herrschaftsfrei-solidarisch

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Mit dem Kongress möchten wir den Begriff "Solidarische Ökonomie" in Deutschland besetzen, seine politische Bedeutung diskutieren und politische Erfordernisse seiner Ausweitung formulieren.

(von der Website zum Kongress "Solidarische Ökonomie", der vom 24. bis 26. November in Berlin stattfinden soll; http://www.solidarische-oekonomie.de


Herrschaftsfrei in die Zukunft (von J.) ... oder: komisch-dass

Eine radikale Herrschaftskritik ist auch und gerade im Bereich der sogenannten "solidarischen Ökonomie" notwendig.

Die letzten 30 Jahre Alternativbewegung waren in vielen Bereichen eine große "Pleite". Vieles wurde versucht, von alternativen Betrieben, Kollektiven über "faire" Ökonomien und "gute" Banken. Doch ein kritisches Resümee der oftmals engagierten und mit ausgesprochen gutem Vorsatz und großer Kraft vorangetriebenen Alternativen, muß angesichts der noch immer herrschenden Verhältnisse auf dieser Welt wie auch der Entwicklungen im überwiegenden Teil der Projekte überwiegend negativ ausfallen. Gründe gibt es sicher viele und vielfältige dafür.

Doch bevor wir uns in den inszenierten "Markt der Möglichkeiten" – der ungenügend reflektierten Willkür der vermeintlichen Alternativen – einreihen, sollte uns ein Blick durch die "Herrschaftsbrille" verdeutlichen, dass herrschaftsfreie Perspektiven so kaum erreichbar sein dürften.

Es bedarf einer inhaltlichen, kontroversen Debatte über den Begriff der solidarischen Ökonomie und seine Inhalte. Vorgefertigte Themengebiete, Podien mit professionellen FunktionärInnen und SprecherInnen sind für eine solche Debatte ungeeignet. Trotzdem sind sie für den Kongress bereits im großen Stile geplant. Sie schaffen keine Vernetzung, keinen Austausch, keine Verständigung, keine Ideen noch nicht einmal Wissen vermitteln sie auf angemessene Art und Weise. Dass zentrale Akteurinnen der Kongressvorbereitung sich Sorgen darum machen, dass die Leute nicht wissen "wo sie hingehen müssen", spricht Bände über ihre Sicht auf einen erfolgreichen Kongressverlauf.

Als wir auf einem Vorbereitungstreffen grundlegende Kritik an der inhaltlichen Planung des Kongresses übten, wurde den Argumenten kaum Beachtung zu Teil (die Moderatorin aus der Bewegungsakademie verlies sogar den Raum während des vergleichsweise kurzen Redebeitrages). Er hatte die fehlende theoretische Stringenz des Kongresses und die aus seiner Sicht falsche Gestaltung der Rahmenlinien des Programms wie auch der Einteilung der Themenfelder kritisiert. Mit kumpelhaftem "Junge, wir machen das schon alles ganz gut" wurde zunächst versucht zu beschwichtigen. Als dies nicht fruchtete, zogen die PlanungsfunktionärInnen die Zügel fester und machten deutlich, dass am Konzept nichts mehr zu rütteln sei. Einzig der beherzten Parteinahme einer Funktionärin für den enttäuschten Projektaktivisten war zu verdanken, dass noch eine Türe geöffnet wurde und somit die Gelegenheit gegeben wurde, die eigenen Positionen und Wünsche einzubringen, auf das diese in die Planung des Kongresses noch Eingang finden könnten.

Dieser Text und das Wiki wollen versuchen, das Angebot ernst zu nehmen und den bisherigen inhaltlichen Planungen einen weiteren thematischen Strang entlang des Slogans "Herrschaftsfrei Wirtschaften" anzufügen.

Unter dem Titel "Herrschaftsfrei Wirtschaften", ist ein Heft der Reihe "fragend voran" erschienen, in der eine Reihe von ProjektaktivistInnen zentrale Fragen, Erfahrungen und theoretische Grundlagen für ein herschaftskritisches, solidarisches und auf freier Kooperation basierendes Wirtschaften versucht haben aufzuwerfen. (siehe http://www.fragend-voran.de.vu/)

Unser Anliegen ist es, den Anspruch von Herrschaftskritik in der Debatte um solidarische Ökonomie einzufordern, um einen offenen zukunftsorientierten und kritischen Ausstausch über die gegenwärtige Alternativökonmie und zukunftige perspektiven und Strategien überhaupt führen zu können. (s.u. SÖ vs. Herrschaft.) Ausgehend von einer theoretischen Auseinandersetzung und einer kritischen Reflektion der alternativökonomieschen Praxen, könnte es neben einer bloßen Darstellung der verschiedenen Projektansätze und deren Erfahrungen auch um eine praktische Vernetzung und Kooperation als Bestandteil einer konsequent herrschaftskritischen Strategie gehen.

Wir würden dann nicht das "Flair der Vielfalt" abbilden, sondern deutlich sichtbare Alternativen aufzeigen.

Wie ein solcher eigenständiger Themenstrang aussehen könnte und wer daran teilnehmen will, das alles könnte in diesem Wiki diskutiert und konkretisiert werden. Wir denken, dass es sich lohnt... denn wer will schon später gern in einem Hörsaal auf einem Podium sitzen und dort einem gelangweilten und auf Konsum orientierten Publikum Alternativen predigen, während die kapitalistischen Verhältnisse unbeirrt die Daumenschrauben fester stellt und der Grossteil der Menschen von Alternativen noch nicht mal träumen kann geschweige denn einen konkreten Ansatzpunkt für ihren Alltag finden wird?

Wir wollen uns nicht als "Wirtschaftssektor" im Kapitalismus etablieben, wie es auf der Website des Kongresses geschrieben steht, sondern solidarisch in eine Welt jenseits des Kapitalismus und der Herrschaft aufbrechen.



..... Herrschaftskritik und Solidarische Ökonomie (SÖ) (von M.)

Was ist das? Eine Bezeichnung für neuere Erscheinungen ökomischen Handelns in Brasilien? Gemeinwesenorientierte, genossenschaftlich organisierte oder ehrenamtliche Arbeit in Deutschland? Eine anarchistische/kommunistische Utopie?

Vorschläge für eine sinnvolle Herangehensweise an die nähere Bestimmung "Solidarischer Ökonomie” - als Grundlage sinnvoller Strategien zur emanzipativen Kompensation kapitalistischer Krisenerscheinungen.

Emanzipativer Austausch zu SÖ (Methoden)

Die Bedeutung von Solidarischer Ökomomie ist nicht klar bestimmt. Da dieses Begriffspaar dazu einlädt es zu einem szeneübergreifenden Ausdruck, quasi zum Fundament einer emanzipativen ökonomischen Sammlungsbewegung zu machen, wird bei einem derartig hoch gestecktem Ziel die Art und Weise der Diskussion enorm wichtig. Deswegen als erstes ein paar Worte zu den DO's and DON'T DO's emanzipativen Austausches.

Ist es selbstverständlich einen kritischen und vor allem auch selbstkritischen Umgang mit der Thematik und den Beteiligten zu fordern? Das wohl schon. Was leider nicht so einfach ist, ist genau dies in die Praxis umzusetzen. Gerade im Zusammenhang mit den oft fehlenden Eigenschaften Offenheit und Neugier werden Diskussionen oft zu dem wofür sie gehasst und gemieden werden: nervtötendes, perspektivloses Aufeinanderprallen. Wenn mensch dann noch gewöhnt ist recht zu haben, weil zu haus in der Gruppe nie einer Lust hat zu widersprechen, ist das Ego sowieso nicht in der Lage sich ganz unbeschämt auch mal etwas kleiner zu machen. Entscheident für eine erfolgreiche Diskussion wird also sein, ob wir in der Lage sind falsche Gewissheiten zu erkennen und fallen zu lassen (z.B. alle eindimensionalen (!) Erklärungsmuster a la "Wenn nur der Krieg aufhört...” oder was auch immer).

Sehr wichtig ist auch frühzeitig klären, welche Form von Moral unserer Argumentation zu Grund liegt. Ist es eine religiöse oder humanistische, oder im Bestfall eben keine. Das Thema Moral ist immer auch das Thema der Letztbegründung. Wenn wir an dieser Stelle ein umfangreiches Paket an unhinterfragbaren Überzeugungen mitbringen, ist das Projekt "gemeinsame Strategie” zweifellos gestorben. Unsere Auffassung ist, daß sich auch das Feld der Letzbegründungen nicht der kritischen Reflektion entziehen darf und sich da durchaus sehr banale und empirische Grundlagen für solidarisches Handeln finden lassen (körperliche und soziale Bedürfnisse, soziale Mechanismen).

Ist es vertretbar um das Raushalten jeder Form von Mystik oder Esoterik zu bitten? Muß wohl sein. Schliesslich bietet Glaube gerade so wie der persönliche Geschmack keine Diskussionsgrundlage. Im übrigen ist die Menschheit mittlerweile über den Punkt hinaus an dem immer wieder "das Unerklärliche” ins Feld geführt werden kann. Mit Wissenschaftskritik mit ihren verschiedensten theoretischen Werkzeugen können wir das mehr oder weniger kommerziell produzierte Wissen der empirischen Forschung sinnvoll verwenden (oder verwerfen). Eine hierfür wichtige Methode ist die Einordnung von Wissen in den Kontext. Ob in den zeitlich/historischen, räumlich/regionalen oder im inhaltlich/theoretischen Zusammenhang, die Betrachtung des Entstehungshintergrundes ist unverzichtbar für Kritik. Das gilt selbstverständlich auch für die Selbstkritik. ENTWEDER aus welchen Quellen wir unser Wissen bekommen ODER in was für einer persönlichen Situation wir uns befinden (Abhängigkeiten etc.) wird trotz der Banalität dieser Grundlagen von emanzipativen Austausches immer wieder unter den Tisch fallen gelassen.

Aus der Idee möglichst niemensch auszuschliessen die/der Interesse hat, sollte auch eine möglichst einfache Sprache zum Standard werden. Auch diese Idee ist so alt wie die Politik aber leider in der Praxis nicht oft umgesetzt. Gerade wenn die praktischen Handlungsmöglichkeiten minimal zu sein scheinen entwickelt sich die Gruppe der GesellschaftskritikerInnen zu einem eitlen, eifersüchtigen Haufen, in der scheinbar nur noch Profilierung und Abgrenzung von den vermeintlich "total Verblödeten” zählt. JedeR möchte sich vor allem als schlauer vorkommen. Einen andren Preis gibts ja schliesslich nicht zu gewinnen, oder?

Aber gibt es denn überhaupt eine Wahrheit über die es sich zu streiten lohnt? Wenn ja, habe ich sie gepachtet oder Du? Wenn nein, belassen wir es doch einfach beim Meinungspluralismus. Du denkst so, ich seh das halt anders – da kann man nichts machen. Auf wiedersehen. Oder wir benennen das offensichtliche: Wahrheit ist ein zwischenmenschlicher konsens, der in NUR einem herrschaftskritischen diskurs NICHT von einzelnen gepachtet wird sondern kritisch und solidarisch weiterentwickelt wird. Unter herrschaftlichen Bedingungen bedeutet Dissenz immer Konkurenz und Ausschluss.

Dieser Text versucht im Aufbau und Inhalt die genannten methodischen Überlegungen umzusetzen. Er versucht Mut zur Komplexität und zu einfachen Erklärungen zu zeigen, die Grundlagen vor den konkreten Strategien zu behandeln und dabei nie das Ziel aus den Augen zu verlieren, auch wenn dieses ebenfalls beweglich bleibt. Er versucht niemenschen zu beleidigen, jedoch bestimmt und kritisch in der Sache zu sein. Und er versucht die Hintergründe und Grenzen der Autoren zu reflektieren.

Zentrale Fragen und Grundbegriffe der SÖ (Gesellschaftskritik)

Zeit auf die zentrale Frage einzugehen: Was ist Solidarische Ökomomie? Und wollen wir das wirklich? Solidarität als Prinzip einer Gesellschaft ist mutmaßlich das Ideal, das wir teilen, das was das "wir” in diesem Satz ausmacht. Aber selbst dieser Begriff ist oft völlig unklar und widersprüchlich verwendet. Heisst Solidarität den Armen und Bedürftigen etwas zu schenken. Ist Solidarität die hierarchiefreie Produktion für den Markt. Irgendwie eher nicht. Was in beiden Fällen fehlt ist die Gegenseitigkeit. Die Profiteure schenken den Ausgebeuteten ein Almosen, die ArbeiterInnen ohne Chef schuften sich halb tot um marktfähig produzieren zu können. Ein Akt der Solidarität ist nur zwischen Gebenden möglich die nur eine zentrale Bedingung stellen: die Bereitschaft des/der Anderen im Bedarfsfall genauso gerne zu geben. (Das soll nicht die Hilfe für die dauerhaft Hilfebedürftigen verunglimpfen.)

Das zu Ende gedacht im Bezug auf Ökonomie heisst zB., daß ein hierarchiefrei produzierendes Projekt, in dem auch noch andere emanzipative Verhaltensweisen erprobt werden, eben trotzdem noch kein Teil Solidarischer Ökonomie ist, wenn die VerbraucherIn keine solidarische, sondern eine GeschäftspartnerIn ist. Es gibt in diesem Bereich allerdings Abstufungen. Eine Kommune mag zum Beispiel einen Stammkundenkreis haben der bereit ist aus Solidarität mit den Zielen und Leuten des Projektes einen mehr als marktüblichen Preis zu zahlen, oder auch nicht. Vielleicht konkuriert diese Kommune mit anderen "ethisch” Produzierenden sogar um das moralischere Gemüse. Vielleicht ist die Kommune aber auch an eine Verbrauchergemeinschaft angeschlossen, und hat über die gemeinsame bedrüfnisorientierte Planung und Bestellung ökonomische Sicherheit in einem weitgehend solidarischen Rahmen. Vielleicht werden KonsumentInnen und ProduzentInnen in einem solchen Zusammenschluss sogar ein und dieselbe Person. Vielleicht können solche Organisationen sogar andere Bereiche des Sozialen gestalten, zB. eigene Krankenhäuser, Schwimmbäder und Kinos betreiben.

Wie zu vermuten ist der Weg dahin kein leichter und wirft Fragen über Fragen über Fragen auf. Welche Rolle spielt der Staat für eine emanzipative Bewegung und ökomische Alternativen. Und wie verhält sich das bürgerliche Subjekt in uns, wenn wir immer mehr alltägliche Bedürfnisse unabhängig von Staat und Markt regeln? Brauchen wir eine Krise des Kapitalismus, damit wir genug Leidensdruck haben, um endlich etwas zu wagen? Wie gehen wir mit den durch Jahrtausende von Herrschaft gewachsenen modernen Nationen und ethnischen Konstellationen um? Kann ökonomische Veränderung die Männerherrschaft beenden oder beinhaltet menschliche Emanzipation nach wie vor Feminismus? Sind Rassismus und Antisemitismus einfach nur Chauvinismen der Profiteure oder steckt da so viel mehr dahinter, daß sie kontinuirlich kritisiert und bekämpft werden müssen? In Deutschland wurden schon einmal Verbrauchergemeinschaften im großen Stil ausgemerzt: Müssen Aktivitäten zur Entfaltung Solidarischer Ökomie aktiven Antifaschismus beinhalten?

SÖ vs. Herrschaft (Zielsetzung/ Ansprüche)

Dieser Text ist weder dazu gedacht noch geeignet den Prozess des Aufbaus und der Weiterentwicklung unseres Diskurses, der Theorien, Projekte und Netzwerke vorwegzunehmen. Er versucht notwendige Rahmenbedingungen für einen solchen Prozess zu diskutieren, bzw. vorzuschlagen. D.h. praktische, wie theoretischen Ziele und Ansprüche zu formulieren, über die sich u.E. notwendiger Weise verständigt werden müßte, bevor sinnvoll über Strategien gesprochen werden kann. Auch die Einordnung und Sinngebung der vielen einzelnen Projekte ist ohne diesen gemeinsamen Rahmen schlichtweg unmöglich, wenn wir eine gesellschaftlich relevante Bewegung erreichen wollen. Je gründlicher und kritischer wir an dem Fundament werkeln, desto wirkungsvoller und langfristiger können wir darauf bauen.

Kommen wir ein weiteres Mal zu der Frage des "wir”. Ist es möglich und/oder sinnvoll das "wir” nur und allein über das positive Merkmal "solidarisch” zu beschreiben? Ist es also ok z.B. nationale Solidarität oder die Solidarität zwischen "richtigen Männern” oder den Profiteuren zu fordern? Was hier fehlt ist die antagonistische Bestimmung: Herrschaft! Der Begriff "Herrschaft” fast die Verhältnisse zusammen "in denen der Mensch ein geknechtetes und verächtliches Wesen ist.” "Unterdrückung” ((dauerhafte) zwanghafte Unterordnung/Dominanz) und "Ausbeutung” ((dauerhafte) Enteignung der Produkte andere Menschen Tätigkeit) sind das repräsentative Duo auf dem nächst unteren Abstraktionsgrad und machen den Inhalt von Herrschaft bereits etwas anschaulicher, bzw. decken den Inhalt u.E. komplett ab. Ob das stimmt, bzw. was im Detail dazu zählt, ist Teil der Debatte die selbst in der Schreibtischfundamentalopposition kaum systematisch geführt wird - Und bei den PraktikerInnen leider noch viel weniger. An dieser Stelle kann dieses Manko nicht einfach Mal schnell behoben werden. Diese Aufgabe müssen wir gemeinsam angehen, sofern dieses "wir” existiert (Solidarität, Herrschaftskritik). Das diskursive Problem in der Herstellung dieses "wir” liegt in der Sache selbst: Freiwilligkeit bedeutet unter den gegebenen Umständen in der Regel sich lieber für die pragmatischen Überzeugungen im privaten Rahmen zu entscheiden und den Notwendigkeiten für gesellschaftliche Veränderung aus dem Weg zu gehen. Die Fülle der Möglichkeiten sich seine individuelle Weltanschauung zurecht zulegen tut das Ihre, der Mangel an Leidensdruck das Seine um den ziel- und ausweglosen Meinungspluralismus zu nähren. Dazu kommt noch das Überlegungen, wenn sie pragmatisch werden die kapitalistische Gesellschaft immer erst einmal (unbewußt) als Rahmenbedingung akzeptieren. Das Einzige was hier hilft ist Kritik, ein herrschaftskritische Perspektive und Strategie, ergo: die Einsicht in Notwendigkeiten und die Konsequenz im Denken und Handeln zugunsten von solidarischer Kooperation, weltweit. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wie möglicherweise zu erkennen war gehen wir davon aus das Solidarische Ökonomie ohne Herrschaftskritik sinnentleert ist. Es liegt theoretisch wie praktisch vor unseren Augen, daß ökonomische Strategien ohne politisch-soziale Engagment gegen Herrschaft (in all seinen Erscheinungsformen) keine Emanzipation bringen kann, im Gegenteil sogar Herrschaftsstrukturen erneuern und reproduzieren. Da es nun eine Reihe von ökonomischen Ansätzen breits gibt ist es höchste Eisenbahn eine gemeinsame Gesellschaftskritik und darauf eine gemeinsame Perspektive und viele Strategien zu entwickeln, an denen sich die Projekte orientieren und weiterentwickeln können, um aus dem möglicherweise falschen Fahrwasser zu gelangen.

Kongress "SÖ” in Berlin

Derzeit wird ein Kongress mit dem zentralen Thema Solidarische Ökonomie in Berlin vorbereitet, der im November neben ein paar internationalen Gästen vor allem deutsche Aktive und Interessierte aus dem Feld alternativer Wirtschaftspraktiken anlocken soll. Das Vorbereitungstreffen hat folgende wesentliche Motive der Beteiligten erkennen lassen: Identitätsstiftung: Der Kongress soll der Versuch sein eine Sammlungsbewegung vermeintlich gleicher nebeneinander her wirtschaftender Gruppen und Personen zu initieren, die ihre bisherigen Aktivitäten als "Solidarische Ökonomie” bezeichnen lernen. Selbstdarstellung: Angelockt werden die Projekte durch die Möglichkeit sich einem breitem interessierten Publikum vorzustellen, sich zu profilieren und ggf. Absatzchancen oder Einflussmöglichkeiten für ihre vorgefertigten Produkte und Konzepte zu verbessern. Diskussion: Ziel ist auch über möglichst zentrale Fragestellungen aus praktischer Sicht die Leute mit ihren Wahrheiten und Welterklärungen möglichst umfassend aufeinanderprallen zu lassen, weil erstens ja jeder seine Meinung hat und zweitens der Konflikt so furchtbar fruchtbar ist (oops, Polemik). Das dabei was rauskommt erwartet niemand, weshalb die obigen Punkte um so wichtiger werden. Zukunftsperspektive: Die Beteiligten bringen ganz unterschiedliche Visionen mit: Manche sehen in den Genossenschaften, andere im bedingungslosem Grundeinkommen den Weg in die freie Welt. Wie zu vermuten prallen da Erfahrungswelten aufeinander. Von den Hardcore-PrakmatikerInnen wird eine gemeinsame Strategie gar nicht in Betracht gezogen. Sie sind längst im Kapitalismus und ihren Privilegien fest verankert. Andere übertünchen die offensichtliche Ziellosigkeit mit professionellem Zweckoptimismus. Im Hinterkopf ist schon längst Plan B bereit zur Umsetzung: "Naja. Irgendwas muß mensch ja tun. Vielleicht springt wenigstens was für unsere Projekte raus.” Wenn sich also verweigert wird selbstkritisch den emanzipativen Gehalt des eigenen Weltbildes und alltäglichen Handelns zu hinterfragen, werden die obigen zwei Ziele GANZ PRAKTISCH die Realität dieses Kongresses bestimmen.



Vorschlag für Workshops auf dem Kongress

1. Fishbowl zur vorläufigen Beantwortung der Frage: "Was bedeutet es herrschaftsfrei und solidarisch zu wirtsschaften?"

2. Herrschaftskritik und solidarische Ökonomie - Kurzer Input und 2 - 3 Thesen zur Diskussion (auf Grundlage des textes oben)



Raum für Anregungen, Kritik und Vernetzung:



Neue Seiten im Kontext

Sonntag, 28. Mai 2006