Hört auf zu rechnen!

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web: http://www.werkstadt-dortmund.de/we ... ngress/doc/frank.pdf
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http://www.f27.parsimony.net/forum66392/messages/810.htm - eine reaktion darauf
http://www.ulifrank.info/uf/index.p ... f.H%f6rtAufZuRechnen

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Hört auf zu rechnen

Wir wissen heute genug über Kapitalismus, jedenfalls genug, um uns auf den Weg zu etwas besserem zu machen.Es mag wissenschaftlich spannend sein, die Zumutungen des Kapitalismus immer wieder neu zu skandalieren, das verhängnisvolle Wesen des Systems immer genauer zu analysieren und seine Wirkungen in alle Verästelungen hinein zu verfolgen. Aber es muß uns doch auffallen, wie wenig sich die Leute dafür interessieren. Obwohl viele sagen: "So kann es nicht weitergehen!", werden wir Linken kaum zu Rate gezogen. Das liegt sicherlich nicht an unserer theoretischen Schwäche, sondern daran, das wir offensichtlich keine attraktiven Lösungen zu bieten haben.

Natürlich kann man sich mit Publikumsbeschimpfung aus der Affäre ziehen, die Menschen für Begriffs- stutzig, oberflächlich, uninteressiert erklären, man kann zynisch konstatieren, es gehe ihnen noch nicht schlecht genug, aber konstruktiver wäre, die eigenen Fehler oder Schwächen anzuerkennen und es in Zukunft besser zu machen.

Wir Linke sind als radikale und scharfsinnige Kritiker bekannt und haben viel von Befreiung, Emanzipation und Fortschritt geredet. Aber wir sind auch berüchtigt dafür, dass diesen schönen Verheißungen häufig gegenteilige, kontraproduktive Taten folgten. Wer Befreiung vom Terror der Ökonomie fordert und alle Verhältnisse umwerfen will, "in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist" (Marx), der darf nicht selber erniedrigen oder andere verächtlich behandeln, der darf nicht selber terrorisieren und die Gegenwart der Zukunft opfern. "Die Christen sehen mir nicht erlöst genug aus" soll der Atheist Nietzsche mal spöttisch gesagt haben.

Zum anderen lohnt es gegenwärtig nicht, sich Gedanken über die "Abschaffung des Systems" zu machen. Das System funktioniert erschreckend zuverlässig weltweit. Wer nicht an Verschwörung glaubt, hat keine Lösung für einen System- Wechsel. Und außerdem: die Strategie, von oben das System zu ändern und dann die Menschen in das neue System hinein zu sozialisieren , hat sich ja als historischer Irrtum erwiesen. Und es wäre kontraproduktiv: wir wollen den Menschen keine neue Struktur auf oktroyieren; wir, Kinder der bürgerlichen Freiheit, wollen selber nicht mehr funktionalisiert werden und andere funktionalisieren. Wir müssen und können also nur dort anfangen, wo wir selber stehen. Wir können Experimente machen, Räume schaffen für neue Erfahrungen, neue Denk- und Verhaltensmuster versuchen und diese auswerten und austauschen. Wieviel Theorie ist nötig, um Kapitalismus zu begreifen ? Haben wir genug verstanden, wenn wir uns klar darüber werden, dass all unser Denken, Handeln und Fühlen seit 400 Jahren in einem knallharten Gehäuse gefangen ist, nämlich in dem Gefängnis der Geld- Logik. Um 1600 herum ist die Menschheit umgepolt worden. Von Europa ausgehend hat sich ein neues Lebensgefühl verbreitet. In dieser Zeit wurde eine neue unerbittliche Lebensgrundlage geschaffen, nämlich die endgültige und evidente Abhängigkeit aller Menschen vom Geld. Es ist die unausweichliche Lebenserfahrung, dass ab jetzt alles etwas kostet, dass das Leben der Menschen auf der Logik ständiger Berechnung, unerbittlich auf Leistung und Gegenleistung beruht. Diese neue Erfahrung hat sich in alle Tiefen der menschlichen Lebensäußerungen eingegraben, sie lässt sich in der Philosophie, der Mathematik, sogar der Musik usw. nachweisen. Und das verhängnisvolle daran ist, dass diese Prägung so erfolgreich ist, als völlig natürlich und selbstverständlich erscheint, als etwas, wozu man sich eine Alternative nicht einmal mehr vorstellen kann. Dass alles etwas kostet, dass Arbeit sich rentieren muß, dass, wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll... ist derart normal geworden, dass unser Denken regelrecht blockiert ist.

Aber: dieser Zustand der Phantasielosigkeit und Lähmung ist es, an dem wir ansetzen müssen. Alles, was uns aus der neoliberalen Misere TINA (There is no Alternative) herausführen könnte, ist gut. Jede Ausschließung irgendeiner neuen Erfahrung macht uns ärmer. Wir wissen nicht den richtigen Weg, also empfiehlt es sich, mit den Erfahrungen der anderen konstruktiv umzugehen und nicht immer wieder in den alten Fehler der Linken zu verfallen, sich im "Kampf um die richtige Linie" aufzureiben.

Unter diesem Aspekt sind unsere Erfahrungsberichte zu verstehen. Zum Beispiel des Unperfekthaus in Essen, das Gasthäuser- Experiment, Heidemaries Leben ohne Geld, Umsonst Läden, die Bremer Commune usw..Ich möchte zuerst noch meine zwei Lieblingsthemen erwähnen, die leider nicht auf dem Programm stehen, nämlich die *freie Softwarebewegung und das all inklusive Modell.*

Beide Modelle haben gravierende Schwächen, sodass man sie nicht als Keimformen bezeichnen kann oder muss, aber sie haben auch schon so viel neue Qualitäten, dass man sie als Vorgeschmack, Vorübung auf eine neue Logic verstehen kann. Und vor allem: es sind keine Nischen- Projekte, sondern sie besitzen eine gewaltige gesellschaftliche Attraktion.

Das Projekt FS beweist, dass es wirksamere und schönere Motivationen als das Geld gibt und Menschen auch völlig ohne "Unternehmer" (Manager und Kapitalbesitzer) perfekt und zuverlässig miteinander kooperieren können.

Wichtig ist noch, dass es sich dabei weder um Tausch noch um Schenken handelt. Das Produkt wird aus Freude an der Arbeit in die Welt gesetzt. Der Nutzer dieser Leistung ist niemandem etwas schuldig, er braucht sich keinen Kopf um nichts und niemand zu machen. Einige Menschen stellen etwas aus Liebhaberei (als "Hobby") her, andere nutzen es. Punkt. Es gibt keinerlei Verpflichtungen, Ansprüche, Rechnereien, Verbuchungen, Gegengeschenke, Gegenleistungen, Ausgleichsgaben oder was immer.

Dies Modell scheint mir eindeutig der Geldlogik überlegen und damit zukunftsfähig. Außerdem ist es kein Kampf- Modell: Niemand hat versucht, z.B. Bill Gates (Microsoft) etwas streitig zu machen, wegzunehmen.

Auf der Konsum-Seite nannte ich die All- inclusive- Idee: Auch hier können neue Erfahrungen gemacht werden, die über die Beschränktheit der Geldlogik hinausgehen: Innerhalb des ´AI- Paradieses´ können alle alles nutzen. Es gehört ihnen nichts (juristisch) aber sie können alles für sich nutzen. Niemand ist mehr mit kassieren, bewachen, fernhalten, anschließen beschäftigt. "El barman" gibt nur noch Getränke aus, die Kellner füllen das freie Buffet auf. Interessanterweise kümmert sich niemand um die Speise- und Getränkekarte, die überall ausliegt. Man ist ja nicht mehr mit Preisvergleichen, Nachdenken über Preis- Leitungsverhältnisse, Sonderangebote usw. beschäftigt. Niemand muß in sein Portemonnaie schauen bevor er etwas isst oder trinkt. Jeder sucht sich das aus, was er gerade möchte und soviel er davon möchte.

Dieses sich rapide verbreitende Urlaubskonzept ermöglicht also auch bereits einen Vorgeschmack auf ein Leben ohne Geld. Es widerlegt das Vorurteil, dass "die Menschen" mit konkretem Reichtum nicht umgehen können und deswegen über knappes Geld diszipliniert werden müssen.

Leider sind diese beiden Vorgeschmack- Modelle noch überdeutlich in der Geldgesellschaft verankert:

Bei der FS müssen sich sämtliche Produzenten noch auf andere Weise alimentieren, also ihren Lebensunterhalt woanders in Geldform und durch normale Erwerbstätigkeit verdienen. Bei AI muß die Zeit im Paradies vorher bezahlt werden. Also auch hier setzt die Berechtigung zum Aufenthalt in der Neuen Welt Geld und damit anderweitige Erwerbstätigkeit voraus. Bei beiden Modellen gibt es auch noch jeweils einen anderen gravierenden Schönheitsfehler:

Die FS produziert bisher ausschließlich virtuelle Produkte. Zwar wird an verschiedenen Stellen auch über die Übertragbarkeit auf materielle Güter nachgedacht (Hardware- Design, Fabber, OsCar). Aber hier gibt es noch keine Modelle.Bei AI stört die hermetische Trennung zwischen "Konsumenten" und "Produzenten". In der Urlaubssituation wirkt diese wie der Zustand in einer Klinik oder Pflegeanstalt: Die einen sind bloß zum unentwegten Konsumieren hier, die anderen zu harter Arbeit, um die Faulen zu bedienen. Was an der "alten" Geldlogik so faszinierend ist, ist der entlastende Mechanismus, der mich von tausend Gedanken über das Funktionieren der Wirtschaft befreit. Ich brauche nicht zu wissen, woher die Waren kommen, wer sie unter welchen Bedingungen produzierte, was sich irgendjemand dabei dachte, wie der Produzent oder Verkäufer mich sieht und ich ihn Ich verlasse mich darauf, dass das System mit oder ohne meine Beteiligung funktioniert.Ich kann aktiv werden oder auch nicht. Keinerlei Verantwortung für das Ganze lastet auf meinen Schultern. Nach dem Kauf oder Verkauf ist jede Verbindung zum ökonomischen Gesamtmodell oder zu einzelnen Akteuren wieder vollständig gelöscht. Dieser Automatismus, diese kognitive und moralische Entlastung, dass das System von mir, meinen Emotionen und Handlungen unabhängig bleibt, gilt es als Fortschritt zu bewahren (besser in der Hegelschen Sprache "auf zu heben" in der dreifachen Bedeutung: negieren, bewahren, auf eine höhere Stufe bringen). Genau diese Entlastung ist in den genannten Beispielen FS und AI ebenfalls vorhandensogar noch verbessert um den fehlenden Aspekt der Rechnerei und Vergleicherei. Ich kann wirklich ganz bei meinen eigenen Bedürfnissen bleiben und völlig frei auf andere zugehen, also meine Beziehungen völlig unabhängig von der Ökonomie, also meiner eigenen Reproduktions- Frage gestalten.

Die FS- Produkte sind ohne Fremdbestimmung aus eigenem Antrieb von Leuten in die Welt gesetzt worden, die ihren Spaß, ihre Befriedigung hatten und nichts dafür von mir erwarten. Frei KANN ich Kontakt zu ihnen aufnehmen ohne Verpflichtung (was auch relativ häufig geschieht; Anfragen, User- Groups, Treffen). Je größere Teile der Ökonomie nach diesem Muster organisiert wäre , desto größer wäre der Fortschritt über die Geldlogik hinaus. Bei AI bin ich ebenfalls von allem entlastet, was mich Zeit und Lebenskraft kostet (Preisvergleich, Konkurrenz, Nachrechnen, Frust-,Imponier- konsum). Ich erlebe das wunderbare Gefühl, ganz von meinen Bedürfnissen ausgehen zu können, einfach nehmen, aus der Fülle auswählen zu dürfen- sogar ohne ständig an Gegenleistungen denken zu müssen. Versuche mit geldlosen Lebensbedingungen über einen längeren Zeitraum hinaus werden z.Zt. in einigen Großkommunen gemacht (Niederkaufungen, Longo Mai, Waltershausen, z.T. ZEGG). Nach "außen" (Geldlogik) werden Gelder für die Lebensmittel erwirtschaftet durch Erwerbstätigkeit einzelner Kommunarden oder durch den Verkauf von gemeinsam erbrachten Waren und Dienstleistungen (Catering, Kinderbetreuung, Seminare, Bioprodukte, Handwerks- Leistungen und -Produkte). Innerhalb der Kommune gibt es kein Geld mehr, keine Warenwirtschaft, Abrechnungen, Tausch usw. (Wer neu eintritt, gibt sein ganzes Vermögen und seine Einkünfte an die Gemeinschaft ab). Der Nachteil hier ist, dass diese Modelle ein sehr starkes Zusammengehörigkeitsgefühl voraussetzen und entwickeln. Es wird sehr viel diskutiert, beraten, verwaltet, gearbeitet, also ein sehr hoher Integrations- und Entscheidungsfindungs- Aufwand betrieben (Gruppendynamik). Dadurch ergibt sich eine starke Abgrenzung nach außen und eine hohe Verbindlichkeit nach innen: klosterähnliche Strukturen. Vielen Menschen ist die Einstiegsbarriere und das ständig erforderliche hohe Niveau an Engagement zu hoch.

Dieses Experiment erfordert sicher als Pioniertat viel Kraft. Man braucht Selbstbewusstsein, Disziplin und Durchhaltevermögen. Muss auch auf gewohnte leichte Zugriffe auf den gesellschaftlichen Reichtum verzichten. Neue Erfahrung z.B.: Nicht immer alles im Griff haben, nicht ´Herr´ sein müssen (männliche Logik), keine juristisch durchsetzbaren Ansprüche aufbauen, Kontrolle aufgeben. Statt dessen sich abhängig, verletzlich machen, dadurch immer wieder überrascht, beschenkt, begeistert werden, Zuwendung bekommen ohne immer zu rechnen und zu vergleichen. Ein Nachteil (aus meiner Sicht): Der ökonomische Automatismus der Geldlogik wird durch einen hohen kommunikativen Aufwand ersetzt. Strukturen müssen ständig neu geschaffen, lebendig gehalten oder umgeändert werden. Der Aufwand reduziert sich zwar in dem Maße, in dem sich diese Strukturen etablieren; trotzdem bleibt alles labiler. Außerdem: zwar entfällt der zeitliche und emotionale Aufwand für die Geldbeschaffung; allerdings bleibt der Tauschgedanke (das Äquivalenz- Prinzip) in der Pflege des persönlichen Beziehungsgeflechts in abgewandelter Form irgendwie erhalten: der "Fluss von Geben und Nehmen" soll stimmen. Also bin ich ständig mit dem Vergleich meiner Bedürfnisse und Leistungen mit denen der anderen beschäftigt. Das ist zwar eine andere Qualität als die knallharte Geldlogik, kommt mir aber auch (emotional/ psychisch) sehr anstrengend vor. Von den AI-Erfahrungen ausgehend könnte man *Pauschal-Modelle /Flatrates * entwickeln. Sie lassen sich praktisch jederzeit und überall innerhalb der bestehenden Ökonomie verwirklichen, schaffen aber die Möglichkeit, diese Ökonomie spielerisch und zeitweilig zu verlassen:

Das heißt:

Es gibt z.B. Leute, die bewusst ihre Arbeitszeit reduzieren, auf bestimmte Aufdringlichkeiten unserer Wirtschaft verzichten- z. B. Fernsehen, Auto -, die unspektakulär neue Wohnformen ausprobieren (Öko- Siedlungen, Wohn -, Hausgemeinschaften), die Veranstaltungen, Treffpunkte organisieren, Selbsthilfegruppen, Interessengemeinschaften, Initiativen gründen usw.).

Außerdem gibt es offensichtlich eine Menge künstlerisch – kultureller Initiativen vielfältigster Art (z. B. Die evolutionären Zellen in Frankfurt, die neulich ein Preisausschreiben für " selbst beauftragtes Gestalten von Gesellschaft" veranstalteten, das Büro für integrative Kunst in Nürnberg/ Erfurt, die sich gerade mit dem Problem schrumpfender Städte befassen, Otium in Bremen, ein Verein ehemaliger Entwicklungshelfer, die ein anderes Zeitgefühl reflektieren usw.). Fast automatisch kommen diese Initiativen und ExperimentatorInnen früher oder später an die Grenzen der Geld-/ Verwertungs Logik, geraten in Konflikt mit ihr und müssen sich so auch mit dem Problem der Grenzüberschreitung beschäftigen. Viele, fast alle dieser (hoffentlich!) ganz unterschiedlichen Ansätze und Experimente werden ihre spezifischen neuen Erfahrungen machen, zu deren Vernetzung wieder andere beitragen könnten, sodaß ein immer größerer Schatz an Bausteinen für eine neuen Welt entsteht.

Praktische Übungen im Alltag

1. "unter seinen Verhältnissen" leben. Dieser scheinbare Verzicht auf einen Teil dessen, was man kaufen könnte, "was einem zusteht", verschafft Handlungsfähigkeit (Klaus Holzkamp- kritische Psychologie), Spielraum, Freiheit. Es geht nicht um die Glorifizierung von Askese oder Ablehnung konkreten gesellschaftlichen Reichtums, sondern darum, die Zwänge zu verringern, die durch die Bedienung der Geldlogik entstehen (Beschaffungsprostitution)

2. Statt der Enge der ständigen Berechnung eine Kultur der Großzügigkeit beginnen. Diese wiederum verschafft Anerkennung, macht attraktiv, stärkt Freundschaften usw., trägt also durch ihre Ausstrahlung zu einem neuen Lebensgefühl bei

3. Emphatie entwickeln, d.h. zu fragen aufhören, wie ich den anderen für mich nutzen kann, sondern ihn gleichberechtigt in die eigene Lebensplanung respektvoll einbeziehen. Darauf achten, dass es mir selbst und den anderen gut geht.

4. Bedürftigkeit zulassen. Aufgeben der typisch männlichen Herrschafts- und Überlegenheits- Attitüde. Verletzlichkeit, Dankbarkeit, Abhängigkeit zeigen, nicht alles beherrschen und technisch lösen wollen, eigene Bedürfnisse nicht über juristische Ansprüche und die Zwangslogik des Geldes regeln.

5. Überhaupt den "Rechtsweg" grundsätzlich vermeiden. Probleme anders lösen z.B. spielerisch, durch auslosen o.ä. (Beispiel Arme-Stemmen statt Gerichtskosten).

6. Sich klar darüber sein, dass die Ablösung aus der Geldlogik sehr schwierig ist, weil es sich dabei nicht um ein eingebildetes, ideologisches Problem handelt, sondern unsere Welt definitiv und grundlegend vom Geld bestimmt wird. Vorläufig dürfte niemand in der Lage sein, die Geldlogik vollständig zu verlassen. Der Ausstieg kann immer nur partiell sein (Standbein- Spielbein).

7. Ressourcen verbinden: zB. Gasthäuser- Idee: Menschen mit viel Platz laden nomadisch lebende ein, ein Zeit lang ihre Ressourcen zusammen zu tun: die Nomadin hat eine Unterkunft, die Hausbesitzerin wird bei der Erhaltung ihres Hauses unterstützt. Interessanteres Leben, neue Impulse, lebendige Vernetzung durch die Nomaden. Teilen als Lebens- Qualität ausprobieren.

8. Kommunizieren. Unbehagen äußern, sich abgrenzen lernen, Ansprüche zurückweisen, Respekt und Toleranz lernen, Selbstwertgefühl entwickeln, Sozialisationsdefizite bearbeiten, Ermüdungs- Phasen bewusst wahrnehmen, analysieren und Erfahrungen austauschen.

9. Das Abenteuer in den Vordergrund stellen und nicht die Mühe. Sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Anfang anstrengend ist und echte Pionierleistungen verlangt. Gut ist, sich Tricks auszudenken, wenn aus Frust die Berechnungslogik sich wieder meldet: Sich zB. fragen, was ich bei einem bestimmten Kontakt selber wieder lernen konnte, statt zu fragen, ob es sich für mich rechnerisch lohnte. Immer daran denken: Rebellion macht auch Spaß und stärkt das Selbstbewusstsein.

10. "Guten Umgang", Kontakte pflegen. Wahlverwandschaften, neue gesellschaftliche Zusammenhänge innerhalb und unabhängig von der Großgesellschaft herstellen (mit den neuen Techniken Internet, Handy usw), dabei aber auch nicht zu wählerisch sein- sonst wird´s nie was... die guten (interessanten) Seiten des/der anderen herausfinden.

11. Nicht missionieren und belehren, sondern eine bessere Lebensqualität versuchen und diese ausstrahlen.

Diskussion

sigi:

uli sagt mir zwar nichts neues, trotzdem finde ich gut, was er schreibt und würde ihn gern im coforum sehen . aber er scheint, was wiki betrifft, wie so viele andere auch, eine bildungs-lücke zu haben (sie könnten zu den ersten gehören und sind dann doch nur unter ferner liefen (so geht's manchen großen geistern, die sich gern mit ruhm bekleistern)) .
ein bisschen mehr dialog und wirklich lebendige kommunikation wär schon nicht schlecht .

ThomasKalka:

so wie ich uli kenne ist er schon sehr aktiv.
für die an einen ort gewöhnten scheint es naheliegend, dass jemand fremdes herkommt.
für jemand fremden ist es ein ort unter den vielen anderen.
wenn mir das jemand als bildungslücke vorwirft, würde ich das nicht als einladung verstehen.

sigi:

wenn man die von uli propagierte struktur auf das internet überträgt, erhält man eben die wiki-struktur .
(und landet dann wohl erst mal bei wikipedia. zwar stellt man dann verwundert fest, dass es mit der freiheit und dem all inclusive nicht so weit her ist, aber wenn man weiterforscht, sollte einem zumindest der name coforum (oder auch wikiwiki) neue hoffnung geben, denn er deutet ja auf ein freies und offenes wiki hin (zumindest ich kann mich erinnern, dass bei mir diese assoziation aufkam) . das kann natürlich auch wieder eine täuschung sein, aber man sollte doch zumindest mal reinschauen, oder?)