Vom christlichen Glauben

Version 33, 195.4.35.228 am 24.9.2007 12:46

Polemik gegen den Christlichen Glauben aus dem Gegenstandpunkt

Die Sache mit der Religion

Gemäß offiziell bestätigten Gerüchten leben wir im Atomzeitalter und erfreuen uns einer wissenschaftlich-technischen Zivilisation. Das sieht man schon daran, daß es 200 Jahre nach einem Geschehen namens Aufklärung keineswegs als Schande gilt, ein Christ zu sein. Im Gegenteil - der schon recht alte Glaube genießt auf dem freien Markt der Meinungen sogar eine erklärte Sonderstellung.

Einerseits steht die im Zeichen der Dreieinigkeit daherkommende Weltanschauung unter dem besonderen Schutze des Staates. Die Pflege des Glaubens findet organisiert statt, und die Kirche hat ihren gesetzlich verbürgten Platz im System der weltlichen Macht. Über die historischen Leistungen und den heutigen Nutzen dieser Institution darf deshalb auch nach sämtlichen Gerechtigkeitsstandpunkten gestritten werden, wie eben über alles, was der Staat so anstellt. Man darf die Inquisition verachten und bedauern, daß Waffen für Kriege gesegnet wurden, die verloren gingen. Diskussionsfähig sind auch Stellungnahmen von Bischöfen in bezug auf die guten Sitten der Marktwirtschaft, und die Geldfrage ist auch in Kirchenangelegenheiten mit Zweifeln zu betrachten.

Andererseits darf man dem Glauben selbst und dem Herrn, dem er sich verschreibt, nicht zu nahe treten. Denn gläubige Menschen legen in ihrer Bekenntnis ihre gesamte Ehre. Mit dem seltsamen Hinweis darauf, daß es sich um das allerinnerste und tiefste Anliegen handle, das man in seinem Gott gewidmeten Gedanken verfolge, verlangt ein Christ, von Gotteslästerung Abstand zu nehmen. Christen lassen ihre Glaubensüberzeugung nicht schlecht machen, und wenn es dennoch vorkommt, dann sind sie beleidigt. So sehr hängt ihre Selbstachtung an der Achtung auch anderer vor dem lieben Gott. Nicht ihre Weltanschauung fühlen sie sich zu verteidigen gedrängt, sondern sich in der ganz dicken Bedeutung des Wortes Würde.

Insofern erscheint ihnen sicher auch der Abdruck eines in der MSZ 6/1980 erschienen Artikels über den christlichen Glauben als Blasphemie. Denn die Gleichbehandlung ihrer religiösen Lehre mit jedem anderen "Gedankengebäude", die Prüfung ihres Gehalts, die immer auch mit Ablehnung der gebotenen Weisheiten "droht", ist ja schon die Respektlosigkeit vor dem Höchsten.

Dennoch wird gebeten, von den in solchen Fällen der Ehrverletzung üblichen Haßtiraden Abstand zu nehmen. Wir wissen nämlich nur allzugut, warum das Gebot der Feindesliebe auch bei Christen nicht zur Ausbildung dieser höchst absurden Kunst geführt hat. Ein paar Argumente über die friedliche Koexistenz von Demut und Selbstgerechtigkeit sind im folgenden nachzulesen.

VOM CHRISTLICHEN GLAUBEN

1. Gott Vater

Wer mit einem Christen darüber Streit führt, ob es Gott auch wirklich gibt; wer gar nach Beweisen seiner Existenz verlangt und sich dann über die aufgeführten Argumente empört, dem ist nicht zu helfen. Er verwechselt nämlich Glauben mit Wissen, legt ausgerechnet an ein Bekenntnis die Maßstäbe der Erkenntnis an und feiert den höchst billigen Triumph, in jedem Hinweis auf Gott, den der Christ geltend macht, die Erneuerung des "bloßen" Bekenntnisses zu entdecken. Statt sich Klarheit darüber zu verschaffen, worin der Glaube besteht, gibt er sich mit der ziemlich einfältigen Auskunft zufrieden, daß die Anerkennung eines höchsten Wesens mit Wissen nichts zu tun hat.

Wenn ein Christ umgekehrt Gründe für die Existenz des Höchsten sucht, so findet er sie noch allemal durch die Indienstnahme seines Verstandes für seine Glaubensgewißheit. Einmal kann (=will) er sich die "natürliche Ordnung" nicht ohne ein sie ein erschaffendes und erhaltendes Subjekt vorstellen; ein anderes Mal benötigt er dasselbe Subjekt für eine plausible Vorstellung vom Anfang der Geschichte, vielleicht entdeckt er auch in seinem und seiner Nächsten Treiben keinen Sinn und Zweck, und weil es einen geben muß, kommt ihm Gott gerade recht. Ein Christ vermag solches sogar seiner eigenen Person zu entnehmen und von seinem Glauben an Gott direkt auf dessen Existenz zu schließen. Und moderne Christen bringen diesen "Schluß" auch schon ganz funktionell zuwege: Dann führen sie die Leistung ihres Glaubens - Trost, Hilfe, Orientierung, Schutz vor Verzweiflung etc. - als Argument ins Feld, melden also ganz schlicht ihr Bedürfnis nach Gott an, weil dieser es erfüllt. Damit kommen sie der Sache schon ziemlich nahe, obgleich sie sich dem Verdacht aussetzen, einen "reinen" Glauben nicht zu haben und stattdessen recht konjunkturgebunden auf die schützende Hand des Höchsten zu spekulieren.

Was Leute mit einem echten, das ganze Leben lang gepflegten Glauben mit den "schlechten Christen", denen ihr Herrgott nur gelegentlich einfällt, gemeinsam zustandebringen, ist die Mobilisierung ihrer Einbildungskraft einzig und allein zu dem Zweck, in der Vorstellung eines höchsten Schöpfers und Richters zu einem äußerst schlechten Urteil über sich selbst zu gelangen. Während Gott allmächtig und allwissend ist, ewig und allgegenwärtig den Lauf der Welt bestimmt, beschließt der Christ mit der Entscheidung, an diesen Gott zu glauben und im Verhältnis der freiwilligen Knechtschaft zu ihm zu stehen, einiges über sich. Er legt sich seine Sterblichkeit zur Last, hält sich für ebenso ohnmächtig wie unwissend und bezichtigt sich allen Ernstes, nur ein Mensch zu sein. Dieses "nur" stellt keinen tatsächlichen Defekt, auch keine Wissenslücke und schon gar nicht die wirkliche Ohnmacht eines Individuums vor den sehr handgreiflichen Mächten dieser Welt fest, sondern eine sehr absolute Verdammung der eigenen Menschennatur wird da vollzogen, die ganz allein aus dem Verhältnis zu Gott stammt. Wer bemerkt, daß er etwas nicht weiß oder kann, wird in rationeller Weise selbstkritisch und sucht die Mängel zu beheben, die ihn stören. Wer seine Mißerfolge seiner Unfähigkeit zuschreibt und sich ihrer schämt, läuft mit einem schlechten Gewissen, einem Minderwertigkeitskomplex oder Schlimmerem herum. Wer aber seine Menschennatur verdammt und deren Streben für vergeblich hält, weil er ohnehin nur als Geschöpf und Werkzeug Gottes eine Daseinsberechtigung besitzt, dem ist die Selbstbezichtigung als Sünder als ein Weg eingefallen, mit seinem schlechten Gewissen zu leben. Alles was er tut und läßt, alles was um ihn herum angestellt wird, löst sich entweder in eitel Menschenwerk auf - und des Menschen Dichten und Trachten ist nach Mose I 8,21 böse von Jugend auf - oder hat seinen Sinn in Gottes unergründlichem Ratschluß. Gewöhnlich beides.

Geht es einem Sünder gut, so betet er zu Gott und dankt ihm für die unverdiente Gnade, für den so göttlichen Lohn; geht es ihm dreckig, so weiß er dieses als gerechte Strafe für seine menschliche Nichtsnutzigkeit zu würdigen und darum zu bitten, daß trotz allem auch ihm ein kleines Stückchen vom riesigen Kuchen der göttlichen Liebe zuteil werde. In jedem Wechselfalle des Lebens deutet er das, was er mitmacht, sehr selbstsicher aus dem Verhältnis zu Gott, das er sich eingerichtet hat. Und diese Selbstsicherheit, jene Wirkung, die Christen dem Glauben so standhaft zuschreiben - Trost, Mut und Kraft statt Verzweiflung und Zorn über die irdischen Brüder, die ihm manches einbrocken - ist auch schon der Schlüssel zur Selbstgerechtigkeit, deren Gläubige fähig sind. Im Unterschied zum selbstkritischen Individuum, das nach Gründen seines Scheiterns bei sich ebenso sucht wie um sich herum; im Unterschied auch zum psychologisch mit sich verfahrenden Typen, der sich für eine Flasche hält, verfährt ein Christ sehr gründlich. Seine Selbstbezichtigung will er als allen übrigen Leuten ebenso anstehende Gesinnung verstanden wissen, und für diese Haltung geht er missionarisch hausieren. Und sooft er auf taube Ohren trifft, kann er sich der Genugtuung freuen, die Sündernatur, die allen zueigen ist, zumindest exklusiv zu bekennen. Durch seine Selbsterniedrigung weiß er sich auszuzeichnen, und aus Altem wie Neuem Testamente sind ihm die Geschichten vertraut, in denen die Gottlosen das eine oder andere Ungemach härter und viel gerechter trifft als die Kinder Gottes. Christen, amtierende wie Amateure, verfügen also als Anhänger des rechten Glaubens über das gesamte Repertoire jener niedlichen Gehässigkeiten, die vom blanken Neid bis zur Schadenfreude reichen: Sie müssen sich lediglich die Mühe machen, ihrem gläubigen Gottes- und Menschenbild entsprechende Übersetzungen anzufertigen - und schon hat Gottes Gerechtigkeit mit gutem Grund zugeschlagen.

Christen, amtierende wie Amateure, verfügen aus demselben Grunde über jenes sagenhafte Verständnis und Mitleid für alle geschundenen Kreaturen daheim und in der Ferne, also über die Gefühle, die ihnen die lästige Frage nach dem Grund von Not, Elend und Gewalt ersparen. Sie leiden selbst dann noch mit, wenn ihnen gerade einmal größere Schicksalsschläge nicht beschieden sind.

Nie würden sie sich anmaßen, "aus eigener Kraft" die sehr weltlichen, ökonomischen wie politischen Ursachen klarzustellen, wenn ihnen etwas nicht paßt. Der Glaube an ihren Herrn, der keines Beweises bedarf und auch keine Widerlegung zuläßt, ersetzt ihnen das Wissen wie den Willen, die vonnöten sind, den Machern dieser Welt auf die Finger zu hauen. Daß sie als sündige Menschen nur Ausschuß zustande bringen, als gläubige Sünder aber auf keinen Fall etwas verkehrt machen können, solange sie sich nicht die Frechheit herausnehmen, höchstpersönlich und wegen ihrer menschlichen Anliegen etwas am Weltenlauf ändern zu wollen, ist Christen eine Selbstverständlichkeit. Eher bereichern sie die anderen aufgeherrschten Opfer um ihr eigenes, als daß sie ihren grenzenlosen Opportunismus gegenüber der weltlichen Macht aufgeben, über die sie in Röm. 13,1 die passende Lektion empfangen: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit, ohne die von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." Und wenn demokratisch erzogene Christen in den Zentren des Imperialismus ihr Gewissen damit beruhigen, daß sie die "Theologie der Befreiung" aus fernen Ländern per edition suhrkamp bewundern, so ändert das gar nichts.

Mit dem Entschluß, an Gott zu glauben, hat ein Christ seinen Verstand jedoch keineswegs aufgegeben; vielmehr beschäftigt er ihn damit, seiner gläubigen Weltsicht zu dienen. Und deswegen sind all die alten und neuen aufklärerischen Versuche vergeblich, einem Christen die Widersprüche i m Glauben vorzurechnen, um die Absurdität seines Gottes- und Menschenbildes herauszustellen. Der Verstand der Gotteskinder läßt sich nicht für die Widerlegung des Herrn Zebaoth bemühen, weil er von Anfang an damit beschäftigt ist, gerade das "Unglaubliche" faßbar zu machen. Wer also daherkommt und meint, Gott hätte sich in Myriaden von Sündern nicht gerade ein feines Ebenbild auf die Erde gesetzt; die Menschen seien nie so, wie er sie haben will, so daß der höchste nie zufrieden mit ihnen ist, sie strafen und zurechtbiegen muß; die Menschen würden die gottgegebene Vernunft immer wieder für sich einsetzen statt für ein gottgefälliges Leben, ihren Geist also als Mittel der Sünde mißbrauchen etc. etc. - der rennt beim gläubigen Menschen offene Türen ein. Mit Zweifeln dieses Kalibers ist nämlich der Glaube von Anfang an befaßt, und die gläubige Phantasie hat in der heiligen Schrift die Antwort auf solche Fragen längst zur Hand. Schon im ersten Buch Moses wird die Sache mit dem "Baum der Erkenntnis", von dem der Mensch nicht essen soll, klargestellt. In Mose I. 6,6 "reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen."

Und überhaupt gehört der gläubige Umgang mit den Zweifeln zum Glauben vom ersten Tage an, da ein verständiger Mensch eben seinen Entschluß, mit Nicht- Wissen seine Lage zu deuten, rechtfertigen muß.

2. Gott Sohn: Die Offenbarung

Der Verstand eines gläubigen Menschen hat mehr zu leisten als der eines Heiden. Einerseits wird er genauso für die Abwicklung der irdischen Geschäfte benötigt wie der jedes anderen, der arbeiten muß und sich einteilen, heiraten und wählen, bisweilen auch Krieg führen darf; andererseits hat er die zusätzliche Aufgabe zu bewältigen, all die mittelprächtigen Erfahrungen des irdischen Daseins als Werk und Willen Gottes zu deuten. Und so sehr die Mühen seiner irdischen Wanderung bei einem Christen das Verlangen nach dem absoluten Geist wachhalten, bei dem er trotz allem gut aufgehoben ist, so heftig beuteln sie ihn auch mit Zweifeln an der Sicherheit seines Glaubens. Da vergeht mancher Tag, an dem einem Sünderlein statt eines Bekenntnisses die Frage einfällt, ob ihn Gott nicht vergessen habe; oder schlimmer noch: er gerät angesichts der Ungerechtigkeiten, die gerade rechtschaffenen Menschen wie ihm angetan werden, in Versuchung zu lästern. Da trifft es sich gut, daß schon die Vorfahren moderner Christen dasselbe Problem hatten und seine Lösung dazu: Gott antwortet auf die quälenden Fragen der zweifelnden Geschöpfe mit der Einlösung eines Versprechens, daß er sich offenbaren werde, wenn es an der Zeit sei. Der Glaube erfährt eine nicht zu unterschätzende Unterstützung vom zweifelnden Verstand, der die Logik von Gott, dem Herrn, dem Mensch, dem Knecht, fortspinnt, der mit der neutestamentlich mehrfach verbürgten christlichen Offenbarung alle Bedenken bezüglich der Existenz und des Wirkens Gottes zerstreut. Also hat Gott uns seinen eingeborenen Sohn gesandt...

Leben und Lehre Jesu sind zwar für die Stabilisierung der Glaubensgewißheit eine prächtige Sache, weisen aber einen nicht zu übersehenden Mangel auf: Man muß an sie glauben, an die Werke des Gottessohnes, der in Menschengestalt die christliche Entsagung und ihr Gelingen vorführt! So angenehm es für ein christliches Gemüt auch sein mag, den "abstrakten Gott" - den er sich nicht vorstellen kann und von dem er sich keine Gipsabdrücke machen darf - um eine Figur ergänzen zu können, die seiner Anschauung zugänglich ist und eine detaillierte Biographie aufweist, so unleugbar sind doch die zusätzlichen Anstrengungen, die dem Gläubigen aus der Geburt, den Teach-ins, den Wundern und der Passion Christi erwachsen. Die Evangelien sind nämlich via et ratione ausgetüftelt und bieten deswegen dem Verstand des Gläubigen auch manchen Stolperstein:

Die Evangelien als Zeugnisse der Offenbarung tun auf jeden Fall gut daran, nicht nur das zu berichten, was zu glauben ist an Taten und Leiden Christi; sie stellen in kundiger Weise, stets der Widerspenstigkeit des menschlichen Verstandes eingedenk, auch die Fehler klar, die man im Kampf zwischen Glauben und Zweifel so machen kann. Da gilt es mancher Versuchung standzuhalten, mit der kleingläubigen Beweissucht fertigzuwerden usw., kurz: die Passion Christi hat als vorgemachte Selbstaufgabe ohne die Spur jeder Berechnung geglaubt zu werden, und nur das gläubige Schaf Gottes ist in der Lage, eine korrekte Interpretation des Weltgeschehens und seiner Stellung in ihm vorzunehmen, also ein christliches Leben zu führen. Dieses spielt sich zuallererst im

3. Geist der Gemeinde

ab. Den Gläubigen und nur ihnen erscheint der Geist des Herrn. "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen...", da ist auch der Herr präsent. Das ist ausnahmsweise kein Wunder, sondern sehr (tauto-)logisch. Diejenigen, die sich unter Berufung auf die Offenbarung der Bewahrung des Glaubens annehmen, stehen für die Präsenz und die Lehre Gottes, des Vaters und des Sohnes gerade, sind also vom Heiligen Geist erfüllt. Dessen Niederkunft, das Zeichen der Vollzugsmeldung, ist zwar auch wieder an die Vorraussetzung des Glaubens geknüpft, aber wen stört das schon? Die Existenz der gläubigen Zeugen beweist den Glauben und tradiert den Beweis Gottes in der Welt und für sie. Das war von Anfang an klar, daß sich der Glaube selbst beweist und seine Anhänger feierlich erklären, daß der Menschengeist das Ganze ohnehin nicht faßt.

Und auf diesem Widerspruch sollte man auch nicht übermäßig herumhacken, denn Menschen sind es schon, die unter Aufbietung ihres Geistes ihren Gottesdienst abwickeln. Sicher, argumentiert und überzeugt durch richtige Gedanken über die Welt wird nicht in der Kirche, sondern die gläubige Einstellung wird gefeiert und besungen, weil jeder froh ist, daß er seinen Glauben hat. Aber selbst zum gemeinschaftlichen Genuß des Glaubens an die Dreifaltigkeit, zur selbstgerechten Demonstration, daß man im richtigen Verein ist, bedarf es einiger Verrenkungen geistiger Art. Christen müssen ja bei der Feier der Einsicht, daß ihre Menschennatur nicht viel wert ist, sogar aufpassen, daß ihr Bekenntnis nicht allzusehr mit dem kontrastiert, was sie außerhalb des Gottesdienstes tun, und vor allem die Sünderhaltung ohne den offensichtlichen Wunsch, sich in aller Demut auszuzeichnen, vorführen (schon Jesus hat dazu kundig Stellung genommen!). Wenn sie daran denken, dann dürfen sie sich auch kräftig im Gebet erniedrigen, in der Predigt beschimpfen und trösten lassen sowie am Gesang erbauen. In der Exekution der Sakramente laufen sie dann zu ihrer höchsten Form auf. Sie werden der Gnade Gottes teilhaftig - und müssen schon wieder höllisch aufpassen, daß sie sich nicht einbilden, sie können sich qua Teilnahem an dem Hokuspokus irgendetwas verschaffen. Wo sie sich einbilden, daß sie sich das nicht einbilden, da hebt ein fröhlich Taufen von Babies an, aber nicht von unschuldigen Kindern, denn die "Erbschaft", die sie übernommen haben, können sie nicht ausschlagen. Da wird aus dem Verhältnis der Geschlechter ein Gottesdienst, und nur so steht ein Christ zu dieser peinlichen Sache des Fleisches. In der Beichte erreichen Christen die Spitze ihrer Heuchelei, indem sie durch Reue und Buße ihre bösen Taten auf innerliche Weise ungeschehen machen, was freilich nur die Leistung Christi ist. Sonst wäre man ja auch nicht im Abendmahl der unio mystica fähig, durch die man den Geist des Herrn auf sehr natürliche Weise Einzug bei sich halten läßt.

So sind gläubige Christen das lange schöne Kirchenjahr über mit dem Repetitorium von Leben und Lehre Christi beschäftigt und reden sich an dessen Vorbild die Verachtung des Materiellen, Weltlichen und Natürlichen ein, daß einem schlecht davon werden kann. Selbstverständlich werden auch Christen die Welt, und was sie in ihr tun nicht los. Aber dazu reicht ihr Geist schon aus, daß sie von ihrem stinknormalen Leben abstrahieren, es als bloße Durchgangsstufe und Bewährung im Glauben auffassen und alles ein bißchen anders betrachten.

4. Christ und Welt

Die Distanzierung von der Kirche, die Anklage gegen ihre Werte, die lockeren Späße über Pfaffen und Nonnen - all das taugt nichts ohne die Kritik am Glauben. Christen, die sich um die Verbesserung ihrer weltlichen Glaubensbüros dann schwer engagiert bemühen, sind die einschlägigen Vorwürfe keineswegs fremd. Warum sollten sie auch die professionelle Verwaltung ihres gläubigen Opportunismus - die schließlich "Menschenwerk" ist - in jeder Hinsicht gut finden? Es kann ihnen gar nicht verborgen bleiben, daß ihre Ideale von einem gottgefälligen Miteinander, von caritativer Hilfe und friedlich-gewaltloser Politik Ideale bleiben. Insofern ist es keineswegs verwunderlich, wenn sie zur endgültigen Rettung ihres gläubigen Gewissens gelegentlich kritisch werden. Sie wollen nämlich den mit ihrer Glaubenskonstruktion erdachten Sinn, jenen ideellen Ertrag des Mitmachens unbedingt erhalten.

Leider müssen wir ihnen bezüglich dieser Seite ihres guten Willens einen Irrtum zur Last legen. Er besteht in der Annahme, daß die Organisation einer "privaten" Demutshaltung etwas anderes sein könnte als ihre Benützung. Mehr als amtlich vertretene Aufrufe zu eben der Haltung, auf die Christen ansonsten so merkwürdig viel Wert legen, kommt da nie heraus. Und der zynische Opportunismus der Kirche gegen alle möglichen Sorten weltlicher Macht ist nur die konsequente Vertretung der untertänigen Ansprüche auf ein sinnvolles Leben im Geiste Jesu. Zwischen der Politik der Kirche und dem "eigentlichen Glauben" besteht nicht der geringste Gegensatz - die amtierende Moral ist nämlich nur die Durchsetzung des Menschenbilds, zu dem sich die Gläubigen erniedrigen. Über die damit verbundenen Opfer sollten sich diejenigen nicht aufregen, die ansonsten auf kein Opfer verzichten wollen. Die Kosten der Moral brauchen den doch nicht zu erschrecken, der die Moral hat.

Also: Nach einem glaubensgemäßen Miteinander in Familie, Beruf und Staat zu streben, ist die eine Sache. Daß es sich aufgrund massenhafter Bereitschaft zur harmoniestiftenden Bescheidenheit nicht einstellt, ist eine ganz andere. Christliche Politiker tun da unser Bestes.

Die von den weltlichen Mächten geschaffenen Opfer um sein eigenes ergänzen, diese sehr praktische Caritasübung, wird auch weiterhin erlaubt und genehm sein. Ob dadurch ein Opfer - in der "Dritten Welt" oder sonstwo - verhindert wird, ist schon aufgrund der Reihenfolge des Tatablaufs äußerst zweifelhaft. Und in der Frage der Raketen, die verantwortungsbewußte Politiker aufstellen lassen, brauchen Leute garantiert keine häßlichen Töne verlauten zu lassen, die meinen "der Mensch" habe nicht das Recht zu töten und schon gleich gar nicht in so großem Ausmaß. "Der Mensch" bestellt ja gar nicht das Tötungsgerät, so daß ihm Zeit bleibt, für den Frieden zu beten.

© Verein zur Förderung des marxistischen Pressewesens e.V. München 1984


reingestellt von Roland, ZarNekla

Aktuell überarbeitet gibt es diesen Artikel im Gegenstandpunkt Ausgabe 2-05, aber nur in Papierform...


sigi:

ja, die religion - das ist schon eine rechte gretchenfrage . was ich aber nicht begreife, dass du, bei deinem unterscheidungs-vermögen, die kirche mit der lehre christi gleich setzt . würdest du denn die busch-regierung auch mit demokratie gleichsetzen (die usa berufen sich ja darauf, das mutter-land der demokratie zu sein und sehen ihre aufgabe darin, der welt die demokratie zu bringen)??? ich weiss nicht, wieweit du über die geschichte der kirche informiert bist, da ist jedenfalls nichts zu finden (das urchristentum mal ausgenommen) , was auch nur das geringste mit jesus christus zu tun hat . und niemand hat wahre christen (leute, die es gewagt haben, sich auf die worte jesu zu berufen) so verfolgt, wie die kirche .

Roland:

@ Sigi: Moment. Moment! Ich habe ja den Artikel gar nicht geschrieben, also geht es da erst mal nicht um mein Unterscheidungsvermögen. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, was "wahre Christen" sein sollen. Würde ich merken, daß es sie gibt? Hm? Woran? Und wenn schon, sobald 2 oder 3 in Seinem Namen beisammen sind, Gemeinde und damit Kirche anfängt? Und eine "Lehre"... - sagt der befemte Artikel nicht wirklich dazu genug?
Na aber sicher setze ich Bush- und andere Regierungen mit der Demokratie gleich, die sich mit ihnen krönt! Sie erfüllt damit "nur" ihren Zweck, ganz schlicht. Oder entgeht mir, daß es "wahre Demokratie" gibt, die allenthalben von der wirklichen Demokratie verfolgt wird, wie von niemandem sonst? Und so wie mir jeglicher Glaube an Irgendwas hinter der Wirklichkeit fremd ist, habe ich auch mit jeglichen Formen von Herrschaft nicht viel an der Mütze. Wie wahr und ur und gelehrt und vervolkt sie auch sein mögen.
Sicherlich beruft sich jeder Mensch auf irgendwas. Und der dufte ("Stallgeruch") Artikel beleuchtet nur etwas, worauf es die Xen tun. Und was sie damit anfangen - und da gehört Knechtung des Geistes zur ersten Wahl, find ich.

sigi:

(2006-10-07)

hi, habe deine antwort völlig übersehen (vor lauter k. schrott) .

also, so langsam gefällt mir die seite . vor allem dass einer mal im mittelpunkt steht, ohne ein troll oder ein guru zu sein (einzige erklärung: er ist beides) . aber so soll es ja eigentlich auch sein (wo zwei oder drei versammelt sind in meinem namen, da bin ich mitten unter ihnen :)) . und es ist sicher auch mit dein verdienst, inhaltlich, aber auch formal durch die strukturierung (es wäre sicher noch strukturierter, wenn du oben den teil, der nicht von dir ist (meine meinung über die dreieinigkeit findest du übrigens hier), auf eine eigene seite packst und verlinkst (sowie rückverlinkst)) .

zum thema selber: ja, wie erkennt man einen wahren christen? in der bibel steht, auf jesus bezogen: "seht, der mensch" . vielleicht ist einfach derjenige ein christ, der sich menschlich verhält . und was wahre demokratie betrifft, so denke ich, dass das einfach das konsens-prinzip ist .

wird wahre demokratie von der "wirklichen demokratie" verfolgt? ganz sicher (denn für letztere ist demokratie und staat ja vereinbar und der staat ist sicher das kälteste aller kalten ungeheuer), aber soweit wollte ich den vergleich eigentlich gar nicht treiben . doch wo wir schon mal dabei sind, man kann den spieß auch umdrehen und sich fragen, ob die lösung aller probleme nicht in einer verschmelzung von wahrem christentum und wahrer demokratie liegt (natürlich ohne den stallgeruch, eine koaltion von versagern zu sein (solche konstruktionen ziehen mir wirklich die schuhe aus)) . also, die vorbild-funktion wahrer christen mit dem konsens-prinzip wahrer demokraten zu vereinbaren.

genau um die mitte unserer zeitrechnung herum hat mal jemand gesagt: "wer immer unter euch groß werden will, soll euer diener sein, und wer immer unter euch der erste sein will, soll euer sklave sein."
heute, am ende der zeiten (um das wort "endzeit" mal zu vermeiden) haben wir tatsächlich die möglichkeit, eine struktur gemäss diesem vorbild aufzubauen, wenn auch zunächst nur in der virtuellen welt des internet, oder noch bescheidener ausgedrückt: im rahmen unseres wiki. wir müssen das große raumschiff erde vor den destruktiven kräften schützen, indem wir in unserem kleinen raumschiff wiki damit anfangen.
deshalb gibt es jetzt eine seite (sic!) auf der wir (die betroffenen) jemanden auszeichnen können, der sich in unseren augen verdienste erworben hat.


Helmut:

Ich denke, dass dieser Artikel in seiner Süffisanz verzichtbar ist. Er trägt weder zum Verständnis noch zur Verständigung bei, sondern ist nichts als eine Ansammlung von Seitenhieben, Untergriffen und Unterstellungen. Man könnte sagen, er produziert "Stallgeruch" in einer unangenehmen Form. Definiert sich die "alternative, kooperative, marxistische Szene" wesentlich aus der Selbstversicherung über das was sie nicht ist, an Hand von selbstproduzierten Zerrbildern? Traurig, wenn das so wäre.

Roland:

@ Helmut: Klar, in seiner Süffisanz ist der Artikel verzichtbar, denn xliche Selbstgefälligkeit läßt sich nun mal nicht toppen. Daß er nicht zum Verständnis beiträgt, halte ich für ein manipulativ ausgesetztes Gerücht, "wahre" Polemik eben. Daß es über erglaubte Antworten auf irrelevante Fragen keine Verständigung geben kann, unterstreicht der Artikel ja gerade.
Ich brauche solche Texte manchmal als guten Input, Resonanzboden, Demaskierungskatalysator, zum Lachen, als Impuls, Selbstversicherung usw. und nehme mal an, daß unter den Coforumies die eine oder der andere ist, derm es ähnlich genug damit geht.
Selbst wenn Du aus einer für xlich unverbildete Leute wie mich doch recht stringenten und sogar amüsanten Analyse Schwefel herausriechst oder so, ist der Schluß, daß sie eine wesentliche Definition über die Autorengemeinde abgibt, doch abwegig weit hergeholt. Da die Kirche und das Xentum (und ich sehe da keinen wesentlichen Unterschied) sich wieder anschicken, sich breitzumachen, und ich das enorm bescheuert finde bis hin zu realen Ängsten vor einer unverrückbaren Totalverblödung der Gesellschaft, besser: geistigen Totallähmung, liegt es für mich nahe, hin und wieder Gegengift unter die Leute zu bringen.
Esoterischen Möchtegerns ist ja oft genug noch ihr ganzer Kram peinlich. Xen haben da schon ein anderes Gewaltkaliber.
Bißchen Peinlichkeit verbreiten...

Helmut:

Roland, niemand will humorlos scheinen, ich auch nicht. Allerdings wundert mich, warum die Funktion und die Rolle des Humors nicht reflektiert und nicht verstanden wird. Egal. Der größte Witz und Selbsttäuschung scheint mir zu sein, wenn Menschen glauben, sie wäre rational vernunftgesteuert. Überall wird geglaubt. Der durchschnittliche Marxist ist mindestens so gläubig wie der durchschnittliche Christ. Im Grunde müssten sie sich gut verstehen, beide sind Idealisten, theoretisch den Armen und Benachteiligten verpflichtet. Der Marxismus ist auf dem sozialen Versagen des Christentums gegründed. Aber der Marxismus hat seine Ziele nicht erreichen können, und das Christentum kann seinem ewigfernen "Gründungsziel Nächstenliebe" nicht entkommen. Die idealen Ziele bleiben die gleichen. Wenn gemeint wird "Relion wäre das Heroin des Volkes", dann wäre Marxismus das Metathon, die Ersatzdroge. Der Glaube ist strukturell gleich. Da die Dreieinigkeit. Dort der dialektische Dreischritt. Nur als Beispiel. Formalität jenseits der Rationalität. Das Menschenmaterial ist das gleiche, sie können das Lager wechseln, aber weder "aus der Haut" noch "aus dem Hirn". Dort wo große Organisationen gewachsen sind, sich Macht akkumuliert hat, gibt's den gleichen Sch...s, den Missbrauch, Privilegien, Korruption. Diese Grundproblem wird verdrängt und seine möglichen Lösungen, die jenseits von Glaubensbekenntnissen liegen. Das Glaubenbekenntnis ist das einzige, was wirklich kontrolliert werden kann, und damit wird es zur entscheidenden Lächerlichkeit. Im Gegeneinander von Christen und Marxisten neutralisieren sich die Bemühungen, der Kapitalismus lacht sich ins Fäustchen. divide et impera. Solange Christen und Marxisten sich nicht solidarisch Seite an Seite stellen, wird diese Welt strukturell so ungerecht bleiben, wie sie ist. Rational wäre eine "Koalition der Versager". Aber beidseitig werden lieber die Gesichter und Feindbilder gepflegt.


Thomas:

Roland, warum ist dir dieser Text wichtig ?

Roland:

Ohje, diese typisch humorlose Betroffenheit. Ich weiß auch nicht, warum eine Analyse, die es "wagt", hinter Weihrauch und heiligen Schein zu schauen, Polemik sein soll. Es soll natürlich sein! Weil es beim Infragestellen von Glaubensdingen aus xlicher Sicht nur Polemik geben kann. Nett, wie das alles so auch ganz selbstverständlich im coforum "passiert". Schon heißt die RC-Info abwertend "Polemik". Da könnten wir doch noch paar andere Seiten-RCs hier aufmachen, die nicht ganz xlich-korrekt sind, oder?
Was soll ich Dir sagen, Thomas? Ich liebe einfach diese Reaktionen! Bißchen Niespulver und die Leute lassen bißchen was kucken, was gutes Futter für meinen Humor ist. Laß es bei der allgemeinen Frage: wie wichtig sind hier überhaupt irgendwelche Texte.
Wegen des arroganten Eindrucks (mein Gott!): ich antworte noch auf die Reaktionen von sigi und Helmut, dies hier nur mal auf die Schnelle.

Roland, ZarNekla

Und damit etwas mehr Humor rein kommt:

JESUS IM SCHNEE / JESUS ON ACID

Montagmorgen ... Ich mach das Radio an,
die Broadcastingstimme verrät mir, der Jesus war so cool.
Alle mochten Jesus. Alle wollten sie abhängen mit Jesus.
Und alles, was er tun wollte, tat er.
Er machte Wasser zu Wein. Und wenn es ihm gefallen hätte,
hätte er Gras in Marihuana oder Zucker in Kokain
oder Sumavit in Speed verwandelt.
Mann, ist das cool! Jesus war so cool.
Die Broadcastingstimme turnt the radio on.
Er ging übers Wasser und er schwamm auf dem Land.
Er war wirklich cool.
Und er erzählte diese Geschichten und die Leute hörten ihm zu.
Warst du blind oder lahm, gingst du einfach zu Jesus,
er legte dir die Hand auf und du warst geheilt.
Das ist so cool. Jesus war so cool.
Er sagte den Leuten,
sie sollten seinen Leib essen und sein Blut trinken.
Das ist irgendwie so cool. Jesus war so cool.
Er hätte besser Gitarre spielen können als Hendrix.
Er hätte die Zukunft voraussagen können.
Er hätte besser tanzen können. Er hätte besser gehen können.
Er hätte mehr Pillen schlucken können.
Und er hätte den besten Kuchen der Welt backen können.
Er hätte besser aussehen können. Er hätte besser reden können.
Er hätte lustiger sein können als jeder Komiker.
Jesus war so cool.
Er hätte besser tanzen können. Er hätte besser tanzen können.
Jesus war so cool. Cool.
Dann wurden manche Leute eifersüchtig darauf,
wie cool er war und so brachten sie ihn um.
Sie brachten ihn um und the radio on.
Aber Jesus stand auf von den Toten.
Jesus stand auf von den Toten, tanzte herum
und fuhr und fuhr und fuhr gen Himmel. (... wo hätte er auch sonst hinfahren sollen)
Ich meine, das ist nun wirklich cool.
Jesus war so cool. Jesus war so cool. Oh Jesus. Jesus.
Kein Wunder, daß es so viele Christen gibt.
Jesus war so cool. Jesus war so cool. Jesus war so cool
Jesus Jesus Jesus

(Herbst in Peking auf ihrer CD "Feuer, Wasser und Posaunen" von 1996)

Thomas:

Ich finde den Text ärgerlich, weil er den Schein für das Wesen bekämpft. Für mich ist das Wesen christlicher Lehre die Bergpredigt. Gemessen daran gibt es kaum Christen. Das hier so viele eine christliche Symbolik nutzen, ist historisch bedingt.

Der Text ist ein Kampftext, keine ernsthafte Auseinandersetzung.

Im Grunde geht es doch um Entfremdung, "nicht-Erdung" oder wie auch immer das Agieren von Menschen in abgelösten Symbolsystemen und mit gespaltenem Bewußtsein genannt werden soll.

Roland:

Ja leider kennst Du die Musik dazu nicht. Ist nicht wirklich kämpferisch. Aber sehr abgefahren! Und der ganze Ernst ist in nur einem Satz zu finden, find ich: kein Wunder, daß es so viele Christen gibt.
Es ist kein Wunder. Und es wundert mich nicht.
Und wie das Wesen scheint oder der Schein west - ist historisch und von tausenderlei Bewußtseins- und anderen Spaltungen bedingt. Aber in dieser Sache ohne jeden Wahrheitsgehalt. Außer für Dich (und dich und dich und dich...)... Also was soll das für ein "Kampf" sein? Was für eine "ernsthafte Auseinandersetzung" soll da überhaupt möglich sein?
Ich bin mal von einem Häuptling mit tagelanger Nichtachtung bestraft worden, weil ich in einer heiligen Redestabrunde unentwegt gelacht habe. Wenn ich daran denke, "muß" ich sofort wieder lachen.
Daß im RC "Polemik" Bestand hat, finde ich nach wie vor bezeichnend! Und "gegen" schon völlig absurd. Na ja, lassen wir'S. :o)

Thomas:

Mein Kommentar bezog sich nicht auf den Liedtext. Das ist wohl ein Missverständniss.

uwe:

aus der J Ch Sage: das ichB in der, der wieder da ißt... drum prüfet bevor es sich ewig an den Glauben bindet, ob sich nicht doch was besseres erfindet.

Die kollektive Illusion ist nur in Freiwilligkeit genießbar, allerdings trotzdem nicht erfolgreich. Die kollektiefe Erleuchtung ist dem mono-perspekteufel nur erreichbar, wenn alle 'mono' sind (mit den davon eingeschloßenen stereoschizzophrenen). Da es einsehbar geworden ist in diesem Wippen zwischen den Wissens-, Glaubens- und Gefühls-Konzepten (was kann wie vermieden und delegiert werden?) seine Auswahl zu treffen, bleibt die Frage der Händler, was sich am einfachsten verkaufen läßt. Und alles Andere wird es schwer haben auf dem Markt geduldet zu sein. Aber am allerschwersten haben es die Wechsler im Tempel, weil das I Ch nicht einzuwechseln ist, sondern nur die Wechsler wechselt; und zwar in 'vom Ich befreite radikale'. Diese lassen sich sehr gut zum Radieschen denken und vernaschen. Dazu sind sie vielleicht in diesem Garten. Sie roden und reden, radeln und rudeln, dank reader's digestiv fehlt nur noch das Bäuerchen.

Roland:

@ sigi:
Tachchen, ich hab lange nix mehr hier gelesen, war übern Sommer neben dem Gleis... Wahre Menschen sind also wahre Christen und umgekehrt, entnehme ich deiner frohen Raum-Bootschaft. Bleibt nur die schlichte Frage, die alles über den Haufen wirft, was "menschlich" sein sein soll!
Mit diesem völlig belanglosen Begriff "Menschlichkeit" wird alles zugedeckelt, ein Wort, vollgestopft mit x-beliebigen Meinungen wie ne Weinaxgans. (Laß uns schnell ne KonSense finden über den Inhalt! Har har!) Ist dir die Verwendung dieses Wortes, irgendwas klären zu wollen, wirklich nicht zu öde? Frag doch mal Mao, was "menschlich" ist oder Neanda Thaler oder Georg UU Busch oder deine Nachbarn oder Gyntha Jauch oder Thomas oder die UNO oder die Stasi oder dein altes Sozialkundebuch oder das Grunzgesetz oder Kollateralgeschädigte oder Adolf Schinkenhuber oder Bibel S. 104 oder Iks Beliebig. Nein, du fragst dich! (Vielleicht sogar ohne den leisesten Antrieb zur Frage, woher du's haben könntest!) Und du weißt bescheid! Du bist der erste, der den Begriff mit allmächtiger Wahrheit gefüllt hat! Glückwunsch! Aber Vorsicht: alle anderen (Nachbarn! Coforumse!) könnten anders handeln! Also feste, feste... drauf! Nur - mir ist das nichts als leeres Stroh dreschen. Verzeih! Ob wir nun Fünfen schreiben oder nicht. Ob wir nun Bomben über Bagdad ausklinken oder nicht. Opfer nun zum Zyklon-B-Duschen einladen oder nicht. Ob wir nun dummes Volk von der Straße knüppeln oder nicht. Ob wir nun Fleisch essen oder nicht. Ob wir nun Regenwälder abholzen oder nicht. Opfer sterben oder nicht. Ob wir nun scheinheilig sind oder ja. Wir alle handeln menschlich. Und sind damit wahre Xen! Und retten die Raumschiffe. Und die Unmenschen konsensen wir hinfort.
Denn auch Konsense kann man hinmanipulieren oder unterschwellig erzwingen (durch gesteuerte Fehlinfos z.B.). Es geht m.E. nicht um Herrschaftsform, sondern um Herrschaftsbegrenzung und –abschaffung. Incl. um das Zerstören von Machtmitteln, wozu offensichtlich auch Religionen gehören. Ich will weder von Waren Xen noch von KonSensen bestimmt werden. Wobei schon das erstere für Alpträume hinreichend wäre.

Roland:

@ Helmut:
"Mindestens so gläubig...", wer weiß. Marxismus, wie ich ihn verstehe, hat als Wissenschaft sehr wohl auch "Lücken in der Gewißheit", die gibt es immer, aber er kennt keinen unwiderlegbaren Glauben. Also sehr wohl Raum für Hoffnungen und Befürchtungen und für das Gewissen und Handeln des Einzelnen. Philosophisch betrachtet ist es in einer lebendigen Welt auch etwas panne, festgesteckte Ziele erreichen zu wollen. Und ich glaube (har har!), daß es im Marxismus Strömungen gibt, die sich vom Determinismus verabschiedet haben.
Es geht auch hier weniger um Glaubensfragen. Opiumfreier wird es schon, wenn es "nur" um Herrschaft und Machtmittel geht. Beim gleichen Menschenmaterial. Warum nicht! Ich weiß, daß nur Kooperieren was bewirken kann. Und habe mein Leben in den letzten Jahren diesbezüglich auch um einiges verändert. Aber ich muß dafür nicht mit meinen jeweiligen Kumpels in allen Fragen einig sein. Z. B. darüber, ob der Inhalt des GegenStandpunktartikels doch nicht halb so gaga ist wie das Leuchtfeuer, das die Synapsenknoten von religiös festverdrahteten Leuten abstrahlen.

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Samstag, 25. Januar 2003

Zar Nekla die Zweite, Freiraum für Gemeinschaft und Einzelgänger, naturnahe Aktivitäten und selbstbestimmteres Leben.
BieteLebensplatz