Begriffe im CoForum

Version 20, 84.177.36.92 am 22.8.2006 18:01
Thomas Kalka:

Oft wird lange gerungen, Konzepten, Begriffen und anderen Strukturen des Denkens den richtigen Namen zu geben.

CoForum geht einen anderen Weg.

Der Name für etwas ist immer ein Arbeitstitel, der frei zur Disposition steht, wenn ein anderer nützlicher erscheint.

Deshalb haben Seiten auch keinen eindeutigen Namen. Eine Seite im CoForum ist – solange sie existiert – immer über eine SeitenID aufzufinden. Seiten können mehrere Namen haben. Momentan hat der erste Name eine Sonderfunktion und wird immer als Seitentitel angezeigt.

Bitte nutzt die Diskussion auf den Seiten nicht als Streit um Namen, sondern versucht das Ganze einer Seite wohlwollend wahrzunehmen.

Helmut:

Thomas, ich glaube, dass du da ein bisschen in deine eigene Technik verliebt bist und sie überschätzt. Natürlich ist die Umbenennbarkeit zunächst ein Vorteil der Flexibilität verspricht und ich wäre manchmal froh, hätte ich die Möglichkeit in meinem eigenen Wiki auch. Andererseits stehen Seiten verlinkt in Gesprächszusammenhängen und wenn man sie umbenennt, verändert man Aussagen, und zwar weitgehend unbemerkt und unkontrolliert.

Das nächste Problem ist, und das sieht man im CoForum sehr deutlich in den letzten Monaten, dass die Namen von Seiten an Bedeutung verlieren. Seiten haben irgendwelche willkürlichen Überschriften, weil ... man kann sie ohnehin jederzeit später ändern. Damit geht aber diese uralte Potential des Wiki, nach einer Identität von Seitennamen und Inhalten, nach Bedeutungen im Sinne von Patternsprache zu suchen, verloren. Oder anders ausgedrückt, mit den Seitennamen verlieren auch die Begriffe ihren Wert. Oder, genauer, die Begriffwelt zieht sich zurück in den Bereich der Tags, das CoForum nähert sich einer Datenbank-Sammlung getaggter Blog-Einträge.

christian:

Das Vorhaben von Thomas, die Inhalte vom CoForum zu "atomisieren", finde ich gut, weil das CoForum nicht das Ziel hat, eine Enzyklopädie zu erarbeiten, wie z.B. Wikipedia. Aber ich sehe da noch ein anderes Problem: Mit der zunehmenden Anzahl an Seiten wird die Wahrscheinlichkeit höher, dass Namen schon vergeben sind. Noch problematischer wird es mit Abkürzungen. D.h. bei ganz speziellen Themen oder Unterpunkten müssen die Namen der Seiten spezialisierter sein. Ein Beispiel: Unter Armut findet man zur Zeit keine allgemeinen Inhalte zu diesem Thema, sondern einen persönlichen Text von Hannah. Hier werden Grenzen dieser offenen Strukturen deutlich - daher stehe ich der postmodernen Euphorie von rhizomatischen Strukturen skeptisch gegenüber - sie werden in schlimmen Fällen immer unübersichtlicher, besonders für Neulinge. Dass die Postmoderne dies als ein neues Denken verkaufen will, finde ich nicht nachvollziehbar - Schriftsprache muss nach wie vor linear gelesen werden. Wenn ich einen Text in kleinere Texteinheiten zergliedere, erhalte ich aber weder ein neues Denken noch eine neue Logik, sondern kleinere Texteinheiten.

Thomas Kalka:

Ich zielte mit obigen Text weniger auf die Technik als auf die Wahrnehmung von Seiten an. Dass durch mögliche Umbennung Seiten aus einem Kontext bzw Diskussionzusammenhang verschoben werden können, sehe ich auch als Problem. Ich denke über eine technische Lösung dazu nach. Jede Seite könnte sich merken, zu welchem Link ein Wort geführt hat, so dass bestehende Links ohne Eingreifen zu immer den gleichen Seiten führen würden.

Wir sind gewohnt, dass gleiche Symbole (Worte, Begriffe) je nach Kontext auf was unterschiedliches verweisen. In dieser Hinsicht habe ich die Technik hier unserer Gewohnheit angeglichen. Die Technik ist ja ganz am Anfang. Eine Schwierigkeit einzubauen, scheint mir den Weg für weitere Entwicklung zu öffnen. Es gibt bereits anderswo Ansätze, zwischen verschiedenen Zielen für ein und das gleiche Symbol je nach Kontext zu wählen. Ein weniger mehrdeutiger Name für Hannahs Text wäre "Hannah über Armut", was auch schon nicht mehr ausreicht, wenn es hier mehr als eine Hanna gibt.

CoForum soll es aber Hannah ermöglichen, eine Seite "Armut" anzulegen, und diese auch so benannt zu lassen. Diesem Anspruch wird es jetzt noch nicht gerecht. Es gibt aber erste Wege, die Seite umzubenennen, und troztdem in ihrem Kontext zu belassen.

Ich würde gerne Eure beiden Beiträge thematisch zergliedern, um nicht verwoben diskutieren zu müssen.

Allgemein würde ich gerne eine Kultur von Dialog versuchen zu entwickeln, bei der schon wären des Dialogs ein Überarbeiten möglich ist, und dies nicht auf später oder überhaupt nicht aufgeschoben wird.

Zur "linearen Rezeption": Text sind ja ohne Kontext nicht verständlich. Wenn der Kontext mit zu den Texten gedacht wird, ist das ganze immer ein Netzwerk. Dieses linear nachzuverfolgen, d.h. in zeitlicher Reihenfolge alle bezüglichen Texte nachzuarbeiten, reicht die Zeit eines Menschen bei weitem nicht. Und auch Diskussionen sind höchst unlinear. Eine Äußerung von mir macht einen ganzen Ast von weiteren Strängen auf. Diskussionen sind meiner Einschätzung deswegen schwer zu folgen, weil sie zumeist eine Vielschichtigkeit haben, die, wenn es gut geht, den Beteiligten während der Diskussion zu überschauen möglich ist, oder aber später nur mit viel Aufwand verstanden werden kann.

Um noch einen Strang aufzumachen: Ich weise darauf hin, dass ich die Technik im CoForum ganz aus der Art der Nutzung zu entwickeln versuche, die sich vor der Implementierung schon ergab. Begriffe und andere Verweise wurden schon immer in gebeugter Form benutzt. Verschiedene Autoren benutzen unterschiedliche Bezeichnungen für ähnliche Ideen. Ich sehe es gerade umgekehrt als eine Möglichkeit Begriffsbestimmungen zusammenzuführen und das Wesen einzukreisen, wenn nicht vor diesem Prozess schon entschieden werden muss, welchen Namen das Kind haben muss.

benni:

Ich verstehe viel von der neuen CoForumTechnik noch nicht, aber für mich wäre das wichtigste Kriterium in dieser Frage, ob so das bilden von Bedeutungswirbeln unterstützt wird. Bedeutungswirbel zeichnen sich gerade dadurch aus, dass die selbe Dynamik, der selbe Begriff Teil von unterschiedlichen Bedeutungswirbeln sein kann. Wenn diese Dynamiken jetzt getrennt werden - also in jeweils ihrem eigenen wirbel-Kontext verbleiben, funktioniert das Wirbeln vielleicht nicht mehr so gut? Aber vielleicht will man das ja auch garnicht und zum wirbeln passt ein klassisches Wiki einfach beser und hier macht man was anderes? Zur Erklärung, was ich inzwischen unter Bedeutungswirbel verstehe: http://www.aymargeddon.de/laborator ... php/Bedeutungswirbel

Thomas Kalka:

Ich verstehe nicht, welche technische Unterstützung es für Bedeutungswirbel geben muss oder sollte. Kannst Du das ausführen ? Neu ist, dass die Links in einer Seite automatisch dazu führen, dass diese Seite im Context der verlinkten und den damit semantisch zusammenhängenden Seiten erscheinen. Zum Beispiel wirst Du diese Seite in den "News" der Seite Bedeutungswirbel finden.

CoForum ist nach wie vor ein Wiki, daran hat sich nichts geändert. Alles, was in einem Wiki möglich ist, ist mindestens auch hier möglich.

benni:

BedeutungsWirbel brauchen natürlich keine technische Unterstützung, die gibts ja auch so. Mir ist die Idee mit den Bedeutungswirbeln halt ursprünglich hier gekommen als ich gerade das, was oben als Manko betrachtet wird - nämlich das eine Seite in unterschiedlichen Kontexten mit dem selben Namen auftaucht, hier in der Frühphase dieses Wikis mal als sehr produktiv empfunden habe. Ich versuchs mal mit einem Beispiel: zB. bezeichnet ja "Arbeit" ganz unterschiedliche Dinge, je nachdem welchen Blickwinkel ich einnehme. Wenn jetzt diese Blickwinkel separiert würden, käme der Bedeutungswirbel nicht mehr so schnell ans Licht. Das ist zumindestens meine diffuse Befürchtung, die ich nach dem Lesen der Diskussion hier hatte, die aber zugegeben auch durch Unkenntnis hervorgerufen sein kann.

christian:

Oben wollte ich ein technisches Problem beschreiben. Meine Kritik an einigen postmodernen Sprachauffassungen gehört an einen anderen Ort. Die Vielschichtigkeit sprachlicher Ausdrucksformen gehört für mich zur Vielfalt kulturellen Lebens. Die Metapher "BedeutungsWirbel" hat mir so gut gefallen, dass ich das Zitat von Hofmannsthal in die Seite einfügte.

benni:

Danke für die Blumen, das Zitat fand ich auch nett :-) "Bedeutungswirbel" ist nur nicht als Metapher gemeint sondern als Beschreibung gesellschaftlicher Dynamiken und als Methode diese zu erkennen. Das steht auch in dem angegebenen Link.

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Mittwoch, 16. August 2006

Thesen, die das Wesen des Wo wollen wir hin ? einzugrenzen versuchen.