Paulo Freire

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Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Paulo_Freire

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Paulo Freire (1921- 1997)

"Befreiende Erziehungsarbeit besteht in Aktionen der Erkenntnis, nicht in der Übermittlung von Informationen." (Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1973, S. 64)

Artikel von Peter McLaren und Noah de Lissovoy, aus dem Amerikanischen von Erika Richter aus: Tenorth H.E. Klassiker der Pädagogik, Band 2, München 2003 (gekürzt)

... In Freires Ansatz findet sich eine erweiterte Bedeutung von Erziehung und Bildungsarbeit, mit der die ganze Bandbreite der sozialen Beziehungen erfasst wird; dies ermöglicht uns, unser Verständnis von Pädagogik perspektivisch auszuweiten zu einem Projekt der Befreiung, das sich nicht nur auf die individuellen Erziehungsfälle, sondern auch auf die Gesellschaft insgesamt bezieht..

1. Leben

Paulo Freire wurde am 19.9.1921 in Recife, im Nordosten Brasiliens, in einer Mittelschichtfamilie geboren, die im Rahmen der Weltwirtschaftskrise die Probleme aller, d.h. Hunger und Niedergang, erlitt. Er studierte am Heimatort Rechtswissenschaft, schloss 1959 mit der Promotion ab und arbeitete als Rechtsanwalt, wobei er sich bereits zu dieser Zeit mit Fragen der Erwachsenenbildung beschäftigte. 1961 begann er auf Vorschlag des Bürgermeisters von Recife, sich mit dem Problem der Alphabetisierung zu beschäftigen, und entwickelte einen Ansatz, den er sukzessive auf weitere Gebiete Brasiliens – bis hin zur gesamtstaatlichen Ebene – übertrug. Nach dem rechten Militärputsch wurde er 1964 für 70 Tage ins Gefängnis gesteckt und dann gezwungen, ins Exil zu gehen. Während dieser Zeit lebte er in Chile (wo er sein wichtigstes Werk, die PÄDAGOGIK DER UNTERDRÜCKTEN, schrieb), in den USA und in der Schweiz (beim Weltkirchenrat), außerdem koordinierte er Alphabetisierungsprojekte in Tansania, Guinea-Bissao, Angola, Mosambik, Sao Tome und Principe. 1980 kehrte er nach Brasilien zurück, um dort an Universitäten zu unterrichten und später in Sao Paulo als Erziehungsminister zu arbeiten. Paulo Freire starb am 2. Mai 1997 im Alter von 75 Jahren.

2. Werk

Freires Verständnis von Erziehung und Bildung als eines wesentlich politischen Projektes, das auf die Transformation der Gesellschaft gerichtet ist, hat pädagogische und soziale Bewegungen in der ganzen Welt beeinflusst ... Seine pädagogische Konzeption geht von einer tief empfundenen Ehrfurcht und Demut vor dem armen und unterdrückten Volk aus und ist vom Respekt vor seinem "gesunden Menschenverstand" getragen, der Freires Auffassung nach ein nicht weniger wichtiges Wissen begründet als das wissenschaftliche Wissen des Professionellen. Solche Bescheidenheit verkörpert das gegenseitige Vertrauen und der Austausch zwischen dem Erzieher, der im Lehren lernt, und dem Schüler, der ebenfalls lehrt. Auf diese Weise gerät der Bildungsprozeß zu einer "Zwiesprache" zwischen den an ihr Beteiligten in einem wechselseitig anregenden Dialog und ist damit eine Alternative zum traditionell einseitigen Handeln des einen zum Wohle des anderen...Der Lehrer soll nicht neutral sein, sondern in die pädagogische Situation dergestalt eingreifen, dass er dem Schüler hilft, seine Sichtweisen von der Welt, die ihn lähmen, zu überwinden, und ihm kritisches Denken beibringt.

Gegen das "Bankiers-Konzept der Erziehung"

Freire kritisierte die vorherrschenden Erziehungsformen, weil sie den zu Erziehenden den Status von passiven Objekten zuweisen, die von den Lehrern zu bearbeiten (traktieren) sind. In dieser traditionellen Form von Erziehung ist es die Aufgabe des Lehrers, die Informationseinheiten, die Bildung konstituieren, in den Köpfen der Schüler zu deponieren, die – in völliger Verkennung des wahren Sachverhalts – als leer erachtet werden.

Freire bezeichnete dies als das "Bankiers-Konzept" der Erziehung. Ziel des Bankiers-Konzeptes ist es, die Menschen durch Konditionierung in die herrschenden Machtzusammenhänge einzupassen, damit sie akzeptieren, dass nur die Unterdrücker über das Eigentum an Sinn und historischer Gestaltungskraft verfügen... Im Bankiers-Modell von Erziehung und Bildung wird das Wissen als Gabe (analog zur Spareinlage) begriffen, die dem Schüler vom Lehrer überreicht wird. Diese falsche Generosität seitens der Unterdrücker, die offensichtlich darauf zielt, die Unterdrückten zu integrieren und zuzurichten, ist in Wirklichkeit das entscheidende Medium von Herrschaft.

Die problemsetzende Methode Freires

Gegen das Bankiers-Modell setzte Freire eine dialogische, problemsetzende Methode der Erziehung und Bildung. In diesem Modell werden Lehrer und Schüler gemeinsam die Erforscher von Wissen und Welt. Statt den Schülern zu suggerieren, ihre gesellschaftliche Lage sei durch Natur- oder Vernunftgründe vorherbestimmt, wie es das Bankiers-Modell tut, lädt Freires problemsetzende Erziehung bzw. Bildung die Unterdrückten dazu ein, ihre Wirklichkeit als ein "Problem" zu untersuchen, das zu lösen ist. Inhalt wie Gehalt dieser Erziehung/Bildung können nicht durch die Erfahrung des Erziehers im voraus bestimmt werden, sondern müssen aus der gelebten Realität des zu Erziehenden erwachsen. Es ist auch nicht die Aufgabe des Erziehers, Antworten auf die Probleme zu geben, sondern den Schülern zu helfen, eine Form des kritischen Denkens (oder der Bewusstseinsbildung) zu erreichen, die es ihnen ermöglicht, die Gesellschaft als veränderbar aufzufassen. Wenn es den Schülern möglich wird, die Welt als eine transformierbare Grenzsituation zu erfahren, statt sie zu einem unvorstellbaren und unentrinnbaren Geschick zu verdinglichen, vermögen sie es, sich eine neue und andere Wirklichkeit vorzustellen...

Dies setzt voraus, dass die Fetischisierung des Wissens als eines elitären Wissens überwunden wird zugunsten eines Wissens, zu dem Schüler wie Lehrer vermittels ihrer gemeinsame hergestellten Beziehung gemeinsam gelangen. Menschliche Beziehungen sind, mit anderen Worten, selbst schon pädagogisch gehaltvoll. Dieses produktive Verständnis von Dialog, Kommunikation und sogar (pädagogischem) Eros wird in Freires Rede von der "bewaffneten Liebe" deutlich, die mehr als ein guter Wille oder bloßes Gefühl sein will, sondern vielmehr die Bereitschaft des Lehrers enthält, in den gemeinsamen Kampf zur Überwindung des bestehenden Unterdrückungssystems einzutreten.

Die konkrete Grundlage von Freires dialogischem Erziehungs- und Bildungssystem stellt der Kulturkreis dar, in dem Schüler und pädagogischer Koordinator miteinander Leitmotive abhandeln, die im leben der Schüler von Bedeutung sind. Diese Themen, die mit Natur, Kultur, Arbeit und sozialen Beziehungen zu tun haben, werden durch das gemeinsame Forschen von Lehrern und Schülern erst entdeckt bzw. ermittelt. Sie bringen in einer offenen – anstatt der üblichen propagandistischen – Manier die grundsätzlichen Widersprüche die grundsätzlichen Widersprüche in der Welt der Schüler zum Austausch. Danach werden die Themen in kodifizierter Gestalt (üblicherweise visuelle Repräsentationen) vorgestellt und als Ausgangspunkt für den Dialog... genommen. Indem die Schüler die Repräsentationen entschlüsseln, erkennen sie sie als Situationen, in die sie selbst als Subjekte verwickelt sind...Obwohl sich dieses Kodifizierungssystem bei der Förderung der Erwachsenen-Alphabetisierung als sehr erfolgreich erwies, hat Freire immer wieder gemahnt, es nicht mechanisch anzuwenden, sondern als eine Methode der Bewusstseinsschaffung und –förderung... Der Lese- und Schreibfähigkeit kommt somit die Bedeutung einer "Selbsttransformation" zu, die eine Einstellung zur Einmischung hervorbringt. Alphabetisierungsprogramme, die Teile von Freires Methode übernehmen, aber die Politisierung – nämlich des Verständnis der Welt als einer zu transformierenden Grenzsituation – vernachlässigen, zerstören und verkehren die Alphabetisierungsbemühung. Für Freire hat echte Bildung stets eine "Praxis der Freiheit" statt eine entfremdende Einimpfung von Fertigkeiten zu sein.

Seine Bildungstheorie stellt keine einfach Methode, sondern einen gestuften Weg zu politischer Bewusstseinsbildung dar. Die Herrschaft weniger Menschen über die Mehrheit ist seiner Ansicht nach zu überwinden, damit die Humanisierung aller stattfinden kann. Autoritäre Erziehungsformen behindern die menschliche Befreiung, indem sie die Wirklichkeitsauffassung der Unterdrücker und ihre materiellen Privilegien verstärken.

Praxis – Prozess von Aktion und Reflexion

Das Mittel zu solcher Befreiung besteht in einer Praxis oder einem Prozess von Aktion und Reflexion, der die Realitäten benennt und zugleich darauf gerichtet ist, sie zu verändern...

Diese dialektische Einheit bringt seine Formulierung zum Ausdruck: "Ein wahres Wort auszusprechen bedeutet, die Welt zu verändern."

Die pädagogische Arbeit Freires stellt auch den Versuch eines großen politischen Denkers dar, sich eine realisierbare und demokratische sozialistische Revolution vorzustellen. Die Aufmerksamkeit, die wir Freires Beitrag auf pädagogischem Gebiet zukommen lassen, sollte den Anteil seines Werkes an der revolutionären antiimperialistischen Anstrengung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht verdecken...So ist die Befreiungspädagogik Freires vom ersten Augenblick an damit verbunden, innerhalb dieser Spaltung des sozialen Feldes Partei zu ergreifen, eine Wahl zu treffen, ein Bündnis einzugehen, das eigene Los mit dem der Unterdrückten zu verknüpfen...Die Unterdrückten werden nicht durch irgendwelche undefinierbaren, nebulösen, abstrakten oder ungreifbaren Verhältnisse ausgebeutet, überrollt und schließlich zerstört, sondern durch die sozialen Beziehungen, die die Menschen unter die Herrschaft des Kapitals zwingen...Freire lehnte elitäre und sektiererische Ansichten vom Sozialismus ab; er favorisierte dagegen eine Revolution "von unten", die auf der Arbeit autonomer Organisationen des Volkes basiert...

Die Originalität Freires besteht in seiner ...Kunstfertigkeit, verschiedene philosophische und politische Traditionen zu integrieren und ihren pädagogischen Bezug herauszuarbeiten. So inspirierte die Hegelsche Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft sein Bestreben, die Bildung von autoritären Formen zu befreien, so ermöglichte der Existentialismus Sartres und Bubers seine Beschreibung des von den Unterdrückten selbst initiierten Transformationsprozesses in einen Raum radikaler Intersubjektivität; so beeinflusste der historische Materialismus von Marx seine Auffassung von der Historizität gesellschaftlicher Beziehungen, so erinnert Freires Hervorhebung der Liebe als einer notwendigen Voraussetzung echter Bildung an die radikale Tradition der christlichen Theologie...Die menschliche Einbildungskraft... ist nach Freires Meinung zu einer radikalen und produktiven Vision fähig, die die Grenzen des Gegebenen überwindet...In dieser genuinen Fähigkeit besteht unsere Menschlichkeit, unser Menschsein, daher kann sie nicht die Gabe des Lehrers an den Schüler sein, sondern Lehrer-Schüler und Schüler-Lehrer müssen zusammenarbeiten, um die Phantasie anzuregen, Vorstellungen von einer neuen Gesellschaft zu erzeugen.

Kritik

Seit ihrem ersten Bekanntwerden ist Freires Bildungstheorie von verschiedenen Seiten kritisiert worden. So waren Konservative, die einem revolutionären Projekt nicht wohl gesonnen sind, schnell dabei, es als demagogisch und utopisch abzutun... Es gab Marxisten, denen die christlichen Einflüsse in seiner Arbeit nicht gefielen und die seine Konzipierung des Alltagsbewusstseins für zu idealistisch hielten...

Durch seine... Abwendung von den... Kammern des offiziellen Wissens und seine Zuwendung zum offenen Raum von Menschlichkeit, Geschichtlichkeit und Poesie... weist Freire LehrerInnen und anderen, die sich angesichts der wachsenden Inhumanität der uns einschließenden gesellschaftlichen Ordnung verweigern, den Weg. An diesen Raum zu glauben, auch wenn ständig versucht wird, ihn zu verschließen, zu verdunkeln, zu verschütten oder aus der Welt zu schaffen, bleibt die Pflicht von wahrhaft fortschrittlich orientierten LehrerInnen. Freires Werk bleibt unverzichtbar, wenn es darum geht, das Konzept einer demokratischen und befreienden Erziehung und Bildung zu entwickeln...

Kurzporträt Paulo Freire

aus einem Nachruf

Geboren am 19.9.1921 in Recife (Nordosten Brasilien) unter dem Namen Paulo Reglus Neves Freire

1928 aufgrund der Weltwirtschaftskrise, Umzug mit der Familie nach Joboatao. Als Paulo Freire 13 Jahre alt war, starb der Vater und für eine ganze Reihe von Jahren regierte der Hunger in Paulo Freires Leben. "In der Schule konnte ich das Vierer-einmaleins nicht, kannte auch nicht die Hauptstadt Englands, ich kannte aber die Geographie des Hungers..." Mit grosser Anstrengung gelang es ihm, ein Jurastudium zu absolvieren.

1944 Heirat mit Elza Maria Oliviera, einer Grundschullehrerin. Von ihr wurde er angeregt, sich intensiv mit erziehungswissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen.

1946 Arbeit als Lehrer für portugiesische Sprache in der Abteilung für Erziehung und Kultur im Sozialdienst der Industrie, später dort als Direktor für den Bundesstaat Pernambuco tätig.

1956 verliess Freire sein Amt im Sozialdienst der Industrie teils wegen Unstimmigkeiten mit der Unternehmensseite bezüglich seiner demokratischen Arbeitsmethode, teils weil ihm die Grenzen der assistenzialistischen Hilfe bewusst wurde.

1961 startete eine von Freire konzipierte Alphabetisierungskampagne in Brasilien auf nationaler Basis. Der damalige Präsident Goulart ordnete an, dass mit Freire's Methode in "20.000 Kulturzirkeln" 2 Millionen Erwachsene alphabetisiert werden sollten..

1964 Staatsstreich durch die Militärs, Freire musste 75 Tage ins Gefängnis und dann ins Exil. In der Folgezeit arbeitete er u.a. 4 Jahre in Chile (Agrarministerium, Fortbildung für landlose Baürn) und ein Jahr an der Universität in Harvard (USA) als Gastprofessor.

1971 übernahm er beim Oekumenischen Rat der Kirchen in Genf die Stelle als Berater für Bildungsfragen in den "Entwicklungsländern". In dieser Zeit war er in vielen Ländern (spez. in Sao Tomé und Principe, Mozambik, Angola, Nicaragua) tätig.

1980 nach der Demokratisierung in Brasilien die Erlaubnis zur Rückkehr aus dem Exil. Dort Mitarbeit u.a. im Rahmen der Erzdioezese Sao Paulo (Kardinal Arns), an der Kath. Universität (PUC), sowie ab 1989 als Stadtrat für Erziehungsangelegenheiten in Sao Paulo.

1991 trat Freire von diesem Posten zurück, um wieder mehr im Bereich der wissenschaftlichen und beraterischen Arbeit tätig zu sein.

1994 hatten wir Paulo Freire und seine zweite Frau, die Historikerin Ana Maria Freire in München zu Gast. Zu seinem zentralen Thema

"Die an mich oft gerichtete Frage oder Feststellung lautet:" "Paulo, Du bist ja schon ein interessanter Mensch. Auch Dein Diskurs ist schoen, aber Du sprichst nicht von unserer Wirklichkeit. Wir, in der Ersten Welt, haben nichts mit dieser Bewusstseinsbildung zu tun." Hinter solchen Feststellungen oder Fragen verbirgt sich in Wirklichkeit die Angst davor, die Dritte Welt in der Ersten Welt zu entdecken.

Es ist die Angst davor, die Verantwortung für die ungerechte Weltordnung zu übernehmen, "anzunehmen". Es ist das Schuldgefühl, Erst- Weltler zu sein. Dieses Schuldgefühl sollte abgelegt, am besten auf den Müllhaufen geworfen werden. Keine Angst vor der Freiheit zu haben, das ist notwendig. Ich spreche von Pädagogik, der Wissenschaft der Erkenntnis, von Politik etc. und ich glaube nicht, dass alle diese Bereiche, über die ich spreche, dass es diese Bereiche in der "1. Welt" nicht geben soll.

Ich spreche genau von dieser pädagogischen Beziehung zwischen den Menschen und ich glaube nicht, dass diese pädagogische Beziehung zwischen den Menschen der "1. Welt" nicht stattfindet. Das ist also die "Angst vor der Freiheit" von den "Erst-WeltlerInnen". Ich sage Euch aber auch, dass ich Angst vor der Freiheit habe. Was ich aber wirklich versuche, in meinem Leben zu praktizieren, ist: die Freiheit zu lieben und nicht Angst vor ihr zu haben."

Paulo Freire hat von über 20 Universitäten die Ehrendoktorwürde erhalten. Seine Bücher sind in 18 Sprachen weltweit übersetzt. Die wichtigsten Bücher, in denen er die Grundelemente seiner befreienden Pädagogik darlegte, waren:

Pädagogik der Unterdrückten, Reinbeck, 1973 -Manuskript 1968.

Pädagogik der Solidarität - Für eine Entwicklungshilfe im Dialog, Wuppertal, 1974

Erziehung als Praxis der Freiheit, Reinbeck 1977 (in Brasilien 1965 erschienen)

Dialog als Prinzip - Erwachsenenalphabetisierung in Guinea-Bissau, Wuppertal, 1980.

"Der Lehrer ist Politiker und Künstler - Neue Texte zur befreienden Bildungsarbeit", Reinbeck 1981

1994 erschien das Buch "Pädagogik der Hoffnung" in Englisch und Portugiesisch, eine engagierte Anwendung seiner Erziehungskonzeption auf die 90er Jahre.

Sein letztes Buch "Im Schatten des Mangobaumes" (Rio 1995) kann als Kritik am neoliberalen Wirtschaftsmodell gelesen werden. In ihm entwickelt er die Aufgaben des dialog-orientierten progressiven Pädagogen in postmodernen Zeiten.

Die Ideen Paulo Freire's wurden hier durch die 1977 gegründete Europäische Arbeitsgruppe Bewusstseinsbildung verbreitet, die sieben Mitgliedsgruppen umfasste: Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise AgSpak München, Centro di Animazione per 'l Autogestione Populare (Palermo / Italien), Friedensuniversität Namur (Belgien) Jugendakademie Walberberg (Bornheim- Koeln) Institut Oecuméniqü pour le Dévelopement des Peuples (Paris), Mouvement d' Animation de Base / International Ontmoetingscentrum (Hasselt / Belgien) und die Escüla Professionale Emigrati / Berufsschule der Emigrierten (Zürich).

Aus diesem Dachverband ist Anfang der neunziger Jahre in Deutschland und Belgien die Paulo-Freire-Gesellschaft e.V. München entstanden, die sich der Aufgabe stellt, die theoretischen Grundlagen der Freire-Pädagogik zu erforschen und die Praktiker mit den Forschern in Verbindung zu bringen. Zahllose Fachtagungen wurden in den verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt.

Vor allem in Latein- und Mittelamerika hat Paulo Freire grundlegende Veränderungen in der Erwachsenenbildung bewirkt, aber auch in Afrika bildet sein Ansatz die Grundlage der bildungspolitischen Basisarbeit. Freire selbst hat längere Zeit in den ehemaligen portugiesischen Kolonien (Angola, Mozambik, Sao Tome und Principe) gearbeitet und dort einen entscheidenden Einfluss auf das Bildungssystem ausgeübt.

Heute werden die anthropologischen und pädagogischen Prinzipien der Freire- Pädagogik in Schwarzafrika in zahllosen Bildungsorganisationen angewandt. Das letzte Heft unserer Zeitschrift für befreiende Pädagogik ist diesen Projekten gewidmet.

Für Juli dieses Jahres war Paulo Freire von der UNESCO zum Weltkongress der Erwachsenenbildung nach Hamburg eingeladen, die Paulo-Freire- Gesellschaft plante eine Tagung in Loccum und Treffen mit ihm in verschiedenen Städten. Ein Sammelband mit Berichten aus der Arbeit in unseren europäischen Situationen ist für Sommer geplant. Die Universität Oldenburg wollte ihm die Ehrendoktorwürde verleihen.

Für das Wintersemester '97 hatte ihn die Harvard-Universität zur Entwicklung einer "Pädagogik für das 21. Jahrhundert" eingeladen. info@paulo-freire-ges.de

ein weiterer Nachruf und Hintergründe wie "Kultur des Schweigens an der Universität": http://eineweltnetz.org/394.0.html

Vorstand der Paulo-Freire-Gesellschaft: Fritz Letsch (München), Prof. Dr. Manfred Peters (Namur), Heinz Schulze (München) Dr. Ilse Schimpf-Herken, Berlin (u.a.) Bank für Sozialwirtschaft München, BLZ: 700 205 00, Kto.Nr.: 88 322 03

Literatur

Freire, Paulo: Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit, Reinbek Hamburg, 1973 Freire, Paulo: Erziehung als Praxis der Freiheit, Stuttgart-Berlin, 1974 a (Kreuz-Verlag) Freire, Paulo: Pädagogik der Solidarität - für eine Entwicklungshilfe im Dialog, in: "Reihe friedenspolitische Konsequenzen", Bd. 2, hrsgg. von K. Lefringhausen, J. Rau u. H. G. Schmidt Wuppertal, 1974 b (Hammer) Freire, Paulo: Erziehung als Praxis der Freiheit, Beispiele zur Pädagogik der Unterdrückten,Reinbek bei Hamburg, 1980 (1977) (Rowohlt) Freire, Paulo: Der Lehrer ist Politiker und Künstler, Neue Texte zur befreienden Bildungsarbeit, Reinbek bei Hamburg, 1981 (Rowohlt)

Freire, Paulo; Betto Frei: Schule, die Leben heißt, Befreiungstheologie Konkret. Ein Gespräch München, 1986 (Kösel)

Bendit / Heimbuchner: Von Paulo Freire lernen, Ein neuer Ansatz für Pädagogik und Sozialarbeit, Juventa München 1977

Joachim Dabisch, Heinz Schulze (Hg.): Befreiung und Menschlichkeit. Texte zu Paulo Freire. München 1991 Mayo, Peter: Politische Bildung bei Antonio Gramsci und Paulo Freire, Perspektiven einer verändernden Praxis, Argument Sonderband Hamburg 2006

Schimpf-Herken, Ilse: Erziehung zur Befreiung. Paulo Freire und die Erwachsenenbildung in Lateinamerika Berlin, SPV, 1979 ISBN 3-88227-042-X AG SPAK Bücher München

Knauth, Schroeder (Hrsg.): Über Befreiung. Befreiungspädagogik, Befreiungsphilosophie und Befreiungstheologie im Dialog Ein Lesebuch für Einsteiger; ein Arbeitsbuch zur Reflexion über unterschiedliche befreiungsorientierte Praxen; ein Forschungsbericht. Befreiung und interkultureller Dialog

neu erschienen:

Band I: Paulo Freire, Unterdrückung und Befreiung. Herausgegeben von Peter Schreiner, Norbert Mette, Dirk Oesselmann, Dieter Kinkelbur, in Kooperation mit Armin Bernhard. Waxmann: Münster 2007. 136 Seiten, 9,90 euro (Texte aus dem Zeitraum 1970-1990).

Band II: Paulo Freire, Bildung und Hoffnung. Herausgegeben von Peter Schreiner, Norbert Mette, Dirk Oesselmann, Dieter Kinkelbur, in Kooperation mit Armin Bernhard. Waxmann: Münster 2007. 154 Seiten, 9,90 euro (Texte aus dem Zeitraum 1991-1997).

Band III: Paulo Freire, Pädagogik der Autonomie. Herausgegeben von Peter Schreiner, Norbert Mette, Dirk Oesselmann, Dieter Kinkelbur, in Kooperation mit Armin Bernhard. Waxmann: Münster 2007 (im Erscheinen), 9,90 euro.

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Freitag, 22. Februar 2008

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