Wesen von Herrschaft

Version 3, 88.72.206.48 am 14.8.2006 17:31
B:

Das Wesen von Herrschaft ist es, die Aneignung fremder Ressourcen zu institutionalisieren (erzwungene Kooperation).

Trotzdem haben wir im Kapitalismus ein zusätzliches Problem und das ist in einem Maße existenziell, wie es das alte Problem vielleicht nicht war. Das Wesen des Kapitalismus besteht im sich Selbstzweckhaft vermehrenden Wert. Es geht also nicht mehr nur darum, dass sich einzelne beliebig viele Ressourcen aneignen können, sondern dass das Ressourcen aneignen - koste es was es wolle - zum generellen Credo wird und das es dabei völlig egal ist, welche menschlichen Akteure im Spiel sind. Genau das macht es ja auch so schwierig da wieder rauszukommen. Den Absolutismus konnte man noch per Revolution abschaffen. Mit dem Kapitalismus geht das wahrscheinlich nicht so ohne weiteres. Es gibt niemanden den man köpfen könnte (bzw. man müsste eigentlich alle köpfen).

T:

Kapitalismus ist halt demokratisierte Herrschaft. Grundlegend nichts neues, jedoch: Eigentum ist unheimlich schnell transferierbar geworden (Überweisung reicht, Krieg oder Plünderungsraubzug ist nicht mehr notwendig). Ohne menschliche Akteure funktioniert das ganze aber gar nicht. Es ist nur nicht transparent, so dass die eigene Verstricktheit in die Sache kaum offensichtlich ist. Da das ganze abstrakt läuft, braucht man auch niemanden mehr zu Köpfen. Methoden auf der abstrakten Ebene könnten reichen, wenn eine Mehrheit dies fordern würde.

B:

Gerade weil der Kapitalismus aber demokratische Herrschaft ist, wird eine Mehrheit das nie fordern - ausser wenn es sich rechnet.

T:

Ja, genau. Welche nicht sofort systemsprengenden Änderungen können gemacht werden, die sich für die Masse rechnen ?