André Gorz

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André Gorz (1924-2007) - französischer Sozialtheoretiker, Philosoph und Autor vieler kritischer Überlegungen zum Ende der Arbeitsgesellschaft.

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Der französische Sozialtheoretiker und Philosoph André Gorz ist ein kurzweilig zu lesender Autor. Sein Denken und Schreiben zeichnet sich durch mutige, konstruktive Vorschläge aus. Ebenso wichtig wie der analytische Aspekt ist ihm die handlungsorientierte Komponente. Dabei gibt er sich nicht mit partiellen Lösungen zufrieden, was heute geradezu antiquiert wirkt. Was die Kritische Theorie an Pessimismus pflegte, pflegt Gorz an Optimismus; eines seiner Bücher heisst ganz programmatisch «Wege ins Paradies» (1984). Er war immer Medizin gegen den Zynismus, die Verbitterung und Illusionslosigkeit der Linken. Allerdings präsentierte er dabei gelegentlich etwas voreilige Rezepte (beispielsweise die «Dualwirtschaft»).

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André Gorz, verbrachte die Kriegsjahre in der Schweiz und ließ sich nach Kriegsende in Paris nieder. Arbeit mit Jean-Paul Sartre an dessen Zeitschrift Les Temps modernes, später als Redakteur bei L'Express und Le Nouvel Observateur. Seine Schriften wie Abschied vom Proletariat (1980) und Wege ins Paradies. Thesen zur Krise, Automation und Zukunft der Arbeit (1984) wurden Schlüsseltexte für ökologische Linke. Zuletzt publizierte er Arbeit zwischen Misere und Utopie (2000) und Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie (2004). Im August 2007 erschien Brief an D. - Geschichte einer Liebe, eine Hommage an seine Frau und Gefährtin Dorine, mit der er am 24. September 2007 gemeinsam in den Tod ging.

leicht geändert via streifzuege.org

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Werk

(1997) Arbeit zwischen Misere und Utopie

Wissen, Wert und Kapital - Zur Kritik der Wissensökonomie

Bücher 1. Wege ins Reich der Freiheit : André Gorz zum 65. Geburtstag / Hans Leo Krämer. - 1. Aufl. - Berlin : Rotbuch-Verl., 1989

Bücher 2. Kritik der ökonomischen Vernunft : Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft / André Gorz. - 1. Aufl. - Berlin : Rotbuch-Verl., 1989

Bücher 3. Wege ins Paradies : Thesen zur Krise, Automation und Zukunft der Arbeit / André Gorz. - 7. - 11. Tsd. - Berlin : Rotbuch-Verl, 1983

Bücher 4. Abschied vom Proletariat : jenseits des Sozialismus / André Gorz. - 2. Aufl. - Frankfurt a.M. : Europ. Verl.-Anst., 1981

Bücher 5. Beiträge zur Wachstumskrise / 2 / Ökologie und Freiheit / André Gorz. - 1980

Bücher 6. Der Verräter / André Gorz. - Frankfurt a. M. : Suhrkamp, 1980

Bücher 7. Ökologie, Ökonomie, "Grenzen des Wachstums" : eine Auseinandersetzung mit Johano Strasser und André Gorz / Rainer Eckert. - Frankfurt a.M. : Verl. Marxistische Blätter, 1978

Bücher 9. Beiträge zur Wachstumskrise / André Gorz. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 1977-

Bücher 10. Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus / André Gorz. - Unveränd. Aufl. d. Ausg. v. 1967. - Frankfurt/M. : Europ. Verl.-Anst., 1974


Interview mit Andre Gorz zu seinem neuen Buch: http://www.woz.ch/archiv/old/03/26/5950.html

«Was für ein Unterschied zu den wendigen Pariser Modephilosophen, die auch schon mal vor den Trümmern Sarajevos posieren! Gorz hat kleinere Auflagen, nachhaltigeren Einfluss - und keine Illusionen», charakterisiert Peter Glotz prägnant den ehemaligen Sartre-Schüler. - André Gorz, 1923 in Wien als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geboren, verbrachte die Kriegsjahre in der Schweiz und liess sich nach Kriegsende in Paris nieder, wo er mit Jean-Paul Sartre an dessen Zeitschrift «Les Temps modernes» arbeitete und später als Redaktor bei den Zeitschriften «LÕExpress» und «Le Nouvel Observateur». Der undogmatische Marxist Gorz trug viel zur Verbreitung der Theorien von Herbert Marcuse und Ivan Illich im frankofonen Raum bei. Seine eigenen Schriften wie «Abschied vom Proletariat» (dt. 1980) und «Wege ins Paradies - Thesen zur Krise, Automation und Zukunft der Arbeit» (dt. 1984) sollten für ökologische Linke Kultbücher werden. Gorz, der heute mit seiner Frau zurückgezogen im Burgund lebt, setzt sich in seinen Studien kontinuierlich mit der Verwandlung der Arbeit in Ware auseinander («Arbeit zwischen Misere und Utopie», dt. 2000) und kritisiert die herrschende Klassengesellschaft, die alle Materie in Ware umzuformen trachtet.

Jenseits von Arbeit, Ware und Wert

Kommentar zu Oekonux (OX3, 2004)

An der Ausrichtung und Aktivität eures Kreises begeistert mich ganz besonders, dass es keinen Unterschied gibt zwischen eurem Ziel und eurer Praxis. Die gesellschaftlichen Beziehungen, die ihr miteinander pflegt, scheinen frei zu sein von den vorherrschenden Formen von Machtwillen, Besserwisserei, Eitelkeit. Mit einigen von euch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Freude und Lust zum Geben und Annehmen ansteckend und befreiend wirken. Ihr seid die Gruppierung, der zuzugehören ich wirklich Lust hätte. Leider bin ich ein alter klapperiger Mann, der sich nur aus der Ferne für euer Unterfangen begeistern kann.

Dieses Unterfangen hat in meinen Augen folgende Bedeutung: Leute, deren Kompetenzen das Kapital absolut braucht, erbringen auf höchstem technischen Niveau den Beweis, dass die für die Produktion von Wissen adäquateste und effektivste Produktionsweise den kapitalistischen Produktionsverhältnissen in allen Punkten widerspricht. Sie zeigt die praktischen Vorteile gesellschaftlicher Verhältnisse jenseits von Arbeit, Ware und Wert; die praktisch erfahrbare Möglichkeit derartiger Verhältnisse; die unerträgliche Beschränkung, die der Verwertungszwang der Entfaltung des menschlichen Potentials aufzwingt; und schliesslich die Möglichkeit, die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse auf einem für den Kapitalismus strategisch wichtigen Gebiet zu stören und zu destabilisieren.

Die Frage stellt sich hier ganz konkret: Wie lassen sich die Prinzipien einer freien Produktionsweise praktisch auf andere oder gar sämtliche gesellschaftlichen Tätigkeitsbereiche ausdehnen? In einer Zeit grösster Krisenanfälligkeit ist die Frage von besonderer Bedeutung. Die Keime einer Antwort könnten in "argentinischen" Umständen in relativ kurzer Zeit Wurzeln schlagen.

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mehr zu gorz von heinz in contraste: http://www.contraste.org/Archiv/april-au.htm lesenswert. incl. gedicht und foto.

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Infos und Links im AKI-wiki http://wiki.aki-stuttgart.de/mediawiki/index.php/Andre_Gorz

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Sonntag, 14. Oktober 2001

Auch "Existenzgeld" und "Grundeinkommen" genannt.

Gemeint ist eine bedingungslose materielle Grundsicherung oberhalb der Armutsgrenze für jede einzelne Person. Zu DM-Zeiten Eins-Fünf plus Warmmiete.