Was sind Begriffe

Version 101, 80.171.194.210 am 29.9.2006 17:46
Thomas:

(an Helmut) Den Grund unserer vielen Missverständnisse deutest Du in meinen Augen zu Recht in unterschiedlichen Gebrauch von Begriffen. Allerdings verstehe ich die Unterscheidung, die du anführst gar nicht.

Begriffe sind zuerst einmal Worte, also Symbole, die Denkstrukturen bezeichnen. Für mich scheinst Du in "unbegriffenen Symbolen" zu argumentieren, d.h. Symbole werden aufgrund ihrer Gestaltungs / Wirkmöglichkeit genutzt.

( Als Anschluss dupliziert nach Begriffe als geerdete Symbole – Helmut

Der Unterschied zwischen Symbol und Begriff ist für mich, dass Begriffe "geerdete Symbole" sind, d.h. nicht nur selbst als Werkzeug benutzt werden, sondern erst Begriffen, d.h. in einen integren rationalen Bezug zu meiner sonstigen rationalen und empathischen Weltkonstruktion gebracht werden müssen, damit sie für mich zu einem Begriff werden.

Ansonsten kann ich Begriffe auch nur als Symbole für Symbole / Begriffe anderer nutzen; ob diese diese selbst "begriffen" haben, oder aber nur als Symbole benutzen, muss ich mir selbst erarbeiten.

Wenn wir zusammen an rationaler Analyse arbeiten wollen, dann muss ein gewaltiges Stück Arbeit zur Kopplung der je individuellen Symbolsysteme getan werden.

)

Ansonsten ist die Argumentation nur illusionär rational.

Helmut:

Thomas, meine Hintergründe unten im nächsten Absatz. Konkret auf deinen Vorwurf, einen Begriff aus deinem Hintergrund ungeerdet und unverstanden zu verwenden. Da hast du sicher Recht, aber dazu möchte ich mich rechtfertigen und dir den Vorwurf zurückgeben. Meine Rechtfertigung ist, dass ich mich um das Verständnis des Begriffes Keimform durch Diskussion bemühe, und zwar seit Wochen und in verschiedenen Medien. Obwohl einzelne, so wie du, Franz, Stefan Mz und Stefan Mn dazu schreiben und teilweise helfen wollen, gelingt es einfach nicht, ein klares Bild des Begriffes zu gewinnen. Mit anderen Worten, für jeden von euch bedeutet der begriff etwas anderes und alle sind zufrieden, dass die Bedeutung unklar ist. Jeder ist aber unglücklich, dass er die gesellschaftliche Veränderung, die der Begriff Keimform fassen soll, nicht in Bewegung setzten kann. Das ist Unlogik par excellence. Wenn du etwa beginnst "Keimform ist ein Begriff aus einem lebendigen Diskussionszusammenhang", dann ist das so nichtssagend wie "Apfel ist etwas wunderbares" oder "Kreis ist etwas in der Natür selten präzis vorkommendes". Du bist Physiker, du müsstest den Werkzeugcharakter von Begriffen nicht nur verstehen, sondern auch anstreben.

Ich habe nach Beispielen gefragt und alle Arten von Antworten (keine, eine, eine andere, diverse) bekommen. Jetzt sind wir bei einer Liste, wo fraglich ist, ob sie hält und sich zu einem Begriff oder Begriffssystem verdichten lässt, aber bitte. Der interessanteste Ansatzpunkt ist noch der Verweis auf die offenbare Leitfigur Klaus Holzkamp.

Helmut:

Ich glaube auch an das "gewaltige Stück Arbeit" und würde es schon gerne versuchen, zumindest die Missverständnisse aufzuklären.

Ich versuchs mal: Unsere sprachliche Kommunikation beruht auf Worten mit denen wir Bedeutungen verbinden. Ein Begriff ist etwas vereinfacht die Kombination und Zuordnung von (Wort, Bedeutung). Kompliziert wird das ganze dadurch, dass die Bedeutung zwar auf die reale Wirklichkeit "deutet", aber selbst wieder durch Worte rückbezüglich beschrieben wird. Praktisch endet dieses theoretische Problem eines "unendlichen Regresses" in Begriffen, die als unproblematisch erscheinen und als Teil der jeweiligen Kultur allgemein verstanden und nicht mehr hinterfragt werden. Zwei Menschen verständigen sich darüber "glücklich zu sein", ohne dass jemals ein Konsens darüber erzielt worden wäre was "Glück" eigentlich sei.

Soweit es die Alltags-Kommunikation betrifft, ginge es nur darum, die Mitmenschen zu verstehen, d. h. die vorhandene Begriffe zu erlernen. Und das ist es in etwa, was Kinder in der Familie und in der Schule tun. Alles lernen ist zum großen Teil lernen von Sprache, d. h. von Begriffen und ihrer gegenwärtigen Verwendung. Die Begriffe sind in der Kultur verankert und reproduzieren diese auch.

Andererseits ist diese Einheitlichkeit des kulturellen Hintergrundes eine Fiktion. Im Grunde hat jeder Mensch eine andere Vorstellung, was z. B. ein "Baum" ist und würde andere Worte verwenden, um diesen Begriff zu beschreiben. Nur in ganz begrenzten Gebieten der Wissenschaft oder des Rechts hat man sich auf Definitionen von einfachen Begriffen geeinigt, die als verbindlich gelten können. Die Verbindlichkeit kommt normalerweise aus der erwiesenen Nützlichkeit ihrer so spezifizierten Definition, aus ihrem Werkzeugcharakter.

Es kann aber auch jemand Definitionsmacht ausüben: So hat sich etwa im August 2006 die Internationale Organisationen der Astronomen IAO bei einem Kongress darauf verständigt, was genau ein "Planet" ist, und gleichzeitig dem Himmelskörper Pluto seinen Planetenstatus abgesprochen. Viele Gesetztestexte definieren auch notwendigerweise, was in ihrem Rahmen unter bestimmten Worten zu verstehen ist; es kommt aber durchaus vor, dass Worte in verschiedenen Gesetztestexten eines Landes unterschiedliche definiert sind. Viele Wörter sind in Wörterbüchern erklärt, ohne dass diese Definitionen Anspruch auf Authorität oder Aussagekraft erheben können (oft findet man auch Zirkel-Erklärungen, wobei das Wort A mit B erklärt wird und B seinerseits mit A).

Im allgemeinen wird man Begriffe nicht an einzelne Worte binden. Es kann in einer Sprache Synonyme geben und es gibt natürlich meist entsprchende Wörter in anderen Sprachen. So würde man vermutlich das deutsche "Freiheit", das englische "freedom" und das französische "liberte" als einem Begriff zugehörig sehen, obwohl die verschiedenen Landeskulturen unterschiedliche Vorstellungen einbringen und obwohl der Begriff der Freiheit nicht geklärt ist, keine allgemein brauchbare Definition existiert.

Im Bereich der Forschung und Entwicklung ist man darauf angewiesen, neue Begriffe und Begriffsysteme zu erfinden und zu erproben. Aber nicht nur dort. Menschen spielen mit Sprache und erfinden ständig neue Bedeutungen, oder Begriffe mit unklaren Bedeutungen, zu verschiedensten Zwecken. Sprache ist etwas lebendiges. Diese Spracherfindungen bewähren sich oder scheitern in der kommunikativen Praxis, d. h. im Umgang mit anderen Menschen oder im Werkzeugverhältnis zur Realität.

Wer Innovation möchte, muss normalerweise auch die dazu erforderliche Sprache - das entsprechende Denken - entwickeln. In biblischer Sprache: "man kann in alte Schläuche keinen neuen Wein einfüllen". In marxistischem Gewand: "es geht nicht darum Begriffe zu interpretieren, sondern darum, sie zu verändern". Veränderungen in der Gesellschaft werden sich nur ergeben, wenn man sich in die Ränder der Sprache und der Begriffe begibt, und sich trainiert, über das begrifflich Vorhandene und sprachlich Gefasste hinauszudenken.

Das ist das Denken jenseits der Sprache, in der Suche nach Freiheit von kulturellen und weltanschaulichen Engführungen.

christian:

Helmut, unsere Diskussion habe ich auf eine eigene Seite verschoben: Diskussion Holzkamp Theorie (Titel, Indexierung und Überschriften sind nur Vorschläge, können gerne geändert werden!).

Thomas:

Ich habe in der WikiPedia-Seite zu Begriff versucht etwas zu finden, was weiterbringt. Diese scheint aber in meinen Augen nicht hilfreich zu sein.

Gibt es einen Unterschied zwischen Wort als Symbol und Wort als Begriff ? Wenn zwei unterschiedliche Menschen ein Wort gebrauchen, dann kann der eine dieses Wort gebrauchen, weil er es so gewohnt ist (dies wäre für mich Symbol), der andere hat sich mit den Theorien, in denen dieses Wort Begriff ist auseinandergesetzt.

Helmut, unterscheidest Du zwischen diesen Beiden Beispielen ? Falls ja: wie beschreibst Du diese verschiedenen Verhältnisse ?

Helmut:

Der Begriff "Wort" bezeichnet für mich nur die Folge von Buchstaben verbunden mit grammatikalischen Eigenschaften (das was du vermutlich Symbol nennst, aber kein Mensch verwendet Worte nur als Symbole). Zusammen mit einer Erklärung seiner Bedeutung ergibt sich der Begriff. Von Begriffen spricht man aber nur in Bezug auf komplexere Bedeutungen, die Worte "Peter" oder "und" habe kein unmittelbaren Bedeutungsbeschreibungen und würden wohl kaum als "Begriffe" bezeichnet. Ein Wort kann auch mehrdeutig sein und damit je nach Zusammenhang für verschiedene Begriffe/Bedeutungen stehen. Zum Beispiel könnte das Wort "Netz" irgendwo auf einer Insel die Bedeutung "Fischernetz" aber Online primär für die Bedeutung "Internet" stehen. Diese Bedeutungen scheinen relativ scharf, so dass man sie wiederum mit einem Wort zusammenfassen kann, aber in Wirklichkeit hat wahrscheinlich jeder Menschen bei beiden unterschiedliche Detailvorstellungen und natürlich bedürften sie beim Lernen recht langer Erklärungen.

Wenn zwei Menschen über einen begriff wie "Freiheit" diskutieren, dann ist weder eine eindeutige Definition vorhanden (so wie die Wikipedia-Seite über "Begriff" nicht viel hilft), noch werden sich die Vorstellungen der beiden Menschen entsprechen, obwohl es vielleicht Überlappungen gibt und obwohl sie sich vielleicht in der Diskussion sachlich einig sind. Hinter den persönlichen Vorstellungen kann man einerseits so etwas wie einen gesellschaftlichen Konsens vermuten (was z. B. im allgemeinen unter "Internet" verstanden wird), als auch eine objektive (im einfachsten Fall physikalische) Realität vermuten oder erforschen. Z. B. haben die griechischen Philosophen den Begriff "Atom" und die grundsätzliche Problemstellung entwickelt, bevor er mehr als 2000 Jahre später zu konkreteren Vorstellungen und Beschreibungsmöglichkeiten geführt hat. Der Begriff hat sich dadurch verändert, das Wort nicht.

So sehe ich Begriffe zunächst als etwas persönliches, recht unscharfes, das aber für den Allltag ausreicht. Wenn man aber mit Begriffen etwas bewegen möchte, etwa andere Menschen wirklich verstehen, andere Menschen überzeugen oder Theorien zu entwickelt, dann scheint es notwendig, die Begriffe abzuklären, das heißt zu genaueren Beschreibungen zu kommen. Diese Beschreibungen können in der eigenen, in der fremden oder in einer gemeinsamen Sprache (Begriffen) versucht werden; das kann rekursiv zu weiteren Verwicklungen führen. Diese Beschreibungen verändern die Begriffe auch, in dem Maß als sich die Beteiligten über sie klar und/oder einig werden.

Man kann Begriffe auch bewusst weiter verändern, etwa damit sie gewissen Anforderungen gerecht werden. Z. B. hat es wenig Sinn, viele Synonyme zu verwenden. Oder man kann versuchen Lücken zu schließen, wo man für Vorstellungen keine klaren Worte/Begriffe hat, so dass man zu orthogonalen Begriffen kommt, die bestimmte reale Bereiche oder Ideenbereiche komplett abdecken können. Wenn technische Erfordernisse und damit "Einfangen von Realität oder Vorstellungen", also eine Art Abbildungspotenzial eine Rolle spielt, dann spreche ich vom "Werkzeugcharakter" der Begriffe.

Helmut:

Dein Begriffsprägungsvorschlag "Ein Symbol ist ein Begriff mit gewohnheitsmäßiger Bedeutung" erscheint mir nicht gebräuchlich und auch nicht nützlich. Gebräuchlicher ist es, das Besondere von Symbole in der Bildhaftigkeit und/oder Emotionalität zu sehen. Länge Überlegungen unten.

Thomas:

Mit "Wort" meinte ich Zeichen. Zur Benutzung von Symbol zitiere ich Helmut Willke:

Symbole werden als Hilfskonstrukte der Kommunikation erst dann erforderlich, wenn zwischen dem Bezeichnenden und dem Bezeichneten, also etwa zwischen Wort und Ding, eine Kontingenz denkbar wird, die für die Praxis auf ein erträgliches Maß zurückgebunden werden muss – eben durch ein Symbolon zumindest in den Bereich unterstellten Verstehens zurückgeholt wird. In diesem Sinne sind Symbole funktionierende Mystifikationen, die eine flexible, einstellbare, kontextsensitive Verbindung/Distanzierung zwischen Zeichen, Bezeichnetem und Bezeichnendem erlauben, also einen spielerischen (Kunst) oder strategischen (Religion, Politik, Wissenschaft) Umgang mit Unewissheiten und Unbestimmtheiten. Symbolisierung verdeckt die Paradoxie, dass über etwas kommuniziert wird, von dem die Kommunizierenden wenig oder nichts wissen, während genau dadurch, dass übder das Mystifizierte kommuniziert wird, kommunikative Gewissheiten entstehen und die Geweissheiten der Kommunikation, etwa Liturgien oder Logiken, die die Ungewissheiten über das Bezeichnete oder das Bezeichnende überdecken.

...

Symbole und ihre Mystifikation fingieren die Möglichkeit einer Verständigung, indem die Kommunikation über Symbole einem ursprünglich geschlossenen Kommunikationsprozess in zwei Teilprozesse aufspaltet, in denen die beiden Seiten der ursprünglichen Kommunikation – Priester/Gläubiger, Herr/Knecht, Arzt/Patient, Lehrer/Schüler etc. – nun primär mit sich selbst sprechen und die beiden Teilprozesse nur noch über Symbole strukturell gekoppelt sind. Die enstehenden doppelten Kommunikationskreisläufe sind evolutionär erfolgreich, weil sie drastisch gesteigerte Möglichkeiten bieten, mit Ungewissheit, Unsicherheit, Nichtwissen, Unzugänglichkeit, Unnereichbarkeit etc. umzugehen. (Fußnote: Symbolisierung "kommt vor allem (und historisch wie praktisch nur dann) in Betracht, wenn das, was das Bezeichnende bezeichnet, operativ unzugänglich ist. Das, worauf der Zeiger verweist, ist unnerreichbar." Niklas Luhmann in "Zeichen als Form", in: Probleme der Form, hg. v. Dirk Baecker, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1993, S.45-69)

Helmut Willke in Heterotopia, S.21f, Hervorhebung von tk.
Helmut:

Ich verstehe jetzt besser, was du meinst. "Symbol" erscheint als ein weiterer unklarer und umstrittener Begriff. Den dazugehörigen Wikipedia-Artikel finde ich ziemlich interessant. Im allgemeinen Sprachgebrauch und der Mehrheit der Verwendungen wird der Begriff "Symbol" = "Bild" + "Bedeutung" verstanden. Damit scheint es mir dem Begriff "Begriff" = "Wort" + "Bedeutung" verwandt. Worte und Symbole existieren oft als Synonyme. Der Begriff "Zeichen" scheint allgemeiner, so dass imho Worte und Symbole als Teilmengen der Zeichen betrachtet werden können. Aber auch das ist mehrdeutig, da Worte aus Buchstaben bestehen, die auch wieder als Zeichen bezeichnet werden, ohne dass jedoch ein wesentlicher Bedeutungszusammenhang besteht.

Wir sind leider in der Situation, wo zu wenig Begriffe vorhanden sind um eindeutig über all diese Aspekte sprechen zu können und wo etwa nicht klar erkennbar ist, ob etwa mit "Wort" nur seine "Buchstabenfolge" oder auch die "Wortbedeutung" mit gemeint ist, ob mit "Begriff" nur die "Bedeutungsstruktur" selbst gemeint ist oder der Gesamtzusammenhang mit dem repräsentierenden Symbol oder Wort. Das erschließt sich oft nur aus dem gedanklichen Zusammenhang. Normalerweise hat ein symbolhaftes Zeichen auch ein Wort als "Namen", etwa "Rot-Kreuz-Zeichen" oder "Vorrangschild", so dass die Symbolhaftigkeit weniger für die rationale Bedeutung als in Bezug auf die die emotionale Wirkung interessant ist.

Mit dem Text von Willke kann ich wenig anfangen. Er macht die Dinge ohne Not komplizierter statt einfacher. Die Paradoxie von der er spricht ist eine Selbstverständlichkeit. Siehe etwa auch meinen Absatz über Paradoxie in der Sprache in http://www.usemod.com/cgi-bin/mb.pl?WikiIsParadoxical:

Language is paradoxical. It is built to communicate but ends in misunderstanding. Words represent and model the reality but are misunderstood as being reality. So the words separate us from reality and from each other. Words are thought to have a certain meaning but the meaning can hardly be defined, because you quickly end in an infinite regression. So, we can neither understand our reality, our words, our language nor of course, our thinking. Still we need and make good use of language.

Gute Bücher, die mir zu dem Thema einfallen sind das klassische "The Meaning of Meaning" von C. K. Ogden und "Nach Babel" von George Steiner, die beide sehr tief in die Probleme der sprachlichen Präsentation und der Vieldeutigkeit und auch der intuitiven Verbindung und das Problem von Sprache und mythischer Realitätserwartung eingehen. Steiner setzt vor allem beim Übersetzungsproblem an und sieht eigentlich jede Kommunikation als Übersetzung zwischen verschiedenen Sprachen.

Meine Bemühungen zu dem Thema, eine Ebene über der Sprachproblematik, habe ich unter dem Begriff "joint reality" http://www.ourculture.info/wiki.cgi?JointReality niedergeschrieben.

Das Problem der Verständigung kann als Lernbewegung in drei Sprachen (der eigenen, der fremden und einer gemeinsamen) gesehen werden. Der naive Grundreflex "nimm meine Sprache" ist nur in einfachen Situationen oder bei klar bestehendem Führungsanspruch zielführend. Die Suche nach einer technischen, weltanschauungsfreien, gemeinsamen "Verständigungssprache" kann als partnerschaftlicher Ansatz zur Lösung von Verständigungsproblemen verstanden werden.

Man muss ja auch sehen, dass komplexe Begriffsbedeutungen, die womöglich in komplexe Weltanschauungen eingebettet sind, einerseits die Kommunikationsmöglichkeiten mit Menschen verringern, die nicht den selben "kulturellen" Kontext haben. Man "spricht nicht die selbe Sprache", kommt von einer Begriffschwierigkeit in die nächste, vom Hundersten in Tausendste und gibt im Normalfall auf, weil man mit den Leuten "nicht reden kann". Andererseits reduzieren solche Begriffe aber auch die eigene Beweglichkeit des Denkens, weil dieses durch die mannigfaltigen Rahmenbedingungen aus Begriffseinschränkungen und Verflechtungen behindert und in zyklische Bahnen wird. Gedanken ähnelnd dann mathematisch überbestimmten Gleichungen, die keine Lösungen zulassen.

benni:

Aufgrund genau dieser Probleme bin ich zu den Bedeutungswirbeln gekommen:

=== Wirbel und Begriff ===

Philosophie ist die Konstruktion von Begriffen (Deleuze/Guattari). Bedeutungswirbel sind das, was sich jedem Begriff entzieht. Das klingt sehr mystisch, ist jedoch im Gegenteil vollkommen irdisch. Ein Begriff ist immer ein Anhalten, ein Definieren, etwas statisches. Das funktioniert in der Mathematik und in der Philosophie. Das Leben jedoch ist immer schon einen Schritt weiter, wenn wir es endlich auf den Begriff gebracht haben.

Bedeutungswirbel bringen Begriffe in Bewegung und setzen sie in Beziehung zueinander und zur sozialen Realität, sie bewegen also auch die Gesellschaft. Begriffe alleine sind dazu nicht in der Lage.

Bedeutungswirbel funktionieren viel eher auf der Ebene von Wörtern als auf der Ebene von Begriffen. Sie beinhalten Assoziationen, Sprichworte, Redewendungen, Alltagssprache ebenso wie Emotionen und Affekte .

Helmut:

Benni, ich sehe das schon so wie du, dass die meisten Begriffe systembedingt unscharf sind. Und dass diese Paradoxie auch ständige Reibungen, Spannungen, auch produktive Unruhe erzeugen. Aus der Statik entsteht sozusagen Dynamik, die zur Weiterentwicklung der Sprache führt, aber auch Humus für künstlerische Verarbeitungen bietet, um nur wenige von vielen Effekten dieser immananenten Widersprüchlichkeit zu nennen.

Es scheint mir nur, dass der "Wirbel" des "Bedeutungswirbel" von jenen, die den Begriff verwenden (mit fallen z. B. Thomas, Mattis, sigi ein) gerne als Ziel verstanden wird, so als würde damit die Begriffsarbeit erledigt oder vielleicht sogar gekrönt werden. Und die "Bedeutung" des "Bedeutungswirbel" geht ein wenig unter.

Begriffe zu konstruieren scheint mir auch nicht nur Sache der Philosophie. In der Philosophie fällt es nur besonders auf. Jeder macht das, und sei es unbewusst im Rahmen des persönlichen konstuktivistischen Aufbaus seines Denkens. Vielleicht ist es auch das, was jeden Menschen mit der Philosophie verbindet, was den Menschen zu einem latenten Philosophen macht.

sigi:

Sigis Kritik an Helmut (sehr schönes beispiel für die entstehung einer seite)

uwe:

mein begriffsbildendes Dazutun mag für den vereinfachenden Geist unpraktisch scheinen und nicht erfolgversprechend. Dieses SeitenFüllenvon ist mir nicht sowichtig, und daß ich alles lesen würde, um die Windungen jedes Einzelnen nachzu=deichseln. Der Mensch ist (selbst) Symbol und Begreifbarkeit seiner Erinnerung. Allerdings hemmtder Wunsch, sich an etwas zu erinnern, was noch nicht erlebt ist und die Kenntnis von Begebenheiten, an die sich nicht erinnert werden möchte. Dies alles läßt sich mit Symbolen bewerkstellen, vorstellen, lautmalend nachempfinden oder aus der Tastatur eleminieren: (hier im JObcenter gibtes keine Eckige Klammern). Begriff könnte auch Merkzeichen genannt werden. Aufmerksamkeit richtet sich aber nicht nach den Merkzeichen, sondern nach der eignen aufrichtigen Suche, geeignet die Aufmerksamen in das Gesuchte hineinzufinden oder erst zu erfinden. Notfalls wird gleich eine Geschichte hinzukreiert. Ich beschäftige mich zur Zeit mit den RauTen (schwartzweisz, schackmahd dem <kö><nick>), der Kleidung, der Rolle die sich spielt. Der Haut in der sich fühlt. Und den BauTen, umgeschichtet, ab heutend hier wes´ Taten schaff´ aus einer HauTengen Welt hinein ins(tant) global Kaff.
Denn es bedarf der kleinsten Reise inder Zeit
zudem allern gültigsten Beweise weit wie breit
daß wir Meer als Fische sind im Net z so leit
Es mag den Arbeitsteilungen der Gehirnhälften und den halbschalen anzulasten sein, wie einjeder versucht seine Spiegelungen in den Nächsten hineinzuatmen und nachahmen zu lassen. DAmit der Andere derjenige ist, der das Selbst nicht sein möchte - dem DichterDran, an der aufgezwungenen Identität - aber auch wenn Kleider passen, können sie abgelegt werden.
ich verreise die nächsten wochen - beharkt Euch lieb - schraffiert raffiniert - euer aliniertes UweB

christian:

dann laube im ur so voll dahin // über land kartographiert / liegt nun vor dir / ein strömend wirbelspiel// ungreifbar nahe // nimm es hin / und finde welt darin

"Bedenke jedoch, daß Wörter öffentliches Eigentum sind."

Mit besten Wünschen für Deine Reise!

uwe:

danke! undnochne Frage: Wer weiß hier warum UweB nicht mehr anzuklicken geht? "..zum namenlosen heimgefunden, ortlose Welt - mit einem Wort; Reise mit Zelt"

sigi:

wahrscheinlich muss man das jetzt in eckige klammern setzen .

Neue Seiten im Kontext

Freitag, 29. September 2006

wieder ein Versuch der Verständigung über Wörter, Begriffe, Bedeutungen

Donnerstag, 14. September 2006

Weiterführung der Meta-Diskussion