Reinighof

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Daten
web: http://www.reinighof.de/
Adresse: Reinighof
76891 Bruchweiler
Fon: 06394/1378
Mail: der-reinighof@t-online.de

Ein kleiner Erfahrungsbericht von meinem Besuch auf dem Reinighof. Ich war für ein Wochenende da und es hat mir viel gebracht.

Bericht vom Reinighof 20/21 März 1999

Es war nicht so leicht das Gehöft zu finden. Immer dörflicher wurde die Gegen und schließlich führte mich eine schmale Straße hin, die so breit war das sie nur ein Auto zu ließ. Ein schönes Schild an einem Zaun, das man leider nicht von weitem sieht, wies auf den Reinighof hin.

Ich kam gerade um die Mittagszeit und einige waren noch am Essen. Ich wurde nett begrüßt und aß ein wenig mit. Mir viel gleich auf, das die Leute bunt durcheinander gewürfelt waren, obwohl recht wenige Leute den Hof bewohnen. Und im laufe der Zeit stellte ich fest, das ein reger Betrieb herrschte. Eine der dort lebenden Kids hatte zwei Freundinnen zu Besuch die das ganze Wochenende blieben. Ich war fasziniert von den kleinen, die voller Energie und Lebensfreude den ganzen Hof belebten. Auch die Jugendlichen hatten ihre Freunde zu Besuch. Begeistert war ich von einer Frau, die verschiedene Gehöfte besucht um dort für Kost und Logie zu arbeiten und immer wieder mal zum Reininghof kommt. Einige der dort lebenden Leute waren das Wochenende verreist, so auch eine Frau die ich gerne kennengelernt hätte, da sie auf dem Hof aufgewachsen ist. Mein Abend verlief noch recht amüsant, die Kids erzählten uns von einem Ausflug, wir kochten zusammen und am abend spielten wir noch Ligretto. Am nächsten Tag erkundeten wir den Hof und ich erfuhr von einigen Plänen und Visionen der Bewohner. Zur Zeit ist dort alles im Wandel da der Schäfer den Hof verläßt und ein Großteil der Herde wahrscheinlich verkauft werden muß. Eine lange Zeit waren die Schafe ein wichtiger Teil des Hofes da von ihnen die Rohstoffe für die Weiterverarbeitung kamen und somit die Haupteinnahmequelle bildeten. Durch neue Leute und Ideen oder Anregungen von draußen verändert sich der Reinighof fließend. In betrieb ist zur Zeit eine Bäckerei, eine Lederwerkstatt, ein Laden und die Schäferei. Früher wurde noch eine Töpferei betrieben und mehr Landwirtschaft. Auf dem Gelände befindet sich auch noch eine Quelle, die den Hof mit Wasser versorgt, eine große Halle, ein Garten, eine Werkstadt und vieles mehr. Einige Bauwagen dienen als zusätzliche Wohnungen. Geheizt wird mit Holz das aus dem eigenem Stück Wald stammt und das selbst verarbeitet und gelagert wird (2 Jahre).

Aus den Gesprächen habe ich für mich feststellen können, das die Menschen die dort Leben, tatsächlich eine ganz andere Wertevorstellung haben. Zwischenmenschliche Beziehungen sind ein Thema das immer wieder auftaucht. Es wird sich viel mit dem "Menschen" auseinander gesetzt, wobei man sich selbst nicht ausläßt. Ich denke das dadurch auch die große Toleranz entsteht die man überall spüren kann. Und diese Toleranz geht etwas tiefer, als das was ich von anderen Leuten oder mir selbst kenne. Es ist eben nicht nur das "blinde akzeptieren" sonder das verinnerlichen und verstehen der Vorgänge. Das einige der Menschen, die dort aufgewachsen sind, den Hof verlassen wollen, verängstigte mich zunächst. Und auch jetzt sitzt es mir noch in den Knochen aber ich fange an zu verstehen wie unbegründet meine Angst ist. Für die Leute ist eben die Zukunft ein unbeschriebenes Blatt und man selbst hat einen Bleistift in der Hand. Was nicht heißen soll das sich die Leute keine Gedanken um die Zukunft machen aber sie versuchen sie eben nicht irgendwo einzukaufen. Es ist die Freiheit in und mit der sie leben, die sie auch für ihre Zukunft beanspruchen. Für mich war es immer wichtig einen Statischen Punkt zu erreichen. Einen Ort mit Menschen wo ich mich geborgen fühle. Und immer mehr muß ich feststellen das ich diese Geborgenheit nicht erreichen kann, in dem ich mich in einen Kerker einsperre oder mir meine eigene kleine heile Welt zusammenbaue.

Für mich sieht das Leben dieser Leute wunderschön aus aber ich habe auch festgestellt, daß es für sie der Alltag ist. Das sie es nicht so wahrnehmen und genießen wie ich es tue, wenn ich dort bin. Wenn ich mit Leuten über "alternative" Lebensweisen spreche höre ich immer nur: "Schau sie Dir doch an, die sind auch nicht glücklicher". Selbstverständlich sind sie nicht "glücklicher" aber vielleicht sind sie "zufriedener". Das alles spielt für mich aber keine Rolle, denn für mich ist es wichtig geworden ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das hört sich natürlich an wie "in Freiheit leben" nur es ist nicht die Freiheit "zu tun" was man will sonder die Freiheit zu "denken" wie man will.

Abschließend kann ich sagen das mir die, wenn auch kurze, Zeit dort sehr gefallen hat. Die für mich interessanteste Erfahrung war das ich dort "mal wieder" Kinder gesehen habe. Sie sind das Wertvollste auf dieser Welt und ich werde nicht so schnell vergessen wieviel mühe sie sich gegeben haben um ein schwer krankes Lamm wieder auf die Beine zu bekommen. Sie haben es auf Balsamkräuter gelegt und mit ihm eine "Krankengymnastin" vollzogen. Sie haben ihre Energie freien Lauf gelassen, sind herumgesprungen und haben gesagt was ihnen in den Sinn kam. So eine Erfahrung liegt bei mir schon lange zurück und wenn uns mal eine Familie mit Kind besucht hat, dann hatte ich keine "Zeit".

Claudius Frankewitz

Quelle: http://www.kommunen.net/modules.php ... le=article&sid=9

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Freitag, 17. Oktober 2008

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