrauchsanweisung beim Start (oder hab ich's einfach nur übersehen? ... dann wäre auch das - diesmal unter ergonimischen Gesichtspunkten - ein Problem dieses Forums!)

Egal: ich möchte heute einfach mal eine Meinung loswerden, von der ich nicht weiß zu welchem Thema (und vor allem: wie) sie zugeordnet werden kann - also schreibe ich sie hier in's Gästebuch. (Vielleicht kann mir ja mal jemand dabei helfen, und mir sagen, wo meine folgenden Ausführungen hingehören - Vorab: Danke dafür!).

Mein Thema: Die unbezahlbare Gesellschaft

Das Haupt-Problem unserer globalisierten Zeit (was übrigens nicht neu ist: unser Globus war schon immer rund und es gibt seit eh und je nur einen davon!) ist doch wohl das krasse Missverhältnis zwischen menschlicher Arbeitsleistung und geldlicher Gegenleistung. Die ganze Diskussion um mangelnde Arbeitsplätze in unserem Land möchte ich hiermit einmal jäh unterbrechen: kein Arbeitgeber will Arbeitsplätze schaffen - k e i n e r !

Anstellungen finden doch nur deshalb (noch) statt, wenn der Arbeitgeber auf fremde Hilfe angewiesen ist, ansonsten hat er aber nur die Gewinnmaximierung seines Unternehmens im Sinn - sonst nichts! Der Mensch war nämlich schon immer bestrebt, möglichst wenig zu arbeiten um es möglichst bequem zu haben - das trifft sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zu! Eine Methode ist z.B. die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft durch Ausnutzung der eigenen Macht, eine andere - viel schönere Methode - ist aber die Entwicklung von Maschinen, welche einem die Arbeit abnehmen. Hier kann man sich dann das hässliche Wort "Ausbeutung" sparen: die Maschinen arbeiten ohne wehleidiges Gesicht und ohne Gewerkschaft!

Schön, werdet ihr sagen - das ist ja nichts neues. Trotzdem möchte ich, dass jeder noch einmal etwas genauer über die Konsequenzen nachdenkt: es kann doch nicht sein, dass z.B. ein so hochtechnisches Gerät wie ein MP3-Player (nicht lachen: es handelt sich wirklich um Hightech vom feinsten!!) schon für rund 20 Euro zu haben ist, während auf der anderen Seite klar ist, das selbst der höchst-qualifizierteste 1-Euro-Stunden-Jobber dieses Gerät in 20 Stunden Arbeitszeit n i e m a l s zusammenstricken könnte!!! So geht es aber inzwischen mit den meisten Produktionsgütern, die maschinell hergestellt werden: sie sind definitiv zu billig! Zwangsläufig sind alle Arbeiten, die noch von Hand getan werden müssen zu teuer und werden zukünftig - in dem Maße wie die Produktionsgüter noch billiger werden - immer teurer und irgendwann unbezahlbar - um diesen Zusammenhang zu erkennen, muß man nun wirklich keine Wirtschaftswissenschaften studieren!!

Mit dem Wertverfall unserer Produktionsgüter verliert aber auch alles andere an Wert - nur der Mensch selbst k a n n nun mal nicht an Wert verlieren - auch wenn das im Augenblick in den Medien gerne behauptet wird. Es ist aber schlicht gelogen, wenn behauptet wird, dass Menschen billig arbeiten können! Ein gewisses Maß an "Treibstoff" (Essen), Unterhaltungskosten" (Seife und Klamotten), "Lagerkosten" (Wohnung) und "Instandsetzungskosten" (Arzt) ist bei so einem Menschen einfach nicht zu unterbieten - daran läßt sich nichts ändern!!

Letztlich ist es doch auch so, dass jeder m e h r Geld aber keinesfalls weniger Geld verdienen möchte! Was sollen also diese ewig nervenden Berichterstattungen im Fernsehen über die beispielhaften Polen, die doch so genügsam sind?? Es ist derart verlogen, was da z.Zt. über die Medien verbreitet wird dass ich mich immer wieder frage, ob ich wirklich der einzige bin, der das merkt: es stimmt einfach nicht, dass es z.B. im Osten noch genug billige Arbeitskräfte gibt, die bereit sind für weniger Geld als wir (die verwöhnten Deutschen) zu arbeiten. Himmel - was für ein Quatsch! Selbstverständlich möchten (und müssen) auch diese braven Leutchen aus dem "Billig-Ländern" irgendwann mal mehr Geld verdienen: spätestens dann, wenn sie mal etwas zum Konsumverhalten der Kapital-West-Welt beitragen sollen, muss man ihnen schon mal ein bisschen mehr Geld überlassen!

Und dann diese Behauptung, wir wären verwöhnt und wir sollten endlich mal wieder anfangen weiter nach Wachstum zu streben!

Wann hört endlich mal diese Lügerei auf, der Mensch wäre genügsam und hätte nur Arbeiten im Sinn? Das Gegenteil ist der Fall: Menschen haben es gerne bequem und das ist schon immer ihr Haupt-Ziel gewesen - seit sie aus der Höhlen des Neandertals entsprungen sind! Wir wollen nämlich nicht jeden Morgen mit kalten Füßen aufwachen und haben auch ganz gerne einen funktionierenden (und vollen) Kühlschrank im Haus - alles Dinge, die es uns am Ende ermöglichen, unseren Geist für andere Überlegungen zu nutzen und außerdem diese schöne Welt etwas mehr zu genießen (und vielleicht auch mal mehr zu hinterfragen und vor irreparablen Schäden zu schützen). Genau das wollen wir - ja, wir sind alle im Grunde unseres Wesens a r b e i t s s c h e u - sprechen wir es ruhig einmal offen aus!! Aber wir diskutieren gerne und machen benutzen viel lieber ein Organ, auf das wir mit Recht stolz sein können: unser Gehirn!

Wie gut, dass wir dazu Maschinen haben, die uns Arbeit abnehmen! Unser Streben nach Wachstum hört nämlich dann auf, wenn wir unseren lang-ersehnten Komfort endlich im Haus haben - wozu sich dann noch weiter abmühen? Endlich haben wir es geschafft und können uns den Dingen widmen, die uns schon lange mal eine Frage wert waren.

Das ist natürlich nicht im Sinne einer Wachstums-Gesellschaft. Deshalb wird z.Zt. einfach künstlich verknappt, es werden Sollbruchstellen oder nur limitiert funktionierende Gegenstände auf den Markt gebracht! Na prima - und wem ist damit geholfen? Keinem! Die Produktions-Maschinen müssen noch eine "Zusatzschicht" einlegen (sprich: noch schneller produzieren) und der Kreisel wird sich noch etwas schneller aber immer noch in die verkehrte Richtung drehen - mehr nicht. Selbst die erstrebte Gewinn-Maximierung der Konzerne verläuft sich irgendwann mal im Sand: wenn alle Konzerne dieser Welt ihr Maximum erreicht haben, sind sie nichts mehr wert! Diejenigen, die aber neues Geld durch echte Leistung dazubringen könnten - nämlich die Menschen selbst - haben dann irgendwann keins mehr!

Jetzt kommt die Kern-Aussage: die Maschinen befreien uns (Gott sei Dank) von der Arbeit, leisten aber im Gegenzug k e i n e n Beitrag zu Fortbestand eines Systems, in welchem sie selbst (die Maschinen nämlich) ein gewaltigen Platz einnehmen und von dem sie sogar selbst existieren! Gäbe es das Wachstums-System nämlich nicht mehr, gäbe es auch die Maschinen in diesem Umfang nicht mehr!

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: während Arbeitsleistungen von Menschen besteuert werden um den Gesellschaftsapparat in Gang zu halten, werden Maschinen überhaupt nicht besteuert - das ist absolut unfair! Ich möchte daher anregen, dass man grundsätzlich jede Art von Arbeits-Automation besteuert, als sei sie menschlich. Damit können wir uns auch alle Diskussionen um neue Werteordnungen sparen, weil die Kapitalisten weiter wie bisher mir ihren Gold-Talerchen spielen könnten und trotzdem der ganze Laden funktionieren würde - und sogar die übrigen Menschen glücklich wären! Es könnte sogar sein, das manchem Kapitalisten seinen zwanghafter Ausbeutungsdrang abhanden kommt, wenn er selbst nicht mehr so unter Leistungsdruck steht. Wenn doch eine Maschine oder ein Computer die Arbeit für ihn erledigt, kann er sich um wichtigere Dinge - z.B. den Umweltschutz - kümmern! Heute ist es doch so, dass zwar viele "Global-Player" durchaus einsichtig sind, was unserer Existenzgrundlage "Erde" betrifft - aber andererseits derart in der "Hire and Fire"-Maschinerie verfangen sind, dass sie einfach nichts mehr tun können, außer möglichst viel Geld für ihre Nachkommen zu sichern. Die Motive sind durchaus nachvollziehbar: sie selbst haben keine Zeit mehr, sich um etwas anderes zu kümmern, vielleicht hat das Söhnchen, das auf Harvard studiert, ja in der nächsten Generation eine bessere Idee? Hmm - das Söhnchen wird aber kaum eine bessere Idee haben, weil es bereits in Harvard auf Linie getrimmt wird: Wachstum, Einfluss, Ellebogen, Macht ...

So wie es aber im Augenblick geschieht, funktioniert's nicht und schadet letztlich den Kapitalisten/Arbeitgebern selbst: sie werden irgendwann noch nicht einmal in der Lage sein, eine Klofrau zu bezahlen, weil sogar die billigste Schwarzarbeiterin irgendwo aus den Grauzonen unserer Gesellschaft mal einen Mindestlohn brauchen w i r d , den keiner mehr bezahlen k a n n ! Wenn es dann keine Maschine gibt, die ihre Arbeit übernehmen kann, dann wird's selbst für den reichsten Stinker auf dieser Welt problematisch!!

Ich hatte mal vor einigen Jahren eine Aktion angeregt, auf jeden Automaten (z.B. Fahrkarten-Automat, Cola-Automat, Erdnuss-Automat) aber auch auf jedes Fliesband (z.B. Geschirr-Fließband in der Kantine) einen Aufkleber zu pappen: DIESER AUTOMAT ERSETZT MIND. EINEN ARBEITSPLATZ. Nun - so eine Aktion hilft nicht viel und ist aus Vorgesagtem heraus auch grundfalsch: wir sind doch letztlich froh, dass uns der Kasten die dämliche Arbeit abnimmt!

Ich bezeichne daher Arbeitlose auch gerne respektvoll als "Arbeitsfreie" - sie haben nämlich einen erstrebenswerten Idealzustand erreicht: sie müssen nicht mehr arbeiten! Wir regen uns doch nur deshalb über sie auf, weil diese Arbeitslosigkeit zu Lasten der Wenigen geht, die noch arbeiten müssen. Würden Maschinen Steuern zahlen, wäre das allen völlig egal und mancher "Streber" würde sich vielleicht endlich mal fragen, wonach er überhaupt strebt!

Nein - heute schlage ich deshalb folgenden Aufkleber vor: DIESER AUTOMAT ZAHLT KEINE SOZIALVERSICHERUNG!

Achim
UweB:

Ich vermute der Geldfluß soll einen sozialen Bezug simulieren. In der Handelskommunikation entwickelt sich ein code, der möchte den soziusemotionalen Strom versinnbildlichen lassen. Das ist in wachsendem Masse auf das Einverständnis Unbeteiligter an diesem Handel(n) angewiesen. Im Diesseits wird das Jenseitige geometrisch durch die Kassen geklingelt, wir hören das klingeln wohl noch, definieren an diesem Jenseits auch mit aber der vermeintliche soziale Bezug bedarf einer wissentschaftlichen Herbeizitierung, aus der Vergangenheit oder dem mit Jenseitsbefürchten aktueller sozial Verausgegrenzten, um im voraus soziallose identität an den Rand der Vorstellbarkeit errechnen zu lassen. Hier entwickelt der medizynalrätige soziologe nun kontraidikationen für die Hauptschulgegenwart, Ausländer werden zu ausserirdischen Landlosen integeriert. Bewerbungen um noch vorhandelnde Plätzchen sollen auf dem Beipackzettel in deutschlich les-, lös-, (läs:bar) kassen klingen lassen. Die Erfindung der Grenzenlosigkeit in den Kassenstürzen der Freihandelsgrenzen längst verarmt untergegangener Reiche.

thomas:

siehe Nehmen wir an

Die Vergesellschaftung über Geld, Tausch, Gewinn etc hat halt ausgedient. Ich denke nicht, dass Reparieren hilft bzw möglich ist.

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Donnerstag, 11. Januar 2001

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