Hütten06 - Workshop Kai Ehlers

Version 9, 84.56.188.229 am 14.4.2007 00:18

Protokoll zum Workshop von Kai Ehlers beim OpenSpace Hütten06

Einleitung Kai Ehlers

Die Krise des Kapitals kann auch in einem wörtlichen Sinn aufgefaßt werden als "Wachstumskrise", im Sinne eines pubertierenden Systems, das in seine "Übergangs-" bzw. "Erwachsenenphase" kommt, in denen es – nach einer Zeit der Selbstbezüglichkeit – in die "reife Phase" kommt.

Es ist nicht mehr der "Kapitalismus", der sich da andeutet, sondern eine andere Gesellschaft,in der die Menschen Zugriff auf die neu geschaffenen Produktionsvoraussetzungen haben.

Erwerbsarbeitslosigkeit ist eine Erscheinungsform dieser Wachstumskrise: Kapitalismus ist nicht fähig den Reichtum zu organisieren, in den freigesetzen Menschen ist potentieller Reichtum an Beziehungen und Projekten.

Die Grundeinkommensdebatte ist Ausdruck des Bewußtseins davon; das ist ihr Kern und nicht die verschiednen Modelle wie etwas finanzierbar ist oder nicht. Sie kann sinnvollerweise nur in Zusammenhang von 3 Prozessen gedacht werden

Umwandlung der staatlichen sozialen Unterstützungssysteme in Grundeinkommen

Gleichheit auf dem Niveau der bestehenden Existenzform des Staates.

Bildung von Solidargemeinschaften

Es existiert also ein breiter Prozeß der Bildung von Solidargemeinschaften.

Viele der marginalisierten Menschen kommen in einen Bereich, in dem sie zur Selbstorganisation – Selbsthilfe gezwungen werden. Dieser Prozess ist ambivalent und hat einiges an Lernpotentialen zu bieten:

Banalste Ebene:

Individuelle Freiheit, Bergmann, Eigenarbeit, Technologien nutzbar und verfügbar machen

Diskussion in Hütten

Franz:

Inwieferne und warum wird Eigenarbeit so pointiert unterschieden von Solidargemeinschaften? Geht es nicht um Gemeinschaftsproduktion fürs eigene Bedürfnis?

Kai:

Betonung der Eigenarbeit als eigenständig ist wichtig. "was mach ich über das Grundeinkommen hinaus"- "was mach ich neben den Gemeinschaftsaufgaben"

Franz:

Was ist mit den Handlungsmöglichkeiten in geldförmiger Form, die sich strategisch und taktisch bilden (kann Geld helfen soziales Kapital zu bilden? Open Source Business, Support Economy)

Kai:

"Selbstverständlich müssen einige noch außerhalb arbeiten"

Franz:

es war nicht das Devisenverdienen von Ökodörfern gemeint sondern die Frage: was mach die Wirtschaft, die mächtigste Instanz auf dem Planeten, und inwieferne kann ihre Macht beeinflußt werden.

HGG:

Janusköpfigkeit der Technologie?

HGG:

Individualisierungstenzenz

Kai:

Es kann keine nachhaltige Gemeinschaft mehr gebildet werden, ohne diesen Individualisierungsprozeß aufzunehmen. Neue Organisationsmuster im globalen Rahmen. Individuum spielt eine hervorragende Rolle

Wolf:

Die vergangenen Solidargemeinschaften: nur ein Wetterleuchten?

Kai:

Verstaatlichung der Sozialstrukturen – ein historischer Mißbrauch. Wir stoßen auf verbrauchte und mißbrauchte Strukturen von Gemeinschaft. Deutsche sind reich an Erfahrungen.


(Hier entspannte sich eine Diskussion zu Ökodorf Modellen, z.B. Hohenroda, die Frage wie staatliche Mittel dazu benutzt werden können, nachhaltige nichtmonetäre Möglichkeiten der Existenz aufzubauen. Hohenroda ist eine dörfliche Struktur nördlich von Leipzig, in der in durchaus traditioneller Weise (betrieblich gemanaged und mit öffentlich unterstützten Projekten) Tauschbeziehungen und gegenseitige Hilfe ermutigt werden - effektiv und mit ersten sichtbaren Erfolgen, FN)

Entgegen: bekannte Strukturen, Kaufungen, Niederkirchbach, bestehen aus alten Pfründen. Beziehungen nach außen, irgendwo muss es ja herkommen, trozdem, woher kommt die Energie, was ist die Sinngebung (?)

HGG:

immer ein Energiedurchsatz, Kreislauf: Große Struktur (Marktkapital), Kleine Struktur (Solidargemeinschaft), Dritte Struktur (wer?)

Wolf:

Georgien,

Kai:

Energie kommt aus dem Wunsch nach Beziehung, Wunsch nach Selbstentwicklung, Kulturelle Beziehungen etc., Zusammenschluss, Restgesellschaft hindert durch die Form der Organisation (Konkurrenz(?))

Franz:

will darauf hinweisen, daß es nicht darauf ankommt, Solidargemeinschaft aus moralischen Imperativen zu begründen (jetzt ist die Zeit der Müsser, früher war es die der macher)

HGG:

Gemeinschaft entsteht woraus? Hingehen? A<E

Kai:

deshalb fing es an mit dem Verbrauerschutz, Konsumentenorganisation um die Beziehung zum Produkt zu formulieren,

Franz:

Freie Software als Muster fehlt,

StefanMa:

Handwerker organisieren sich doch! Siehe Freie Software

Franz: Gerade am Nichterfolg von OpenCraft sieht man das Vermittlungsproblem ganz deutlich.

Kai:

Wirklichkeit die ich sehe

Stefan:

das sind Verelendungsprozesse (Tauschringe) damit lockst du keinen aus der Beschleunigung hinter dem Ofen vor.

Stefan:

70 Jahre, Sozialstaat, würde sich heute gleich auflösen, (?)

Franz:

allge. Gefühl das etwas verändert werden muss, Abschottung der Gemeinschaften

HGG:
Franz:

Die Diskussion wird grad etwas wild…

Kai:

Software, Software, Software .Not. Beschleunigung. Gemeinsamer Prozess

Stefan:

Anmerkung aus der Realität: Chefbetriebe: kein Bedürfnis, Handwerk funktioniert besser als Chefbetrieb,

Kai:

wenn wir die Chefs ausklammern wollen, dann können wir die Diskussion jetzt beenden.

Uli:

Kapitalismus – Gedankenlosigkeit (das ist der positive Effekt, der den Leuten gefällt), Gedankenlosigkeit des Geldes

HGG:

Org.Struktur der Chefs,

Annerose:

Hohenroda, der Chef sagt: Wir können niemanden in die Solidarstruktur zwingen, es gibt auch das Recht auf Verwahrlosung, aber "Hartz IV treibt uns die Menschen in die Arme"

Nils:

mich errinnert das an die DDR

Kai:

Russland: keiner ist rausgenommen; Sowjetunion: die Kolchose/ sofiose, hat das übernommen; Heute: Mischformen werden übernommen, Beispiel aus der Gegend von Novo Sibirsk, 51:49 AG, Chefstruktur, neue Häuser mit Gärten und Ställen, Subsitenzwirtschaft, was darüber geht wird nach außen Verkauft, Zwischenform der Geldwirtschaft, Plädoyer für Versuche

Wolf:

historisches landwirtschaftliches Verhältnis, auch hier, Gemeinschaftsstrukturen in Bawü/ Schwarzwald, Dorfgemeinschaftliche Mehrwertproduktion,

Kai:

die Sache muss historisch Disskutiert werden

Stella:

warum nicht ahistorisch Denken, schließlich kommen Jüngere nach

Rainer:

Realitätseinwurf: Resignation der Leute

Frederike:

Mensch besteht aus Kopf, Herz, Bau – Software funktioniert an einem abstrakten Kältepol, Sinnlichkeit, Beus – Wärme der Krativität,

Diskussion im CoForum

ThomasKalka:

Kai, ich hätte gerne von Dir eine Aufstellung der Projekte, die Du im Kontext von Solidargemeinschaften betrachtenswert findest.

Bezeichnest Du auch Netzwerke als Gemeinschaften, oder sollte die Blickrichtung auch auf solche ausgeweitet werden ? Die Gemeinde der Freien Software-Produzenten, Benutzer, Unterstützer ist IMO schwer als Gemeinschaft zu begreifen. Als Netzwerk allemal.