Arbeitskreis postautistische Ökonomie

Version 4, 80.137.77.95 am 28.12.2006 21:53
Daten
web: http://www.paecon.de/

Selbstbeschreibung

Thesen

  1. Das Menschenbild des Homo Oeconomicus ist autistisch: Die sozialen und kooperativen Wesenszüge des Menschen bestimmen ebenfalls sein Handeln.

  2. Die in der Ökonomie aufgestellten Theorien sind nicht zeit- und geschichtslos gültig.

  3. Das wirtschaftliche Handeln des Menschen ist als Teil des Kreislaufs der Natur zu begreifen.

  4. Die vorherrschende Wirtschaftswissenschaft ist nur ein Blickwinkel auf die Wirklichkeit. Andere Disziplinen nehmen andere Blickwinkel ein. Zusammen genommen können sie die Wirklichkeit besser erklären.

  5. Die Wirtschaftswissenschaften verschreiben sich der Einhaltung formaler Regeln. Die Urteilskraft in der Bewertung realer wirtschaftlicher Zusammenhänge nimmt dadurch ab. Eine Methodenvielfalt ist notwendig.

  6. Die Lösung realer gesellschaftlicher Probleme (Klimawandel, Ungerechtigkeit, Verarmung, Arbeitslosigkeit usw.) wird derzeit von den Wirtschaftswissenschaften vernachlässigt.

  7. Macht ist ein wesentlicher Faktor in der Wirtschaft. Sie sollte daher auch eine Größe in den Wirtschaftswissenschaften sein.

  8. Die methodische Orientierung der Wirtschaftswissenschaften an den Naturwissenschaften führt zu einer Vernachlässigung des kulturellen und gesellschaftlichen Kontexts.

  9. Einkommen ist nicht Lebensqualität. Wohlfahrtsanalysen greifen zu kurz. z.B. fließen politische Partizipation, Zugangsmöglichkeiten zu sozialen Einrichtungen, Bildung oder Selbstachtung nicht ein.

Forderungen

  1. Die Wirtschaftswissenschaften sollen sich ihrer Verantwortung und Grenzen bewusst sein. Hierzu ist es nötig, dass Entwicklung, Prämissen und Kontext der Wirtschaftswissenschaften thematisiert werden. Deshalb fordern wir, dass in die Lehrpläne der Wirtschaftswissenschaften Inhalte folgender Fächer verpflichtend aufgenommen werden: Wirtschaftsgeschichte, Geschichte des ökonomischen Denkens, Wirtschaftsethik und Wissenschaftstheorie.

  2. Die Vielfalt der Wirtschaftstheorien soll berücksichtigt werden. Deshalb soll nicht nur die neoklassische Lehre, sondern ein Überblick von Ökologischer über Femministische Ökonomie und Postkeynesianismus bis hin zu marxistischen und institutionell-evolutorischen Ansätzen usw. vermittelt werden.

  3. Die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften werden zu Technokraten erzogen. Deshalb muss die Herausbildung eigenständiger Positionen durch Diskussionen gefördert werden. Wir fordern, dass Vorlesungen und Seminare in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Darüber hinaus verlangen wir, dass die Studierenden Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung der Veranstaltungen haben.

  4. Der Austausch zwischen den gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen ist nicht vorhanden. Wir fordern interdisziplinäre Veranstaltungen an den sozial- und naturwissenschaftlichen Schnittstellen (Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Ethnologie, Ökologie usw.).