Eigentumsumgang

Version 39, 80.171.131.138 am 20.8.2006 05:09

Wie ist unser Umgang mit Eigentum? Wie könnte er sich, durch geänderte Bedingungen in unserer Zeit, verändern? Wie könnte man ihn aktiv verändern und was würde das bewirken?


gehen geben gehen geben - annehmen, was kommt und loslassen, was geht -


Was ist "neue Zeit"? in "unserer Zeit" geändert

Was bitte sind geänderte Bedingungen? Das könnten sein: die Globalisierung der Wirtschaft, aber auch anderer Bereiche (wie der privaten Kommunikation oder Reisen, News aus aller Welt). Der Übergang von eine industriellen Gesellschaft in eine Dienstleistungs-, Wissens-, Informations- oder Kommunikationsgesellschaft. Das tatsächliche Erreichen von "Grenzen des Wachstums". Die allgemeine Erkenntnis, dass die globale Ökologie nicht unbegrenzt belastbar ist. Das Wissen, dass man fast alle großen Weltprobleme technisch und von der Wirtschaftskraft her lösen könnte, es aber nicht tut. ...

sigi:

den letzten satz möchte ich mal umformen: "das wissen, dass man fast alle großen weltprobleme mit dem internet lösen könnte, es aber (noch) nicht tut."
vielleicht, weil sich dieses wissen doch noch nicht so herumgesprochen hat bzw. unter einem schleier von vorgegebenen interessen liegt . wiki ist immer noch kaum bekannt. oder wenn, dann nur als wikipedia (ausgerechnet dieses anti-wiki) . wiki als keimform für eine zukünftige welt-gesellschaft zu sehen, dürfte meines wissens bis jetzt nur mattis und mir gelungen sein . da wir gerade bei keimform sind (bezogen auf einen neuen umgang mit eigentum): es gibt in unserer gesellschaft zwei möglichkeiten, eigentum zu gebrauchen: zum konsumieren und zum produzieren . die schnittstelle dazwischen ist das geld (was dann dazu führt, dass die reichen immer reicher werden und die armen immer ärmer) . wenn also aus dem alten umgang mit eigentum ein neuer hervorkeimen soll, dann müssen wir beim geld anfangen . klar ist es wichtig, die richtigen leute zu finden, wenn man etwas neues machen will . aber wenn die nicht sehen, dass man mit dem neuen beim geld anfangen muss, dann sind es wohl gar nicht die richtigen leute .

christian:

(Gegenthese:) "Es liegt weder am Wissen noch am Internet."
Viele Computer werden von Strom aus der Atomkraft gespeist und der Sondermüllabfall aus der Mikroelektronik nimmt gigantische Ausmaße an. Das Internet ist keine Insel außerhalb der Welt, sondern hat genauso an der Offline-Gesellschaft teil wie alles andere auch. Außerdem haben die meisten Menschen dieser Welt keinen Zugang zum Internet, warum soll ausgerechnet hier die Rettung liegen? Das Internet, die Wikis, die Dich überzeugt haben, Sigi, können für uns sehr wichtige Medien der Vernetzung, des Austausches und der Kooperation sein - und Keimformen - aber für andere Menschen und ihre Nöte können völlig andere Dinge auf dem Plan stehen.

sigi:

also, ich kann z.b. im liebeskummer eines einzelnen kein weltproblem sehen . warum soll ich mich da einmischen? man würde mich wohl höchst irritiert anglotzen (dennoch könnte hier jemand seiten lang seinen liebeskummer ausbreiten und würde vielleicht sogar hilfe finden (z.b. jemand anderes kennenlernen), aber das zeigt doch nur, dass wiki tatsächlich eine ziemlich allgemeine plattform ist . noch viel mehr als das buch z.b. (wo du doch auch nicht bestreiten würdest, dass der buchdruck die welt verändert hat (und erst recht würdest du kein gutes buch ablehnen, weil dafür das holz eines baumes verwendet wurde)) . oder nimm das schießgewehr . längst nicht jeder hatte eins und doch hat die minderheit, die eins hatte und es aktiv angewandt hat, damit die weltherrschaft des weißen mannes herbeigeführt) .

natürlich ist alles mit allem verbunden. umso wichtiger ist es, den punkt zu finden, wo man anfängt (was wäre denn für dich so ein punkt?)

dass viele kein internet haben, liegt in erster linie am geld . dennoch hat theoretisch jeder zugang dazu (über wieviel ecken auch immer) . wenn man nun jedem die gelegenheit gibt, sich z.b. auf einer wiki-bank ein konto einzurichten, kann er damit auch jemand bezahlen, der ihm einen eigenen internet-zugang einrichtet .
(ein konto kann sich jeder einrichten, der sich verpflichtet, eine gewisse summe irgendwann real zu überweisen (selbst, wenn er die summe jetzt nicht hat, irgendwann wird er sie schon mal haben) . dadurch aber, dass wir das jetzt schon unter uns als zahlungs-mittel anerkennen wie hier können wir uns jetzt schon gegenseitig helfen .)

uwe:

Also, meinermeinungnach war es nicht der Buchdruck, der die Welt veränderte, sondern die Industriealisierung der Papierherstellung in wasserbetriebenen Mühlen und das unter hohen Verlusten der flußabwärts wohnenden Bevölkerung. Die rigoros nach Gewinn strebende Grundeinstellung hat die Übersetzung der öströmischen orthodoxen "Bibel" durch Cyrill in die slavischen Sprachen notwendig werden lassen, weil Arbeitskräfte angeworben werden mußten und lange vor Luther oder Gutenberg wurde auf die freie Kenntnis und Entscheidbarkeit des Einzelnen gehofft.
Als es durch den weitern wirtschaftlichen Druck im Westen nicht mehr anders Gewinn zu erzielen war, als alte Gilde- und Zunftsperren fallen zu lassen: das Latein war mit seiner hochgehängten Latte (milchstraßenhoch) an sein Ende gelangt. Der Zoll versprach sich mehr vom duty-free Geschäft. Es sollte auch ein frankendfreier Kaisehr das vermeinte Europa regieren. Aber nur des Profit Willen und gegen die Slaven wurde in Regensburg bitter gekämpft
Das simple des Buches: egal, wo es aufgeschlagen wird hat es zwei Seiten, wie eine Münze. Eine geöffnete Rolle ist das Leere in beiden Händen haltend, das konnte niemandem verkauft werden, deswegen handelte das Buch sich besser. hier noch zur Verbreitung neue links mit rechts in die !ENTER-Taste Eine nachdenkliche Geschichte http://www.das-gibts-doch-nicht.info/seite3863.php ........................................................

Alles wird gut - Alles ist gut http://www.das-gibts-doch-nicht.info/seite3945.php ........................................................

An alle Raumwesen irdischer und interstellarer Herkunft aller Zeiten http://www.das-gibts-doch-nicht.info/seite3956.php

christian:

Ich formuliere es in kurzen Abschnitten, damit hier das steht, was mir gerade wichtig erscheint:

  • Keimformen: können scheitern, auch wenn in ihnen neues angelegt ist
    Wiki / OpenSource sind - wenn überhaupt - nur Teile einer neuen Kultur
    das spricht natürlich nicht gegen Keimformen oder OpenSource
    WikiBank ist ein rein virtuelles Projekt und hat mit Offline-Banken nichts zu tun

  • Neue Kultur: Natürlich spreche ich nicht von Liebeskummer, sondern von der ganzen Vielfalt und den ganzen Problemen der Offline-Kultur, die man online nicht lösen kann. Trotzdem kann das Internet ein Forum sein, sich darüber auszutauschen.

Sigi, nich böse sein, ich "dekonstruiere" jetzt ein bisschen an Deinem Text herum, tut auch nicht weh ;-)

den punkt zu finden

Gibt es diesen "Punkt" überhaupt? Muss dieser für alle bestehen? Und Täuschungen? Markiert die Rede von "dem Punkt" nicht einen rettenden Anker, damit aber einen utopischen Ort?

was wäre denn für dich so ein punkt?

Also "Punkte" (im Plural) als Keimformen des Neuen? Vielleicht Wiki, vielleicht OpenSource (Ist das nicht auch abhängig von meiner Perspektive? Es gibt Menschen, die von Wikis nichts wissen, aber Träume haben von einer besseren Kultur! Für berühmte Denker war es die Atomkraft!). Für mich liegt hier die Gefahr, einen über die Geschichte erhabenen Masterplan zu imaginieren, ohne sich der Partikularität der eigenen Perspektive zu versichern. Aber ich finde nichts dringlicher, als dass sich die Menschen ihren Lebensproblemen stellen, an ihren Träumen, Wünschen und Bedürfnissen festhalten und diese gemeinsam zu verwirklichen suchen.

Ach ja, was schimpft Ihr immer über die armen Bücher! Ich kann mir Bücher auch ohne Kapitalismus vorstellen; auf Hanfpapier gedruckt ohne Massenproduktion. Gestern kam mein neues Wittgenstein-Buch an - wenn ich das am Computer lesen würde, würde das meiner Konzentration und meinen Augen nicht gut tun.

sigi:

wittgenstein & die offline-kultur: natürlich haben viele leute andere sorgen, als zu lesen, was ich hier schreibe . doch was nicht gelesen wird, davon brauche ich auch nicht zu schreiben ;)
@ uwe: natürlich wird alles gut! lysander a. prunner wird den weg ins wiki finden und hier wird er erkennen, dass das ganze gequake von der göttlichen vorsehung (selbst wenn sie angeblich darin besteht, das gute herbeizuführen (sic!)) nichts weiter ist, als ein überbleibsel des patriarchats . wahrhaft göttlich ist, wenn nichts mehr vorherbestimmt ist und wir die freiheit haben, uns unser leben selber zu gestalten (schon gemeinsam, aber eben nicht vorgegeben sondern nach einigung) und das von kindesbeinen an .

uwe:

war Wittgenstein der Einarmige Komponist? - auf jedenfall sollte die Vollendung in dem "sich ergänzenden" gefunden sein und nicht in einem komplett inclusiv Angebot.

sigi:

"vollendung im ergänzenden" . ja, oder so! (gut ergänzt) . und zum kindsein gehört natürlich auch die freiheit der fantasie . selbst weltverschwörungs-theorien samt masterplan gehören dazu . es gibt nun mal mehr dinge zwischen himmel und erde, als unsere schulweisheit sich träumen ließe . sie sind das salz in der suppe unseres lebens . von geringem praktischen nährwert, aber ohne sie würde das leben ziemlich fade schmecken . (uff, das könnte jetzt wirklich von shakespeare und/oder goethe gewesen sein (habe grad festgestellt, dass google zwar nach göthe sucht, aber goethe anzeigt(schlaues kerlchen)))

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Mittwoch, 16. August 2006

Es wird keine Verbesserung der Lage geben, wenn nicht die Umgangsformen mit Eigentum sich ändern. / Es wird keine Verbesserung des Denkens geben, wenn man mit Begriffen inkompetent umgeht.