Was ist Dialog

Version 5, 217.88.169.212 am 11.1.2007 14:13

Der Quantenphysiker David Bohm verwendet den Begriff Dialog im ursprünglichen Wortsinn: "dia" heißt "durch" und "logos" meint "das sinnvolle Wort" im Sinne "Bedeutung". Der Begriff meint also das Fließen von Sinn und das Erschließen von Bedeutung um und durch die Menschen. Der Dialog soll ermöglichen, den Voraussetzungen, Ideen, Annahmen, Überzeugungen und Gefühlen von Menschen auf den Grund zu gehen, die unterschwellig ihre Interaktionen beherrschen.

Der Dialog ist also weder Diskussion, Debatte noch Disput. Diskussionen haben die Tendenz, im Sinn der englischen Wortwurzel "percussion" (Stoß, Schlag) oder "concussion" (Erschütterung) Dinge zu zerreißen oder zu zergliedern, selbst wenn sie mit dem Ziel begonnen werden, Gemeinsamkeit herzustellen. Andererseits ist der Dialog auch keine harmonisierende schöngeistige Konversationsübung.

Es geht bei Dialog nicht darum, sich durchzusetzen, "Punkte zu machen", rhetorisch zu brillieren und mit der eigenen Meinung zu "gewinnen", sondern um einen Gewinn für alle Beteiligten durch neue Einsichten und Erkenntnisse in einem kreativen Feld.

Der Prozess des Dialogführens ist ein Mittel, um deutlich zu machen, wie unser Denken abläuft. Er geht davon aus, dass alle menschlichen Schöpfungen, unsere Wertesysteme, unser Verhalten, unsere Sprache, unsere Architektur, unsere gesamte Kultur und Technik, ja sogar das, was wir für unumstößliche Realität halten ? nur Anzeichen davon sind, wie wir denken. Diese Annahme führt zu der Perspektive, dass wir, wenn wir die Grundlagen der heutigen Krisenerscheinungen wirklich erforschen wollen, die verschiedenen Ebenen des Denkens erforschen müssen.

Denken meint hier nicht nur die bewussten intellektuellen Ergebnisse bewusster Lernprozesse, sondern auch Emotio-nen, Gefühle, Wünsche, Absichten, Unterstellungen, Ängste. Auch das sogenannte rationale Denken ist hier gemeint, als Ergebnis vorausgegangener Denkprozesse, die die Realität in Paradigmen interpretiert und in Regeln gefasst hat. Es ist durch historische Begrenzungen bedingt sowie durch geschlechts-, macht- und kulturbedingte Traditionen eingefärbt.


Es gibt ein exzellentes Buch "Dialogue Dialogue and the art of thinking together." von William Isaacs (mehr dazu in GründerWiki:DialogueBook) das sich mit der Praxis des Dialoges, vor allem auch in schwierigen Konflikten, beschäftigt und dies mit pattern-orientiertem Denken zu verbinden.