OpenSpace - Kurzanleitung

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Kurzanleitung zur Duchführung eines OpenSpace

Open Space

Open Space sowie die nötigen Weiterentwicklungen dieses Verfahrens sind "die" umfassende Gestaltungsform für größere Treffen, Camps, Kongresse usw. Teil können jedoch vielfältige weitere Methoden sein, denn "Open Space" stellt nur den Rahmen für das Gesamte. Es ist daher verbindbar mit vielen weiteren Ideen – organisiert diese aber nicht zwanghaft, sondern schafft einen Freiraum, in dem die TeilnehmerInnen ihre jeweilige selbstbestimmte Form der Informationsweitergabe, Diskussion oder Entscheidungsfindung entwickeln. Darüberhinaus sichert das Verfahren die Verknüpfung und die Transparenz.

Die Idee des Open-Space oder die "systematische Kaffeepause" stammt aus der Wirtschaft und kann und sollte (wie jede Methode) immer kritisch betrachtet, hinterfragt und weiterentwickelt werden. Auf Konferenzen wurde beobachtet, dass die spannendsten und anregendsten Gespräche in den Pausen zwischen den Vorträgen stattfinden. In diesen informellen Gesprächen werden die wirklichen Wünsche und Ideen der Teilnehmenden eher und auch ehrlicher mitgeteilt – nur leider selten verwirklicht, da es meist bei einem beiläufigen Gespräch bleibt. Zudem bleiben sie intransparent, d.h. das Diskutierte bleibt in den Köpfen derer, die oft sehr zufällig beieinander standen und erreichen andere, die daran auch Interesse haben oder ähnliche Aktivitäten verfolgen, nicht. Die Wirtschaft hat aus diesen "Flurgesprächen” eine Methode entwickelt, um diese Ideen - selbstverständlich effektiv - zu "nutzen”.

Dieses Verfahren schafft in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang die Möglichkeiten der freien Entwicklung von Diskussionsprozessen und Themen. Ständig können neue Fragestellungen und Themen je nach Verlauf der Debatte aufkommen und "ausgerufen" werden (z.B. durch Anschreiben an einer zentralen Säule "Thema XY trifft sich um ... Uhr in Raum A/in der Sesselgruppe am Aquarium"). Es gibt keine festen Anfangs- und Endzeiten der Kleingruppen. Es kann ein Kommen und Gehen zwischen den Kleingruppen entstehen. Während einige zuende gehen, entstehen neue Fragestellungen. Jede und jeder kann Themen benennen und zur Debatte einladen. Beim Open Space setzen sich meist die Themen durch (Abstimmung mit den Füßen, d.h. wo Leute hingehen, da kann auch die Debatte laufen - denkbar aber sind auch Arbeitskreise allein), die aus der jeweiligen Situation heraus entstehen, wenn ein unmittelbares Interesse vorhanden ist. Das ist auch gut so, da es bisherige Dominanzgruppen und -personen auf eine gleichberechtigte Ebene bringt. Wichtig ist, daß die Ergebnisse an den Stellen der Diskussion dokumentiert werden (z.B. als Plakat oder Protokoll), um wiederum die nötige Transparenz herzustellen über die diskutierten Inhalte, ob eine Debatte weitergeht oder ob konkrete Vorschläge bzw. Aktionsideen entwickelt wurden. Ein Austausch in zwischengeschalteten und abschließenden Plena ergänzt das, fördert die Entstehung neuer Diskussionen, das Zusammenkommen sich berührender Themen usw.

Infrastruktur "Marktplatz”

1) Info-Wand (AK-Phasen – was läuft wann/gerade wo?, angedachter Zeitplan, Erklärungen zur Methode Open-Space, Prinzipien ...) 2) AK-Ankündigungs-Wand 3) AK-Ergebnis-Wand 4) Vernetzungs-Wand und andere Ankündigungen (z.B. 23. - 29. Juni Anti-AKW-Fahrradtour in ... Wer hat Lust mitzukommen? Oder: Ich suche für eine Aktion ein Soundsystem, bitte melden bei ...)

Es gibt etliche Punkte, die den Verlauf und die Ergebnisse eines Open-Space-Verfahrens beeinflussen:

Probleme und Lösungsmöglichkeiten

Open Space ist ein Rahmen und keine Methode. Deshalb kann das Verfahren nicht von sich aus bereits Probleme lösen. Bestehende Dominanzen usw. bleiben bestehen, wenn nicht noch andere Ideen hinzukommen, sie speziell den Dominanzabbau betreiben. Open Space als Rahmen bietet aber gerade die Möglichkeit dazu, weil verschiedene Elemente nebeneinander vorstellbar sind. Günstig ist, die Räumlichkeiten so zu gestalten, daß sehr unterschiedliche Workshops stattfinden können – kleine und große Runden, Frontalunterricht, Leinwand oder Fish Bowl, Stuhlkreis, Tische, Computerausstattung usw.

Einige besondere Problembereiche seien noch benannt:

Weiterentwicklung

Beispiel: Bundes-Ökologie-Treffen

Nach einigen mißglückten Versuchen gab es auf dem BÖT im Mai 2001 in Augsburg erstmals ein lupenreines "Open Space" – angefüttert mit weiteren Ideen. Es war klassisch aufgebaut, in einer Infoecke, wo Ideen und was jeweils wo läuft, aufgehängt wurde. Kreativ war der Beginn, die dort so genannte "Tuschelrunde". Alle Anwesenden (bzw. alle, die wollen) laufen kreuz und quer durch einen Raum (nur kurz). Auf ein Stoppsignal bilden die Zusammenstehenden Gruppen, die sich wenige Minuten darüber austauschen, warum sie da sind und was sie wollen. Dann wieder kreuz und quer und nochmal (insgesamt war es 3x). Am Ende wurden alle entstandenen Ideen auf Zettel geschrieben und aufgehängt – aus dem Pool entstanden die ersten Arbeitskreise. Was sichtbar wurde, war die dadurch entstandene Ideenvielfalt. Zudem dominierten jetzt die Ideen der Nicht-CheckerInnen, also der Menschen, die sonst nicht prägend sind, weil die vorformulierten Ideen und Arbeitskreisvorschläge der Wichtig-Leute meist schnell allen Raum einnehmen und die anderen Menschen sich diesen nur noch zuordnen (nicht als Zwang, sondern weil es sie tatsächlich auch interessiert – aber eben nur aus dem Angebot ausgewählt, statt selbst die Interessen durchdacht werden). Diese "Tuschelrunde" hat viele Dominanzen gebrochen, weil alle Menschen darin gleiche Möglichkeiten hatten (teilweise waren die Wichtigleute sogar gehemmter, weil sie weniger offen sind für Experimente). Es erscheint aber sinnvoller, diese Tuschelrunden öfter als Einstieg (z.B. jeden Morgen oder zu Beginn jeder längeren Phase) zu organisieren und dann sofort aus den "Zufallsrunden" zu starten. Es zeigte sich nämlich, daß in vielen dieser Runden sofort die Diskussionen einsetzten, die einen Arbeitskreis begründen konnten. Der abgewandelte Verlauf wäre dann, daß nach den Tuschelrunden sofort begonnen wird – aber zum einen transparent, d.h. die zwei, drei oder mehr aus einer Tuschelrunde, die sich sofort an ihren vorgetragenen Wunschthemen festgebinnen hatten, machen noch Raum und Thema an der Pinnwand sichtbar, sowie zum zweiten noch erweitert um die Vorschläge, die gerade keine Tuschelrunden-Gruppen schon fesselten, aber die trotzdem jetzt oder später laufen sollten.

Im Verlaufes des BÖTs entstand eine akzeptable Dynamik auch immer wieder neuer AKs, manche trafen sich zusammen, wenn sich Themen überschnitten usw. Das folgende Bundes-Ökologie-Treffen wurde ähnlich versucht, litt aber unter Mangel an Dynamik, weil nur wenige Menschen ihre Ideen einbrachten (war eher ein "Familientreffen" derer, die sonst auch immer kommen). Open Space lebt stark davon, daß Menschen kommen, die etwas wollen (und nicht nur die, die kommen, weil sie immer kommen).

In mehreren linken Medien wurde dieses weitere BÖT scharf angegriffen – vor allem die Praxis des Open Space, weil dann keine strukturierten Diskussion laufen konnten. Die "Junge Welt" kritisierte, daß geladene ReferentInnen nicht mehr den ihnen zustehenden Aufmerksamkeitsgrad bekamen – wenn sie ihr Thema uninteressant präsentierten, ging niemand hin. Das zu kritisieren, bedeutet eine Verteidigungshaltung derer, die sich als Wichtigleute ansehen und das auch sein wollen. Sie wollen über Strukturen ihre Wichtigkeit auch gebührend durchsetzen. Selbstbestimmung ist in überwiegenden Teilen der deutschen Linken nicht gewollt (da ist noch viel stärker zu sehen in anderen Zusammenhängen – so wurde der Vorschlag für eine Open Space bein 25. BUKO als "antitheoretizistisch" abgelehnt. Diese Kritik kam von Personen, die seit Jahrzehnten dabei sind und sicherstellen wollten, daß sie auf den Podien den ihnen zustehenden Platz bekamen und dann auch alle diesen Podien zuhören müssen – sprich: keine offene Programmdynamik stattfindet).

Und zum Abschluß noch ein paar "Leitsätze" aus der Open-Space-Literatur ...