Kritiknetz

Version 2, 84.130.89.60 am 17.8.2007 12:24
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Kritik kann Verschiedenes bedeuten.

Auch der Herr, der mit der Faust auf den Tisch schlägt und sich die angebliche Schlamperei seines Personals nicht mehr bieten lassen will, oder der auf die Sachzwänge des Profits verweist und "Kritik" an der 40-Stunden Woche übt, weil die achtundvierzig Stunden Woche ohne Lohnausgleich den Standort Deutschland wesentlich profitabler und konkurrenzfähiger werden ließe, hält seine Standpauke für eine berechtigte Kritik an den Verhältnissen und sein Gezeter über den "Freizeitpark hierzulande und den Egoismus der satten Deutschen, die sich angeblich nur noch um sich selbst sorgen und die abstrakte Sache dabei vergessen, für eine tiesinnige altruistische Einsicht. Sein Gezeter ist aber weder das eine noch das andere. Es ist nicht Kritik an den Verhältnissen, sondern die Identifikation mit ihnen. Es will mit Angstmache die totale Identifiktation derer, die von der Herrschaft geschlagen werden, mit eben dieser Herrschaft erzwingen und nichts bestehen lassen, das anders ist. Mag sich solch autoritäre Zurechtweiserei auch "Kritik" nennen, mit Kritik, wie sie auf dieser Seite geübt wird, hat sie gewiss nichts zu tun. Die Kritik der Freunde der kritischen Theorie zielt umgekehrt auf die Abschaffung von Herrschaftsverhältnissen, die es einigen wenigen erlauben, von oben herab Kritik an den Menschen zu Gunsten von Verhältnissen zu üben, in denen Wenige, wie vermittelt auch immer, über die vielen Anderen herrschen und sie mit ihrer "Kritik" zunichte machen können. Kritik in diesem Sinne ist eine Kritik, die den Weg zu einer besseren Praxis öffnen und die individuelle und gesellschaftliche Emanzipation voranbringen will. Deshalb kann sie auch nicht die dienstbeflissene und wohl auch darum hierzulande so beliebte "positive" oder "konstruktive Kritik" selbst unterstellter Subjekte sein, sondern nur jene negative Kritik, die den Zwang zur Selbstunterstellung und Identifikation mit der Macht und seine individuellen und gesellschaftlichen Folgen in allen Bereichen unablässig thematisiert. Es geht ihr um eine gesellschaftliche Praxis, in der die Menschen ohne Angst verschieden sein können, weil sie ihre eigenen Kräfte als gesellschaftliche erkannt und organisiert haben und sie nicht mehr in Gestalt von Kapital und Staat von sich entfremden.