bolo'bolo

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Vision einer nachkapitalistischen Welt

Buch von P.M.

bolo'bolo - english edition - semiotext(e) - ISBN: 093675608X

bolo'bolo - deutsche Ausgabe - verlag paranoia city - ISBN: 390752201X

bolo'bolo - franz. ausgabe - 1998 - isbn 2-84162-0028-x - 216 p.

Das Buch ist bereits in 7 Sprachen erschienen.

IBU

Eigentlich gibt es nur das ibu und sonst gar nichts. Doch das ibu ist unzuverlässig, paradox und pervers. Es gibt nur ein einziges ibu, und trotzdem tut dieses so als ob es mehr als 4 Milliarden davon gebe. Das ibu weiss auch, das es selbst die Welt und die Wirklichkeit erfunden hat, und doch glaubt es fest daran, dass diese Einbildungen real sind. Das ibu hätte sich eine angenehme, problemlose Wirklichkeit erträumen können, aber es hat sich darauf versteift, sich eine Elende, brutale, widersprüchliche Welt einzubilden.

Es hat sich eine Wirklichkeit zusammengeträumt, in der es ständig von Konflikten, Katastrophen und Krisen geplagt wird. Es ist hin- und hergerissen zwischen Glücksrauch und Trübsal, zwischen Begeisterung und Enttäuschung, zwischen Ruhe und Nervosität. Es hat einen Körper, der jeden Tag 2000 Kalorien benötigt, schnell müde wird, friert, krank wird und es ungefähr alle 70 Jahre wieder aus sich vertreibt. Lauter unsinnige Komplikationen.

Um sich daran zu hindern, zu sich selbst zu kommen und die Traumhafigkeit der Wirklichkeit zu durchschauen, hat sich das ibu. auch die "anderen" ausgedacht. Es bildet sich ein, diese künstlichen Wesen seien wie es selbst. Wie in einem absurden Theater tritt es mit ihnen in Beziehung, liebt oder hasst sie , fragt sie sogar um Rat oder philosophische Erklärungen. Es flieht so vor seinem eigenen Bewusstsein und delegiert es an andere um es los zu werden. Es macht sich diese anderen fassbar, in dem es sie zu Institutionen formiert: Paar, Familie, Verein, Stamm, Club, Volk, Menschheit. Es erfindet die "Gesellschaft" und unterwirft sich ihren Gesetzen. Der Alptraum ist perfekt. ...

aus: www.bolo-bolo.org/deutsch.htm - als die site noch online war

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pili

Jedes bolo ist in einem gewissen Sinn eine «kleine Welt» oder ein «Heim», also ein Ort vertrauter Zeichen. Die Art dieses Zeichen-Heims, der Austausch dieser Zeichen, der Umgang mit ihnen, ist ein wichtiger Teil der kulturellen Eigenart eines bolo. Gefühle, Sinneseindrücke, Ideen, Erfahrungen, Kenntnisse, Ereignisse, Geschichten und Gedichte, Kommunikation, Musik, Pädagogik, Forschung, Medien usw. - all das gehört zu pili.

Kommunikation und Erziehung bilden heute mächtige Monopole des Staates und der Grosskonzerne. Schulen, Universitäten, Gefängnisse und Medienkonzerne sind dazu da, die Kommunikation so zu regulieren, dass die Maschine weiter funktionieren kann. Die bolos brauchen keine solchen Institutionen mehr. Lehren und Lernen wird wieder ein Teil des Lebens selbst. Jeder wird zugleich Lehrling und Lehrer sein. Die jüngeren oder lernenden ibus werden den älteren zuschauen. In den bolo-Werkstätten, Küchen, Laboratorien, Bibliotheken, Landgütern, Apotheken, Ateliers, werden sie das lernen, wofür sie sich interessieren. Die Weitergabe von Wissen und Fertigkeiten wird alle produktiven oder intellektuellen Vorgänge begleiten und «stören». Das bolo-Leben wird ein Gewirr von «didaktischen Digressionen» (lehrhaften «Abschweifungen»).

Schulpflicht und Zwangsalphabetismus verschwinden. Je nach kultureller Eigenart können bolos Lernkabinette einrichten, wo ibus, die gerne unterrichten, Schreiben, Lesen und Rechnen lernen. (Ein bolo ist gerade gross genug, dass einige Schülergruppen gebildet werden können.) Es kann auch sein, dass ein bolo besondere pädagogische Leidenschaften entwickelt hat und daher Schüler von andern bolos dorthin gehen, um bestimmte Fächer zu studieren (im Rahmen von Tauschabkommen oder «gratis»). Vielleicht gibt es sogar Quartiere oder Städte, wo die Übereinstimmung so gross ist, dass eigene Schulen eingerichtet werden können. Doch wird all das völlig freiwillig sein und von Ort zu Ort verschieden. Es wird keine offiziellen Lehrpläne geben, kein hierarchisch gegliedertes Schulsystem, keine Selektion, keine Noten, Dipolome, Titel usw.


Das neue Buch von P.M. heißt SubComA


siehe auch bolo´bolo" und P.M.s "Planetarische Arbeitsmaschine von Jens Hermann und Utopie

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Mittwoch, 15. Mrz 2006

Wohnprojekt in Zürich